NFL
NFL: Seattle Seahawks in der Krise - was läuft schief beim Super-Bowl-Champion?
Veröffentlicht:
von Chris LugertNFL
NFL: Broncos-Defense lässt Sam Darnold verzweifeln
Videoclip • 02:35 Min
Die Seattle Seahawks kassieren in Woche sechs bereits ihre dritte Niederlage der Saison. Die Probleme liegen vor allem auf der offensiven Seite des Balls, was vor allem mit drei Personalien zu tun hat. Eine Analyse.
Noch nicht allzu lange ist es her, da wurde über einen möglichen Super-Bowl-Hangover bei den New England Patriots gesprochen. Doch während sich die Patriots inzwischen gefangen haben, läuft beim amtierenden Champion aktuell kaum noch etwas zusammen. Die Seattle Seahawks befinden sich in einer Krise.
Das 14:17 nach Verlängerung bei den Denver Broncos war bereits die dritte Niederlage am sechsten Spieltag für das Team aus dem Pazifiknordwesten. Zum Vergleich: In der kompletten Regular Season 2025 waren es ebenfalls nur drei Niederlagen. Doch während die Seahawks in der Vorsaison von Sieg zu Sieg eilten und gefühlt nicht zu schlagen waren, stottert der Motor aktuell gewaltig.
Vor allem die Offensive entpuppt sich dabei zunehmend als Achillesferse. Und zwangsläufig richtet sich der Blick dabei automatisch auch auf die Quarterback-Position. Doch Sam Darnold ist nur ein Problem einer Unit, die im Vergleich zur Super-Bowl-Saison auf allen Ebenen schlechter spielt.
ran nimmt die Probleme der Seahawks genauer unter die Lupe.
Sam Darnold produziert zu viele Turnover
Darnold schrieb in den vergangenen zwei Jahren eine ganz besondere Geschichte in der NFL. Bei den Minnesota Vikings bekam er die Chance, als sich J.J. McCarthy verletzte - und verlieh seiner Karriere neuen Schwung. Nach einer starken Saison wechselte er zu den Seahawks und gewann dort den Super Bowl. Ein Märchen, das so wohl niemand hatte kommen sehen.
Doch es gab Gründe, warum diese Geschichte so besonders war. Denn eigentlich war Darnold in der NFL schon abgeschrieben. Weil er über Jahre hinweg nirgendwo überzeugen konnte und einfach auf einem zu schwachen Level spielte. Erinnerungen an diese Zeit werden nun wieder wach.
Nach sechs Wochen steht Darnold bereits bei sieben Interceptions - so viele wie in der kompletten Vorsaison. In allen relevanten Statistiken steht er schwächer da als 2025. Sein Passer Rating von 77,4 ist fast 22 Punkte (!) schlechter als sein Vorjahreswert. Auch 2025 war er nicht fehlerfrei, reduzierte die Patzer aber auf wenige Momente. Aktuell jedoch reihen sich zu viele Fehler aneinander.
In Denver warf er in der Verlängerung die letztlich entscheidende Interception, im anschließenden Drive machten die Broncos den Sieg perfekt. "Da gibt’s nichts schönzureden", sagte Darnold hinterher. "Das war echt mies. Wir dürfen den Ball nicht verlieren. Das steht natürlich ganz oben auf meiner Liste, aber es gibt einfach vieles, was wir besser machen können."
Was dabei nicht hilft: Die Offensive Line der Seahawks spielt bestenfalls solide, wenn überhaupt. Left Tackle Charles Cross gehört laut "PFF" zu den besten Tackles der Liga, die weiteren Positionen sind hingegen bestenfalls Durchschnitt. Vor allem die Pass Protection ist ein Problem. Gegen Denver musste Darnold 17 Hits einstecken, zum zweiten Mal in Folge wurde er fünfmal gesackt.
Nicht alle Sacks gehen auf die O-Line, einige Male zeigte Darnold auch kein gutes Pocketverhalten oder hielt den Ball zu lange. Das Zusammenspiel aber passt derzeit nicht. Und Selbstvertrauen kann Darnold mit dieser Offensive Line auch nicht aufbauen.
Mehr NFL-Videos

