DFB-Pokal
Borussia Dortmund: Dieser Auftritt ist ein Alarmsignal - ein Kommentar
Aktualisiert:
von Andreas ReinersMats Hummels, BVB 15 Julian Brandt, BVB 19 Nico Schlotterbeck, BVB 4 Ramy Bensebainni, BVB 5 sad in the match VFB STUTTGART - BORUSSIA DORMUND DFB-Pokal, German Football Cup, 3. round on Dec 6, 2023 in Stuttgart, Germany. Season 2023/2024
Bild: IMAGO/ActionPictures
Bei Borussia Dortmund schrillen nach dem Pokalaus die Alarmglocken. Denn der Auftritt war ein Offenbarungseid. Beim BVB muss etwas passieren. Ein Kommentar.
Von Andreas Reiners
Sebastian Kehls Wunsch ging nicht in Erfüllung. Im Gegenteil. Sein Anliegen scheiterte krachend.
Alle Informationen zur Viertelfinal-Auslosung des DFB-Pokals erhältst du hier.
Es gehe um den Erfolg des Vereins, hatte er erklärt, als er vor dem Achtelfinal-Spiel beim VfB den jüngsten internen Wirbel um die Trennung von Slaven Stanic im TV zu einem Sturm im Wasserglas minimieren wollte.
Er mochte nicht groß darüber sprechen, betonte, es gebe keine zwei Lager. Und es sei ihm zuletzt auch ein wenig zu sehr schwarzgemalt worden, schob er hinterher.
"Deswegen würde ich mich wahnsinnig freuen, wenn wir heute ein bisschen Ruhe reinkriegen", würgte er das brisante Thema ab. Es blieb ein frommer Wunsch.
Das Wichtigste in Kürze
BVB: Ein schrilles Alarmsignal
Er konnte sich 90 Minuten später bei der Mannschaft bedanken, die mit ihrem Auftritt in Stuttgart nicht nur eine große Titel-Chance leichtfertig herschenkte, sondern damit auch ein schrilles Alarmsignal in die Fußball-Welt posaunte, Kehls Worte ad absurdum führte und ihm so gesehen auch in den Rücken fiel.
Denn der BVB ist sportlich an einem Tiefpunkt angelangt. Und hat die Unruhe rund um den sich im Dauer-Stresstest befindlichen Klub noch einmal verschärft.
Vor dem Spiel war klar, dass es nur drei Bundesligisten in das Viertelfinale schaffen würden. Keine Bayern, kein Leipzig, bei einem Sieg auch kein VfB. Mit ein bisschen Losglück eine einmalige Chance.
Doch die Dortmunder, die zuletzt in Leverkusen zumindest noch defensiv und kämpferisch überzeugten, enttäuschten in Stuttgart auf ganzer Linie und in allen Mannschaftsteilen – Torhüter Gregor Kobel einmal ausgenommen. Ein nahezu kollektives Versagen. Ein vollkommen unverständliches vor allem.
Das Team war in der Bringschuld, konnte ein Zeichen setzen. Das tat es auch, wenn auch ein fatales.
BVB: Can nimmt kein Blatt vor den Mund
Kapitän Emre Can nahm kein Blatt vor den Mund, mahnte, dass sich jeder Spieler an die eigene Nase fassen und seine eigene Leistung analysieren solle. "Wir investieren zu wenig, wir pressen zu wenig, mit dem Ball sind wir nicht mutig genug. Dortmund ist eine große Mannschaft und so müssen wir auftreten und das machen wir momentan nicht." Es habe vorne und hinten gefehlt. "Das war fußballerisch eine Katastrophe. So kann es nicht weitergehen", so Can, der zudem meinte, es müsse etwas von der Mannschaft kommen, und es liege nicht immer alles am Trainer.
Er sieht keine Qualitätsfrage, dafür wohl aber eine Einstellungsfrage. Das übliche also. Probleme, die immer mal wieder aufflackern, auch mal lodern, diesmal sogar dafür sorgen können, dass passend zur Weihnachtszeit der Baum brennt.
VfB Stuttgart vs. Borussia Dortmund: Die Spieler des Pokal-Duells in der Einzelkritik

