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WM 2026 - Bezeichnendes Statement: Causa Balogun bringt Infantino in Bedrängnis
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von Leopold Grünwaldran Fußball
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Die Causa Balogun fliegt der FIFA bei der WM 2026 um die Ohren. Gianni Infantino reagiert mit einer Stellungnahme, nachdem US-Präsident Donald Präsident ein Telefonat mit dem Schweizer ausplauderte. Infantinos Statement wirft Fragen auf. Ist der FIFA-Boss in Bedrängnis?
Eigentlich war für Gianni Infantino und die FIFA doch alles so gut gelaufen. Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war für den Weltverband bisher ein überwältigender Erfolg gewesen.
Die US-Behörde ICE an den Stadien? Vergessen. Einreiseprobleme für die iranische Nationalmannschaft, Fans aus diversen afrikanischen Länder oder den somalischen Schiedsrichter Omar Artan? Der Schatten einer Erinnerung. Ärger um Ticketpreise und Vergabepraktiken? War da was?
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Disziplinarkommission hebt Balogun-Sperre auf
Wie erhofft überlagerte das Geschehen auf den Spielfeldern sämtliche Schwierigkeiten vor dem Turnierbeginn. Bis jetzt. Denn die Causa Folarin Balogun bringt Infantino nun ernsthaft in Bedrängnis, wie sein Statement am frühen Montagabend deutscher Zeit vermuten lässt.
Doch der Reihe nach - was ist überhaupt passiert? Balogun hatte im Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er Tarik Muharemović mit der offenen Sohle auf den Knöchel gestiegen war.
Die mehr unglückliche als böswillige Szene bestrafte der brasilianische Schiedsrichter Raphael Claus mit dem Roten Karton. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. In der US-amerikanischen Öffentlichkeit löste der Platzverweis für Balogun jedoch einen Sturm der Entrüstung aus, der beinahe mit dem deutschen Ärger über das vermeintliche Handspiel Marc Cucurellas im EM-Viertelfinale 2024 zu vergleichen war.
Nach einigem Hin und Her über die Frage, ob der US-Verband Einspruch gegen Baloguns Platzverweis einlegen dürfe, entschied die Disziplinarkommission der FIFA am Sonntag, die automatische Sperre gänzlich zur Bewährung auszusetzen. Balogun ist damit im Achtelfinale gegen Belgien (2:00 Uhr MESZ) spielberechtigt.
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Trump-Geständnis setzt Infantino unter Druck
Den eigentlich beispiellosen Schritt rechtfertigte das Gremium mit dem obskuren Paragrafen 27 im offiziellen Regelwerk, ohne Artikel 66.4 über die obligatorische Bestrafung einer Roten Karte mit mindestens einem Spiel Sperre zu berücksichtigen.
Wenn man bei der FIFA darauf gerechnet hatte, dass die Aufregung über den skandalösen Beschluss durch die mitreißenden Achtelfinal-Partien zwischen Norwegen und Brasilien (2:1) oder England gegen Mexiko (3:2) abflauen würde, hat man sich aber verschätzt.
Ein wichtiger Faktor war dabei ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, den Infantino seit Jahren umschmeichelt. Der Politiker gab in einer Medienrunde im Weißen Haus unumwunden zu, dass er Infantino in einem direkten Telefonat gebeten habe, Baloguns Sperre doch noch einmal zu prüfen.
Nun gilt die FIFA schon seit Jahren weniger als Hüterin des Fußballs, sondern mehr als Sinnbild für moralische Verkommenheit, doch bei aller Kritik blieb das Produkt auf dem Platz (zumindest irgendwie) unangetastet. Die Einflussnahme beschränkte sich auf organisatorische Dinge rund um den Fußball, wie die bürokratischen Winkelzüge für die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien oder das Wegschauen bei den Reisebeschränkungen für den Iran.
Infantino-Statement ein Zeichen?