NFL
NFL: 5.000$ pro Spiel! Das verdienen Ball Boys, Cheerleader und Co.
Videoclip • 01:24 Min

NFL
NFL: Broncos-Defense lässt Sam Darnold verzweifeln
Videoclip • 02:35 Min

NFL
NFL-Highlights: Seahawks at Broncos
Videoclip • 05:23 Min
Abgang von Kenneth Walker entpuppt sich als Fehler
In Fankreisen auf Social Media werden bereits Rufe laut, Darnold auf die Bank zu setzen. Was auch damit zusammenhängt, dass sein Backup Drew Lock in dieser Saison bereits Eindruck hinterließ. Als Lock zum Saisonauftakt gegen die Patriots übernehmen musste, führte er die Seahawks zum Sieg. Eine Woche später zerlegte er mit einer Topleistung die Arizona Cardinals.
Noch ist es für eine Quarterback-Diskussion in Seattle aber wohl noch zu früh. Was auch daran liegt, dass sich zwar viel auf Darnold fokussiert, die Offense aber noch einige andere gravierende Probleme hat. Eines davon ist das Laufspiel, das in der vergangenen Saison noch der Treiber gewesen war. Die Schwäche von Darnold hängt direkt mit den Problemen am Boden zusammen.
Darnold kann eine Offensive als Game Manager anleiten, aber nicht alleine tragen. Das ist der gravierende Unterschied zu 2025. In der Vorsaison verfügten die Seahawks zwar nicht über ein Elite-Laufspiel, hatten in Kenneth Walker und Zach Charbonnet aber ein starkes Duo, das jede Defense respektieren musste. Doch Charbonnet fehlt immer noch verletzt, Walker zertrümmert die Gegner jetzt im Trikot der Kansas City Chiefs.
Rückblickend war es wohl die falsche Entscheidung von General Manager John Schneider, Walker gehen zu lassen und nicht noch ein paar Millionen mehr zu bieten, damit er seinen Vertrag verlängert. Das Element, das den Super Bowl gegen die Patriots maßgeblich definierte und Walker zum MVP des Endspiels machte, geht den Seahawks aktuell komplett ab.
In Rushing Yards pro Spiel liegen die Seahawks derzeit nur auf Platz 17 der Liga, im Vorjahr war es noch Rang elf. Nach Expected Points Added pro Laufspielzug sind nur die Las Vegas Raiders und die Green Bay Packers schlechter als Seattle. Was auch mit der Qualität der Running Backs zu tun hat.
Erstrundenpick Jadarian Price zeigte in den ersten Wochen vielversprechende Ansätze, wurde aber limitiert eingesetzt und verletzte sich dann auch noch. Die aktuellen Backs der Seahawks? Emanuel Wilson, George Holani, Velus Jones. Das versetzt keine Defense in Angst und Schrecken.
Kommende Sport-Livestreams auf Joyn
Bald verfügbarHeute, 20:00 Uhr • American Football
NFL im RELIVE: Seattle Seahawks at Denver Broncos
180 Min
Bald verfügbarHeute, 20:00 Uhr • American Football
NFL im RELIVE: Seattle Seahawks at Denver Broncos
180 Min
Brian Fleury kann Klint Kubiak (noch) nicht ersetzen
Doch neben Darnold und dem Abgang von Walker gibt es noch eine dritte wichtige Personalie, und die trägt die Hauptverantwortung für den Stil und die Spielweise der Offense. Gemeint ist der neue Offensive Coordinator Brian Fleury, der sich ebenfalls bereits im Fegefeuer der Kritik befindet.
Fleury trat die Nachfolge von Klint Kubiak an, der den Posten des Head Coaches bei den Las Vegas Raiders übernahm. Es war eine Wahl, die von vornherein kritisch betrachtet wurde. Zwar arbeitete er bei den San Francisco 49ers lange mit Kyle Shanahan zusammen und war dort zuletzt Run Game Coordinator sowie Tight Ends Coach. Playcaller aber war er noch nie.
