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Kommentar

Formel 1 und NFL fragwürdig: Mal wieder ist das Geld wichtiger – ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Andreas Reiners

NFL

NFL in Tokio? Commissioner Goodell mit Update

Videoclip • 05:34 Min


Die Formel 1 zögert, die beiden letzten Saison-Rennen abzusagen. Die NFL setzt in Paris auf das Motto "Augen zu und durch". Die Zockerei ist unsäglich. Ein Kommentar.

Von Andreas Reiners

Was ist ein probates Mittel, um eine unangenehme Entscheidung nicht treffen zu müssen? Genau: Man hofft, dass es sich von selbst erledigt.

Aussitzen nennt man so etwas. Oder zocken. Je nach Ausgangssituation ist das entweder feige.

Oder ziemlich abgezockt. Im schlechtesten Sinne allerdings.

Das Problem: In Milliardengeschäften wie der Formel 1 und der NFL, in denen unzählige Menschen involviert sind, kann diese Taktik fatale Folgen haben.

Gerade dann, wenn man die letzten beiden Rennen in Katar und Abu Dhabi fährt - also im Nahen Osten, wo es seit Frühjahr und den Angriffen der USA und Israels auf den Iran ununterbrochen brodelt. Oder ein NFL-Spiel in einer Stadt austrägt, in der Krawalle und Ausschreitungen jederzeit komplett eskalieren können. Vor allem dann, wenn - wie nun in Paris - für das Spiel-Wochenende Großdemonstrationen angekündigt sind.

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Formel 1: Moralische Messlatte hängt nicht mehr hoch

Dabei geht es im Fall der Motorsport-Königsklasse nicht einmal um Menschenrechte, also die moralische Messlatte, die in den vergangenen Jahren immer skrupelloser übersprungen wurde, weil sie keine nennenswerte Höhe mehr aufwies.

Angesichts von Antrittsgeldern in dreistelliger Millionenhöhe kann man bei sogenanntem Sportswashing offenbar deutlich leichter wegschauen. Anreisen, Runden fahren, und wieder weg: Lange beschäftigen muss man sich mit den Vorwürfen im Gastgeberland nicht, mit den Problemen vor Ort sowieso nicht.

Im Fall des Nahost-Konflikts zwischen den USA und dem Iran können weitere Militäraktionen der Amerikaner allerdings für neue Eskalationen sorgen. Was dann auch den Tross der Königsklasse beträfe.

Die Gefahr ist real, die Folgen sind nicht absehbar, und die Verantwortlichen warten ab. Das ist nicht nur feige, sondern möglicherweise auch lebensgefährlich.

NFL hält am Paris Game fest

Das gilt auch für die NFL, die im Vorfeld des Spiels in Paris zwischen den Pittsburgh Steelers und den New Orleans Saints zwar die Sicherheitsmaßnahmen verstärkte und vereinzelte Veranstaltungen absagte, aber das Spiel selbst nicht.

Dabei stellt sich längst die Frage, ob zusätzliche Sicherheitskräfte tatsächlich ausreichen. Oder ob der gesunde Menschenverstand nicht eine Verlegung verlangt.

Es geht um eine Premiere, einen neuen Markt und offenbar auch um die Angst vor einem Imageschaden. Doch was wäre für die NFL unangenehmer: Negativschlagzeilen rund um das erste Spiel in Frankreich oder das Eingeständnis, dass die Lage eine Verlegung erforderlich macht?

Dabei hätte man in Europa bleiben können: London weiß, wie man NFL-Spiele austrägt. Ist dann eben nicht mehr ganz so neu und aufregend. Dann nimmt man offenbar in Kauf, dass die Fans am neuen Spielort am Sonntag auf dem Weg zum Stadion in Gefahr geraten könnten.

Dass eine Verlegung durchaus eine Option ist, zeigt ausgerechnet der Fußball: Die Partie zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Lyon wurde wegen der Sicherheitslage von Sonntag auf Montag verschoben.

Doch für die NFL gilt offenbar weiterhin: Die Show muss weitergehen.

Formel 1 und NFL: Der Rubel muss rollen

All das zeigt, wie skrupellos das Geschäft geworden ist. Beziehungsweise immer noch ist.

Denn bei einer Absage der beiden letzten Rennen durch die Formel 1 droht ein Einnahmenverlust in Höhe von angeblich rund 160 Millionen Euro. Die beiden unvermeidlichen Absagen der Grand Prix von Saudi-Arabien und Bahrain im Frühjahr wegen des Iran-Kriegs sorgten für Mindereinnahmen von 100 Millionen Euro. Ein Minus, das durch einen Nachholtermin in Malaysia teilweise wieder aufgefangen werden konnte.

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Formel 1: Imola steht als Ersatz bereit

Als Ersatz für Katar und Abu Dhabi steht Imola bereit. Finanziell ist das allerdings nicht annähernd dasselbe Niveau wie die WM-Läufe in den Wüstenstaaten.

Weshalb es den Verantwortlichen fraglos lieber wäre, die Rennen würden wie geplant und ohne Probleme über die Bühne gehen. Sie verschließen die Augen zwar nicht, wissen um die Situation, aber sie handeln nicht. Dass die Formel 1 dabei auch von den nächsten Entscheidungen Donald Trumps abhängt, macht die Lage zusätzlich unberechenbar.

Denn der US-Präsident soll vor den Midterms im Nahost-Konflikt angeblich den Ball flachhalten, könnte nach den Wahlen am 3. November aber dann wieder provozieren. So lautet zumindest die Befürchtung.

Niemand kann zuverlässig vorhersagen, wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in den kommenden Wochen entwickelt. Genau deshalb braucht es einen Plan, der die Sicherheit der Beteiligten über wirtschaftliche Interessen stellt. Und Menschen, die kluge Entscheidungen treffen.

So oder so ist es ein Dilemma. Eines, das man ernst nehmen sollte.

Und nicht aussitzen.

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