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FC Bayern kann Campus-Versprechen einlösen: Die große Chance für Tim Binder?
Veröffentlicht:
von Justin Kraft17:30 SAT.1 Bayern
FC Bayern-Trainer bald zurück? Kompany auf dem Weg der Besserung
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Der FC Bayern sehnt die Länderspielpause herbei. Denn die Offensive ist durch Verletzungen stark ausgedünnt. Macht der FCB jetzt sein Sommerversprechen an den Campus wahr?
"Klein genug" ist eine recht eigenartige Kaderbeschreibung für einen Topklub. Beim FC Bayern aber ist sie eine mit Selbstbewusstsein vorgetragene Eigenbeschreibung. Gewissermaßen sogar ein Versprechen an die Jugend.
Max Eberl wurde in den vergangenen Wochen und Monaten nicht müde, zu betonen, dass der Kader in seiner Breite keinen Bug hat, sondern ein Feature. Fallen mal drei, vier Spieler aus und das auch noch wie jetzt in einem Mannschaftsteil, dann sind die Diskussionen von außen schnell da.
Zu dünn für echte Konkurrenzfähigkeit in Europa. Umso breiter dürfte Eberls Grinsen gewesen sein, als ein gewisser Lennart Karl unter der Woche ein sehr wichtiges Tor in einem der schwierigsten Auswärtsspiele schoss, das die Champions League zu bieten hat.
Gegen Atlético Madrid ging der Kader in der Offensive auf dem Zahnfleisch. Jamal Musiala und Luis Diaz fehlten ohnehin, hinzu kamen die Ausfälle von Serge Gnabry und Ismael Saibari nach dem Topspiel gegen den BVB. Mit Harry Kane und Michael Olise verblieben damit nur noch zwei gestandene Vollprofis.
Und eben jener Lennart Karl, der in der vergangenen Saison seine Chance nutzte, die der auch damals bewusst etwas dünner angelegte Kader ihm schenkte. Was die Frage aufwirft: Schreibt Tim Binder jetzt eine ähnliche Geschichte?
Personalsorgen beim FC Bayern werden nicht kleiner
In Mainz könnte der 19-Jährige jetzt seine erste ganz große Chance erhalten. Interims-Chefcoach Aaron Danks kündigte jedenfalls Pausen für das anstehende Bundesliga-Spiel an. Alphonso Davies sei beispielsweise einer derjenigen, die pausieren könnten.
Das rückt Binder nochmal mehr in den Fokus. Der Offensivmann kann theoretisch alle Positionen hinter der Sturmspitze spielen, wenngleich er sich am rechten Flügel etwas wohler fühlt. Von da kann er mit seinem starken linken Fuß nach innen ziehen.
Binder bringt einen großen Vorteil mit, den viele in seinem Alter nicht haben: Er hat bereits eine sehr gute Entscheidungsfindung und fällt nur selten ab. Seine bisherigen Einsätze für die Profis sind noch überschaubar, haben aber genau das gezeigt.
Er macht selten große Fehler und spielt bereits sehr reif. In der Regionalliga Bayern überzeugt er regelmäßig mit Toren wie zuletzt im Derby gegen 1860 München und Dribblings. Ob er aber schon weit genug ist für die Profimannschaft?
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Muss sich der FCB an PSG orientieren?
Das lässt sich kaum seriös beantworten, solange er nicht spielt. Aber genau das ist ja das eigentliche Thema. Woher sollen die Bayern wissen, welches ihrer Talente bereit ist, den Kader aufzufüllen, wenn sie es nicht probieren? In der Bundesliga gewinnen sie den Titel meist mit deutlichem Vorsprung.
Zwar mag es jetzt noch eng in der Tabelle sein, doch dass es sich bis zum vorletzten oder letzten Spieltag so hält, ist unwahrscheinlich. Zu weit ist die Konkurrenz auf der Langstrecke vom FCB entfernt. Das bietet automatisch Gelegenheiten.
Allerdings werden diese kaum genutzt. In der aktuellen Saison gab es erst 27 Minuten für noch nicht im Kader etablierte Talente – also ohne Karl, der den Sprung schon geschafft hat. Binder bekam 15 davon.
Zum Saisonstart ist das rational gut erklärbar. Vincent Kompany und jetzt Danks wollen erstmal einen Rhythmus mit den etablierten Stammkräften finden, um dann im Saisonverlauf womöglich die Talente mehr spielen zu lassen.
Fakt ist aber auch: Bis auf Karl kam in der vergangenen Saison nur Bara Sapoko Ndiaye auf mehr als 100 Minuten und der mit 142 nur knapp. PSG ist da beispielsweise konsequenter. In der vergangenen Saison sammelten zwei 17-Jährige mehr als 500 Minuten, einer mit Ibrahim Mbaye sogar mehr als 1.000. Die Franzosen nehmen eine wackligere Liga in Kauf, um Stammkräfte regelmäßig zu schonen. Bisher mit Erfolg.
Besser Mut als voreilige Leihe?
Das Konzept beim FC Bayern ist etwas anders: Gehalt und Ablösesummen hinter den Positionen 16 oder 17 im Feldspielerkader einsparen und dafür damit argumentieren, dass dann ja die Binders und Kialas ihre Chance bekommen, wenn Verletzungen es ermöglichen.
Aber was müsste passieren, dass Binder spielt? Reicht die aktuelle Situation? In Madrid brachte Danks lieber den eigentlich schon aussortierten Sacha Boey als ein junges Talent. Gerade punktuelle Einsätze in der Hinrunde könnten dabei mehr helfen als jede Leihe, um sich einen Eindruck von den Talenten zu verschaffen.
Denn beim FC Bayern sieht man Spieler wie Binder in exakt dem System, in dem sie irgendwann ihren Durchbruch schaffen sollen. Mit der Mitspielerqualität, die sie dort eben erwartet. Das kann keine Leihe der Welt reproduzieren. Wann wäre also der ideale Zeitpunkt, um den formstarken Binder zu testen, wenn nicht in Mainz?
Natürlich ist es ein sehr schweres Auswärtsspiel und ein Punktverlust würde dem BVB die Tabellenführung ermöglichen. Reparieren könnte man einen solchen Ausrutscher aber noch locker und die Erkenntnisse der Leistung eines jungen Talents wiegen vielleicht deutlich mehr.
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Der Campus ist für den FC Bayern auch finanziell wichtig
Ganz zu schweigen von der potenziellen Wertsteigerung, die junge Spieler erfahren, wenn sie ein paar gute Auftritte im Trikot des FC Bayern haben. Der Campus hat sich in den letzten Jahren mehrfach als sehr gute Geldquelle erwiesen.
Umso gespannter dürften jetzt aber auch andere Talente auf die kommenden Wochen blicken. Denn jetzt hat der FC Bayern die Chance, die vielen Eberl-Worte zur eigenen Kaderplanung in die Tat umzusetzen. Eine Chance, die nicht nur Binder betrifft.
Es wäre auch ein Signal an die anderen Talente: Der FC Bayern steht zu seinem Wort. Selbst wenn es "nur" 30 Minuten wären, die der Linksfuß absolviert. Das macht die Ausfälle in der Offensive auch in der Außenperspektive so spannend. In den nächsten Spielen wird man viel darüber erfahren, wie die Talente bewertet werden, die regelmäßig im Profikader stehen – und ein bisschen was darüber lernen, ob Eberls Argumente für einen dünneren Kader auf einem stabilen Fundament stehen.
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