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Kansas City Chiefs 2.0: Wie Andy Reid Patrick Mahomes wieder erfolgreich macht
Veröffentlicht:
von Gianluca FraccalvieriNFL
NFL-Highlights: Chiefs at Raiders
Videoclip • 04:54 Min
Nach einer Saison zum Vergessen sind die Kansas City Chiefs eines der heißesten Teams der Liga und das einzige ungeschlagene Team in der AFC. Grund dafür ist eine komplett transformierte Offense, die viele dem Dauerchampion unter Andy Reid gar nicht mehr zugetraut haben.
Was wurde vor der Saison nicht alles über die Kansas City Chiefs gesagt? Sie seien offensiv zu unflexibel, ihr System sei überholt – und am besten sollte Andy Reid gleich komplett das Handtuch werfen.
Jetzt ist die Saison gerade mal vier Wochen alt und die Chiefs werden in allen Power Rankings in den Top 5 geführt und sind nach dem Downyear offiziell "back".
Natürlich hilft dabei, dass Patrick Mahomes nach seiner schweren Verletzung wieder wie der MVP-Kandidat vergangener Jahre aussieht. Das erzählt aber bei Weitem nicht die ganze Geschichte, schließlich spielte der 31-Jährige auch vor seiner Verletzung eine ziemlich durchwachsene Saison.
Auch die Addition von Super Bowl MVP Kenneth Walker ist nicht die Quintessenz des Geheimnisses, auch wenn vieles mit ihm und seinem historischen Saisonstart zu tun hat. Am Ende laufen jedoch alle Fäden beim 68-jährigen Head Coach zusammen, der sich auf seine alten Tage tatsächlich noch mal neu erfunden hat.
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Kansas City Chiefs: Andy Reid zeigt seine Flexibilität
Reid kommt aus der alten Bill-Walsh-Schule, weshalb seine offensiven Prinzipien auf der berühmten West Coast Offense fußen. Kurz gesagt stehen dabei kurze, sichere Routen mit vielen Screens im Vordergrund, während tiefe Pässe und klassisches Laufspiel hintenanstehen.
So ließ er viele Jahre bei den Philadelphia Eagles spielen, zeigte aber seit seiner Übernahme bei den Chiefs, wie flexibel er sein kann. Da er auf einmal einen der besten QBs der Geschichte vor der Nase hatte, passte er sein System an und ließ den jungen Mahomes so oft und so tief (vor allem auf Tyreke Hill) werfen, wie er wollte.
Mit dem Abgang von Hill änderte sich die Offense aber grundlegend und Mahomes warf auf einmal fast gar nicht mehr tief, da das Personell schlichtweg nicht mehr da war. Das machte aber erstmals nichts, da sie durch das Kurzpassspiel noch effektiver wurde und Mahomes weiterhin alle Freiheiten hatte. Das gepaart mit einer starken Defense brachte nach dem Titel 2019 noch zwei weitere 2022 & 2023 ein.
Nach der Demontage durch die Eagles im Super Bowl LIX schienen die Chiefs dann aber auf einmal etwas entzaubert. In der Folge wollte Reid zur Vorsaison wieder mehr auf tiefe Bälle setzen, die verpflichteten Receiver lieferten aber nicht wie erhofft ab und das System stagnierte zunehmend.
Mit einem alternden Travis Kelce, keinem funktionierenden Running Back und wenig Gefahr durch Deep Threats waren die Chiefs auf einmal nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das zeigen auch die Zahlen: In den vergangenen drei Saisons hatte die Chiefs nie einen Receiver oder RB über 1.000 Yards, was mit einem QB wie Mahomes verrückt ist.
Mit Mahomes in der Blüte und Kelce sowie Defensivanker Chris Jones im Spätherbst ihrer Karriere war allen Beteiligten klar, dass es dieses Jahr anders laufen muss.
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Kansas City Chiefs erinnern an Los Angeles Rams
Mahomes hat in seiner Karriere fast immer aus der Shotgun heraus gespielt und war dabei oft leicht auszurechnen. Ein Spieler von seiner Qualität kann sich das zwar leisten, da er durch seinen Lauf und seine unnachahmlichen Würfe immer eine Lösung finden kann, es ist aber auch kein Wunder, dass die Chiefs in der Vorsaison viele Sacks erlaubt haben (47, Platz 11). Ohne das passende Personal an seiner Seite konnte auch der zweifache MVP schlichtweg keine Wunder vollbringen.
