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Jamal Musialas Krankheit: Ursachen, Diagnose und Folgen – so plant der FC Bayern nach seinem Comeback
Aktualisiert:
von ran.deran Fußball Bundesliga
FC Bayern - Uli Hoeneß vom Musiala-Schock getroffen: "Wahnsinn"
Videoclip • 01:24 Min
Jamal Musiala steht nach seinen gesundheitlichen Problemen wieder für den FC Bayern auf dem Platz. Für die nächsten Wochen verfolgen die Münchner offenbar einen gezielten Plan. Die Hintergründe zu seiner Erkrankung und seiner Rückkehr.
Jamal Musiala hat sein Comeback für den FC Bayern gefeiert. Beim 0:0 gegen den FC Schalke 04 am 5. September wurde der Nationalspieler in der 57. Minute eingewechselt und bestritt damit wieder ein Pflichtspiel für die Münchner.
Zuvor war der 23-Jährige in zwei Testspielen zusammengebrochen. Anschließend erklärte er auf Instagram, unter Absencen zu leiden und sich deswegen in ärztlicher Behandlung zu befinden.
Bayern-Sportvorstand Max Eberl hatte bereits vor der Rückkehr erläutert, wie der Verein mit der Erkrankung umgeht. Demnach wussten die Verantwortlichen schon während der vergangenen Rückrunde von der Diagnose. Musiala hatte in dieser Zeit weiter gespielt.
Nach dem Einsatz auf Schalke rückt seine weitere sportliche Entwicklung in den Mittelpunkt. Gleichzeitig bleiben Fragen zum Krankheitsbild und dessen Auswirkungen.
ran erklärt die Hintergründe.
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Musiala: Mehr Spielzeit und regelmäßige Pausen geplant
Wie die "Bild" berichtet, wollen die Bayern Musialas Einsatzzeiten in den kommenden Wochen schrittweise erhöhen.
Zugleich soll er regelmäßig Pausen erhalten, um eine Überbelastung zu vermeiden.
Ziel ist demnach, den Offensivspieler wieder an seine Topform heranzuführen, damit er erneut eine zentrale Rolle in der Mannschaft übernehmen kann.
Laut "Sports Illustrated" kann Musiala im Training bereits wieder voll mitmachen. Eberl erläuterte nach dem Schalke-Spiel zudem, seine Medikation sei angepasst worden. Ärzte, Trainerteam und Spieler hätten gemeinsam geprüft, wie es ihm gehe.
Krankheitsbild von Jamal Musiala verständlich erklärt: Was genau sind Absencen?
Absencen sind kurze Phasen, in denen Betroffene für einige Sekunden nicht auf ihre Umwelt reagieren. Der Berufsverband Deutscher Neurologen beschreibt sie als "Bewusstseinspausen mit abruptem Anfang und Ende, in denen der Betreffende nicht ansprechbar ist, sich ansonsten aber ruhig und unauffällig verhält". Üblicherweise dauern solche Episoden etwa fünf bis 20 Sekunden.
Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt "Abwesenheit". Genau dieses Bild entstand bei Musiala, der kurzzeitig nicht ansprechbar wirkte.
Medizinisch gelten Absencen als eine Form epileptischer Anfälle. Sie treten besonders häufig im Kindesalter auf, können aber auch Jugendliche und Erwachsene betreffen. Gerade bei Kindern bleiben sie mitunter lange unentdeckt, weil die kurzen Aussetzer leicht mit Tagträumen oder mangelnder Aufmerksamkeit verwechselt werden.
Während einer typischen Absence ist die Wahrnehmung für einen kurzen Moment eingeschränkt. Betroffene reagieren kaum oder gar nicht auf Ansprache, teilweise bewegen sich auch die Augen nach oben. Nach wenigen Sekunden ist die Episode meist vorbei und die Person kann ihre vorherige Tätigkeit direkt fortsetzen. Häufig bleibt lediglich eine kurze Erinnerungslücke zurück.
Daneben existieren atypische Absencen. Diese können länger anhalten und verlaufen weniger plötzlich. Zudem können dabei unbewusste, automatische Bewegungen auftreten, etwa mit den Händen, Fingern oder dem Mund.
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Was wusste der FC Bayern und was führte zu Musialas Anfällen? Eberl gibt Einblick
Im ran-Interview erklärte Bayern-Sportvorstand Max Eberl diesbezüglich: "Wir wissen es schon länger, wir haben die ganze Rückrunde agiert, wir hatten Erfolge, Jamal war auf dem Platz und niemand hat irgendwas bemerkt. Das ist das, was wir im besten Fall wieder erreichen wollen."
Dass die Absencen bei Musiala für die Öffentlichkeit sichtbar wurden, liegt demnach an einer Änderung der Medikation. "Jeder Mensch, der Medikamente regelmäßig nehmen muss, wäre froh, wenn er keine Medikamente mehr nehmen muss, wenn alles wieder normal ist. Genau an diesem Punkt war man, dass Jamal sehr gut eingestellt war", so Eberl.
Und weiter: "Dann hat er aber das Gefühl gehabt, er möchte weniger Medikamente nehmen, und hat die Medikation ein Stück weit verändert. Das hat jetzt dazu geführt, dass es leider sehr kurzfristig – augenscheinlich für die Öffentlichkeit – zweimal passiert ist. Jetzt wird das wieder angepasst und auf ein Niveau gebracht, um diese 'Anfallsarmut' – so würde ich es beschreiben – wieder hinzubekommen.
