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NFL - Nach Auftaktniederlagen unter Druck: Rams, Cowboys und Co. vor richtungsweisender Woche
Veröffentlicht:
von Chris LugertNFL
NFL - Power Ranking: Von Platz 1 auf die 7! Rams rutschen ab
Videoclip • 01:54 Min
Gestartet als Mitfavoriten, stehen mehrere NFL-Teams vor Week 2 bereits unter Druck. Eine weitere Niederlage könnte Zweifel wachsen lassen und die Saisonziele akut gefährden.
Die deutliche Niederlage zum Saisonstart? Für Sean McVay nur ein Ansporn und Charaktertest. "Das sind die Gelegenheiten, bei denen man sich durch den Umgang damit wirklich von anderen abheben kann", sagte der Head Coach der Los Angeles Rams nach dem missratenen Trip nach Australien.
Die Rams hatten sich in der Offseason eine Art Super-Team gebaut, vor allem defensiv wurde nachgerüstet. Headliner war der Blockbuster-Trade für Myles Garrett, sogar Aaron Donald kündigte ein historisches Comeback an. Die Frage war nicht, ob dieses Team in den Super Bowl kommt. Sondern nur: Mit welcher Bilanz?
Nach der Bruchlandung von Melbourne gegen die San Francisco 49ers (7:27) befinden sich die Rams plötzlich in einer ganz anderen Situation. Lag es nur an der letztlich falschen Planung, erst einen Tag vor dem Spiel in Australien einzutreffen? Oder sind die Rams gar nicht so gut, wie alle dachten?
"Wir werden sehen, wo wir uns verbessern und in Zukunft besser werden können. Aber das ist ein Tag, der uns demütig stimmt. So etwas kann im Sport eben manchmal passieren", sagte McVay. Dass jetzt auch noch Garrett aufgrund einer Knie-OP wochenlang ausfallen wird, passt zu diesem völlig verkorksten Saisonstart.
Die kommende Aufgabe hat dabei das unerwartete Potenzial, eine echte Krise bei den Rams auszulösen. Denn Montagabend (Ortszeit) empfängt L.A. die New York Giants. Was vor zwei Wochen noch wie ein Selbstläufer aussah, ist jetzt das genaue Gegenteil. Denn die Giants sind so etwas wie das Team der Stunde.
Der Auftaktsieg gegen die Dallas Cowboys war ebenso überraschend wie überzeugend. Die Giants können offenbar auch mit Playoff-Anwärtern mithalten – was für die Rams eine Warnung sein sollte. So mancher Spieler schien sich seiner Sache vor dem Melbourne-Spiel bereits zu sicher zu sein. Doch in der NFL muss jedes Spiel erst gespielt werden.
Sollten die Rams auch gegen die Giants den Kürzeren ziehen, kann sich das Team nicht mehr hinter der Anomalie des Australien-Spiels verstecken. Dann müssen in Kalifornien ganz andere Fragen gestellt werden.
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Cowboys lernten "Demut" zum Saisonstart
Ähnlich ist die Situation auch bei den Dallas Cowboys, die die neue Stärke der Giants beim 20:28 aus nächster Nähe bestaunen durften. Das Selbstverständnis von "America's Team" sieht eigentlich keine Niederlagen gegen die Giants vor, zumindest nicht in der jüngeren Vergangenheit. Die Cowboys wähnen sich vielmehr stets als Super-Bowl-Kandidat.
Ein Anspruch, der mit Blick auf den Kader durchaus seine Berechtigung hat. Gerade die Offense verfügt über enorm viel Talent, das Receiver-Duo aus George Pickens und CeeDee Lamb sucht ligaweit seinesgleichen. Quarterback Dak Prescott mag nicht das Niveau von Josh Allen, Lamar Jackson oder Joe Burrow haben, kann aber als Pocket Passer eine Offense gut umsetzen.
Und die Defense? Die wurde in der Offseason ordentlich umgebaut. Gegen die Giants aber klappte in keinem Mannschaftsteil sonderlich viel. Stattdessen rief die Niederlage mal wieder Hohn und Spott hervor, wie so oft, wenn das polarisierendste Team der USA ein Spiel verliert.
"Das ist ein Sport, der einem Demut lehrt, und heute Abend haben wir eine Lektion in Demut gelernt", sagte Head Coach Brian Schottenheimer nach dem Giants-Spiel: "Wir haben die erste Meile eines 17-Meilen-Marathons verloren, und wir müssen besser werden – und wir werden besser werden."
Und das am besten direkt in Woche zwei. Am Sonntag empfangen die Cowboys im nächsten Division-Duell in der NFC East die Washington Commanders. Noch sieht Schottenheimer verständlicherweise keinen Grund, nervös zu werden. "Wir werden nicht in Panik geraten. Die Saison ist noch lang, und wir wussten, dass wir nicht ungeschlagen bleiben werden", sagte er.
