Leichtathletik-EM
Leichtathletik-EM - Scharfe Kritik an Wucher-Preisen in Birmingham und leerem Stadion: "Eine Schande"
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von SID:newstime
Erste deutsche Leichtathletik-Medaillen
Videoclip • 25 Sek • Ab 12
Bei der ersten EM in der großen Leichtathletik-Nation Großbritannien herrscht oft gähnende Leere im Stadion. Horrende Preise halten viele Fans fern, die Organisatoren stehen in der Kritik.
Matthew Hudson-Smith stürmte an der "Matthew-Hudson-Smith-Tribüne" vorbei Richtung 400-m-Gold, doch nur einige Hundert versprengte Fans jubelten dem britischen Laufhelden vom nach ihm benannten riesigen Stahlrohr-Ungetüm zu. Die Leichtathletik-EM in Birmingham krankt selbst bei Highlights an akutem Zuschauermangel, das ohnehin kleine Alexander Stadium ist meist kaum halb gefüllt. Hohes Preisniveau und die schlechte Erreichbarkeit der Arena halten die sportbegeisterten Briten fern.
"Die Preise sind verrückt, das ist eine solche Schande", sagt Nick Hartwell. Er ist Manager der britischen Topsprinterin Amy Hunt, die am Eröffnungstag der Titelkämpfe am Montag zu 100-m-Gold rannte, im eigenen Land zur schnellsten Frau Europas wurde. Offiziell wollten diesen frühen Höhepunkt der ersten EM in Großbritannien 13.600 Fans im Stadion sehen, rund 10.000 Plätze blieben damit leer.
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Birmingham 2026 - das sollten stimmungsvolle Leichtathletik-Festtage wie zuletzt bei der WM 2017 werden. Damals feierte London den letzten großen Auftritt von Usain Bolt. Nun fehlt ein solches Zugpferd. Das allein erklärt allerdings nicht, warum Birmingham nicht funktioniert.
Da ist das Preisniveau. 150 Pfund, also rund 175 Euro, kosteten am Hunt-Abend die Tickets auf der Haupttribüne, Jugendtarife gab es nicht. Am Mittwochabend lagen die teuersten Karten bei rund 110 Pfund, sehr mittelmäßige Plätze auf der Hudson-Smith-Tribüne beim Hudson-Smith-Sieg immer noch bei 40.
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Auf wen zielen denn solche Preise ab? Familien? Kinder, die einmal selbst Leichtathleten werden wollen? Sicher nicht.
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Die Preise seien "völlig weltfremd", schimpfte Stan Collymore, einstiger Fußball-Held des Birminghamer Klubs Aston Villa und EM-Besucher: "Auf wen zielen denn solche Preise ab? Familien? Kinder, die einmal selbst Leichtathleten werden wollen? Sicher nicht."
Familientauglich ist in der Tat recht wenig an dieser EM. An den Verkaufsständen der staubtrockenen Riesenwiese vor dem Stadion kostet eine schlichte "German Bratwurst" 10 Pfund (12 Euro), ein Eishörnchen 6 Pfund (7 Euro), für einen Burger werden bis zu 17,50 Pfund (20 Euro) fällig.
Hinzu kommen infrastrukturelle Probleme: Das Stadion liegt weit nördlich der Innenstadt, die EM ist als "autofrei" gelabelt worden, (teure) Park-and-Ride-Plätze gibt es in der City, das Pendeln ist mühsam und teuer, der nächste Bahnhalt rund zwei Kilometer entfernt.
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Und so kommt es eben, dass in einem der kleinsten Stadien der EM-Geschichte - zuvor waren in Berlin (2018), München (2022) und Rom (2024) die Olympiastadien mit jeweils über 70.000 Plätzen Schauplätze - riesige Lücken klafften.
Den meisten Sportlern fällt das nicht allzu negativ auf. "Die Leute, die für uns Kugelstoßerinnen in der Kurve da waren, die haben wir definitiv gehört", sagte die deutsche Olympiasiegerin Yemisi Mabry. Im Fernsehbild wirkte der Leerstand aber verheerend - und könnte womöglich einen negativen Einfluss auf die Londoner WM-Bewerbung 2029 (unter anderem mit München als Gegner) haben.
Und was sagen eigentlich die Organisatoren? Die zeigen sich zufrieden. "Der Ticketverkauf hat unsere Ziele weit übertroffen", teilten sie mit, am Wochenende nähere er sich dem ausverkauft. Das hilft dann vielleicht nicht mehr Matthew Hudson-Smith, wohl aber seiner Tribüne.
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