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DTM - Maro Engel exklusiv über Rivale Thomas Preining: "Fahren nicht gemeinsam in den Urlaub"
Aktualisiert:
von Andreas Reinersran racing DTM
DTM-HIGHLIGHTS: Teenager nicht zu bremsen – Mercedes-Katastrophe beim Start
Videoclip • 05:30 Min
Maro Engel führt die DTM mit einem Zähler Vorsprung an. Im ran-Interview spricht er über seinen Fehler am Nürburgring, das Verhältnis zu Thomas Preining und die Frage, ob mit 41 die Zeit drängt.
Das Interview führte Andreas Reiners
Enger geht es kaum.
Ein Punkt trennt Maro Engel vor dem vorletzten Rennwochenende am Sachsenring (im Free-TV im kostenlosen Livestream auf Joyn) von Thomas Preining. Vier Läufe stehen insgesamt noch aus. Und der Mercedes-AMG-Pilot reist mit einer Hypothek an. Am Nürburgring warf er einen komfortablen Vorsprung weg, als er ausgerechnet seinen Markenkollegen Lucas Auer abräumte. Dafür wird er am Samstag um drei Startplätze nach hinten versetzt.
Engel geht damit offen um. Er habe sich am meisten geärgert, sagt der 41-Jährige, sei nach dem Rennen zu Auer in die Box gegangen und habe sich entschuldigt. "Aber am Ende des Tages: Wir spielen nicht Hallenhalma", sagte er im ran-Interview. Auf den DTM-Titel wartet er seit seinem Debüt in der Serie 2008. "Ich werde so lange daran arbeiten, bis ich diesen Titel hole."
Bleibt der aktuell härteste Verfolger. Das Verhältnis zu Preining gilt als unterkühlt, seit einem Zwischenfall im GT-Masters-Finale 2021. Von außen werde da viel hineininterpretiert, sagt Engel. Und schiebt hinterher: "Menschlich können wir es dabei belassen, dass wir nicht gemeinsam in den Urlaub fahren."
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Hat Maro Engel nach der Kollision schlecht geschlafen?
ran: Maro Engel, die Kollegen von "Motorsport-Total" haben die Rubrik "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat". Das waren nach dem Nürburgring Sie. Wie schlecht haben Sie tatsächlich geschlafen?
Maro Engel: Schlecht geschlafen habe ich nicht. Dennoch: Es war ein ärgerlicher Fehler, und ich habe mich sicherlich am meisten geärgert. Aber Fehler gehören im Motorsport leider auch dazu. Wichtig ist immer, was man daraus lernt und wie man zurückkommt.
ran: Was haben Sie daraus gelernt?
Engel: Du analysierst die Situation, den Grip, den Du in dem Moment hast und wie das Auto eingestellt war. Letztendlich bin ich mit Untersteuern zu weit nach außen gekommen. Du versuchst, die richtigen Learnings daraus zu ziehen, und schaust dann nach vorne.
ran: Was ist Ihnen an dem Abend durch den Kopf gegangen?
Engel: Es war natürlich ein bisschen das Worst-Case-Szenario - auch noch mit Lucas zu kollidieren. Aber am Ende des Tages: Wir spielen nicht Hallenhalma. Wir wissen alle, dass auch mal Fehler passieren können. In dem Moment ging es für mich darum, das zu akzeptieren, klar zu meinem Fehler zu stehen und gleichzeitig aber auch schon den Blick nach vorne zu richten.
ran: Wie schnell haken Sie so etwas ab?
Engel: Bei mir dauert es schon etwa zwei, drei Tage, bis ich sage, das ist komplett hinter mir. Ich spiele die Szene noch ein paar Mal im Kopf durch und frage mich: Wo hätte ich anders handeln können? Rückschläge gehören aber zum Leben eines Profi-Sportlers dazu.
ran: Wie schnell war die Sache zwischen Lucas Auer und Ihnen geklärt?
Engel: Noch während des Rennens. Ich bin zu ihm in die Box gegangen, habe mich entschuldigt, und dann haben wir direkt abgeklatscht. Luggi war schon bewusst, dass das keine Absicht von mir war, sondern ein Fehler. Für ihn war es natürlich auch enttäuschend. Aber wir haben eine sehr gute Beziehung. Da war das sehr schnell erledigt.
ran: Am Sachsenring wird der Porsche von Thomas Preining stark erwartet, Überholen ist schwierig, dazu kommt Ihre Startplatzstrafe. Verändert das die Herangehensweise?
