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NFL: Quarterback-Duelle vor der Saison 2026 - haben die Teams keine Geduld mehr?
Aktualisiert:
von Gianluca FraccalvieriNFL
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Die NFL-Saison startet in wenigen Wochen, und noch immer stehen bei einigen Teams heiße Duelle im Kampf um die Quarterback-Position an. Wir analysieren, wer die besten Karten hat und was diese ungewöhnliche Situation für die Liga bedeutet.
Quarterback-Duelle sind in der NFL per se nichts Ungewöhnliches. In jeder Offseason gibt es das eine oder andere Team, das zwei QBs gegeneinander um den Starting Spot kämpfen lässt. Das belebt den Konkurrenzkampf und hält die Motivation hoch.
2025 gab es beispielsweise das Duell Jaxson Dart gegen Russell Wilson bei den New York Giants oder im Jahr zuvor Michael Penix gegen Kirk Cousins bei den Atlanta Falcons.
Was wir allerdings dieses Jahr erleben, ist sehr ungewöhnlich. Mit den Cleveland Browns, Las Vegas Raiders, Atlanta Falcons und Minnesota Vikings gehen gleich vier Teams mit laufenden Quarterback-Duellen in die Saison.
Spannend ist, dass es dabei stets zum Duell Alt gegen Jung, Veteran gegen Youngster kommt. Obwohl vieles noch unklar ist, lässt sich bei allen Teams ein Trend erkennen, der Fragen in Hinblick auf die Entwicklung der Liga aufwirft.
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Cleveland Browns: Deshaun Watson vs. Shedeur Sanders
Ausgangslage: Würde man die Duelle nach Absurdität ranken, landen die Browns ohne Frage an der Spitze. Auf der einen Seite steht der Ex-Star Deshaun Watson, für den Cleveland 2022 seine halbe Zukunft verkaufte und der seither in 19 Spielen mickrige 19 Touchdowns warf. In der Vorsaison absolvierte er verletzungsbedingt zudem kein einziges Spiel.
Auf der Gegenseite steht Shedeur Sanders, Sohn von NFL-Legende Deion Sanders, der im 2025er Draft überraschend bis in die 5. Runde fiel und mit vielen Negativschlagzeilen im Gepäck in die Liga kam. Als Rookie durfte er dann siebenmal starten, warf aber mehr Interceptions (10) als Touchdowns (7), auch wenn sein Potential immer wieder sichtbar war.
Aktuelle Situation: Laut "ESPN"-Insider Jeremy Fowler ist Watson als klarer Favorit in die Offseason gegangen und sieht nach seinen beiden Achillessehnen-OPs "wieder wie ein echter Athlet" aus. Es ist wohl seine letzte Chance, seinen Ruf als potenzieller Starting-QB in der NFL zu retten und sich unter Neu-Coach Todd Monken zu beweisen.
Allerdings scheint Sanders in den vergangenen Wochen immer weiter im Kurs gestiegen zu sein. Der 24-Jährige soll die Coaches mit seiner Entschlossenheit überzeugt haben und hat dazu auch das Alter auf seiner Seite.
Anders als Watson (30) kann Sanders theoretisch noch immer der Franchise QB werden, den das Team händeringend sucht. Deshalb muss Cleveland ihn früher oder später einsetzen und diese Möglichkeit ausloten.
Sollte er die Erwartungen nicht erfüllen können, würden die Browns sicherlich im QB-starken Draft 2027 einen ihrer beiden Erstrundenpicks nutzen, um diese Baustelle zu adressieren.
Prognose: Watson startet in Woche eins. Sollte kein Wunder geschehen, übernimmt Sanders aber spätestens zum Jahreswechsel.
Shedeur Sanders lauert auf seine Chance als Starting-QB
Bild: Getty Images
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Las Vegas Raiders: Kirk Cousins vs. Fernando Mendoza
Ausgangslage: In der Hauptstadt des Glücksspiels liegen die Karten im Grunde schon auf dem Tisch. Die Las Vegas Raiders angelten sich Kirk Cousins in der Free Agency im vollen Bewusstsein, dass sie Fernando Mendoza anschließend mit dem ersten Pick auswählen würden.
Der 37-Jährige ist einer der erfahrensten QBs der Liga und hat in seinen Jahren in Washington, Minnesota und Atlanta so ziemlich alles miterlebt. Er war für die Franchise günstig zu haben und gibt Mendoza jede Menge Zeit, sich an den stressigen Alltag der NFL zu gewöhnen.
