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Super Bowl Halftime-Show: Jay-Z steht fest. Der Verriss leider auch

Veröffentlicht:

von Mike Stiefelhagen

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NFL: Fans fällen deutliches Urteil über Jay-Z als Halftime-Act im Super Bowl

Videoclip • 01:38 Min


Jay-Z übernimmt die Halftime-Show beim Super Bowl 2027. Seine Auswahl bietet reichlich Stoff für Streit, nur führen wir viel zu oft den falschen. Ein Kommentar.

"Die Halftime-Show ist scheiße."

Wer Zeit sparen will, kann den Post schon vorbereiten. Im Februar abschicken, Zustimmung einsammeln. Die Show muss man dafür nicht einmal abwarten.

Jay-Z übernimmt am 14. Februar 2027 die Halbzeitshow des Super Bowl. Bis dahin bleiben Monate. Genug Zeit, um sie schon mal schlecht zu finden.

Dieser Reflex verdient schon seit Jahren Kritik. Die Künstler wechseln, das Gemecker bleibt: zu viel Rap, zu wenig Rock, zu alt, zu unbekannt. Irgendein vermeintliches Ausschlusskriterium findet sich immer.

Natürlich darf jeder die Auswahl ablehnen. Zwischen "Mag ich nicht" und "Ist schlecht" liegt allerdings ein Unterschied. Wer ihn ignoriert, erklärt seinen Geschmack zum Gesetz.

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Die NFL schuldet euch keine persönliche Playlist

Eine Show für ein riesiges Publikum kann unmöglich sämtliche Genres und Generationen gleichzeitig glücklich machen. Wer einen Künstler bucht, entscheidet sich zwangsläufig gegen andere.

Jay-Z ist auf den ersten Blick eine überzeugende Wahl. "99 Problems", "Hard Knock Life", "Empire State of Mind": Seine Musik liefert genug Argumente für diese Bühne. Ganz ohne Geschäftskontakte. Auf den zweiten Blick ist er seit Jahren nicht mehr in den Charts zu finden. Eine berechtigte Kritik.

Trotzdem muss niemand sein jährliches Hate-Ritual abfeuern. Holt euch ein Bier, geht aufs Klo. Eine Show außerhalb der Lieblingsplaylist entwertet weder den Super Bowl noch euch als Footballfans.

Was nervt, ist der Anspruch, die größte Bühne müsse sich nach dem eigenen Plattenregal richten.

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Jay-Zs Doppelrolle verdient die unbequemen Fragen

Was man hingegen hinterfragen muss und darf: Jay-Zs Unternehmen Roc Nation arbeitet seit 2019 mit der NFL zusammen und wirkt an der Künstlerauswahl mit. Jetzt steht er selbst auf der Bühne.

Wer hat diese Entscheidung getroffen? Welche Rolle spielte Jay-Z? Wie wurde mit seinem Eigeninteresse umgegangen? Es hat ein Geschmäckle. Auf der anderen Seite ist es nachvollziehbar, wenn man sich solche Rechte sichert.

NFL-Boss Roger Goodell erklärte, er habe sich Jay-Zs Auftritt schon zu Beginn der Zusammenarbeit gewünscht. Die Geschichte vom völlig eigenmächtigen Griff nach der Bühne greift deshalb zu kurz.

Goodells Begeisterung beseitigt die Doppelrolle allerdings nicht. Jay-Z kann musikalisch hervorragend passen und sich trotzdem Fragen zum Auswahlprozess gefallen lassen müssen.

Die Kommentarspalte ist keine Volksabstimmung

Ein pauschaler Verriss ist dennoch zu bequem. Keine genaue Beobachtung, kein origineller Gedanke nötig. "Alles Mist" reicht, um Gleichgesinnte zu finden. Und deren Zustimmung fühlt sich schnell wie Recht haben an.

Ein negativer Post kann viral gehen. Zur Mehrheitsmeinung wird er dadurch nicht. Die eigene Kommentarspalte ist kein repräsentativer Querschnitt durch das Publikum.

Kendrick Lamars Show erreichte 2025 durchschnittlich 133,5 Millionen Zuschauer in den USA. Über deren Musikgeschmack erfährt man unter dem eigenen Wutpost erstaunlich wenig.

Die Quote beweist keine allgemeine Begeisterung. Die Zahl wütender Kommentare beweist kein künstlerisches Desaster. Beides ersetzt keine begründete Kritik.

Lamar war zu politisch, Usher zu soft, The Weeknd zu langweilig, Bad Bunny zu spanisch, Rihanna zu schwanger, Eminem und Dr. Dre zu alt. Und wo bleibt endlich Heavy Metal?

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Mehr musikalische Vielfalt darf trotzdem sein

Musikalische Vielfalt bleibt ein berechtigter Anspruch. Eine einzelne Show muss nicht alle Geschmäcker bedienen. Über mehrere Jahre darf man von Roc Nation aber Abwechslung erwarten.

The Weeknd, Rihanna, Usher, Kendrick Lamar und Bad Bunny als Einheitsbrei abzutun, wäre ignorant. Sich wieder einen großen Rockact oder mehr Country und elektronische Musik zu wünschen, ist dagegen völlig legitim.

Die Verantwortlichen dürfen hart kritisiert werden. Jay-Z darf nach seinem Auftritt einen vernichtenden Verriss bekommen. Nur sollte der etwas mit dem zu tun haben, was tatsächlich auf der Bühne passiert ist.

Bis dahin wäre Neugier angebracht. Und Lob oder Positivität wäre doch mal eine gelungene Abwechslung. Denn auch dafür gibt es Ansätze.

Wer die schlechteste Halftime-Show aller Zeiten schon vor dem ersten Ton erkannt haben will, kann sich das Etikett Kritiker sparen.

Der sucht bloß Applaus für seine Abneigung.

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