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Darts-EM: Martin Schindler im Interview: Der Dartssport ist "sehr, sehr groß geworden"

Veröffentlicht:

von ran.de

ran Mehr Sport

Deutsche Darts-Hoffnung: Martin Schindler verrät seine Rituale

Videoclip • 09:33 Min


Martin Schindler ist bei der Darts-EM in der Dortmunder Westfalenhalle sensationell bis ins Finale gekommen. Vor dem Turnier gab er ran ein Interview.

Martin Schindler hat deutsche Sportgeschichte geschrieben und ist als erster Deutscher in ein Major-Finale im Darts eingezogen.

Bei der European Championship in Dortmund konnte er sich vor heimischem Publikum sensationell gegen Größen wie Jonny Clayton und Krzysztof Ratajski durchsetzen.

Vor dem Turnier sprach der 30-Jährige bei ran über die besondere Atmosphäre, vor den deutschen Darts-Fans zu spielen, und wie er auf sein bisheriges Darts-Jahr zurückblickt.

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Schindler denkt noch nicht an Darts-WM im Dezember

ran: Wir haben jetzt Ende Oktober. Es stehen noch zwei Majors an, plus die Weltmeisterschaft. Wie fällt Ihr Jahresfazit aus und was haben Sie sich für den Rest des Jahres vorgenommen?

Schindler: "Es ist auf jeden Fall wieder ein sehr, sehr lehrreiches Jahr für mich gewesen. Ich kann insgesamt nicht zufrieden sein mit dem, was ich auch gerade an Ergebnissen gebracht habe. Spielerisch war auch einiges an Luft nach oben. Aber ich muss mich da aktuell einfach ein bisschen durchkämpfen, und mach das, glaube ich, soweit ganz gut. Ich brauch wieder ein bisschen mehr Lockerheit, vielleicht ein bisschen mehr Selbstverständlichkeit in meinem Spiel. Wenn ich das hinbekomme, sieht es hoffentlich ganz gut aus. Ansonsten, gerade im Hinblick auf die Majors, würde ich natürlich sehr gerne meine Spiele gewinnen, gerne einen tiefen Run in einem Major haben. Das hatte ich ja bisher nur indirekt. Aber mal so wirklich bis in ein Halbfinale oder Finale bei einem Major vorzustoßen, das wäre schon ganz, ganz cool. Aber in erster Linie geht es für mich um mein Spiel, dass sich das gut entwickelt."

ran: Im Blick auf die Order of Merit ist dann natürlich die WM am Ende auch ganz wichtig. Da müssen Sie dieses Jahr theoretisch gar nicht so viel Geld verteidigen. Haben Sie dadurch vielleicht ein Ziel dafür gesetzt oder bereits ausgerechnet, was drin ist?

Schindler: "Darüber hab ich mir jetzt noch gar keine Gedanken gemacht. Wie gesagt, wir sind ja gerade natürlich in Dortmund. Das ist gerade das, was für mich zählt. Im Hinblick auf die WM will ich mich gut darauf vorbereiten. Ich möchte wirklich mit einer Menge Selbstvertrauen auftreten. Ich möchte das auch dementsprechend empfinden und auch spüren, dass ich so ein gutes Gefühl in meinen Fingern hab, dass ich denke, heute knallt es. Das ist es, was zählt. Ergebnisse, die kann man immer nur so halb beeinflussen, weil der Gegner natürlich auch mitspielt. Aber ich versuch mein Bestes, konzentrier mich weitestgehend auf mich und hoffe auf das Beste."

Schindler: "Corona-Zeit als Dart-Boom"

ran: Sie haben schon angesprochen, wie besonders es hier in Dortmund ist. Das ist natürlich dann auch eins von zwei Majors im Jahr, die in Deutschland stattfinden. Was macht diese Turniere so besonders und was macht sie aus?

