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Basketball-WM der Frauen - Halbfinal-Check: Darum ist Deutschland weiter Außenseiter
Aktualisiert:
von Ole Frerksran Basketball
Basketball-WM: Gülich brennt auf Revanche gegen Frankreich
Videoclip • 03:04 Min
Erstmals in ihrer Geschichte zählen die deutschen Basketballerinnen zu den letzten vier Teams bei einer Weltmeisterschaft. Der Medaillentraum ist zum Greifen nah - einerseits. Andererseits geht das DBB-Team trotz des Heimvorteils nicht gerade als Top-Favorit in das Final Four.
Es war eine durchaus markige Ansage vom deutschen Team, sich eine Medaille als Ziel zu setzen - es handelte sich schließlich erst um die zweite WM-Teilnahme der Geschichte, der Trophäenschrank ist generell nicht gerade üppig gefüllt.
Unerheblich: So mies der Start mit dem Spanien-Spiel auch war, so immens hat sich das DBB-Team seither gesteigert. Nach dem rauschenden Viertelfinal-Erfolg gegen Belgien fehlt nun tatsächlich nicht mehr viel zur Medaille.
Frankreich vs. Deutschland am 12. September live ab 16 Uhr auf ProSieben MAXX und im Joyn-Livestream
In gewisser Weise sind dabei Parallelen erkennbar zu den Herren, die ebenfalls in Berlin 2022 ihre Ära des vorher ungeahnten Erfolgs starteten und bei der EM Bronze holten (ebenfalls mit vorheriger Ansage) - auch hier war es nicht gerade "normal", als so etwas auf einmal möglich war. Wer weiß schon, ob den Frauen nun ähnliche Zeiten bevorstehen könnten.
Zunächst einmal muss aber noch wenigstens ein Sieg her, um die jetzt schon enorm erfolgreiche Weltmeisterschaft endgültig zu veredeln. Was alles andere als leicht wird. ran macht den Favoritencheck zu den letzten vier Teams, ehe die Halbfinals am Samstagnachmittag beginnen.
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Platz 4: Spanien (3-1)
Es mag etwas auf den ersten Blick etwas seltsam wirken, die Spanierinnen hinter Deutschland zu ranken, nachdem diese das Auftaktspiel mit 30 Punkten Unterschied für sich entscheiden konnten. Der Unterschied ist aber in jedem Fall nicht (mehr) so groß wie zu diesem Zeitpunkt, denn das DBB-Team hat über die vier Spiele seither eine waschechte Transformation durchlaufen.
Und Spanien hat seinerseits einmal gewackelt, beziehungsweise schlecht ausgesehen, als gegen Mali verloren wurde. Seither wurde sich keine Blöße mehr gegeben, auch nicht gegen müde und angeschlagene Australierinnen im Viertelfinale. Die Partie zeigte aber, dass die Ibererinnen auch mal vor Probleme gestellt werden können, wenn ihre Dreier nicht fallen (4/22).
Nichtsdestotrotz spielen sie bis dato ein sehr gutes Turnier. Insbesondere die Jüngsten stechen heraus: Iyana Martin führt das Team mit 16,5 Punkten pro Spiel an, Awa Fam glänzt als zweitbeste Scorerin (11,5) mit den meisten Rebounds (6,8) und Blocks (1,3). In Echtzeit vollzieht sich ein Generationenwechsel, Martin und Fam sind jeweils erst 20 Jahre alt.
Trotz dieser Jugend sind die Spanierinnen mitnichten grün: Bei der EM 2025, wo sie im Finale mit zwei Punkten Belgien unterlagen, war Supertalent Fam auch bereits mittendrin. Mit Veteraninnen wie Megan DiLeo oder Maria Conde stehen auch weiterhin etliche Spielerinnen im Kader, die bereits Medaillen-Erfahrung vorweisen können.
In ihr Duell mit den USA gehen die Spanierinnen dennoch als klare Außenseiterinnen, gerade physisch könnte es knifflig für sie werden, mit ihnen mitzuhalten. Auch die Tendenz, manchmal etwas sorglos mit dem Ball umzugehen, könnte ihnen hier wie schon gegen Mali gefährlich werden.
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Platz 3: Deutschland (4-1)
Unter den letzten Vier bringt das DBB-Team die geringste Erfahrung auf großer Bühne mit, steht im FIBA-Ranking auf dem hintersten Platz (11), und ist überraschend so weit gekommen, während insbesondere die ersten zwei Teams jeder im Halbfinale erwartet hatte. Von allen Halbfinalisten hat Deutschland auch klar das bisher schwächste Einzelspiel gezeigt.
Dieses Spiel ist jedoch eine gefühlte Ewigkeit her, selbst wenn es in der Realität bloß eine Woche ist. Die Mannschaft ist seither gereift, hat ihre Identität und Automatismen gefunden, glaubt an sich. In jedem der vier Siege wurde sie besser, zu mehr als der Summe ihrer Einzelteile. Mit dem Viertelfinale gegen Belgien als klarem Höhepunkt.
Gegen dieses bewiesene Top-Team gab Deutschland fast von Beginn an den Ton an, verteidigte herausragend und nahm fast alle Gegnerinnen, die nicht Emma Meesseman hießen, gut aus dem Spiel. Vorne fielen endlich mehr Dreier, vor allem aber bestach wie schon zuvor das gute Passspiel, die Zusammenarbeit und die geduldige Suche nach dem richtigen Abschluss.
