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Bundesliga

Borussia Mönchengladbach - Jörg Stiel über Kleindienst-Kritik: "Das hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen"

Veröffentlicht:

von Andreas Reiners

ran Fußball Bundesliga

Neustart in Gladbach: Blessin fordert "Ugly-Mentalität" ein

Videoclip • 02:31 Min


Null Punkte, 16 Gegentore, der Trainer weg: Borussia Mönchengladbach erlebt den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Jörg Stiel spricht im ran-Interview über den Umbruch, den neuen Trainer Alexander Blessin, die öffentliche Kritik von Tim Kleindienst und sagt, warum er das Wort Abstiegskampf noch nicht hören will.

Das Interview führte Andreas Reiners

Borussia Mönchengladbach hat nach vier Spieltagen keinen Punkt und 16 Gegentore kassiert. Einen schlechteren Saisonstart gab es in der Vereinsgeschichte noch nie. Eugen Polanski musste nach drei Spieltagen gehen, seit dem 23. September ist Alexander Blessin der Trainer. Am Sonntag geht es zum Derby nach Köln.

"Geiles Spiel, ich habe es geliebt", sagt Gladbach-Legende Jörg Stiel im ran-Interview: "Und ich sehe jetzt nicht, dass Köln irgendwie unantastbar ist. Man muss es nicht unbedingt haben, nein. Man darf aber in dieses Spiel nicht zu viel hineininterpretieren, weil es das Derby ist, weil es Köln ist und überhaupt."

Stiel stand von 2001 bis 2004 im Gladbacher Tor. Im Interview spricht er zudem über den Umbruch bei der Borussia über die erste Aufgabe des neuen Trainers, über die öffentliche Kritik von Kapitän Tim Kleindienst und darüber, warum er von Abstiegskampf noch nichts hören will.

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Stiel: "Ein guter Rat ist im Moment recht teuer"

ran: Jörg Stiel, null Punkte, 16 Gegentore, der Trainer ist weg. Was ist wieder in Gladbach los?

Jörg Stiel: Wenn es so einfach wäre, dass ich Ihnen jetzt sagen könnte: 'Das ist passiert und das ist passiert, und so läuft das' - so viele schlaue Leute hat es bei Borussia Mönchengladbach auch. Ich glaube, es liegt am Umbruch im Sommer. Du hast 17 Abgänge, du hast zwölf neue Spieler. Du hast praktisch eine Achse verloren, mit Nico Elvedi, mit Rocco Reitz, mit Haris Tabakovic. Für was stand Nico Elvedi bei Gladbach? Für Kontinuität, für Konstanz und schlussendlich auch für Qualität. Das darf man einfach nicht unterschätzen.

ran: Um wen baut man diese Mannschaft jetzt auf?

Stiel: Das ist die große Frage. Vorher hattest du die Spieler. Moritz Nicolas ist ein sehr guter Torhüter, keine Frage. In der Abwehr müsstest du Ko Itakura nehmen, der war ein Jahr weg und ist jetzt wieder zurück. Und wenn du vorne Franck Honorat und auch wieder Tim Kleindienst hast, dann müsstest du es wahrscheinlich langsam darauf aufbauen. Aber wie gesagt: Ein guter Rat ist im Moment recht teuer.

ran: Zum zweiten Mal hintereinander zieht der Verein nach drei Spieltagen die Reißleine. Was sagt das über die Borussia aus?

Stiel: Grundsätzlich nichts. Es gibt gewisse Gegebenheiten im Fußball, dann müssen Menschen aus verschiedenen Positionen reagieren. Die Frage ist immer: Ist es wirklich der Trainer, ist es ihm geschuldet, oder sollte man eher auf Konstanz bauen? Ich bin eher ein Verfechter von Konstanz. Man hätte sich am Ende der letzten Saison entscheiden können. Man geht dann aber mit dem Trainer in die neue Saison, und nach so einem Umbruch brauchst du ein bisschen Zeit.

ran: War es dann ein Trainerproblem, ein Kaderproblem oder ein Kopfproblem?

