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FC Bayern - Jamal Musiala leidet an Absencen: Medizinische Ursachen & Diagnose genau erklärt

Aktualisiert:

von ran.de

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Musialas Blackouts: Was sind Absencen?

Videoclip • 01:06 Min • Ab 12


Jamal Musiala sorgt innerhalb von wenigen Tagen zweimal für eine Schrecksekunde und gibt hinterher bekannt, dass er an Absencen leidet. Aber was bedeutet das genau? Mediziner erklären die neurologischen Hintergründe, Symptome und Behandlungschancen des Bayern-Stars.

Jamal Musiala hat nach seinem erneuten Zusammenbruch im Testspiel beim 1. FC Heidenheim in einem langen "Instagram"-Post erklärt, dass er unter Absencen leidet.

Er sei diesbezüglich in ärztlicher Behandlung und der FC Bayern sowie sein Umfeld unterstützen ihn in dieser Phase bestmöglich.

ran wirft einen näheren Blick auf die Erkrankung und inwiefern sie Musiala einschränkt.

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Was genau sind Absencen? Das Krankheitsbild von Jamal Musiala verständlich erklärt

Absencen sind kurze Phasen, in denen Betroffene für einige Sekunden nicht auf ihre Umwelt reagieren. Der Berufsverband Deutscher Neurologen beschreibt sie als "Bewusstseinspausen mit abruptem Anfang und Ende, in denen der Betreffende nicht ansprechbar ist, sich ansonsten aber ruhig und unauffällig verhält". Üblicherweise dauern solche Episoden etwa fünf bis 20 Sekunden.

Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt "Abwesenheit". Genau dieses Bild entstand bei Musiala, der kurzzeitig nicht ansprechbar wirkte.

Medizinisch gelten Absencen als eine Form epileptischer Anfälle. Sie treten besonders häufig im Kindesalter auf, können aber auch Jugendliche und Erwachsene betreffen. Gerade bei Kindern bleiben sie mitunter lange unentdeckt, weil die kurzen Aussetzer leicht mit Tagträumen oder mangelnder Aufmerksamkeit verwechselt werden.

Während einer typischen Absence ist die Wahrnehmung für einen kurzen Moment eingeschränkt. Betroffene reagieren kaum oder gar nicht auf Ansprache, teilweise bewegen sich auch die Augen nach oben. Nach wenigen Sekunden ist die Episode meist vorbei und die Person kann ihre vorherige Tätigkeit direkt fortsetzen. Häufig bleibt lediglich eine kurze Erinnerungslücke zurück.

Daneben existieren atypische Absencen. Diese können länger anhalten und verlaufen weniger plötzlich. Zudem können dabei unbewusste, automatische Bewegungen auftreten, etwa mit den Händen, Fingern oder dem Mund.

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Absencen und ihre Folgen: Wie entstehen die Ausfälle im Gehirn von Sportlern?

Der Entstehung einer Absence im Profisport liegt ein plötzlicher, fehlerhafter Dialog im Nervensystem zugrunde. Normalerweise kommunizieren die Großhirnrinde und der Thalamus – die wichtigste Schaltzentrale des Gehirns – in einem präzisen, synchronen Takt miteinander, um Bewegungen und das Bewusstsein zu steuern.

Bei einer Absence kommt es in dieser Schleife zu einem plötzlichen Rhythmuswechsel. Die Nervenzellen beginnen urplötzlich, völlig asynchron und unkontrolliert zu feuern, was einem elektrischen Kurzschluss gleicht. Für die Dauer von wenigen Sekunden ist die normale Informationsweiterleitung blockiert, und das Bewusstsein des Athleten wird quasi auf Pause gestellt.

Im Leistungssport wird diese Fehlsteuerung vor allem durch die extreme Atmung unter Volllast provoziert. Wenn Sportler an ihre Belastungsgrenze gehen, setzt eine sogenannte Hyperventilation ein – sie atmen sehr schnell und tief. Diese intensive Atmung führt dazu, dass vermehrt Kohlendioxid abgeatmet wird, wodurch sich der CO₂-Spiegel im Blut senkt und sich der pH-Wert im Gehirn leicht verschiebt. In der Neurologie wird dieses Phänomen sogar gezielt als Test genutzt, da die chemische Veränderung die Nervenzellen extrem leicht erregbar macht und ein bereits veranlagtes, aber bis dahin schlummerndes Anfallsgeschehen im Gehirn direkt auslösen kann.

Zusätzlich zu den körperlichen Prozessen wirkt der immense mentale Druck im Profisport als starker Katalysator. Die Kombination aus mentalem Wettkampfstress, hohem Adrenalinspiegel, körperlicher Erschöpfung und oft auch Schlafmangel vor wichtigen Turnieren senkt die sogenannte Krampfschwelle des Gehirns massiv ab. Unter diesen Extrembedingungen verliert das Gehirn seine Fähigkeit, die elektrische Aktivität stabil zu regulieren. Eine Fehlsteuerung, die im entspannten Alltag des Athleten vielleicht niemals zum Vorschein gekommen wäre, bricht unter der extremen Stressbelastung eines Wettkampfs plötzlich aus.