Gegnerische Defensive konnten zu einfach vorhersehen, was die Chiefs vorhatten. Der Regelfall war der: Callen die Chiefs eine RPO (Run Pass Option), werfen sie in den allermeisten Fällen (85,25 %), callen sie ein Play von Under Center, laufen sie den Ball (80,13 %). Wenige Teams in der Liga waren in dieser Hinsicht so unflexibel.
Erschwerend kam noch hinzu, dass die Chiefs so selten und erfolglos Play-Action-Spielzüge verwendeten wie kein anderes Team der Liga (Platz 32, 367 Yards über die gesamte Saison!) und sehr ungern (aus Gründen) den Ball liefen.
Das ist in diesem Jahr aber komplett anders. Die Chiefs sind nach vier Spielen eines der besten Offensivteams der Liga und gewinnen enge Spiele wieder, indem sie gegnerische Teams in der Crunchtime offensiv dominieren und stets Lösungen für die defensiven Schemes finden.
Dabei erinnern sie interessanterweise mehr an die historische Rams-Offensive der Vorsaison unter Matthew Stafford als an alte Versionen der glorreichen Chiefs.
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Kansas City Chiefs und der Walker-Effekt
Auf einmal spielt Kansas City so viel und so gut aus Play-Action-Situationen heraus wie kein anderes Team der Liga. Mahomes scheint mit dem neuen Scheme prächtig zurechtzukommen, hatte eine wahnsinnig gute Completion Rate über die ersten drei Spiele (71 %) und schafft es endlich, die Fakes auch ordentlich zu verkaufen.
Neuzugang Kenneth Walker hat einen unglaublichen Saisonstart hingelegt, weshalb gegnerische Defenses ihn ganz anders respektieren müssen als Kareem Hunt oder Isiah Pacheco in den vergangenen Saisons. Das bietet viel Platz für Spieler wie Kelce oder Rashee Rice, die sich geschickt in freie Räume stehlen können.
Besonders effektiv sind die Chiefs dabei aus Under-Center-Situation und nutzen das auch gnadenlos aus: Gegen die Dolphins hatten sie 26 Snaps aus Under Center, in der gesamten Vorsaison lag der Höchstwert bei 20!
Befeuert wird diese Effektivität von den neuen tiefen Targets der Chiefs, allen voran Tyquan Thornton, der eine neue/alte Dimension in Mahomes' Spiel gebracht hat. Umso bitterer ist es, dass er sich gegen Las Vegas womöglich schwer verletzt hat. Allerdings wird auch schon über eine Rückkehr von Hill spekuliert, der auf eine neue Chance in der NFL hofft.
Einmal müssen wir aber noch auf den Einfluss von Walker zurückkommen. Nach vier Spielen ist der RB nur noch 74 Yards von Vorjahresleader Hunt entfernt, der über die gesamte Saison für 611 Yards gelaufen ist. Walker ist eine Art von Gamechanger, wie Mahomes ihn noch nie an seiner Seite hatte.
Das Ende des Raiders-Spiels hat das eindrücklich gezeigt. Anders als früher muss Mahomes in den wichtigen Situationen nicht alles mit dem Ball in der Hand selbst machen, sondern kann die Verantwortung guten Gewissens an Walker abgeben, der in der Crunchtime das Spiel mit zwei explosiven Touchdown-Läufen problemlos entschied.
Kansas City Chiefs: Probleme bleiben
Das heißt jedoch auch lange noch nicht, dass bei den Chiefs alles reibungslos läuft. Die Defensive beispielsweise wackelte sowohl gegen die Raiders als auch beim OT-Sieg gegen die Colts gewaltig, zudem haben sie in keinem der vergangenen drei Spiele einen Sack sammeln können. Gegen die Star-QBs der Liga könnte sich dieser fehlende Druck rächen.
Dazu ist auch fraglich, wie gut KC die Ausfälle auf den Receiver-Positionen kompensieren kann. Thornton wird tendenziell länger ausfallen, dazu verletzte sich auch noch Rice früh im Raiders-Spiel. Bleibt aktuell nur Xavier Worthy als Top-Anspielstation. Ob und wie Hill nach seiner schweren Verletzung 2025 überhaupt helfen könnte, ist unklar.
Dennoch darf man aus Chiefs-Sicht absolut zufrieden sein mit dem bisherigen Saisonstart. Das Team findet sich grandios mit dem neuen System zurecht und dürfte mit zunehmender Spielpraxis nur noch besser werden, hinzu kommt ein sehr dankbarer Spielplan über die kommenden Wochen (Chargers, Jets, Falcons, Cardinals).
Alles sieht also danach aus, als wären die neuen Chiefs erneut einer der Top-Anwärter auf die beste Bilanz in der AFC. Allerdings ist es auch noch früh in der Saison.
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