Stiel: Der Umbruch war schon enorm. Ich sage nicht, dass kein Stein auf dem anderen geblieben ist, aber das musst du erst mal hinkriegen. Wenn du andere Mannschaften siehst, wie Freiburg, die verlieren mal einen Spieler, aber der Stamm bleibt. Diese Mannschaften tun sich beim Start einfacher, und sie tun sich auch bei der Problembewältigung einfacher, weil sie sich kennen. Hier muss sich jeder erst wieder neu kennenlernen.

ran: Was fehlt dabei am meisten?

Stiel: Die klassischen Säulen sind weggebrochen. Und die kannst du nicht von heute auf morgen ersetzen. Darum heißen sie ja Schlüsselspieler: weil sie manchmal effektiv die Schlüssel sind zu gewissen Problemlösungen. Man kann sich aus Problemen befreien, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Aber Zeit ist ein wichtiger Faktor. Und das ist das Tragische: Die hatte Eugen Polanski scheinbar nicht.

Neuer Trainer in Gladbach: Alexander Blessin im Borussia-Outfit

Bild: picture alliance / HMB Media/SID/Yannis Dreimann


Stiel: "Betrachtungsweise ist schon sehr fatalistisch"

ran: Der neue Trainer Alexander Blessin sagt, das sei ein guter Kader, auch in der Breite. Andere sagen, an diesem Kader scheitert jeder Trainer. Wer hat Recht?

Stiel: Gehen wir mal davon aus, dass Rouven Schröder ein guter Sportdirektor ist und dass die Scouting-Abteilung in den letzten Jahren einiges gesehen hat, was andere nicht gesehen haben. Warum soll das alles plötzlich weg sein? Du kannst Dinge über individuelle Qualität lösen, was längerfristig schwierig ist, weil du dann zu sehr von einem Spieler abhängig bist. Oder du löst es über das Kollektiv. Gladbach war schon immer ein Verein, der es über das Kollektiv gelöst hat. Also wird es auch wieder dieser Weg sein. Vielleicht nötiger als früher. Dass Gladbach mit diesem Kader plötzlich um die Champions League spielt, das wusste man vorher, dass das nicht passieren wird. Das war auch nicht mehr der Anspruch. Aber sie können im Mittelfeld eine gute Rolle spielen, wenn sie es über das Kollektiv gelöst kriegen.

ran: Mario Basler hat zuletzt gesagt, Gladbach sei "aktuell ein Trümmerhaufen", und glaubt, dass es den Verein dieses Jahr trifft. Was sagen Sie zu solchen Aussagen?

Stiel: Mario Basler sagt, was ein Mario Basler sagen muss. Braucht's mehr? (lacht) Ich finde es immer wieder amüsant. Ich kenne Mario nicht gut, wir haben uns zwei, drei Mal auf dem Platz getroffen und zwei, drei Mal daneben. Ich finde ihn sehr interessant, und er steht ja für klare Ansagen. Man kann Dinge aber auch differenzierter sagen. Wenn es eine schwierige Saison wird, kann man natürlich sagen, es ist ein Trümmerhaufen. Aber wer schreibt was am Ende? Das hat auch ein bisschen mit den Journalisten selbst zu tun. Die einen nehmen gerne den Trümmerhaufen, die anderen sagen: Wir können es auch ein bisschen differenzierter angucken.

ran: Unter dem Interimstrainer Jan-Moritz Lichte sah es zuletzt gegen Mainz genauso aus wie vorher unter Polanski. Hat Sie das überrascht?

Stiel: Das ist ein grundsätzliches Problem der heutigen Fußballkultur. Läuft es gut, haben alle alles richtig gemacht, der Trainer ist super. Und in dem Moment, in dem es bröckelt, fängt man an zu suchen: Der Trainer hat dann das Problem. Sie kennen die Phrasen, die dann gedroschen werden. Schauen Sie sich die vier Spiele einzeln an. Das Chaosspiel gegen Mainz kannst du genauso gut gewinnen. Elversberg zu Hause auch. Und dass du in Leipzig verlierst – ich kann mich nicht erinnern, dass Gladbach in Leipzig schon mal gewonnen hat. In Freiburg haben wir das letzte Mal gewonnen, als ich noch gespielt habe, und ich bin jetzt 58. 50 Prozent dieser Spiele hätten auf die andere Seite kippen können. Dann würden sie vielleicht mit sechs Punkten dastehen, und kein Mensch würde über Polanski reden. Die Betrachtungsweise dessen, was da passiert, ist schon sehr fatalistisch. Aber das gehört in diese Bundesliga rein, in dieses Geschäft.

ran: Was passiert in so einer Phase auf dem Platz?