Eine weitere Niederlage und ein 0-2 könnten die Stimmung in Dallas aber ganz schnell kippen lassen. Sollten dann auch noch die Philadelphia Eagles parallel gewinnen, wäre der wohl größte Rivale um den Division-Sieg bereits zwei Siege enteilt. Das würde wohl auch Cowboys-Besitzer Jerry Jones nicht gefallen.
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Pleitenserie der Packers hält weiter an
Die Green Bay Packers wiederum befinden sich in einer etwas anderen Situation. Denn im Gegensatz zu den Cowboys und den Rams haben sie ihren Saisonauftakt nicht verloren, weil der Gegner einfach besser war. Sondern weil sie selbst in komfortabler Situation das Footballspielen eingestellt haben.
Dass die Minnesota Vikings mit Backup-Quarterback nach 10:22-Rückstand unglaubliche 29 Punkte am Stück erzielen konnten, ist ein neuer Tiefpunkt in der jüngeren Packers-Geschichte, die gepflastert ist mit Spielen, in denen Green Bay implodierte und sichere Siege aus dem Fenster warf. Inzwischen stehen die Packers bei saisonübergreifend sechs Niederlagen in Serie.
Wieder einmal rückte auch Head Coach Matt LaFleur in den Fokus. Statt seinem bis dato erfolgreichen Matchplan treu zu bleiben, schaltete er in den Verwaltungsmodus und holte die Vikings damit ins Spiel zurück. Ein gescheiterter vierter Versuch, bei dem LaFleur auf ein mögliches Field Goal verzichtete, trug ebenfalls dazu bei.
"Das Coaching, das Spiel selbst – das betrifft uns alle. Wir müssen unsere Spieler besser in Position bringen, und wenn wir in Position sind, müssen wir unsere Chancen nutzen", sagte LaFleur.
Der Blick richtete sich aber schnell wieder nach vorne. "Jetzt heißt es: zurück an die Arbeit. Das Spielmaterial kritisch analysieren. Zusammenhalten. Man muss sich hervorragend vorbereiten … wir müssen wieder in die Spur kommen", stellte er klar, merkte aber an: "Vor uns liegt eine große Herausforderung, und wir müssen die Situation wieder in den Griff bekommen."
Diese Aufgabe führt die Packers nach New York zu den Jets, die am ersten Spieltag problemlos bei den Tennessee Titans gewannen. Dennoch sind die Packers Favorit, was angesichts der Kaderqualität auch gar nicht anders vermittelbar wäre. Ein Sieg im MetLife Stadium ist Pflicht, sonst nimmt irgendwann auch der Druck auf LaFleur zu.
Chargers-Niederlage: Harbaugh bereut Preseason-Entscheidung
Echte Meister darin, Erwartungen zu enttäuschen und höchstselbst aufs Gleis gestellte Hype Trains aus der Spur zu bringen, sind die Los Angeles Chargers. Immer wieder stellen sich die Kalifornier in der Offseason scheinbar gut auf, nur um dann gleich zum Saisonstart weit hinter den eigenen Möglichkeiten zu bleiben.
So auch in Week 1 gegen die Arizona Cardinals, die vor der Saison eher als Kandidat auf einen Top-5-Pick im nächsten Draft galten. Doch die Chargers kamen offensiv nicht zur Entfaltung und ließen auch defensiv zu viel zu. Letztlich stand eine klare 14:26-Niederlage, die erst einmal verdaut werden musste.
Head Coach Jim Harbaugh fand dabei einen interessanten Erklärungsansatz. "Ich wünschte, wir hätten unseren Startern in der Preseason mehr Spielzeit gegeben", räumte er ein. Er erkannte viele Fehler, die vor allem für die Preseason typisch seien - und die mit mehr Spielpraxis womöglich gar nicht passiert wären.
Tatsächlich wirkte gerade die Offense noch sehr rostig. Quarterback Justin Herbert spielte bestenfalls durchwachsen, das mit Spannung erwartete Playcalling von Offensive Coordinator Mike McDaniel sorgte beim Gegner noch nicht für Angst und Schrecken.
"Es sind einige ungewöhnliche Dinge passiert. Man muss ihnen zugutehalten, dass sie das möglich gemacht haben", sagte Harbaugh mit Blick auf die Cardinals: "Ich würde es stellenweise als schlampig bezeichnen. Zu schlampig. Das ist etwas, das wir in den Griff bekommen müssen."
Für die Chargers steht in Week 2 am Sonntag direkt das nächste Heimspiel an, dann sind die Las Vegas Raiders in der kalifornischen Metropole zu Gast. Auf dem Papier eine klare Sache - aber das galt für das Spiel gegen die Cardinals ebenfalls. Klar ist: Verlieren die Chargers erneut, könnte die Saison eine unschöne Richtung einschlagen.
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