So ungeniert wie dieses Mal griff jedoch selbst die FIFA nicht zugunsten einer individuellen Mannschaft ein. Die Verkürzung der Sperre von Cristiano Ronaldo vor der WM von drei Matches auf ein Spiel und zwei weitere zur Bewährung hatte einen Beigeschmack, war aber im Rahmen des Reglements noch teilweise nachvollziehbar - anders als die Causa Balogun.
Trumps "Geständnis" und das Vorgehen der Disziplinarkommission scheinen Infantino in Bedrängnis zu bringen. Der Schweizer äußerte sich in einem längeren Statement über die offiziellen Kanäle der FIFA zu dem Vorfall, in dem er die Unabhängigkeit der Disziplinarkommission betonte und seinen "regelmäßigen Austausch" mit dem US-Präsidenten herunterspielte.
Die Tatsache, dass sich Infantino genötigt fühlte, auf den Aufschrei zu reagieren, ist ein Indiz dafür, dass der Druck auf den 56-Jährigen tatsächlich enorm sein muss. Der X-Kanal "FIFA Media", über den der Weltverband die Stellungnahme veröffentlichte, ist sonst eigentlich der Verkündung von Erfolgsmeldungen oder sachdienlichen Hinweisen an Stadionbesucher vorbehalten.
Seit dem 1. Juni - rund zwei Wochen vor Turnierbeginn - tauchte Infantinos Name in den dutzenden Tweets des Accounts nur ein einziges weiteres Mal auf: Bei einer Erklärung zu den "Hydration Breaks" - dem zweiten großen Aufreger-Thema der WM.
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Der Anfang vom Infantino-Ende? Eher nicht
Bemerkenswert ist dabei, dass Infantino andere Themen wie den Umgang mit Migrantinnen und Migranten in den USA oder eben die Reisebeschränkungen selbst für WM-Protagonisten (Iran, Schiedsrichter Artan) gerne ignoriert. Auf einer Pressekonferenz am 10. Juni rief er noch dazu auf, man solle sich "einfach entspannen und zurücklehnen" ("Just chill, relax").
Insofern spricht seine Stellungnahme durchaus dafür, dass Aufmerksamkeit zu der aufgehobenen Sperre mindestens unangenehm für den FIFA-Boss ist. Ob die Causa Balogun deswegen der Anfang vom Ende für Infantino ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Wenn die Ethik-Kommission des Weltverbandes den Präsidenten nicht suspendiert, wonach es nicht aussieht, bleiben lediglich die Optionen eines freiwilligen Rücktritts oder einer Abwahl Infantinos beim turnusmäßigen FIFA-Kongress im kommenden Jahr.
Beide Alternativen scheinen - Stand heute - mindestens unwahrscheinlich. Gewissensbisse bei Infantino? Wohl kaum. Und auch eine Abwahl des Funktionärs ist angesichts der erklärten Unterstützung durch die Verbände in Afrika, Südamerika und Asien, die Infantino für eine absolute Mehrheit reichen, praktisch ausgeschlossen.
Causa Balogun: Warum äußerte Infantino sich?
Wenn Infantino sicher im Sattel sitzt, stellt sich allerdings die Frage, was ihn zu dem Statement motiviert hat. Schließlich äußert er sich nicht zu jedem Thema mit einer eiligen Stellungnahme, sondern lediglich dann, wenn seine eigenen oder die monetären Interessen der FIFA betroffen sind.
Hat die öffentliche Aufregung in Europa also aus Sicht des Weltverbandes ein kritisches Niveau erreicht? Haben Sponsoren nachgefragt, was hinter der Entscheidung der Disziplinarkommission steckt? Bröckelt sein Rückhalt hinter den Kulissen? Oder schätzt er den Ärger bei den europäischen Verbänden und der UEFA, die immerhin für einen großen Teil des Umsatzes der FIFA verantwortlich sind, so massiv ein, dass er drastische Schritte fürchtet? Die Zeit muss es zeigen.
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