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Bundesliga

FC Bayern München: Mächtiger Boss vor dem Aus?

Veröffentlicht:

von Martin Volkmar

ran Fußball

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Videoclip • 02:15 Min


Einer der wichtigsten Mitstreiter von Uli Hoeneß und Herbert Hainer muss sich aufgrund der anhaltenden Kritik an seiner hauptberuflichen Tätigkeit vielleicht auch beim FC Bayern bald zurückziehen.

Dass der Aufsichtsrat der FC Bayern München Fußball AG mehr als ein Gremium ist, das nur beaufsichtigt und berät, ist allein beim Blick auf die Zusammensetzung völlig klar.

Neben FCB-Präsident Herbert Hainer gilt das vor allem für den nach wie vor äußerst mächtigen Klubpatron Uli Hoeneß und natürlich auch für Ex-CEO Karl-Heinz Rummenigge.

Während die beiden früheren Weltklassespieler und langjährige Vorstandsmitglieder der Bayern vor allem für die sportliche Kompetenz des Aufsichtsrats stehen, hat die übergroße Mehrheit wirtschaftliche Top-Expertise.

Neben dem einstigen adidas-Vorstandsvorsitzenden Hainer finden sich dort führende Köpfe der AG-Anteilseigner Allianz, Audi, adidas und in Kürze auch des neuesten Mitbesitzers.

Max Viessmann steigt als Vertreter des gleichnamigen Familienunternehmens ein und wird das zehnte Mitglied des Kontrollgremiums, nachdem sich die Viessmann Generations Group für 250 Millionen Euro eingekauft hat.

FC Bayern: Präsidialausschuss entschied über Eberl-Verlängerung

Allerdings ist es möglich, dass der Aufsichtsrat schon bald wieder nur aus neun Männern bestehen könnte, zumindest vorübergehend. Und das betrifft in Gernot Döllner nicht nur einen der (noch) mächtigsten deutschen Wirtschaftslenker, sondern damit auch ein Mitglied des fünfköpfigen Präsidialausschusses des Bayern-AR.

In dieser Kerninstanz, die die wesentlichen Maßnahmen vorbereitet, sitzen neben Hoeneß und Hainer die drei derzeitigen Anteilseigner – also auch Döllner als Audi-Vorstandsboss.

Wie mächtig das Gremium ist, zeigte sich jüngst bei der Verlängerung von Sportvorstand Max Eberl. Nachdem sich der Präsidialausschuss darauf vorab verständigt hatte, blieb den verbliebenen vier Aufsichtsratsmitgliedern aufgrund ihrer Minderheit keine wirkliche Alternative mehr. Ein Grund, warum Rummenigge Eberls Verbleib sogar ablehnen wollte und seinen Protest dann zumindest in seiner Stimmenthaltung ausdrückte.

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FCB-Aufsichtsrat Gernot Döllner: Große Empörung über Auftritt mit Trump

Weit größer als der damalige Unmut Rummenigges ist aktuell allerdings die allgemeine Empörung über Döllners Handeln in dessen Hauptberuf.

Der Audi-Chef hatte nämlich am Wochenende auf der Bühne einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump für die anstehenden Midterms unter dem Jubel der "Maga"-Anhänger den Bau eines neuen Automobilwerks in den Vereinigten Staaten angekündigt.

Seitdem reißt die Kritik an Döllners Verhalten nicht ab. Unter anderem, weil er gegen die von ihm selbst unterschriebenen Compliance-Regeln des Unternehmens verstoßen hat, sich drei Monate vor einer Wahl nicht mehr aktiv einzumischen.

Auch ein Aufsichtsratsmitglied des VfL Wolfsburg attackiert Döllner

Daher werden von allen Seiten nun Konsequenzen gefordert. "Der Audi-Chef sollte überlegen, ob er über den moralischen Kompass für den Job verfügt", kommentierte die "Süddeutsche Zeitung".

Für Döllners Wahlkampfhilfe für Trump müsse man "vor Scham im Boden versinken", meinte derweil Daniela Cavallo, im Ehrenamt Mitglied des Aufsichtsrats-Präsidiums der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH.

Hauptamtlich allerdings ist Cavallo die mächtige Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Audi-Besitzer Volkswagen und sitzt dort ebenso im Aufsichtsrat wie die Vertreter des von der SPD regierten Anteilseigners Niedersachsen, so dass Landesregierung und Arbeitnehmer dort eine Mehrheit haben.