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Absencen und ihre Folgen: Wie entstehen die Ausfälle im Gehirn von Sportlern?
Der Entstehung einer Absence im Profisport liegt übrigens ein plötzlicher, fehlerhafter Dialog im Nervensystem zugrunde. Normalerweise kommunizieren die Großhirnrinde und der Thalamus – die wichtigste Schaltzentrale des Gehirns – in einem präzisen, synchronen Takt miteinander, um Bewegungen und das Bewusstsein zu steuern.
Bei einer Absence kommt es in dieser Schleife zu einem plötzlichen Rhythmuswechsel. Die Nervenzellen beginnen urplötzlich, völlig asynchron und unkontrolliert zu feuern, was einem elektrischen Kurzschluss gleicht. Für die Dauer von wenigen Sekunden ist die normale Informationsweiterleitung blockiert, und das Bewusstsein des Athleten wird quasi auf Pause gestellt.
Im Leistungssport wird diese Fehlsteuerung vor allem durch die extreme Atmung unter Volllast provoziert. Wenn Sportler an ihre Belastungsgrenze gehen, setzt eine sogenannte Hyperventilation ein – sie atmen sehr schnell und tief. Diese intensive Atmung führt dazu, dass vermehrt Kohlendioxid abgeatmet wird, wodurch sich der CO₂-Spiegel im Blut senkt und sich der pH-Wert im Gehirn leicht verschiebt. In der Neurologie wird dieses Phänomen sogar gezielt als Test genutzt, da die chemische Veränderung die Nervenzellen extrem leicht erregbar macht und ein bereits veranlagtes, aber bis dahin schlummerndes Anfallsgeschehen im Gehirn direkt auslösen kann.
Zusätzlich zu den körperlichen Prozessen wirkt der immense mentale Druck im Profisport als starker Katalysator. Die Kombination aus mentalem Wettkampfstress, hohem Adrenalinspiegel, körperlicher Erschöpfung und oft auch Schlafmangel vor wichtigen Turnieren senkt die sogenannte Krampfschwelle des Gehirns massiv ab. Unter diesen Extrembedingungen verliert das Gehirn seine Fähigkeit, die elektrische Aktivität stabil zu regulieren. Eine Fehlsteuerung, die im entspannten Alltag des Athleten vielleicht niemals zum Vorschein gekommen wäre, bricht unter der extremen Stressbelastung eines Wettkampfs plötzlich aus.
Im Gegensatz zum Alltag, wo ein solches sekundenlanges Starren oft als harmloses Tagträumen übersehen wird, hat der Aussetzer im Sport dramatische und sofort sichtbare Auswirkungen. Da die hochpräzise Koordination der Muskeln für einen Moment komplett abreißt, sacken Athleten mitten in der Bewegung oder im Lauf wie aus dem Nichts in sich zusammen. Obwohl die Absence selbst das Hirngewebe nicht schädigt und der Sportler danach sofort wieder voll orientiert ist, birgt dieser abrupte Kontrollverlust eine erhebliche Verletzungsgefahr durch unkontrollierte Stürze.
Jamal Musiala erlebte seinen ersten Zusammenbruch im Telekom Cup am 15. August.
Bild: picture-alliance/Eibner-Pressefoto/SID/Jenni Maul
Autofahren verboten? Welche Auswirkungen hat die Diagnose auf Musialas Alltag?
Für Jamal Musiala bedeutet die Diagnose Absencen im Alltag vor allem eine disziplinierte Umstellung, führt langfristig jedoch zu keinen dauerhaften Einschränkungen. Wie er selbst in den sozialen Medien klarstellte, sind die Aussetzer zwar aktuell Teil seines Lebens, medizinisch aber vollkommen kontrollierbar und gefährden seine Profikarriere laut den Vereinsärzten nicht.
Abseits der extremen Belastungsphasen auf dem Platz ist das Risiko für einen Anfall verschwindend gering, sodass er außerhalb des Sports ein völlig normales, geistig und körperlich uneingeschränktes Leben führen kann.
Die spürbarste Einschränkung betrifft derzeit seine Mobilität, da Musiala nach den Vorfällen auf dem Platz aktuell kein Auto fahren darf. Nach deutscher Rechtslage gilt nach epileptischen Episoden, zu denen auch Absencen zählen, eine gesetzliche Fahrpause. Wegen eines selbst verursachten Autounfalls, der mit der Krankheit in keiner Verbindung steht, musste Musiala seinen Führerschein aber ohnehin im Februar für neun Monate abgeben.
Diese Fahrpause könnte sich jetzt verlängern. Erst wenn er über einen ärztlich definierten Zeitraum hinweg durchgehend nachweislich keinen Anfall erleidet, erhält er seine volle Fahrtauglichkeit zurück und darf sich wieder ganz normal ans Steuer setzen.
Um diese Anfallsfreiheit im Alltag und im Leistungssport zu garantieren, ist eine strikte medikamentöse Therapie mit Antiepileptika notwendig. Die Ärzte müssen bei der Auswahl der Präparate dabei extrem penibel vorgehen, damit die Medikamente mit den strengen Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) übereinstimmen.
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