Deutschland hat weniger Superstars oder individuelle Scoring-Maschinen, dafür aber herausragende Tiefe. Alle Spielerinnen haben grünes Licht, sobald sie den Court betreten, kein Team im Turnier erhält mehr Punkte von der Bank. Das DBB-Team ist top beim Rebound, produziert die wenigsten Ballverluste, vermeidet Fehler, ist gut auf jeden Gegner eingestellt.
Und, nicht zu verachten: Die Euphorie in der Halle scheint angekommen zu sein. Mehr und mehr haben sich die Leistungen auf hohem Niveau verselbstständigt, sodass die Dominanz gegen Belgien sich am Ende gar nicht mal so überraschend anfühlte. Dass dabei sechs Spielerinnen zweistellig scorten, passte gut ins Bild dieses starken Kollektivs.
Olaf Lange hat davon gesprochen, dass das Vertrauen ineinander dazu führt, dass die Mannschaft bisweilen besser spielen könne, als sie es eigentlich ist - gegen Belgien hat sie dem Bundestrainer Recht gegeben. Mindestens einen weiteren Auftritt dieser Art wird es noch brauchen.
Platz 2: USA (4-0)
Es wirkt fast blasphemisch, die Amerikanerinnen nicht auf Platz eins zu setzen, mit ihrer Siegesserie von sage und schreibe 70 Spielen in Folge bei großen Turnieren und vier WM-Titeln in Folge. Sie bleiben der haushohe Favorit bei den Buchmachern, haben die meisten Top-Spielerinnen im Kader, auch nach den Absagen von Superstars wie A'Ja Wilson.
Das konstant beste Team im Turnier waren sie bisher jedoch nicht. Gegen Italien wurde einmal richtig gewackelt, am Ende war sogar Glück im Spiel, als ein Foul in den Schlusssekunden nicht geahndet wurde. Die anderen Siege waren allesamt deutlich, ihre spielerische Klasse blitzte trotzdem nicht konstant in jeder dieser Partien durch.
Nicht alle Automatismen sitzen. Die Spielerinnen haben in der Konstellation noch nicht viel zusammengespielt, die Chemie ist eine "Work in Progress" und Caitlin Clark sucht noch nach der Konstanz beim Wurf (nur 32,3 Prozent FGs), wenngleich ihr Playmaking die Halle zwischendurch verzaubert. Nicht nur gegen Italien wirkte das Team zeitweise jedoch etwas fahrig.
Gleichzeitig ist das logischerweise Meckern auf hohem Niveau - und die Reaktion seit Italien war genau richtig. 39 Punkte Unterschied waren es im letzten Gruppenspiel, 52 (!) sogar gegen zuvor durchaus gut aufgelegte Ungarinnen. Die 108 erzielten Punkte in dieser Partie waren die meisten jemals in einem WM-Viertelfinale.
Die Bestform der USA bleibt wohl nach wie vor über der Bestform irgendeines Teams im Klassement einzuordnen. Sie müssen aber noch zeigen, dass sie diese von jetzt an auch konstant abrufen können.
Platz 1: Frankreich (4-0)
Für die Französinnen war das bisher kein Problem. Ihr knappster Sieg im Turnier war ein 26-Punkte-Blowout gegen Südkorea, im Viertelfinale stellte China (+29) auch keine Herausforderung dar. Der Vize-Olympiasieger hat sich bisher in keiner Partie irgendwelche Blöße gegeben.
Anders als bei den USA wirkte es bei den Französinnen auch zu keinem Zeitpunkt so, als müssten sie ihre Identität erst finden. Gabby Williams (17,5 Punkte) und Marine Johannes (16,5) geben offensiv den Ton an und treffen beide rund die Hälfte ihrer Dreier im Turnier.
Überhaupt: Als Team treffen die Französinnen 45,7 Prozent von draußen. Ein unglaublich guter Wert, zumal sie auch noch mit Abstand die meisten Triples aller Teams versuchen. Es liegt nicht zuletzt daran, dass sie bisher die produktivste Offense im Turnier haben und fast 100 Zähler pro Partie markieren.
Gleichzeitig wirken sie nicht zu abhängig von ihrer Perimeter-Firepower. Ihre offensiven Quoten wirken allgemein wie aus einem Videospiel. Inwieweit das mit der zum Teil wirklich überforderten Konkurrenz zusammenhing, bleibt abzuwarten. Auf eine so gute Defensive wie die der Deutschen sind sie bisher in jedem Fall noch nicht getroffen.
Für beide Teams ist schon das Erreichen des Halbfinals ein historischer Erfolg, auch Frankreich hat dies bei einer WM seit 1953 nicht mehr erreicht. Der Anspruch von "Les Bleus§ ist trotzdem natürlich ein anderer: Bei Olympia 2024 fehlte im Finale ein Korb, um die Hegemonie der USA zu beenden. Damals war aber auch Superstar Wilson dabei und wurde Turnier-MVP.
Jetzt könnte die Zeit reif sein - wenn es denn zu diesem Matchup kommen sollte.
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