Bundesliga
FC Bayern München - 250 Millionen Euro durch Viessmann-Deal: Kommen jetzt die Superstars zum FCB?
Veröffentlicht:
von Andreas Reiners17:30 SAT.1 Bayern
FC Bayern: Milliardärsfamilie Viessmann ist neuer Anteilseigner
Videoclip • 28 Sek • Ab 12
Der FC Bayern München hat durch den Einstieg der Viessmann Generations Group angeblich 250 Millionen Euro eingenommen. ran beantwortet die wichtigsten Fragen zum Deal.
Von Andreas Reiners
Der FC Bayern München hat mal wieder ein Ausrufezeichen gesetzt.
250 Millionen Euro – so viel soll der Rekordmeister für den Verkauf des letzten verfügbaren Anteilspakets an die Viessmann Generations Group erhalten.
Eine Viertel Milliarde Euro: Auch in Zeiten verrückter Transfersummen ist das eine Menge Geld, das "jetzt auf das berühmte Festgeldkonto" wandern soll, wie Bayern-Präsident Herbert Hainer der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) sagte.
Hainer sprach von einer "wertvollen Rücklage, etwa für zukünftige Infrastruktur-Projekte". Zwar benötige der FC Bayern "akut" kein Geld. "Aber es gibt einen Spruch: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not", betonte der langjährige "adidas"-Vorstandschef.
Wer ist der neue Gesellschafter? Was passiert mit dem Geld? Und was sagen die Fans? ran beantwortet die wichtigsten Fragen.
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FC Bayern: Wer ist die Viessmann Generations Group?
Die Viessmann Generations Group wird in vierter Generation geführt und ist mit ihren Aktivitäten in der Heizungsbranche in mehr als 40 Ländern vertreten. Rund 6.000 Menschen arbeiten im industriellen Kerngeschäft, das jährlich einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro erwirtschaftet. Viessmann ist seit 2018 Partner der Bayern.
Einen tiefgreifenden Einschnitt markierte 2024 der milliardenschwere Verkauf der Sparte Climate Solutions an den US-Konzern Carrier Global. Seither richtet die Unternehmensgruppe ihren Blick verstärkt auf die Weiterentwicklung ihrer übrigen Geschäftsfelder. Dazu zählen Kühltechnik, Reinraumlösungen sowie die Nah- und Fernwärmeversorgung. Hinzugekommen ist das Geschäft mit Komponenten für Stromnetze.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Sport. Dort beschränkt sich Viessmann längst nicht mehr auf klassische Sponsoringmaßnahmen: Das Familienunternehmen unterstützt Nachwuchstalente, begleitet Athleten und Sportorganisationen als Partner und beteiligt sich zunehmend auch unternehmerisch an Projekten und Gesellschaften im Sportbereich.
Bayern-Präsident Herbert Hainer (r.) mit Viessmann-CEO Max Viessmann
Bild: FC Bayern/Viessmann/SID/Alexandra BEIER
FC Bayern: Wie sieht der Deal aus?
Erworben wurde ein Paket in Höhe von ursprünglich fünf Prozent. Da die Transaktion im Zuge einer Kapitalerhöhung erfolgt, ergibt der rechnerische Wert dieser Beteiligung knapp 6,7 Prozent. Die anderen drei Gesellschafter kommen dann jeweils auf etwas unter 7,8 Prozent.
Viessmann ist nach adidas (Einstieg 2002 für 77 Millionen Euro), Audi (2010/90 Millionen Euro) und der Allianz (2014/110 Millionen Euro) der vierte Aktionär neben dem Hauptanteilseigner, dem FC Bayern eV. Bei diesem müssen satzungsgemäß 70 Prozent der Anteile verbleiben.
Dazu soll Firmenchef Max Viessmann Mitglied des Münchner Aufsichtsrats werden. Der hätte dann zehn statt bislang neun Mitglieder. Und würde mit dem 37-Jährigen auch zugleich weiter verjüngt. Das ist sowieso der Plan.
Denn die Verantwortlichen machen sich Gedanken, wie man die Zukunft des FC Bayern absichern kann. Zum Aufsichtsrat gehören Uli Hoeneß (74) und Karl-Heinz Rummenigge, der 72 ist, Hainer ist 71. Neben Viessmann gehören auch Alexander Sixt (47) und Christian Groh (46) von der Schwarz-Gruppe zu diesem Prozess, beide sind im Verwaltungsbeirat. Marko Pesic (49) soll zweiter Vize-Präsident werden. "Alle sind unter 50, kluge Köpfe und haben eine Leidenschaft für den Verein", sagte Hainer.