Stiel: Dass jeder nach dem anderen schaut und sagt: Hilf mir mal bitte, ich sehe es im Moment auch nicht. Das kann passieren. Da entwickeln sich eigene Dynamiken. Und dann brauchst du genau die Spieler, die das Ganze zusammenräumen und sagen: Okay, gut, jetzt machen wir das und das. Und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Wenn du mal in so einem Strudel bist, dann regelst du von außen gar nichts. Dann müssen es die Jungs auf dem Platz regeln können. Und scheinbar ist die Mannschaft in ihrer Struktur noch nicht so weit, bei den Führungsspielern. Das ist jetzt genau der Job, den der Trainer vor sich hat. Eine kreative Aufgabe, aber machbar.

Rückhalt aus der Schweiz: Jörg Stiel im Gladbach-Trikot

Bild: Rust


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Stiel: "Diese Niederlagen gegen Elversberg und gegen Mainz sind brutal"

ran: Rouven Schröder hat den Kader zusammengestellt. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Stiel: Mit der durch die Abgänge erwirtschafteten Ablöse macht man heutzutage gar nicht so viel. Wenn du einen Spieler aus einem laufenden Vertrag heraus verpflichten willst, erst recht nicht. Du bist darauf angewiesen, dass du ablösefrei etwas findest, weil Gehälter und alles auch noch zu stemmen sind. Ich denke, dieser Umbruch wurde gut gemeistert. Aber du hast zwei, drei Spieler verloren, die jede Mannschaft braucht. Und das ist das Schwierige an der Geschichte: Wie sich jemand in einer Mannschaft entwickelt, ob er wirklich zum Leistungsspieler und zum Führungsspieler wird, das kannst du nicht immer voraussehen. Ein Spieler, der woanders eine sehr wichtige Rolle gespielt hat, braucht hier vielleicht mehr Zeit, weil er menschlich anders unterwegs ist als im gewohnten Umfeld. Jetzt hat man einen Hebel betätigt, den Trainerhebel, den gängigsten. Jetzt musst du dem wieder Zeit geben.

ran: Wie sehen Sie die Lösung Blessin?

Stiel: Er hat auf St. Pauli eine gute Arbeit geleistet. Er hat einen Kader, der ausreicht, um die Liga zu halten. Daran wird er gemessen. Und dass Schröder sich etwas überlegt hat, davon gehe ich schwer aus, sonst hätte er ihn nicht geholt. Jetzt liegt der Ball bei Blessin.

ran: Auf was kommt es in so einer Phase an? Wo setzt man als Trainer an?

Stiel: Die Basis wird stimmen. Du hast mit diesen drei Wochen Länderspielpause fast eine kleine Vorbereitung. Gespräche sind nicht verkehrt. Und dann musst du an den wichtigsten Faktoren arbeiten, und das ist die Defensive, weil sie zu einfach und zu schnell Tore bekommen.

ran: Wie viel davon ist Kopfsache?

Stiel: Sehr viel Psychologie. Aber eben auch: Spaß zurückbringen. Niemand verliert gerne. Diese Niederlagen gegen Elversberg und gegen Mainz sind brutal, die tun extrem weh, weil beide Spiele zu gewinnen gewesen wären. Das musst du aus den Köpfen rauskriegen. Du musst konstant an der Moral arbeiten, dir die Körpersprache anschauen, wie die Jungs auf dem Platz herumlaufen. Und dann musst du die Elf finden, oder die 15, 16, von denen du überzeugt bist, dass sie dieses Derby gewinnen.

ran: Ist das Derby in Köln als Auftakt für ihn dankbar oder undankbar?

Stiel: Geiles Spiel, ich habe es geliebt. Und ich sehe jetzt nicht, dass Köln irgendwie unantastbar ist. Man muss es nicht unbedingt haben, nein. Man darf aber in dieses Spiel nicht zu viel hineininterpretieren, weil es das Derby ist, weil es Köln ist und überhaupt. Diesen Satz "Wir stoßen den Bock um" fand ich immer ein bisschen komisch. Eine Bundesliga-Saison ist kein Sprint, sie ist ein Marathon. Wenn es ein Unentschieden wird und man gute Ansätze sieht, dann ist das der Anfang von diesem Marathonlauf.