Schindler: "Ich glaube, gerade hier in Dortmund, ist es krass zu sehen, was Darts mittlerweile für eine Resonanz hat. Ich kenne jemanden vom Tickethändler sehr gut, er ist ein Freund von mir. Er hat mir erzählt, so 45.000 Tickets könnte man hier verkaufen für diese vier Tage. Man hat natürlich auch einen Donnerstag, der ein schwieriger Tag ist. Trotzdem sind über 35.000 Tickets weggegangen und ich glaube, das zeigt, was Darts für einen Zuspruch hier in diesem Land hat. Die Westfalenhalle ist eine sehr historische und schöne große Halle. Ich freue mich wieder, hier heute Abend zu spielen. Das war bisher immer toll und jetzt heißt es dann, die Darts sprechen zu lassen."

ran: Sie haben die Entwicklung von Darts in Deutschland schon angesprochen. Gefühlt ist das ja ein Anstieg seit einigen Jahren und es wird immer mehr. Wie kriegen Sie das mit und wie nimmt man das wahr?

Schindler: "Ich glaube, einer der entscheidendsten Faktoren für diesen Darts-Boom, war tatsächlich die Corona-Zeit, als viele Leute zu Hause waren und sich vielleicht auch eine Beschäftigung ausdenken mussten. Da ist Darts sehr in den Vordergrund gerückt. Wir hatten natürlich auch glücklicherweise die Chance, in der Corona-Zeit möglichst weiterzuspielen. Leider vor leeren Hallen, aber damit haben wir natürlich für dementsprechende Fernsehbilder gesorgt. Ich denke, das hat die Fans ziemlich begeistert."

"Weitere Gründe waren natürlich auch Gabriel Clemens mit seinem Halbfinale bei der Weltmeisterschaft oder jetzt die Jahre von Luke Littler. Das hat auch eine ganze Menge gebracht für diesen Darts-Boom, der immer größer wird. Ich merke das auch daran, wie häufig ich mittlerweile erkannt werde. Einfach nur beim normalen Rausgehen und alltäglichen Geschichten. Es ist schon sehr, sehr groß geworden. Ich find es persönlich auch ganz cool, weil das einfach zeigt, der Sport bewegt sich in eine gute Richtung. Wir als Spieler bewegen uns in eine gute Richtung, das Niveau wird immer besser und ich hoffe, die Preisgelder gehen auch noch weiter nach oben (lacht)."

Martin Schindler verliert erst im Finale bei der EM 2026.

Bild: picture-alliance/dpa/SID/Bernd Thissen


Schindler: Tolles Gefühl, "als Deutscher in Deutschland zu spielen"

ran: Sie sind jetzt seit längerer Zeit die deutsche Nummer eins. Ist das dann gerade bei so einem Turnier in Deutschland mit vielen Zuschauern, die kommen, um Sie gewinnen zu sehen, ein besonderer Druck? Oder ist das eher etwas Erleichterndes, das mehr Spaß macht?

Schindler: "Ich sehe es insgesamt als eine freudige Situation, auf die ich hinblicke, weil es natürlich toll ist, als Deutscher hier in Deutschland zu spielen. Das ist einfach ein schönes Gefühl, wie viel Support man dann auch immer bekommt und auch bekommen hat in der Vergangenheit. Ich glaube, letztes Jahr auf dem Freitag waren es auch fast voll ausverkaufte, 5, 6 oder 7000 Leute. Das war bombastisch. Die Stimmung war grandios und das macht dann Bock, wenn es zusätzlich auch spielerisch funktioniert. Aber da muss ich immer einhaken und sagen, dass das Spielerische im Vordergrund steht. Ich versuche, mich möglichst auf mich zu konzentrieren und die positive Energie von den Zuschauern auch in etwas Positives an das Board mitzunehmen."

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Langer Tag vor Darts-Partie kein Problem für Schindler

ran: Sie sind schon seit gestern hier, aber das Spiel ist heute um 22:00 Uhr, was natürlich dann der Fokuspunkt an so einem Tag ist. Wie verbringen Sie bis dahin Ihren Tag und was machen Sie dann an so einem langen Tag, wo Sie erst zu so einer späten Zeit spielen?

Schindler: "Man macht eigentlich nichts großartig Besonderes, dadurch, dass man ja mehr oder weniger im Hotel 'eingesperrt' ist. Wir sind jetzt hier mit der Familie, das heißt, wir sind entspannt frühstücken gegangen und ich war dann noch einmal draußen spazieren mit meiner Tochter. Heute habe ich tatsächlich einen Mittagsschlaf gemacht, weil die Nacht nicht so der Renner war. Jetzt ist man auch knappe vier Stunden vor dem Spiel da, dass man eben so gewisse Abläufe hinter sich bringen kann. Man geht mal auf die Bühne und gibt Interviews. Das kann man dann alles noch erledigen."

