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Alexander Zverev nach Alcaraz-Hammer bei den US Open: So eine Chance bekommt er nie wieder - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Gianluca Fraccalvieri

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Videoclip • 01:06 Min


Bei den US Open lief scheinbar alles auf das Traumfinale zwischen Alexander Zverev und Carlos Alcaraz hinaus – seit dieser Nacht haben sich die Vorzeichen für das restliche Turnier aber komplett verändert und eröffnen dem Deutschen auf einmal eine einmalige Chance. Ein Kommentar.

Es ist schon immer wieder interessant, wie schnell sich Narrative im Tennis verändern. Ohne den verletzten Jannik Sinner war das Feld vor Turnierbeginn ziemlich offen. Spätestens seit dem frühen Ausscheiden von Felix Auger-Aliassime, Novak Djokovic, Flavio Cobolli, Alex de Minaur, Daniil Medvedev und Taylor Fritz gab es aber eigentlich nur ein Thema: das potenzielle Finale zwischen Zverev und Alcaraz.

Und es lief bisher ja auch alles wie von den Turnierplanern skizziert: Die beiden Superstars fegen durch ihren Turnierbaum, räumen die niedriger gesetzten Spieler ohne Probleme aus dem Weg und treffen dann am 13. September in einem epischen Finale aufeinander.

Allerdings haben dabei alle den Plan ohne den US-Amerikaner und BMW-Open-Sieger Ben Shelton gemacht. Von den heimischen Fans frenetisch angepeitscht, spielte der 23-Jährige das vielleicht beste Spiel seines Lebens, ließ sich vom 1:6 im vierten Satz und den gefürchteten Comeback-Qualitäten des Spaniers nicht beirren und machte das Match nach 4:28 Stunden schließlich im Tiebreak zu.

Anschließend jubelte gefühlt ganz New York, während Alexander Zverev irgendwo vor dem TV-Bildschirm viele Gedanken durch den Kopf geschossen sein werden.

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US Open 2026: Alexander Zverev ist zum Topfavoriten geworden

Schließlich war er auf einmal in einer Situation, die er so sicherlich nicht hat kommen sehen. Als Sieger der vergangenen beiden Ausgaben war Alcaraz der designierte Topfavorit, in dessen Schatten Zverev sich in der Underdog-Rolle "ausruhen" konnte.

Mit dem Sieg in Paris hat der Deutsche in diesem Jahr bereits seinen Grand-Slam-Fluch gebrochen, wodurch er nun vermeintlich entspannt aufspielen kann. Durch das Ausscheiden von immer mehr Mitfavoriten hat sich diese "entspannte" Situation jedoch immer mehr in Richtung Drucksituation verwandelt.

Als Nummer zwei der Welt gehört der 29-Jährige natürlich immer zu den Favoriten auf den Turniersieg, nach heute Nacht hat er aber auf einmal richtig viel zu verlieren. Er ist vom Jäger zum Gejagten geworden.

Im Viertelfinale wartet schließlich mit Botic van de Zandschulp die Nummer 70 der Welt, in einem möglichen Halbfinale wären dann der Sieger des Duells Alexander Blockx (Nr. 34) gegen Karen Khachanov (Nr. 50) auf dem Papier ebenfalls klar unterlegen.

Frühstens im Finale würde dann mit Shelton oder seinem Landsmann Frances Tiafoe der erste Top-15-Gegner des Turniers warten, zittern muss Zverev aber auch vor den US-Boys nicht. Gegen Shelton hat er eine makellose Bilanz (5:0) und bisher nur einen einzigen Satz abgegeben, gegen Tiafoe steht eine Niederlage neun Siegen gegenüber.

Alexander Zverev will ins Halbfinale

Bild: AFP/GETTY IMAGES/SID/JULIAN FINNEY


Alexander Zverev: Die Formkurve zeigt nach oben

Wie eh und je hängt aber viel von der aktuellen Form und dem Selbstvertrauen aus den vorherigen Runden ab. Zverev startete mühsam ins Turnier und musste in Runde eins über fünf Sätze gehen. Auch Runde 2 war ein ähnlicher Kraftakt, sodass er nach den ersten beiden Partien schon fast zehn Stunden Spielzeit auf dem Buckel hatte.

In der dritten Runde brauchte es dann offenbar einen wütend an die Wand geworfenen Schläger, um den Deutschen aufzuwecken. Er nahm den Chilenen Alejandro Tabilo mühelos aus dem Turnier und spielte im Achtelfinale gegen den Italiener Luciano Darderi endlich das Tennis, das man von ihm kennt: kampflustig, aufschlagsstark und konsequent.

Dieser Beweis seiner Leistungsfähigkeit schien auch einen mentalen Knoten zu lösen. Im Anschluss an den schnellen Sieg hörte man ihn gefühlt erstmals bei diesem Turnier scherzen. "Ich weiß nicht, was ich machen soll – es ist noch vor Mitternacht. Vielleicht gehe ich noch in eine Bar oder zurück auf den Trainingsplatz", witzelte er.

Diese Lockerheit sollte er sich auch für die folgenden Runden beibehalten und nicht verkrampfen, wie man es in der Vergangenheit schon öfters von ihm gesehen hat. Wenn ihm das gelingt, hat er die große Möglichkeit, der dritte Deutsche nach Steffi Graf und Boris Becker mit mehreren Grand-Slam-Titeln in einem Jahr zu werden. Eine bessere Chance dafür wird er kaum wieder bekommen.

Auch interessant: Furioses Comeback! Erster Halbfinalist in New York fix

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