Theoretisch könnten sie also einen Rauswurf von Döllner forcieren, zumal SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bereits lautstark Konsequenzen verlangte. Und Linken-Chef Luigi Pantisano forderte den Audi-Boss zum Rücktritt auf.

Ohne Audi-Führungsjob auch kein Posten bei Bayern

Der FC Bayern selbst äußert sich erwartungsgemäß nicht öffentlich zu den heftigen Debatten um sein Aufsichtsratsmitglied, zumal Audi weitgehend eigenständig über die Vertretung beim Rekordmeister entscheiden kann.

Klar ist aber auch: Muss Döllner an der Unternehmensspitze in Ingolstadt seinen Hut nehmen, muss er auch bei den Münchnern Platz machen und zumindest vorübergehend wäre der Präsidialausschuss nicht mehr in der Mehrheit wie bei der Eberl-Verlängerung.

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FC Bayern: Reagiert die Südkurve gegen Magdeburg auf Döllner?

Im Gegensatz zur Vereinsführung könnte es zudem sein, dass die Fans ihre Meinung zu Döllners umstrittenen Trump-Deal beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Magdeburg am Mittwoch in der Allianz Arena kund tun werden. So forderte der Berater und Rechtsanwalt Hubertus von Roenne, früher unter anderem im Vorstand der British Telecom, den Anhang zum Handeln auf.

„Dieser Verein hat eine Tradition, für seine Werte einzustehen. Die Südkurve hat bei Katar nicht geschwiegen. Sie hat bei Rechtsruck und Ausgrenzung nicht geschwiegen. Sie hat Kurt Landauer aus der Vergessenheit geholt“, schrieb der Manager im Business-Netzwerk "Linkedin":

"Wer im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt, vertritt diesen Verein auch dann, wenn er für Audi spricht. Deshalb mein Aufruf an alle, die 'Mia san mia' ernst meinen: Zeigt bei den nächsten Spielen klar und friedlich, was ihr davon haltet."

Uli Hoeneß: Zahlreiche Breitseiten gegen Donald Trump

Gespannt wäre man auch, ob und wenn ja, was genau Uli Hoeneß beim nächsten Treffen zu Döllner sagen wird. Denn der Bayern-Ehrenpräsident hat sich in der Vergangenheit mehrfach und scharf von Donald Trump abgegrenzt, so dass er die Wahlkampfhilfe des Audi-Bosses auf gemeinsamer Bühne eigentlich rundheraus ablehnen müsste.

"Es ist mir unbegreiflich, wieso so ein tolles Land, mit so viel Intelligenz und guten Leuten und einer unglaublichen Industrie, so was akzeptieren kann. Ich würde den keine Sekunde ertragen", erklärte Hoeneß vor zwei Jahren über den damals gerade wiedergewählten US-Präsidenten.

Und auch vor der WM-Endrunde sprach der 74-Jährige in einem "Bild"-Interview Klartext: "Ich möchte eigentlich nicht über Donald Trump reden. Nur so viel: Wenn es wirklich Trumps Ziel ist, sich eine dritte Amtszeit zu ermöglichen, müssen die Amerikaner sehr aufpassen, dass aus ihrer Demokratie keine Diktatur wird."

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Audi: Zukunft als Bayern-Anteilseigner fraglich

Vielleicht allerdings denkt (oder weiß) Hoeneß, dass sich die Diskussionen um den Bayern-Aufsichtsrat Döllner in naher Zukunft ohnehin erledigt haben könnten. Denn nach übereinstimmenden Berichten gibt es die klare Tendenz, dass sich Audi als Anteilseigner spätestens zum Vertragsende 2029 beim Bundesligisten zurückzieht.

Hauptgrund soll die wirtschaftliche Krise von Audi und Mutterkonzern Volkswagen sein. Aktuell unterstützt Audi den FC Bayern mit 45 Millionen Euro pro Jahr. Es sind sehr deutliche Kürzungen beim Sponsoring geplant, worunter auch die Unterstützung von Profiklubs fällt.

Mit dem schon länger interessierten bayrischen Vorzeigeunternehmen BMW steht ein Nachfolger für Audi aber bereits in den Startlöchern, die Übernahme der Anteile durch den derzeitigen Sponsor der Bayern-Basketballer gilt in diesem Fall als nahezu gesichert.

Angesichts der aktuellen Diskussionen hätte so mancher in der Vereinsführung vermutlich nichts dagegen, wenn der Wechsel eher früher als später stattfinden würde.

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