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Schindler: Jugend-WM-Finale als herausragende Leistung

ran: Haben Sie dann vor dem Spiel noch besondere Rituale, die Sie immer machen?

Schindler: "Ja, ich versuche am Board immer gewisse Spiele zu spielen, damit ich weiß, dass ich jedes Doppel schon mal am Practiceboard getroffen habe, und im Spiel nicht drüber nachdenken muss. Nicht, dass ich dann einen Dart auf Doppel 2 habe und auf einmal Gedanken in den Kopf schießen, dass ich da heute noch gar nicht drauf geworfen habe."

ran: Grundsätzlich sind Sie unser letzter Youth-Championship-Finalteilnehmer. Jetzt haben wir mit Jan Schmidt wieder jemanden, der das geschafft hat. Wie verfolgen Sie ihn und wie sehen Sie seine Chancen?

Schindler: "Ich habe ehrlich gesagt noch nicht wirklich viel mitbekommen. Ich kenn ihn persönlich auch nicht. Vielleicht hat man sich mal die Hand gegeben, aber ich habe keinen größeren Kontakt zu ihm. Ich wünsche ihm auf jeden Fall für die Jugend-WM alles Gute. In das Finale der Jugend-WM zu kommen, ist schon eine wirklich herausragende Leistung. Das muss man auch erstmal bringen und er hat es gemacht und jetzt hat er eine sehr gute Chance, das Turnier für sich zu entscheiden. Ich hoffe, er bereitet sich gut darauf vor, gerade mental, weil das Zelt in Minehead (Austragungsort, Anm. d. Red.), in dem sie da spielen, schon was anderes ist. Es ist besonders und ich hoffe, dass er sich einfach darauf gut vorbereitet. Ich wünsche ihm alles Gute und er ist ein weiteres gutes Beispiel für die Entwicklung im Dartsport in Deutschland."

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Martin Schindler: Hertha hat bereits die "Hälfte vom Klassenerhalt geschafft"

ran: Wenn Sie auf Ihr Finale damals zurückblicken, haben Sie Erfahrungen, die Sie für Ihre ganze Karriere mitnehmen konnten?

Schindler: "Ich habe natürlich eine Trophäe mitgenommen von diesem Finale, die ich auch bis heute in Ehren halte. Das war mein erster Pokal, den ich in der PDC holen konnte. Aber ansonsten ist es auch einfach immer wieder schön, darauf zurückzublicken. Bei diesem vollen Kalender hat man auch eine Menge Niederschläge, die man unterwegs hat. Da ist es schön, wenn man sagen kann: 'Hey, ich war auch mal im Finale von der Jugend-WM und bin unter den 24-Jährigen der zweitbeste Platz gewesen.' Das war ein besonderer Moment, in dem ich war. Aber insgesamt muss ich sagen, die Entwicklung geht immer weiter und man muss ja auch nach vorne blicken und darf sich auch nicht zu lange in der Vergangenheit aufhalten."

ran: Dann habe ich zum Abschluss eine Frage abseits vom Board. Ich hab gelesen, Sie sind Hertha-BSC-Fan. Da ist ja im Moment das große Thema, ob die Hertha es schafft, aufzusteigen und eine 100-Punkte-Saison zu spielen. Glauben Sie daran und halten es für realistisch?

Schindler: "Was das Thema Hertha angeht, sag ich es mal so: 'Die Hälfte vom Klassenerhalt ist geschafft.' Wir haben über 20 Punkte, das ist bisher ein super Run gewesen in dieser Saison. Ich hoffe, es geht auch noch ein bisschen weiter so. Sieben Spiele in Folge zu gewinnen, gab es generell im Fußball noch nicht häufig. Schön, dass das passiert ist, auch gerade nachdem die ganzen Leistungsträger gegangen sind. Das hat der Mannschaft schon insgesamt gutgetan, muss man sagen. Also ja, ich wünsch den Jungs nur das Beste und hoffe auch, dass sie aufsteigen."

ran: Danke für deine Zeit, Martin!

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