Im Gegensatz zum Alltag, wo ein solches sekundenlanges Starren oft als harmloses Tagträumen übersehen wird, hat der Aussetzer im Sport dramatische und sofort sichtbare Auswirkungen. Da die hochpräzise Koordination der Muskeln für einen Moment komplett abreißt, sacken Athleten mitten in der Bewegung oder im Lauf wie aus dem Nichts in sich zusammen. Obwohl die Absence selbst das Hirngewebe nicht schädigt und der Sportler danach sofort wieder voll orientiert ist, birgt dieser abrupte Kontrollverlust eine erhebliche Verletzungsgefahr durch unkontrollierte Stürze.

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Diagnostik & Therapie: Kann Musiala wieder bedenkenlos für den FC Bayern spielen?

Ob und wann Musiala wieder ohne Einschränkungen Fußball spielen kann, lässt sich von außen nicht beurteilen. Voraussetzung ist zunächst eine umfassende neurologische Untersuchung und die ausdrückliche Freigabe durch seine behandelnden Ärzte. Eine neurologische Erkrankung bedeutet dabei nicht automatisch, dass Sport dauerhaft ausgeschlossen werden muss.

Musialas eigener Wunsch, möglichst schnell zu seinem normalen Alltag und auf den Fußballplatz zurückzukehren, ist deshalb nicht grundsätzlich widersprüchlich zu einer medizinischen Behandlung. Gerade bei entsprechender ärztlicher Begleitung kann die schrittweise Rückkehr zu gewohnten Aktivitäten ein wichtiger Teil des Weges zurück in den Alltag sein. Entscheidend bleibt dabei immer die individuelle medizinische Einschätzung.

Welche Belastung für Musiala tatsächlich vertretbar ist, hängt von seiner konkreten Diagnose und den Untersuchungsergebnissen ab. Dazu gehören unter anderem neurologische Befunde und gegebenenfalls EEG-Untersuchungen. Diese Informationen liegen nur seinem medizinischen Team vor. Deshalb lässt sich anhand seiner öffentlichen Aussagen weder seriös sagen, ob er aktuell bedenkenlos spielen kann, noch wie hoch sein persönliches Risiko ist.

Prof. Christoph Kleinschnitz, seines Zeichens Chef der Neurologie der Uniklinik Essen, macht gegenüber der "Bild" Hoffnung: "Das ist gut behandelbar, würde aber eine dauerhafte Therapie erfordern. Fußball spielen könnte Musiala weiterhin."

Jamal Musiala erlebte seinen ersten Zusammenbruch im Telekom Cup am 15. August.

Bild: picture-alliance/Eibner-Pressefoto/SID/Jenni Maul


Welche Auswirkungen hat die Diagnose auf Musialas Alltag?

Für Jamal Musiala bedeutet die Diagnose Absencen im Alltag vor allem eine disziplinierte Umstellung, führt langfristig jedoch zu keinen dauerhaften Einschränkungen. Wie er selbst in den sozialen Medien klarstellte, sind die Aussetzer zwar aktuell Teil seines Lebens, medizinisch aber vollkommen kontrollierbar und gefährden seine Profikarriere laut den Vereinsärzten nicht. Abseits der extremen Belastungsphasen auf dem Platz ist das Risiko für einen Anfall verschwindend gering, sodass er außerhalb des Sports ein völlig normales, geistig und körperlich uneingeschränktes Leben führen kann.

Die spürbarste Einschränkung betrifft derzeit seine Mobilität, da Musiala nach den Vorfällen auf dem Platz aktuell kein Auto fahren darf. Nach deutscher Rechtslage gilt nach epileptischen Episoden, zu denen auch Absencen zählen, eine gesetzliche Fahrpause. Wegen eines selbst verursachten Autounfalls, der mit der Krankheit in keiner Verbindung steht, musste Musiala seinen Führerschein aber ohnehin im Februar für neun Monate abgeben.

Diese Fahrpause könnte sich jetzt verlängern. Erst wenn er über einen ärztlich definierten Zeitraum hinweg durchgehend nachweislich keinen Anfall erleidet, erhält er seine volle Fahrtauglichkeit zurück und darf sich wieder ganz normal ans Steuer setzen.

Um diese Anfallsfreiheit im Alltag und im Leistungssport zu garantieren, ist eine strikte medikamentöse Therapie mit Antiepileptika notwendig. Die Klubärzte müssen bei der Auswahl der Präparate extrem penibel vorgehen, damit die Medikamente mit den strengen Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) übereinstimmen. Neben der täglichen Tabletteneinnahme erfordert die Diagnose zudem eine Anpassung des Lebensstils: Musiala muss abseits des Rasens akribisch auf ausreichenden Schlaf, feste Regenerationszeiten und die Vermeidung bekannter Trigger wie extremes Flackerlicht beim Gaming oder privaten Stress achten.

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