Als Kapitän solltest du vorausgehen und nicht von hinten schieben. Kritik ja, aber objektive Kritik. Und dann nur intern. Das andere geht gar nicht, das ist nur für die Außenwelt.

Jörg Stiel über Tim Kleindienst

Pleite in Köln? "Es wären alle gut beraten, da gar nichts kippen zu lassen"

ran: Es besteht bei so einem Spiel aber auch die Gefahr, dass die Stimmung endgültig kippt, in erster Linie gegen die Mannschaft…

Stiel: Es wären alle gut beraten, da gar nichts kippen zu lassen. Gladbach hat immer wieder gezeigt, dass dieser Verein mit seinen Fans eine starke Gemeinschaft sein kann. Da sollten jetzt alle sagen: Freunde, das wird nicht ganz einfach. Es ist auch eine Binsenweisheit, aber wenn wir es gemeinsam machen, haben wir größere Chancen, als wenn wir anfangen, vereinsintern Fans gegen Mannschaft zu stellen. Also versucht doch miteinander etwas zu machen. Geh nach Köln, gewinn das Spiel, geh nach Hause, hast du den ersten Schritt gemacht, dann sieht es wieder anders aus. Aber gemeinsam, bitte.

ran: Tim Kleindienst hat nach dem Elversberg-Spiel öffentlich seine Mitspieler kritisiert, sie sollten "weniger TikTok gucken". Sie waren selbst Kapitän. War das richtig?

Stiel: Ganz einfach: Die Aussagen an und für sich haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Einen Kapitän, der seine Mannschaft kritisiert, finde ich schwierig. Es ist ja nicht so, dass er sechs Tore geschossen hat und sie deswegen Spiele verloren haben, weil sie immer acht gekriegt haben.

ran: Was hätte er stattdessen machen sollen?

Stiel: Du bist immer Teil von etwas. Und wenn du diesen Teil ansprichst, nimm dich mit dazu. Oder wenn du andere ansprichst, nimm dich bitte mit dazu und mach es intern. Da ist es gescheiter, du redest individuell mit dem einen oder anderen. Als Kapitän solltest du vorausgehen und nicht von hinten schieben. Kritik ja, aber objektive Kritik. Und dann nur intern. Das andere geht gar nicht, das ist nur für die Außenwelt.

ran: Der sehr frühe Zeitpunkt ist ungewöhnlich. Was glauben Sie, was dahintersteckt?

Stiel: Was ihn dazu getrieben hat, würde mich wirklich interessieren. Dass alle anderen blind sind und du der Einzige bist, der es sieht? Das passt eh nicht. Dieser laute Weckruf in der Öffentlichkeit verhallt so schnell, und er fällt so schnell auf ihn selbst zurück. Er ist ja wirklich in die Kritik gekommen, weil seine Leistungen auch nicht gestimmt haben. Das hilft weder dem Verein noch der Mannschaft. Das hilft gar niemandem, zuletzt auch ihm selbst nicht. Ich gehe davon aus, dass er seine Lehren daraus gezogen hat.

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Stiel: "Von Abstiegskampf würde ich jetzt noch gar nicht sprechen"

ran: Wie geht eine Mannschaft damit um?

Stiel: Das ist individuell. Aber ich glaube schon, dass der eine oder andere denkt: Könntest du vielleicht auch mal bei dir selber gucken? Das könnte ich mir gut vorstellen. Als ich Kapitän war und sich einer so hingestellt hätte, hätte ich wohl gesagt: Alter, bleib mal entspannt, guck mal bei dir selber, und dann können wir weitergucken. Und vielleicht habe ich es ihm damals sogar gesagt (lacht).

ran: Wird von außen auch zu viel hineininterpretiert?