Der VfB Stuttgart überflügelt Borussia Dortmund zum zweiten Mal binnen weniger Wochen und steht nach einem 2:0-Sieg gegen den BVB im Pokal-Viertelfinale. Die VfB-Offensive glänzt und hätte sogar noch mehr Tore erzielen können. Der BVB zeigt sich seltsam passiv. Die Spieler beider Teams in der Einzelkritik.
Eibner

Alexander Nübel
In der ersten Hälfte völlig beschäftigungslos. Erst nach einer guten Stunde von einem Flachschuss erstmals gefordert, den er souverän entschärft. In der 82. Minute gewinnt er das 1:1-Duell gegen Marco Reus. Kaum gefragt, aber dann zur Stelle. ran-Note: 22023 Getty Images

Josha Vagnoman
Der Rechtsverteidiger ist offensiv deutlich zurückhaltender als Mittelstädt auf links. Dabei ist er hinten nur selten gefordert. Erfüllt seine Aufgaben beim Startelf-Comeback nach langer Verletzung unauffällig, aber zuverlässig. Spielt dabei keinen einzigen Fehlpass. Wird in der 81. Minute ausgewechselt. ran-Note: 3Hartenfelser

Waldemar Anton
Umsichtig und in den wenigen Fällen, in denen er gefordert ist, immer auf der Höhe. Souveräner Auftritt des Abwehrchefs. ran-Note: 2Pressefoto Baumann

Dan-Axel Zagadou
Gegen seinen Ex-Klub stets stabil. Am Boden und in der Luft zur Stelle, egal ob gegen Moukoko oder später Füllkrug. ran-Note: 2Pressefoto Baumann

Maximilian Mittelstädt
Hinten lange nicht gefordert, vorne auf links im Zusammenspiel mit Führich ein steter Gefahrenherd für die BVB-Defensive. Hat in der 2. Hälfte großes Glück, dass ein BVB-Tor nach seiner unglücklichen Abwehraktion wegen einer Abseitsstellung nicht zählt. Rehabilitiert sich mit seinem schönen Assist zum 2:0. ran-Note: 2Pressefoto Baumann

Angelo Stiller
Mit seiner Passsicherheit der Motor für die VfB-Spielkontrolle. Verteilt die Bälle immer wieder klug auf die Flügel. Reife Leistung. ran-Note: 2Pressefoto Baumann

Atakan Karazor
In der Zentrale einer der Garanten für Stuttgarts lange Ballbesitzphasen. Schaltet sich auch hier und da offensiv ein und kommt in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum Abschluss, der pariert wird. Stellt die Räume gut zu. ran-Note: 3Sven Simon

Enzo Millot
In der aktiven VfB-Offensive zu Beginn noch der Unscheinbarste. In der zweiten Hälfte deutlich stärker, bereitet erst eine gute Chance von Guirassy und dann dessen Führungstor mit gut getimten Pässen in den Lauf vor. Vergibt wenig später selbst eine Großchance. Nach Führichs Auswechslung geht er auf die linke Seite und leitet dort das 2:0 mit ein. ran-Note: 2Hartenfelser

Chris Führich
Tritt im Duo mit Mittelstädt auf der linken Angriffsseite immer wieder offensiv in Erscheinung. Gute Flanken in den Strafraum und giftiges Pressing. Läuft unermüdlich, ehe er nach über 70 Minuten ausgewechselt wird. ran-Note: 2Hartenfelser

Serhou Guirassy
Startet gewohnt wuselig und aktiv, wird nach 20 Minuten immer unauffälliger. Zur zweiten Hälfte dann zurück zu alter stärker: Scheitert erst zweimal knapp, trifft dann per Tunnel in der 55. Minute zur Führung und hat später per Kopf und in diversen Kontersituationen sogar noch die Chance auf mehr. Wird kurz vor Schluss ausgewechselt. ran-Note: 2Michael Weber

