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WM 2026 - Anstoß-Chaos statt Fußball-Fieber: Die FIFA schießt übers Ziel hinaus - Kommentar
Aktualisiert:
von Raman Rooprailran Fußball
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Videoclip • 01:13 Min
Die Weltmeisterschaft 2026 pulverisiert in vielerlei Hinsicht Rekorde - ob es um die Anzahl der Mannschaften oder um die Menge der Spiele geht. Was dabei meist aber untergeht, ist die unfassbare Zahl an Anstoßzeiten: Zu insgesamt 16 verschiedenen Uhrzeiten werden Begegnungen gestartet. Das ist aus mehreren Gründen deutlich zu viel. Ein Kommentar.
Die FIFA liebt Rekorde.
Mehr Teams, mehr Spiele, mehr Zuschauer - und vor allem mehr Einnahmen.
Bei der WM 2026 fällt dabei allerdings ein Rekord auf, den vermutlich niemand gebraucht hätte: 16 verschiedene Anstoßzeiten.
Sechzehn!
Das ist doppelt so viel wie beim bisherigen Höchstwert. Selbst bei der WM 1994 in den USA und auch 2018 in Russland reichten acht Zeit-Slots. Auch dort wurde in vier verschiedenen Zeitzonen gespielt - daran kann die Anstoßzeiten-Inflation also nicht liegen.
Darunter leidet das Wichtigste, was eine Weltmeisterschaft ausmacht: das WM-Gefühl.
WM 2026: Keine Linie bei den Anstoßzeiten
Normalerweise weiß jeder Fan nach wenigen Tagen, wann Fußball läuft. Um 15 Uhr, 18 Uhr und 21 Uhr. Oder um 14 Uhr, 17 Uhr und 20 Uhr. Das Turnier entwickelt einen Rhythmus. Man plant seinen Tag danach. Man weiß, wann der Fernseher eingeschaltet wird.
Bei dieser WM herrscht stattdessen Anstoß-Lotterie. Dabei geht es überhaupt nicht um die späten Uhrzeiten für europäische Fans. Wir sind in Deutschland mit normalerweise angenehmen Anstoßzeiten verwöhnt, da halten wir es aus, wenn Spiele zu später Stunde stattfinden.
Die fehlende Linie ist vielmehr das Problem.
Mal geht es um 18 Uhr los, mal um 19 Uhr, mal um 21 Uhr, dann um Mitternacht, dann wieder um 23 Uhr. Der Fan muss ständig nachschauen, wann gespielt wird, und verliert komplett den Überblick.
Das mag wie ein kleines Problem klingen. Für die Atmosphäre eines fast sechswöchigen Turniers ist es aber entscheidend.
WM 2026: Große Lücken zwischen Spielen sorgt für Unmut
Hinzu kommt ein zweites Ärgernis: die Abstände zwischen den Spielen.
Über Jahre hatte sich ein einfacher und sinnvoller Rhythmus etabliert. Etwa alle drei Stunden wurde angepfiffen. Ein Spiel endete, das nächste begann kurz darauf. Das Turnier fühlte sich wie ein zusammenhängendes Ereignis an.
Jetzt entstehen teilweise riesige Lücken. Am ersten WM-Tag lagen sieben Stunden zwischen Eröffnungsspiel und der zweiten Begegnung, am zweiten waren es sechs. Auch im weiteren Turnierverlauf gibt es mehrmals Pausen von fünf Stunden. Bei früheren Weltmeisterschaften waren es dagegen nie mehr als vier.
Wer sich einen Fußballtag vor dem Fernseher eingerichtet hat, wird immer wieder zu langen Zwangspausen verdonnert. Völlig egal, ob vor Ort in Nordamerika, in Europa, Asien, Afrika oder Australien.
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WM 2026: Lösungen für frühere Anstoßzeiten hätte es gegeben
Natürlich führt die FIFA zahlreiche Gründe für die verschiedenen Anstoßzeiten an: Temperaturen, Sicherheitskonzepte, Verkehrsplanung, Stadionverfügbarkeit, TV-Übertragungen oder die enormen Reisewege zwischen den Spielorten.
Doch fast all diese Faktoren gab es auch bei früheren Turnieren.
Und manches wirkt nur schwer nachvollziehbar. Selbst Spiele an der Ostküste beginnen häufig erst um 21 Uhr deutscher Zeit, obwohl zuvor keine Partien angesetzt sind.
Am zweiten Turniertag fand die erste Partie in Toronto statt, trotzdem wurde erst um 21 Uhr angepfiffen. 24 Stunden später begann der Tag in San Francisco erneut um 21 Uhr, die zweite Partie fand dagegen in New York statt. Hätte man diese Begegnungen anders herum angesetzt, wär auch mit der Zeitverschiebung ein deutlich früherer Start in den WM-Tag möglich gewesen. Das sind nur zwei Beispiele - es gibt zahlreiche ähnliche Fälle im Turnierverlauf.
Auch das Argument der Hitze überzeugt nur teilweise. Natürlich will niemand Spiele bei 40 Grad Mittagssonne, die Gesundheit der Spieler muss im Vordergrund stehen. Aber genau dafür gibt es Lösungen. In Dallas, Houston und Atlanta stehen moderne Stadien mit schließbaren Dächern zur Verfügung. In Toronto werden die 25 Grad im Sommer selten überschritten.
WM 2026: Das Fußball-Fieber leidet
Am Ende bleibt deshalb vor allem der Eindruck, dass die Interessen der Fans nicht oberste Priorität hatten.
Die WM lebt von Gewohnheiten, von Ritualen und von dem Gefühl, dass rund um die Uhr Fußball läuft. Die FIFA hat daraus ein kompliziertes Puzzle aus 16 Anstoßzeiten und stundenlangen Unterbrechungen gemacht.
Das ist nicht dramatisch. Aber vielen Fans nimmt es den Spaß.
Weil es genau dem schadet, was eine Weltmeisterschaft eigentlich ausmacht: echtem Fußball-Fieber.
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