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Michael Olise: Warum der FC Bayern München vor einer Ausstiegsklausel nicht zurückschrecken muss - Kommentar

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

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Videoclip • 01:55 Min


Der Vertragspoker rund um Michael Olise sorgt immer wieder für Unruhe rund um den FC Bayern München. Jetzt soll eine Ausstiegsklausel Teil der Forderungen sein – sollte der FCB darüber nachdenken? Ein analysierender Kommentar.

Die Büchse der Pandora hat der FC Bayern München bereits vor einiger Zeit geöffnet. Harry Kane hat sie. Jamal Musiala hat sie. Dayot Upamecano soll sie wohl auch haben.

Zumindest wenn man den entsprechenden Medienberichten Glauben schenken darf. Die Rede ist von einer Ausstiegsklausel.

Noch vor nicht allzu langer Zeit war das beim Rekordmeister undenkbar. Im Sommer 2020 stichelte Uli Hoeneß gegen Borussia Dortmund. "Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein?", fragte er damals in einem "FAZ"-Interview.

Es sei "unklug", junge Spieler zu sichten, um sie kurz darauf wieder abzugeben. Ausstiegsklauseln haben mindestens hierzulande einen schlechten Ruf. Sie gelten häufig als Zeichen der fehlenden Loyalität, als Unsicherheitsfaktor und als Ausdruck fehlenden Respekts.

Nun soll Michael Olise angeblich der nächste Topspieler beim FC Bayern sein, der eine fordert. Und für den Rekordmeister sollte das unter gewissen Umständen auch kein Problem darstellen. Denn diese Klauseln haben einen schlechteren Ruf, als sie verdienen.

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Ausstiegsklauseln sind kein Unsicherheitsfaktor

Denn sie sind alles andere als ein Unsicherheitsfaktor. Sicherlich spielt dabei eine Rolle, wie sie vertraglich strukturiert sind. Aber da gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Deadlines, gestaffelte Preise, Höhe der festgelegten Ablösesumme, Verfall der Klausel ab einem gewissen Datum oder andersherum der Start der Klausel zu einem späteren Zeitpunkt und vieles mehr.

Ausstiegsklauseln schaffen sogar Klarheit. Wenn ein Verein anklopft und für Olise 120 Millionen Euro bietet, könnten die Münchner in einem fiktiven Szenario auf die Klausel verweisen und sagen: Das können wir direkt abkürzen, der Spieler hat eine Klausel, die bei 200 Millionen Euro liegt.

Klarheit für den Verein, Klarheit für den Spieler, der mit seinem Management exakt dieses Vertragsdetail akzeptiert und mitverhandelt hat. Das Konfliktpotenzial ist zumindest geringer als ohne diese Klausel. Denn dann würde womöglich die Agentur des Franzosen bei Sportvorstand Max Eberl anklopfen und fragen, warum man so ein hervorragendes Angebot abgelehnt hat.

Der FC Bayern kann auch mit Ausstiegsklausel Kontrolle bei Olise haben

Doch es gibt noch weitere Argumente für die vermeintlich böse Klausel. Denn sie bietet einen klaren Zeitrahmen. Angenommen die Bayern vereinbaren mit der Olise-Seite, dass eine etwaige Klausel erst ab 2029 gezogen werden könnte und auch dann nur jede Saison bis spätestens 31. März, dann würde das enorm viel Planungssicherheit bedeuten.

Denn die Bayern hätten dann noch mindestens bis zum alten Vertragsende die Sicherheit, Olise nicht ersetzen zu müssen. Und ab dort gibt es sehr klare Spielregeln. Keine langwierigen Verhandlungen, keine spontanen Sachen, die den Klub in die Not bringen, schnellen Ersatz verpflichten zu müssen. Summe X bis zum 31. März – sonst gibt es keinen Deal.

Die sportliche Leitung kann dann mehrere Monate lang nach entsprechendem Ersatz suchen und bekommt einen erheblichen finanziellen Schub. Schiebt man den Besitzgedanken und die Verlustängste mal beiseite, dann sind solche Konstruktionen zeitsparend und sinnvoll – wenn gut verhandelt wurde.

