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Ballon d'Or 2026

Ballon d’Or: König Kane! Eine Krone wird zur Blamage der Besserwisser

Veröffentlicht:

von Mike Stiefelhagen

:newstime

Ballon d'Or: Harry Kane räumt doppelt ab

Videoclip • 01:07 Min • Ab 12


Erst zu alt, dann kein Siegertyp, jetzt der perfekte Held: Über Harry Kane wurde viel Unsinn erzählt. Sein Triumph ist eine Gelegenheit, damit aufzuhören. Auch für diejenigen, die ihn gerade feiern. Ein Kommentar.

Harry Kane galt lange als der ungekrönte Star.

Das ist jetzt Vergangenheit. 73 Tore für Bayern und England. Der Ballon d’Or. Mit 33 Jahren.

Harry Kane liefert reichlich Stoff für Glückwünsche. Und für einige Leute eine ziemlich unangenehme Rückschau.

Denn manches Urteil über ihn ist deutlich schlechter gealtert als der Spieler.

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Ballon d'Or: Kane-Sieg ist eine Blamage für die Besserwisser

Harry Kane habe "seinen Zenit längst überschritten", lautete die Aussage diverser Journalisten und Experten bei seinem Wechsel zum FC Bayern München. Kane war gerade 30 geworden.

"Zu alt und zu teuer", "eigentlich keine 100 Millionen mehr wert". So lauteten viele Einschätzungen. Nicht nur hierzulande. Auch ein Wechsel in die Bundesliga wurde skeptisch gesehen. Diese sei angeblich auf keinem hohen Niveau mehr.

Natürlich war es viel Geld. Aber wer einen Transfer vor allem danach bewertet, wie viel der Spieler beim nächsten Verkauf noch einbringen könnte, verwechselt einen Fußballklub mit einem Gebrauchtwagenhandel.

Bayern hat mit Kane sofort verfügbare Weltklasse gekauft. Tore, Spielverständnis, Verlässlichkeit. Ein Transfer darf sich auch dadurch auszahlen, dass der Spieler verdammt gut Fußball spielt. Diese scheinbar banale Erkenntnis ist in manchen Ablösedebatten erstaunlich weit weg. Zumal er sich trotz seines Alters nochmal gesteigert und entwickelt hat.

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Kane-Irrtum endlich vorbei: Der Unsinn vom ewigen Verlierer

Mehr Schubladendenken gab es nach Kanes erster Münchner Saison. Im Mai 2024 wurde medial sogar ein Verkauf ins Spiel gebracht. Kanes Verpflichtung wurde mit der titellosen Saison verknüpft. Obwohl der Brite damals bei 44 Pflichtspieltoren stand.

Diese Schlussfolgerung ist zu banal. Eine Mannschaft gewinnt nichts, also muss ihr teuerster Stürmer seinen Wert rechtfertigen. Dass ein herausragender Fußballer Teil einer Mannschaft sein kann, die insgesamt zu wenig zustande bringt, passt offenbar schlecht in diese Rechnung.

Selbstverständlich muss Kane sich an entscheidenden Spielen messen lassen. Und die generelle Titelkritik war berechtigt. Aber die Ableitung nur auf Kane war zu scharf. Wer aus fehlenden Pokalen direkt fehlende Siegermentalität ableitet, kann sich die Analyse sparen und direkt die Trophäenliste vorlesen.

Gerade deshalb ist dieser Ballon d’Or erfreulich. Kane gewinnt nach Bayerns Double, obwohl weder die Champions League noch die Weltmeisterschaft hinzukamen. Seine individuelle Leistung überzeugt auch ohne die größten Mannschaftstitel.

Und ein ganz wichtiger Zusatz: Sie wäre genauso überzeugend geblieben, wenn die Jury einen anderen Namen ausgewählt hätte.

Auch interessant: Ballon d'Or: "Kane, der Eroberer" - Presse feiert Weltfußballer aus der Bundesliga

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Nicht nur der Charakter! Ballon d’Or ist kein Benimmpreis

Doch auch beim Jubeln wird es schon wieder bequem. Jetzt wird Kane als bescheidener Musterprofi gefeiert. Respekt, Fairplay, die Mannschaft über allem: Das sind sympathische Eigenschaften. Sie machen die Geschichte rund. Gerade in der heutigen Zeit. Aber: sie sind nicht der Grund für die Auszeichnung. Das würde diese sportlich zu sehr abwerten.

Wer ihn zum moralischen Gegenentwurf zu anderen Superstars macht, wertet seine Konkurrenten ohne sportlichen Erkenntnisgewinn ab. Vor allem unterschätzt diese Erzählung den Gewinner.

Kane ist ein außergewöhnlicher Fußballer mit einem herausragenden Abschluss und einem Passspiel, das weit über das übliche Aufgabenprofil eines Torjägers hinausgeht. Sein Positionsspiel und Defensivverhalten im Kontext seiner taktischen Rolle sind im modernen Fußball Pioniersarbeit.  Darüber lässt sich mehr erzählen als über den perfekten Schwiegersohn.

Anstand verdient Anerkennung. Aber Kane braucht keinen Sympathiebonus, um seine Wahl zu rechtfertigen. Seine Leistungen sind stark genug. Wer ihn ständig zum netten Harry verkleinert, macht aus einem außergewöhnlichen Sportler eine deplatzierte Verniedlichung.

Die Bundesliga sollte den Jubel richtig dosieren

Und dann wäre da noch die Versuchung, seinen Preis gleich der gesamten Bundesliga anzurechnen. Erstmals seit Matthias Sammer 1996 gewinnt wieder ein Spieler eines deutschen Klubs.

Die Freude darüber ist berechtigt. Eine umfassende sportliche Standortbestimmung ist das nicht.

Kane verschafft der Liga Aufmerksamkeit. Er zeigt, dass man beim FC Bayern München die höchste individuelle Auszeichnung gewinnen kann. Über die internationale Wettbewerbsfähigkeit der übrigen Klubs sagt dieser Erfolg erheblich weniger aus.

Wer daraus jetzt ein pauschales Gütesiegel macht, begeht denselben Denkfehler wie die früheren Kritiker: Eine einzelne Zahl oder Auszeichnung soll eine komplizierte Bewertung erledigen. Früher waren es Kanes Alter und seine fehlenden Titel. Jetzt soll sein goldener Ball für eine ganze Liga sprechen. Kane verdient diesen Abend für seine Leistungen.

Titel sind nicht die ganze Geschichte

Wer Kane ernsthaft würdigen will, sollte endlich aufhören, ihn für die jeweils bequemste Geschichte zu benutzen. Die Glückwünsche sind schnell ausgesprochen. Die eigenen Maßstäbe zu korrigieren, wäre die größere Leistung.

Titel sind im Fußball wichtig. Aber die definieren nicht alles.

Sie sind wie Überschriften. Sie fallen auf. Aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.

Eine Krone allein macht noch keinen verdienten König. Kane bringt beides zusammen.

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