Stiel: Von außen wird grundsätzlich immer zu viel hineininterpretiert, das ist ja euer Geschäft, und es wird auch verlangt, weil die Leute es gerne lesen. Aber im Grundsatz zeigt es eine gewisse Orientierungslosigkeit, oder es ist eine Art Hilfeschrei, was auch immer. Nur ist auch klar, dass die Öffentlichkeit dir in solchen Problemen nicht helfen wird, weil sie sie nicht lösen will. Gelöst wird es nach innen, also rede auch nach innen. Das hilft am meisten. Und geh mit gutem Beispiel voraus, denn reden ist das eine, machen immer noch das andere. Du wirst dieses Ding nur als Mannschaft wenden können. Ein Einzelner nicht. Das wird nicht passieren.

ran: Finden Sie es richtig, dass Blessin weiter auf Kleindienst als Kapitän setzt?

Stiel: Jeder von uns ist schon mal neben der Straße gefahren. Wir reden von Konstanz und Nachhaltigkeit. Sie haben sich etwas überlegt, als sie Kleindienst zum Kapitän gemacht haben. Jeder darf Fehler machen, aber bitte nicht zweimal denselben. Ich denke, da werden auch Gespräche stattgefunden haben, und Kleindienst ist nicht dumm. Er hat die WM verpasst, er war Nationalspieler, er hatte einen sehr guten Lauf. Das ist eine Vermutung von mir: Da ist auch ein bisschen Frust dabei, weil es jetzt nicht läuft, und dann ist es vielleicht ein bisschen zu viel geworden. Beim Dampfkochtopf ist halt mal der Deckel weggeflogen. Jetzt sucht man den Deckel, nimmt ihn, schraubt ihn wieder drauf, kehrt das Ganze nach innen und geht diesen Weg gemeinsam.

ran: Was wird das für eine Saison?

Stiel: Die Frage ist, wie viel Zeit der Trainer mit der Mannschaft braucht, um das einigermaßen stabil zu kriegen. Und wie viele Punkte die direkten Konkurrenten sammeln, wie viele sie verlieren. Das ist ein Zeitfaktor. Gewinnst du die nächsten ein, zwei Spiele, holst du aus zwei Spielen vier Punkte, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Das geht im Fußball normalerweise relativ schnell.

ran: Und am Ende steht was?

Stiel: Ich bin von Anfang an davon ausgegangen, dass es als Umbruchsaison nicht einfach wird. Man ist gut beraten, die Saison als Ganzes zu betrachten. Am Ende muss Platz 15, 14, 13 dastehen, im besten Fall zwölf oder elf. Dann sind wir gut rausgekommen. Dann hast du nächstes Jahr ganz andere Geschichten, weil du eine Truppe hast, die ein Jahr zusammengespielt hat, und kannst punktuell verändern. Aber es wird eine komplizierte Geschichte, davon gehe ich aus.

ran: Also ein langwieriger Abstiegskampf?

Stiel: Von Abstiegskampf würde ich jetzt noch gar nicht sprechen. Für gewisse Mannschaften fängt der Abstiegskampf schon mit der Saison an. Abstiegskampf ist für mich: in den letzten zehn Spielen an der Klippe stehen, zwischen 14, 15, 16, 17. Das ist dann ein richtiger Abstiegskampf.

ran: Und im Moment?

Stiel: Im Moment ist es für mich eine Entwicklung. Das klingt vielleicht paradox, Bundesligasaison und Entwicklung. Aber die große Frage ist: Wie schnell ist diese Mannschaft mit diesem Trainer fähig, ein stabiles Gebilde zu kreieren, das Punkte macht? Je schneller, desto besser, da sind wir uns alle einig. Dass es von heute auf morgen passiert, finde ich ziemlich schwierig. Aber wir spielen Spieltag fünf, und man redet von Abstiegskampf. Das ist ein bisschen früh.

ran: Wie sehen Sie generell die Entwicklung des Vereins?

Stiel: Irgendwo zwischen dem, was jetzt ist, und dem, was zu Zeiten der Champions League war, liegt die Wahrheit. Gladbach wird immer extrem gut in der Jugend arbeiten müssen. Sie werden extrem gute Transfers machen müssen. Sie werden extrem am Kollektiv arbeiten müssen. Dass man in den nächsten drei, vier Jahren unter den ersten fünf steht, ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Aber Gladbach kann immer eine gute Rolle im Mittelfeld spielen, und mal an der Conference League zu kratzen, ist auch möglich. Dann muss alles optimal laufen. Und wenn nicht alles optimal läuft, dann kann eben auch das rauskommen, was jetzt gerade rausgekommen ist.

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