Deniz Undav
In der ersten Hälfte deutlich auffälliger als Sturmpartner Guirassy: Hat in der 24. Minute per Kopf die erste nennenswerte VfB-Chance, scheitert aber an Kobel. Verpasst kurz vor der Pause nach starker Balleroberung den Querpass zur möglichen Führung. Sein Schussversuch wird geblockt. Holt sich als hängende Spitze viele Bälle schon im Mittelfeld und versucht immer wieder Steckpässe auf Guirassy, versprüht selbst in der zweiten Hälfte aber kaum noch Torgefahr. Wird in der 71. Minute ausgewechselt. ran-Note: 2ActionPictures

Silas
Kommt in der 71. Minute für Führich und ist direkt zur Stelle. Gewinnt nach einem Steilpass das Laufduell gegen Schlotterbeck und schiebt ganz überlegt mit dem Außenrißt zum 2:0 ein. ran-Note: 2Eibner

Anthony Rouault
Der Abwehrmann kommt in der 71. Minute, um die Defensive zu verstärken. ran-Note: 3Getty Images

Leonidas Stergiou
Der 21-Jährige kommt in der 80. Minute für Vagnoman. Keine BewertungSportfoto Rudel

Jamie Leweling
Kommt in der Nachspielzeit. Keine Bewertung2023 Getty Images

Woo-yeong Jeong
Kommt in der Nachspielzeit. Keine BewertungPressefoto Baumann

Gregor Kobel
Hält den BVB aufmerksam und mit guten Paraden in der ersten Halbzeit im Spiel. Maximal unglücklich, dass er beim 0:1 ausgerechnet einen Beinschuss kassiert. Beim 0:2 machtlos. Ansonsten aber in vielen Situationen stark. Deshalb trotzdem ran-Note: 2Ulmer/Teamfoto

Marius Wolf
Wackelt in der ersten Halbzeit auf der rechten Seite mehrmals bedenklich, agiert fehlerhaft. Dafür nach vorne immerhin mit der einen oder anderen Aktion und beherztem Versuch. Muss in der Pause verletzt runter, weil er vor der Pause umknickt. ran-Note: 4Noah Wedel

Nico Schlotterbeck
Auch bei ihm ist von defensiver Souveränität oder Kompromisslosigkeit zu selten etwas zu sehen. Hat auf die Stuttgarter Offensivlust oft nicht die passende Antwort, wackelt immer wieder, bekommt mit zunehmender Spielzeit in entscheidenden Situationen keinen Zugriff. ran-Note: 5Pressefoto Baumann

Mats Hummels
Zuletzt oft der Turm in der Schlacht, diesmal jedoch auch mit einigen Patzern in seinem Spiel, er lässt sich merklich von der Unsicherheit seiner Nebenleute anstecken. Beim 0:1 bekommt er nicht den entscheidenden Zugriff auf den Vorbereiter. Teilweise mit haarsträubendem Stellungsspiel. Aber nicht nur er. ran-Note: 4Langer

Julian Ryerson
Ist defensiv auf der Höhe, gewinnt viele Zweikämpfe, ist allerdings hinten intensiv gebunden und daher offensiv nur selten aktiv. Wechsel zur zweiten Halbzeit nach dem Wolf-Aus auf die rechte Seite. Insgesamt noch so etwas wie ein Lichtblick, weil er die ganz großen Fehler vermeiden kann. ran-Note: 3Eibner

Salih Özcan
Spielt im Vergleich zum 1:1 in Leverkusen von Beginn an. Kann in der Schaltzentrale dem Dortmunder Defensivspiel aber nur wenig Stabilität verleihen. Leistet sich stattdessen immer wieder vermeidbare und verhängnisvolle Fehler im Spielaufbau. ran-Note: 5Hartenfelser