In Atlanta hat er die Rolle als Mentor für Michael Penix schon einmal fabelhaft ausgefüllt und dürfte Mendoza im Tandem mit Teilhaber Tom Brady bestens auf dessen NFL-Zukunft vorbereiten.
Aktuelle Situation: Mittlerweile ist es auch klar, dass Cousins zunächst als Starter in die Saison gehen wird. So kann Mendoza ganz in Ruhe das komplexe System von Neu-Coach Klint Kubiak lernen. Hinzu kommt, dass er sich erst daran gewöhnen muss, Under Center zu spielen, da er auf dem College fast ausschließlich aus der Shotgun-Formation heraus und ohne viele Cadences agierte.
Es ist offensichtlich, dass die Raiders mit ihrem potenziellen Franchise-QB nichts riskieren wollen. So wird er der erste Top Pick seit Baker Mayfield 2018 werden, der nicht sofort von Beginn an auf dem Feld steht.
Spannend wird zu sehen sein, wie es nach dem Saisonstart dann weitergeht. Laut Ian Rapoport könnte Mendoza "früher als erwartet" als Starter übernehmen. Viele Experten ziehen Vergleiche zu Drake Maye, der 2024 in Woche 6 sein Debüt gab und seither der unangefochtene Starter ist und zu einem der besten Quarterbacks der Liga wurde.
Sollte Vegas jedoch überraschend um die Playoffs mitspielen können, könnte Cousins auch länger der Starter bleiben. In Anbetracht des Kaders und des schweren Spielplans ist davon aber nicht zwingend auszugehen.
Prognose: Cousins beginnt die Saison, ab Anfang November übernimmt dann Mendoza.
Fernando Mendoza
Bild: Marin Media
Atlanta Falcons: Tua Tagovailoa vs. Michael Penix Jr.
Ausgangslage: Bei den Falcons ist in diesem Sommer (mal wieder) alles neu. Nach der nächsten enttäuschenden Saison übernahm im Sommer ein neues Regime aus Coach Kevin Stefanski, Football-Präsident Matt Ryan und GM Ian Cunningham.
Für Stefanski, der in seinen Jahren bei den Browns so ziemlich jedes mögliche QB-Drama mitbekam, muss sich die Situation in Atlanta wie ein Deja-Vu anfühlen. Genau wie für Michael Penix Jr., der 2024 an achter Position von den Falcons gedraftet wurde - aber umgehend den 180-Mio.-Neuzugang Cousins vor der Nase hatte.
Was jedoch ein deutlicher Unterschied ist: Damals war er der Herausforderer, heute ist er der Herausgeforderte. Seit seinem Draft stand er zwölfmal von Beginn an auf dem Feld, bei überschaubarer Bilanz (4-8). Zwar ließ er immer wieder sein Potenzial durchblitzen, überzeugen konnte er aber nie durchgehend. Das zeigen auch seine Zahlen: 227 von 381 Pässen, 2.757 Yards, 12 Touchdowns, 6 Interceptions, ein Passer Rating von 85,8.
Konkurrenz bekommt er nun von Tua Tagovailoa, der nach seinem überraschenden Aus in Miami zum Minimum in Atlanta unterschrieben hat. Nach genialen Jahren 2022 und 2023, als er einer der besten Passer der Liga war, nahmen seine Leistungen in den vergangenen beiden Jahren rapide ab. Die Falcons markieren für ihn einen Neustart und lassen ihn ohne das Label "Franchise Quarterback" vielleicht wieder frei aufspielen.
Aktuelle Situation: Das Duell in A-Town ist das engste der Liga. Als überhaupt erst dritte Franchise der Geschichte haben die Falcons zwei linkshändige QBs in ihren Reihen, zudem sind beide Pocket Passer und kombinierten stets Phasen von Brillanz und Mittelmaß. Die Verletzungsanfälligkeit ist bei beiden ebenfalls ein Thema, was auch aktuell den Unterschied macht.
Penix Jr. ist noch nicht aus Einzel- und 7-gegen-7-Übungen herausgekommen, während er sich von seiner ACL-Operation im November erholt. Durch diese lange Reha kann Tua sich aktuell in Ruhe in Position für den Starter-Job spielen, auch wenn er zuletzt ebenfalls aussetzen musste.
Laut eigenen Aussagen sieht Stefanski in Tua ein Stück von sich selbst, da beide nach einer verkorksten Saison 2025 etwas zu beweisen haben. Das bringt ihn auf dem Papier schon mal in eine gute Position, zudem ist der Druck in Atlanta nach acht (!) verpassten Playoffs in Serie real. Kurzfristiger Erfolg könnte hier Vorrang vor langfristiger Entwicklung haben.