FC Bayern: Um wie viel Geld geht es?
Durch den Finanzbranchendienst "Bloomberg" wurde der Wert des FC Bayern unter Berufung auf mit der Transaktion vertraute Personen auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Nach der Kapitalerhöhung ergeben 6,7 Prozent davon rund 268 Millionen Euro.
Die nicht offiziell kommunizierten, sondern durch Medienberichte verbreiteten 250 Millionen Euro erscheinen daher realistisch.
978 Mio. € Umsatz und 27,1 Mio. € Reingewinn. 5 % Anteilsverkauf nur für schwierige Zeiten?
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Was sagen die Fans?
Im November steht die Mitgliederversammlung an. Hainer verriet in der "SZ", dass er im Vorfeld des Deals mit vielen Fan-Vertretern gesprochen habe: "Die Reaktionen waren überwiegend positiv." Es passe bei dem Deal "wirklich alles", betonte Hainer.
2010 hat die Mitgliederversammlung dem Präsidium erlaubt, maximal 30 Prozent der Anteile zu verkaufen. "Wir sind davon überzeugt, dass dies auf eine breite Akzeptanz trifft", sagte Hainer im Hinblick auf die anstehende Versammlung, die beim FC Bayern grundsätzlich immer für starke Stimmungen und Emotionen gut ist.
Wie es dann am 21. November konkret aussieht, bleibt abzuwarten, da die Anwesenden natürlich nur ein Bruchteil der über 450.000 Mitglieder sind. Zuletzt gab es Vorwürfe des Wortbruchs von Bayern-Fan Michael Ott und bei einer Protestaktion in der Südkurve.
Dabei ging es um die Aussagen von 2021, als es hieß, man verkaufe die letzten fünf Prozent nur, wenn sich der Verein in einer Krise befindet. Ein Antrag von Ott, dass weitere Verkäufe die Zustimmung der Mitglieder benötigen, verfehlte damals knapp die Mehrheit. "Es ging uns damals darum, diese fünf Prozent als Manövriermasse weiter zu haben", sagte Hainer.
Den Anhängern stößt das sauer auf. "978 Mio. € Umsatz und 27,1 Mio. € Reingewinn. 5 % Anteilsverkauf nur für schwierige Zeiten?", hieß es Ende August auf einem Plakat der Fans. Ott schrieb auf "X" von einem "Schlag ins Gesicht aller Mitglieder des FCB".
Gut möglich, dass auf der Versammlung Stimmung gegen das Präsidium gemacht wird, nicht unbedingt gegen den neuen Gesellschafter.
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FC Bayern München: Was passiert mit dem Geld?
Für viele Fans wohl die wichtigste Frage. Zwei absolute Topstars wären für das Geld zu haben, auch Vertragsverlängerungen wie die von Michael Olise könnte man deutlich leichter stemmen.
Doch die Münchner haben anderes vor. Sie agieren vorausschauend. "Wir wollen nicht in Not geraten und dann verkaufen müssen", sagte Hainer. Denn dann wäre der Preis für das Paket wohl ein anderer. Und ein passender Partner ist dann auch nicht garantiert.
Das Geld soll aber auch nicht auf dem Festgeldkonto gelagert werden. Vielmehr werde laut Hainer mit den Finanzexperten beraten, wie man es am besten anlege. In zukünftige Infrastruktur-Projekte zum Beispiel.
"Für die Zukunft haben wir jetzt noch mehr Möglichkeiten", so Hainer. Neben aktuellen Projekten wie einem Performance-Center am Campus, dem Sportpark Unterhaching oder den Umbauten an der Säbener Straße. Die werden aus aktuellen Einnahmen gedeckt.
Laut "Sky Sport" geht es neben der Infrastruktur auch um die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Ganz grundsätzlich will der Verein seine Voraussetzungen verbessern, seine Handlungsoptionen und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ausbauen. Es geht weniger um kurzfristige Maßnahmen als um solche, die langfristig angelegt sind.
Es werde immer kostspieliger, europäisch erfolgreich zu sein, betonte Hainer: "Fakt ist: Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen. Und wir müssen auf diese Entwicklungen vorbereitet sein." Man mache aber "keine verrückten Dinge".
Stattdessen werden Ausrufezeichen gesetzt.
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