Marcel Sabitzer
Hat in der 20. Minute mit dem Lattentreffer die erste Chance des Spiels. Auch sonst mit einem ordentlichen Auftritt, der aber auch nach 45 Minuten verletzungsbedingt beendet ist. Er bleibt in der Kabine. ran-Note: 3Ulmer/Teamfoto

Emre Can
Auch er mit vielen Unkonzentriertheiten. Bekommt im defensiven Mittelfeld kaum einen Zugriff, kann den Druck des VfB viel zu selten eindämmen. Kann die Mannschaft als Kapitän nicht aus ihrer defensiven Fehleranfälligkeit und offensiven Lethargie holen. ran-Note: 5Langer

Youssoufa Moukoko
Moukoko: Muss bereits in der 24. Minute ausgewechselt werden. Tritt bis dahin in einer zurückhaltenden BVB-Mannschaft kaum in Erscheinung, hat nur zwei Ballkontakte. ran-Note: 5Ulmer/Teamfoto

Karim Adeyemi
Bekommt seine Chance von Beginn an, kann dem stockenden Offensivspiel des BVB aber überwiegend keine besonderen Impulse verleihen. Hat durchaus hin und wieder ein paar Momente, kann die aber nicht entscheidend nutzen. ran-Note: 4Noah Wedel

Jamie Bynoe-Gittens
Offensiv blass und mit viel zu wenig Durchschlagskraft. Kurz vor der Halbzeit dann Glück bei einem katastrophalen Ballverlust vor dem eigenen Strafraum. Meldet sich nach einer Stunde mit einem Schüsschen aufs Tor zurück. Und einem Abseitstreffer. Geht nach 70 Minuten vom Platz. Hat einen Hänger im Moment. ran-Note: 5IMAGO/Michael Weber

Niclas Füllkrug
Erhält nach intensiven Wochen zunächst eine Pause, kommt dann aber bereits in der 24. Minute für Moukoko. Findet aber nicht wirklich in die Partie rein. Hängt wie schon zuletzt extrem in der Luft. Ohne Akzente. ran-Note: 5Pressefoto Baumann

Ramy Bensebaini
Kommt zur zweiten Halbzeit für Wolf und geht auf seine gewohnte linke Seite. Fällt nicht mit groben Patzern auf, was an diesem Abend positiv zu werten ist. Bleibt offensiv aber genauso unauffällig. ran-Note: 4Beautiful Sports

Julian Brandt
Kommt nach der Pause für Sabitzer und soll die quasi nicht existente Offensive beleben. Zeigt tatsächlich Ansätze von Zielstrebigkeit. Doch das reicht nicht für eine Wende. ran-Note: 4Eibner

Donyell Malen
Kommt in der 71. Minute, um noch etwas zu bewirken. Bewirkt aber nichts. ran-Note: 4ZUMA Wire

Marco Reus
Wird in der 78. Minute eingewechselt. ran-Note: ohne BewertungJürgen Schwarz
Denn es sind Probleme, die sie beim BVB partout nicht abgestellt bekommen.
Was die Frage aufwirft: Was stimmt in Klub und Mannschaft nicht, dass man in dieser Saison weiterhin so ein chaotisch-schwankendes Bild abgibt? Dass man einfach keine Konstanz in die eigenen Leistungen bekommt und diese abruft, wenn es sein muss?
Und was hilft noch, wenn selbst Wutreden des Klubchefs Hans-Joachim Watzke nicht nur verpuffen, sondern nach diesen Leistungen zum Bumerang werden?
Die Saison befindet sich mit im Grunde bereits jetzt zwei verlorenen Titeln in einer bedrohlichen Schieflage. Beim BVB muss etwas passieren. Worte reichen nicht mehr, Beschwichtigungen sowieso nicht, Durchhalteparolen schon mal gar nicht.
Sonst bleibt der Wunsch nach Ruhe für längere Zeit unerfüllt.
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