Ähnlich wie Cleveland muss Atlanta allerdings auch noch irgendwann testen, ob Penix Jr. Franchise-QB-Potenzial hat. Wenn nicht, könnten sie ebenfalls auf einen hohen Pick im kommenden Draft schielen.
Prognose: Da Penix Jr. noch verletzt fehlt, startet Tagovailoa auf jeden Fall in Woche 1, danach hängt viel am Erfolg des Teams. Sollte dieser ausbleiben, übernimmt Penix Jr. zwischen Woche 6 und 8.
Michael Penix Jr. streitet sich mit einem Neuzugang um die Startposition
Bild: Icon Sportswire
Minnesota Vikings: Kyler Murray vs. J.J. McCarthy
Ausgangslage: Nachdem er seine komplette Rookie-Saison verletzungsbedingt verpasst hatte, gab J.J. McCarthy 2025 sein vielerwartetes Debüt, die Euphorie hielt aber nicht lange an. Der Nr.-10-Pick von 2024 enttäuschte nach einem guten Start komplett, 57,6 Prozent Passquote, elf Touchdowns, zwölf Interceptions und ein Rating von 72,6 sind eine reine Katastrophe für einen potenziellen Franchise QB.
Entsprechend reagierten die Vikings und holten Kyler Murray für läppische 1,3 Mio. Dollar ins Team - die restlichen 36,8 Mio. seines Vertrags bezahlten praktischerweise noch die Arizona Cardinals.
Besonders bitter: Sam Darnold, den Minnesota in der Free Agency ziehen ließ, gewann derweil den Super Bowl mit den Seattle Seahawks.
Aktuelle Situation: Coach Kevin O'Connell rief öffentlich einen "echten Wettbewerb" aus, viele Insider glauben aber nicht, dass McCarthy noch eine ernsthafte Chance hat, zu viel Vertrauen hat er in der Vorsaison verspielt. Zudem spielt Murray Beobachtern zufolge im Camp groß auf.
Die Vikings haben auf dem Papier alles, was es braucht, um ein starkes Team zu sein und endlich den ersten Playoff-Sieg seit 2019 einzufahren. Murray hat das Potenzial dafür, die Vikings wieder erfolgreich zu machen, auch wenn der Ex-Nr.-1-Pick in seinen letzten Jahren in Arizona in Ungnade gefallen war.
Für McCarthy geht es im Worst Case sogar nur darum, ob er das Zeug dazu hat, sich als langfristiger Backup zu etablieren. Auch die Geschichte spricht nicht für ihn: In diesem Jahrtausend erobert kein Quarterback, der in den Top-10 gedraftet wurde, seinen Stammplatz zurück, nachdem er als Starter verdrängt worden war.
Prognose: Murray startet und wird seinen Job auch behalten, wenn er sich nicht verletzt. Mit ihm gewinnen die Vikings mehr als zehn Spiele und ziehen wieder in die Playoffs ein.
Quarterback-Duelle in der NFL: Weniger Geduld für junge Spieler?
Auch wenn jedes Team seine ganz eigene Geschichte hat, ist auffällig, dass alle Teams zunächst auf die Erfahrung der Veteranen setzen werden, während deutlich jüngere und teurere Erstrundenpicks auf ihre Chancen warten.
Es scheint, als würden viele Teams die Geduld mit ihren jungen Spielern schneller verlieren und lieber zu "win now" statt "build for later" zurückkehren.
Eine gewisse Ironie birgt dieses Vorgehen zweifelsfrei: Teams nutzen ihre wertvollen Erstrundenpicks, um früh einen QB zu ziehen, geben ihm dann aber kaum eine Chance und setzen stattdessen lieber auf den erfahrenen Veteranen, der bei anderen Teams gescheitert ist und deshalb billig zu haben war.
Befeuert wird diese Entwicklung obendrein vom ökonomischen Druck in der schnelllebigen Welt, die die NFL nun mal ist. Ein Rookie, der ein Jahr braucht, kann den Coach den Job kosten. Jahrelange Rebuilds verschrecken zudem Zuschauer und kosten die Owner bares Geld.
Natürlich werden viele Teams bei ihren Überlegungen den starken Draft 2027 als gemütlichen Ausweg auf dem Zettel haben, nichts garantiert ihnen jedoch, dass sich der Kreislauf nicht einfach wiederholt.
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