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Tennis

Alexander Zverev gewinnt US Open 2026: Vergleiche mit Boris Becker sind unfair und unangebracht - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Andreas Reiners

ran Mehr Sport

US Open: Alexander Zverev realisiert Titel-Gewinn nicht - der Matchball

Videoclip • 01:01 Min


Immer wieder wird Alexander Zverev mit Boris Becker verglichen. Das ist menschlich, aber trotzdem unangebracht. Ein Kommentar.

Vergleiche sind menschlich und legitim, denn so kann man Leistungen bewerten. Bei Alexander Zverev ist es dadurch möglich, seine beiden Grand-Slam-Titel sowohl sportlich als auch historisch einzuordnen.

Natürlich kommen sie, die Vergleiche. In diesem Jahr noch häufiger als sonst. Denn das Erbe war lange unerreicht. Inzwischen ist es immer mehr in Reichweite.

Schließlich hat es in Deutschland vor ihm nur Boris Becker geschafft, zwei Majors in einem Jahr zu gewinnen.

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Alexander Zverev: Sportlich lange in Beckers Schatten

Boris Becker und Alexander Zverev - solange der Hamburger seinem ersten Grand-Slam-Titel vergeblich hinterherhechelte, blieben Querverweise zu Becker trotz des Olympiasiegs 2021 eher rar. Zverevs sonstige Erfolge standen deutlich im Schatten der Legende.

Im Laufe des erfolgreichsten Jahres in seiner Karriere mit den Triumphen in Paris und bei den US Open werden die Vergleiche nun aber immer öfter herausgeholt. Denn klar: Becker ist die Lichtgestalt des deutschen Tennis, und damit auch immer irgendwo der Maßstab. Ohne Grand-Slam-Titel fehlten bei Zverev aber die Argumente.

Denn der Hamburger ist auf Beckers Spuren, knackt Bestmarken oder Meilensteine des 58-Jährigen. 25 Siege bei Grand Slams feierte Zverev in diesem Jahr, Becker schaffte 1989 insgesamt 22. Drei Grand-Slam-Finals in Serie hatte vor Zverev auch noch kein Deutscher geschafft.

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Alexander Zverev: Wie einst Becker bald an der Spitze?

Bei den Majors steht es zwar noch 2:6 im direkten Vergleich, doch möglicherweise schafft Zverev wie einst Becker bald auch den Sprung auf Platz eins der Weltrangliste. In dieser Form und mit 29 Jahren hat Zverev so oder so die Chance, weitere Ausrufezeichen zu setzen und Erfolge einzufahren.

Doch dann hört es auch langsam auf mit den Vergleichen.

Denn parallel zu den sportlichen Erfolgen kommen auch Querverweise zum Standing bei den Fans, zum Einfluss auf das deutsche Tennis, zu Einschaltquoten, Charakter oder Verhalten.

Alles verständlich, aber im Grunde auch unangebracht, unfair und wenig zielführend.

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Alexander Zverev vs. Boris Becker: Es waren andere Zeiten

Ja, Becker war der Held einer ganzen Nation, hat das deutsche Tennis wachgeküsst, zum Massenphänomen gemacht und Millionen vor den Fernseher gelockt. Becker-Spiele waren nationale Festspiele, waren gesellschaftliche Ereignisse. Doch diese Zeit lässt sich nicht zurückholen, und Zverev darf daran nicht gemessen werden.

Tennis muss nicht mehr wiederbelebt werden. Die Sportart hat es sich irgendwo in der breiten zweiten Reihe hinter König Fußball gemütlich gemacht.

Zverev kann mit seinen Erfolgen immer wieder für Ausschläge nach oben sorgen und große Matches zurück ins TV bringen. Dass daraus noch einmal ein nachhaltiges gesellschaftliches Phänomen wie zu Beckers Zeiten entsteht, ist dagegen kaum zu erwarten.

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Die beiden arbeiteten schon häufiger zusammen - hier beim Davis Cup

Bild: Eibner


Zverev: Keine bedingungslose Fan-Liebe

Zverev selbst hat sich auch verändert. Dass er mit dem deutschen Publikum lange fremdelte, kann man ihm weiterhin vorhalten. Inzwischen wirkt er jedoch deutlich lockerer und zugänglicher, bisweilen auch selbstironisch und witzig.

Es ist eine Persönlichkeitsentwicklung, die ein wichtiger Faktor für seine Erfolge ist. Die bedingungslose Liebe, die Becker bis heute von vielen Menschen entgegenschlägt, wird Zverev trotzdem womöglich nie erfahren.

Er braucht sie aber auch nicht.

Anerkennung und Zuneigung hat er sich längst erarbeitet, der sportliche Respekt ist ohnehin gewaltig. Hinzu kommt die Art, wie er seine Karriere trotz seiner Diabetes-Erkrankung auf höchstem Niveau bestreitet.

Keine Frage: Zverev ist damit auch ein Vorbild - weit über den Tennis-Nachwuchs hinaus.

Er muss dafür nicht der nächste Boris Becker werden. Becker ist eine Referenz für Zverev, aber keine Blaupause, denn Zverev schreibt längst seine eigene Geschichte. Und am Ende wird daraus sein eigenes Erbe entstehen.

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