Engel: Wir sind voll und ganz auf uns fokussiert, um das Maximale aus unserem Paket herauszuholen. Alles, was drumherum passiert, sind Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Wir haben in der Folge der Kollision eine Startplatzstrafe erhalten und werden um drei Plätze nach hinten versetzt - auch die müssen wir akzeptieren und das Beste daraus machen.
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Maro Engel: "Preining? Ein Konkurrent wie jeder andere"
ran: Preining hat aktuell einen Punkt weniger als Sie. Wie schätzen Sie ihn sportlich als Konkurrenten ein?
Engel: Er ist ein Konkurrent wie jeder andere. In der DTM gibt es wahnsinnig viele starke Fahrer, nicht nur ihn. Natürlich sind wir beide im Moment auf eins und zwei. Aber ich erinnere gerne an das vergangene Jahr. Es gibt viele Konkurrenten im Feld, die stark sind. Das macht auch den Reiz der Serie aus.
ran: Dahinter lauern Nicki Thiim, Lucas Auer, Marco Wittmann, Matteo Cairoli. Haben Sie jemanden besonders im Blick?
Engel: Wie bereits gesagt: Unser Blick ist voll und ganz auf uns gerichtet, weil alles andere Faktoren sind, die wir nicht kontrollieren können. Dass in der DTM starke Fahrer, Hersteller und Teams am Start sind, weiß jeder. Deswegen ist es die DTM. Vorhersagen zu machen, ist kaum möglich. Insofern beschäftigen wir uns erst gar nicht damit.
ran: Inwiefern beschäftigen Sie sich überhaupt mit den Stärken und Schwächen der Konkurrenz? Fließt das in die Vorbereitung auf ein Rennwochenende ein?
Engel: Gar nicht. Der Fokus liegt einzig und allein darauf, mit meinem Mercedes-AMG Team RAVENOL und unserem AMG GT3 die bestmögliche Performance an den Tag zu legen.
Maro Engel: Erst auf der Strecke schlagen, dann ein Bier
ran: Sorgt es für zusätzliche Brisanz, dass zwischen Ihnen und Preining ein angespanntes Verhältnis herrscht? Wie es heißt, sollen Sie schon länger nicht mehr miteinander reden.
Engel: Da wird meines Erachtens von außen viel reininterpretiert. Er ist ein Konkurrent wie jeder andere, ein starker Rennfahrer. Menschlich können wir es dabei belassen, dass wir nicht gemeinsam in den Urlaub fahren. Damit ist eigentlich alles gesagt.
ran: Preining erzählte von einem Zwischenfall beim GT-Masters-Saisonfinale 2021: "Jedes Mal, wenn wir uns an der Strecke sehen, habe ich das Gefühl, dass er die Sache nicht überwunden hat, da er mir jedes Mal reinfährt."
Engel: Das ist seine Sichtweise und Aussage. Ich sage nicht viel mehr dazu, außer: Er ist ein Gegner wie jeder andere. Und es gibt im Fahrerlager Menschen, mit denen man sich besser versteht, und Menschen, mit denen man sich weniger gut versteht. Das hat mit Persönlichkeit und Werten zu tun.
ran: Spielt so etwas auf der Strecke in den Zweikämpfen ganz allgemein eine Rolle?
Engel: Ich habe es immer so gehalten: Egal, wer gerade vor oder hinter mir fährt, mit wem du gerade kämpfst – das sind alles Kollegen und gleichzeitig Gegner im Wettkampf. Ob das eine Frau ist oder ein Mann, ein junger oder ein älterer Rennfahrer, ganz gleich. Du versuchst, sie sportlich zu schlagen, und trinkst im besten Fall abends gemeinsam ein Bier, wenn der Wettkampf vorbei ist.
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Maro Engel: "Die DTM ist unvorhersehbar"
ran: Könnte es in den letzten Rennen auf der Strecke trotzdem nochmal knallen?
Engel: Ich habe keine Kristallkugel und kann leider nicht in die Zukunft schauen. Aber es wird mit Sicherheit wieder ein spannender Titelkampf. Dafür steht die DTM, sie ist unvorhersehbar. Das ist das Besondere an dieser Meisterschaft, dass so viele starke Fahrer und Teams am Start sind und nicht vorhersehbar ist, wer gewinnt. Insofern kann ich allen Fans nur raten: Schaltet ein, schaut zu, kommt an die Strecke.
ran: Sie haben eine bewegte DTM-Geschichte hinter sich. Verändert die, was dieser Titel für Sie bedeuten würde?
