Bundesliga
Eintracht Frankfurt: Adi Hütters öffentliche Kritik an Robin Koch ist ein Armutszeugnis - ein Kommentar
Veröffentlicht:
von Chris Lugertran Fußball Bundesliga
Frankfurt: Heftige Abrechnung! Adi Hütter zählt eigenen Kapitän an
Videoclip • 01:31 Min
Nach dem desolaten 0:6 in Leipzig pickt sich Frankfurt-Trainer Adi Hütter seinen Kapitän Robin Koch heraus und zählt den Abwehrchef öffentlich an. Wenngleich es sportliche Argumente gibt, geht Hütter damit deutlich zu weit. Ein Kommentar.
Zu behaupten, Robin Koch hätte in seiner Karriere schon bessere Zeiten erlebt, wäre noch untertrieben. Der Kapitän von Eintracht Frankfurt läuft schon seit geraumer Zeit seinen Qualitäten und Ansprüchen hinterher. Dass die Abwehr der Hessen bereits seit der vergangenen Saison die Schwachstelle ist und auch aktuell wie eine Schießbude wirkt, hat viel mit dem 30-Jährigen zu tun.
Das 0:6 am vergangenen Wochenende bei RB Leipzig war der vorläufige Tiefpunkt. Auch der neue, alte Trainer Adi Hütter hat es nicht geschafft, die Defensive zu stabilisieren. Und Koch war in Leipzig keineswegs der Fels in der Brandung, sondern ging sang- und klanglos mit unter. Und wurde dann von seinem Trainer auch noch doppelt demontiert.
Zunächst vollzog Hütter in der Halbzeit eine absolut gerechtfertigte sportliche Reaktion und wechselte den indisponierten Koch aus. Eine bittere Maßnahme, die jedem Trainer aber zugestanden werden muss. Schließlich kann er einen offensichtlichen Unsicherheitsfaktor nicht im Team behalten, unabhängig vom Namen oder Status des Spielers.
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Kritik an einzelnen Spielern muss intern bleiben
Was aber nicht geht: diesen Spieler - und dann auch noch den Kapitän - nach dem Spiel durch öffentliche Aussagen durch den medialen Fleischwolf drehen zu lassen. "Ich habe Robin Koch erlöst, weil ich erwarte mir von einem Kapitän und Führungsspieler etwas anderes. Wenn man 16 Tore bekommt und Leader der Abwehr ist, dann setze ich irgendwann auch mal ein Zeichen. Das hat mir einfach überhaupt nicht gefallen", sagte Hütter.
Und weiter: "Deshalb habe ich ihn rausgenommen, weil ich mir von Robin einfach auch mehr erwarte. Er soll der Leader in der Abwehr sein, wir kriegen zu viele Gegentore. Daher habe ich dahingehend ein Zeichen gesetzt." Inhaltlich mag auch hier auf den ersten Blick nichts Verwerfliches festzustellen zu sein. Aber Art und Weise, Umfeld und Zeitpunkt dieser Schelte sind einem Kapitän gegenüber unwürdig.
Dabei geht es nicht darum, dass Kritik nicht geäußert werden darf. Natürlich darf sie das, sie muss es sogar. Aber intern. Es ist Hütters Aufgabe, die Spieler zu ihrer bestmöglichen Leistung zu bringen. Durch die tägliche Arbeit auf dem Platz, durch Gespräche, durch taktische Vorgaben. Nichts davon scheint er aktuell hinzubekommen. Öffentliche Kritik an einzelnen Spielern wirkt daher einfach nur verzweifelt.
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Hütter stempelt Koch zum Sündenbock ab
Wenn es Hütter nicht gefällt, was sein Kapitän derzeit zeigt, kann er ihm das unter vier Augen oder auf dem Trainingsplatz verdeutlichen. Die entsprechende Maßnahme: Koch wird vorerst auf die Bank gesetzt, aus Leistungsgründen, weil es einfach sein muss. Was aber erhofft sich Hütter von einer öffentlichen Demontage seines Führungsspielers? Dass plötzlich alle Formprobleme verschwinden?
Warum stellt er ihn weiter auf, wenn Koch erkennbar seit geraumer Zeit Probleme hat und seine Rolle als Leader eben nicht ausfüllen kann? "Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft, ich bin der Verantwortliche. In erster Linie soll die Kritik an mich gehen", sagte Hütter dann auch. Es ist der einzig relevante Part, der gesamte Teil zuvor war völlig unnötig.
Denn Koch ist bei weitem nicht das einzige Problem in der Frankfurter Mannschaft. Stattdessen stempelte ihn Hütter mehr oder weniger zum Sündenbock ab, während der 56-Jährige seinerseits bislang kaum eine Weiterentwicklung der Mannschaft vorweisen kann. Es wirkt, als wolle er von seinen eigenen Fehlern ablenken. Ein Armutszeugnis für einen derart erfahrenen Trainer.
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Hütter schadet seinem Verhältnis zur Kabine
Zumal sich der Österreicher auch in der Kabine mit einer öffentlichen Abrechnung keine Freunde gemacht haben dürfte. Jeder Spieler muss jetzt annehmen, der nächste zu sein, der vor versammelter Presse vom eigenen Trainer bloßgestellt wird. Das ist Gift für jedes Binnenverhältnis zwischen Mannschaft und Trainer. Hütter könnte sich damit ein komplettes Eigentor geschossen haben.
Denn im Normalfall sind öffentliche Abrechnungen mit der Mannschaft die letzte Patrone eines Trainers, der um seine bevorstehende Entlassung weiß. So weit schien es bei der Eintracht bislang nicht zu sein – und noch ist die Saison jung. Aber sein Pulver hat Hütter jetzt bereits verschossen.
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