Verträge als gute Verhandlungsbasis

Auch in anderen Szenarien können Ausstiegsklauseln hilfreich sein. Will der FC Bayern einen Spieler vielleicht sogar verkaufen, gibt es eine klare Orientierung, die bei den Verhandlungen hilft. Hat ein Spieler eine Ausstiegsklausel von 50 Millionen Euro, dann wurde sein Wert zum Zeitpunkt der Verhandlungen bereits festgelegt.

So geschieht das auch regelmäßig bei Leihen. Dort hat sich der FCB zuletzt angewöhnt, Kaufoptionen zu verankern. Ganz prominent ist dabei das Beispiel von Mathys Tel. 35 Millionen Euro hat Tottenham Hotspur damals bezahlt und es gab noch fünf Millionen Euro an möglichen Bonuszahlungen.

War das wirklich eine angemessene Summe für ein Talent, das auf dem höchsten Niveau nicht nachweisen konnte, ausreichend gut zu sein? Bayern profitierte von einer verhandelten Kaufoption, die bei 50 Millionen Euro lag. Für die Spurs müssen die 35 Millionen Euro daher wie ein Schnäppchen gewirkt haben. Sein Marktwert wurde zum Zeitpunkt der Verhandlungen vom Portal "transfermarkt" auf rund 30 Millionen Euro geschätzt.

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Die Alternative ist wenig verlockend

Natürlich gibt es auch vermeintliche Negativbeispiele für Ausstiegsklauseln. Der bereits angesprochene BVB verlor dadurch den einen oder anderen namhaften Spieler durchaus etwas kurzfristig und überraschend.

Klar ist auch: Gibt es zu viele leicht zu erreichende Ausstiegsklauseln, ist das ein Risiko für die Kaderplanung. Zu große Umbrüche möchte man als Topklub vermeiden. Aber genau deshalb ist es eine Frage der Verhandlung. Wann immer möglich, ist ein Vertrag ohne Ausstiegsklausel sicher das Szenario, das jeder Verein bevorzugen würde.

Aber was, wenn der Spieler sonst nicht verlängert? Um beim Beispiel Olise zu bleiben: Dann sitzt er seinen Vertrag bis 2028 eben aus. Und dann werden Vereine anklopfen, argumentieren, dass er nur noch ein Jahr Vertrag hat. Bayern hätte dann den Druck, ihn entweder für eine zu geringe Ablöse zu verlieren oder ihn ablösefrei im Jahr darauf gehen zu lassen.

Ausstiegsklauseln, selbst wenn sie wie bei Musiala gestaffelt ausverhandelt sind, also mit jedem Jahr etwas geringer werden, bieten einen klaren Rahmen, in dem sich alle bewegen. Die Bayern haben also die Möglichkeit, sich jetzt bereits in Ruhe und ohne Panik Gedanken zu machen, wie viel Geld sie in einem etwaigen Szenario haben wollen.

Wären Kane und Musiala ohne Klausel nicht mehr bei Bayern?

Insofern bieten diese Klauseln mehr Kontrolle, als gemeinhin behauptet wird. Zumal die Alternative doch auch keine sein kann: Nämlich im Ernstfall aus vermeintlicher Konsequenz nicht mit dem Spieler zu verlängern. Musiala, Kane und Upamecano würden dann nicht mehr in München spielen – einige andere vielleicht auch nicht.

Zumal eine solche Klausel nicht bedeutet, dass sie auch gezogen wird. Und ein Anklopfen eines Vereins ebenfalls noch nicht den sicheren Wechsel bedeutet. Es liegt an den Bayern, die Spieler Jahr für Jahr von sich zu überzeugen und ihnen keine Wechselgründe anzubieten. Kane hat von seiner bislang nicht Gebrauch gemacht.

Auch wenn der Ruf von Ausstiegsklauseln also sehr schlecht ist, so sollte das kein Grund für den FC Bayern sein, in eine blockierende Haltung zu gehen. Eine Verlängerung mit Olise ist mit gut verhandelter Ausstiegsklausel immer noch deutlich besser als ein relativ schneller Verlust zu wahrscheinlich nicht ausreichender Ablösesumme.

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