Engel: Der DTM-Titel ist schon immer ein sehr prestigeträchtiger Titel gewesen, besonders für einen deutschen Rennfahrer. Meine professionelle Motorsportkarriere hat 2008 in der DTM angefangen, und um auch über das Private zu reden: Ich habe bei der DTM meine Frau kennengelernt. Insofern habe ich eine besondere Bindung zu dieser Serie. Aber auch in anderen großen Rennen und Meisterschaften musste ich Rückschläge einstecken, ich musste lange auf gewisse Siege und Titel hinarbeiten und warten. Ich arbeite gemeinsam mit meinem Team, aber eben auch ich persönlich, schon lange auf diesen Titel hin. Das ist kein Geheimnis. Es ist ein sportlicher Wettbewerb, der mega Spaß macht. Hartes, cooles Racing. Ich werde zumindest so lange daran arbeiten, bis ich diesen Titel hole. Und darf hoffentlich auch danach noch eine Rolle in der DTM spielen.
ran: Sie sind im August 41 geworden. Dazu fahren Sie generell eine sehr starke Saison. Denken Sie: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Engel: Ich versuche generell, meine gesamte Karriere so anzugehen, dass ich morgen besser bin, als ich es heute war. Dass ich mich immer infrage stelle, konstant, und gemeinsam mit meinem Team an allen Details arbeite. Ich habe das Gefühl, dass wir uns in den vergangenen Jahren jedes Jahr weiter gesteigert haben. Am Profi-Sport gemessen, habe ich das Glück, einen Beruf zu haben, den man sehr lange ausüben kann - wenn man motiviert und fit ist und konstant an sich arbeitet. Insofern glaube ich nicht, dass ich aufgrund meines Alters in einer Situation bin, in der die Zeit drängt. Ich hoffe auf noch viele erfolgreiche Jahre. Es ist immer noch ein Privileg, für Mercedes-AMG Motorsport Rennen fahren zu dürfen und gemeinsam auf Sieg- und Titeljagd zu gehen. Das ist auch meine Zielsetzung für die Jahre nach 2026.
ran: "Wir erleben den besten Maro aller Zeiten", wurde ein Kenner aus dem AMG-Umfeld zitiert. Warum ist das so?
Engel: An der Stelle möchte ich auch hervorheben, dass Motorsport immer ein Teamsport ist. Gemeinsam mit meinem Team, gemeinsam mit Mercedes-AMG Motorsport sich immer wieder infrage zu stellen: Was kann man besser machen? Wie kann man am Ball bleiben? Ich bin fest davon überzeugt: Wenn du permanent an dir und am Prozess arbeitest, dann stellt sich der Erfolg auch ein.
Maro Engel: Tipps von Kumpel Nico Rosberg?
ran: Das wirkt sehr abgeklärt. Wie gehen Sie mit dem Druck um, der vor allem zum Saisonende aufkommt?
Engel: Der Druck ist permanent da, in allererster Linie machst du den natürlich auch selbst. Als Athlet kriegst du dein Arbeitszeugnis jeden Abend mit nach Hause. Da steht schwarz auf weiß, wie gut du an dem Tag warst. Über die Jahre lernst du den für dich besten Umgang mit Druck, da ist aber jeder ein Stück weit anders. Ich freue mich darauf. Es ist schön, dass wir diesen Druck verspüren, dass wir in der Situation sind, um diese Meisterschaft zu kämpfen. Es wäre viel schlimmer, wenn wir zum Saisonende kommen würden und keinen Druck hätten, weil wir um keinen Titel mehr fahren. Insofern ist die Perspektive ganz wichtig.
ran: Können Sie aus dem Druck Stärke entwickeln?
Engel: Definitiv. Es ist immer etwas, bei dem ich gefühlt noch ein bisschen mehr Performance aus mir herausholen kann. Ich glaube, das spürt man erst, wenn man mal eine Zeit lang zu Hause ist und nicht mehr fährt. Dieses Adrenalin, vor allem aber der Wettbewerb. Ich liebe den Wettbewerb, besonders wenn es hart - aber fair - zugeht. Wenn man weiß, man muss heute das Allerbeste aus sich und seinem Paket herausholen, um zu bestehen. Das sind die Momente, die besonders in Erinnerung bleiben. Darauf kann man mit Stolz zurückblicken.
ran: Sie sind selbst sehr erfahren. Trotzdem: Haben Sie sich bei Ihrem Kumpel Nico Rosberg mal einen ultimativen Titelkampf-Tipp geholt?
Engel: Diesbezüglich habe ich mit Nico nicht gesprochen. Aber wir sehen uns nach wie vor immer wieder in Monaco, und unsere Kinder gehen gemeinsam zur Schule, was ganz schön ist. Nico hat in seiner Karriere sein ultimatives Ziel erreicht. Ich versuche, es ihm in meinem Bereich gleichzutun.
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