Jetzt aber sagt er nicht nur die Spielzüge an, sondern designt quasi im Alleingang die Offense. Head Coach Mike Macdonald zeichnet für die Defensive verantwortlich, die Offense ist nicht seine Baustelle. Fleury aber agiert ohne Shanahan wie ein Kind, das sich erstmals ohne Stützräder mit dem Fahrrad versucht. Was in gewisser Weise wohl auch normal ist, den Seahawks aktuell aber nicht hilft.
Unter Kubiak lag die Offense der Seahawks in der Vorsaison auf Platz 13 nach EPA pro Spielzug und auf Platz sieben nach Success Rate. In dieser Spielzeit? Platz 26 und Platz 20. Die individuell schwächeren Leistungen von Darnold fließen da mit ein, allerdings hat es Fleury noch nicht geschafft, der Offense eine Identität zu vermitteln. Was auch deshalb bitter ist, weil die Defense weiterhin performt.
Nach fast allen Advanced Stats ist die Seahawks-Verteidigung die zweitbeste Defense der Liga hinter den Minnesota Vikings. Eine solide, durchschnittliche Offense würde in den allermeisten Spielen also zum Sieg reichen. Gerade gegen Denver tat die Defense alles Mögliche, um das Spiel zu gewinnen. Auch in der Vorwoche gegen die San Francisco 49ers ließ die Seahawks-Offense ihre Kollegen durch Ballverluste komplett im Stich, weil die Niners mehr als dankbare Feldpositionen bekamen.
Brian Fleury (M.) muss Antworten finden.
Bild: Icon Sportswire
Seattle Seahawks: Noch zu früh für den Panikmodus
Die Probleme der Seahawks sind also klar definierbar, für den Panikmodus ist es noch zu früh. Die absehbare Rückkehr von Charbonnet und Price dürfte dem Backfield auf Sicht wieder mehr individuelle Qualität verleihen, wenngleich es gerade bei Charbonnet abzuwarten gilt, wie er von seinem Kreuzbandriss zurückkommt.
Zudem muss Fleury eine gewisse Lernkurve zugestanden werden, um sich als Playcaller zu entwickeln und Antworten auf die vorhandenen Probleme zu finden. Läuft die Offense schematisch runder und kehrt das Laufspiel auf ein gewisses Level zurück, dürfte auch Darnold wieder mehr an Sicherheit gewinnen und stabiler spielen.
Doch ewig Zeit lassen dürfen sich die Seahawks damit nicht. In Woche sieben wartet das schwierige Heimspiel gegen die Kansas City Chiefs, ein 3-4 erscheint derzeit absolut denkbar. Danach warten mit Heimspielen gegen die Chicago Bears und die Arizona Cardinals sowie dem Auswärtsspiel bei den Raiders um Ex-OC Kubiak drei machbare Gegner.
Hält die Defense ihr aktuelles Niveau, braucht es nicht einmal eine Leistungsexplosion der Offense für den Erfolg. Der Weg zum Erfolg ist daher überschaubar weit. Noch also ist alles drin für Seattle, um den Super-Bowl-Hangover wieder zu vertreiben.
Auch interessant: NFL-Spiel in Deutschland 2026: Detroit Lions gegen New England Patriots - kommt man noch an Karten?
Mehr NFL-News

NFL
NFL-Tipps für Woche 6: Cowboys-Krise geht weiter

NFL
Kommentar: Mit Nix werden die Broncos nie etwas gewinnen

NFL
NFL Network live: Das Football-Programm der USA ist im kostenlosen Joyn-Stream zu sehen

NFL
Houston Texans at Jacksonville Jaguars in London live im Free-TV, Livestream und Ticker: Alles zu den NFL International Games 2026

NFL
NFL live: Welche Partien werden in Woche 6 gezeigt? Übertragungen im Free-TV, Stream und Ticker

NFL
Scharfe Kritik an Bo Nix: "Das ist Abfall"



















