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SV Werder Bremen: Ausverkauf und Einkäufe mit Risiko-Faktor - mit Ansage in die 2. Bundesliga?
Veröffentlicht:
von Christoph Gailerran Fußball Bundesliga
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Videoclip • 02:40 Min
Der SV Werder Bremen hat bislang hanseatisch sparsam im Sommer-Transferfenster 2026 gewirtschaftet. Doch führt dieser Sparkurs letztlich in die 2. Bundesliga oder zahlt sich das Risiko mit Ludovit Reis, Niclas Füllkrug und Co. aus?
Mit dem letztlich problemlosen 3:0-Sieg zum Auftakt in die Pflichtspiel-Saison im DFB-Pokal gegen den Lüneburger SK Hansa hat Werder Bremen die erste Hürde souverän genommen.
Damit kann die Bundesliga-Saison 2026/27 für den früheren Meister eigentlich losgehen - oder doch nicht?
Nach dem Ausverkauf einiger Leistungsträger weist der Kader von Coach Daniel Thioune kurz vor Ende der Sommer-Transferperiode nämlich noch an einigen Stellen Lücken oder zumindest gewisse Fragezeichen auf.
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Backhaus, Schmid und Coulibaly weg: Ausverkauf der Leistungsträger
Das Positive zuerst: Werder Bremen hat im Sommer 2026 durch die Verkäufe von Mio Backhaus (SC Freiburg), Romano Schmid (Frosinone Calcio) und Karim Coulibaly (Racing Strasbourg) schon ordentlich Kohle eingenommen. Das Portal "transfermarkt.de" beziffert die Ablösesummen für dieses Trio auf 40,5 Millionen Euro.
Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Bremer damit erst einmal ordentlich an Qualität verloren haben. Und das nach der ohnehin schwachen Saison 2025/26, die die Hanseaten auf Platz 15 (32 Punkte) abschlossen. Das war die schwächste Platzierung des Klubs seit dem Wiederaufstieg im Sommer 2022.
Mit Backhaus ist jetzt der letztjährige Stammtorhüter weg, mit Schmid der Topscorer (zusammen mit Jens Stage - jeweils zwölf direkte Torbeteiligungen) und mit Coulibaly das größte Talent des Vereins.
Besonders bei Backhaus (32 Einsätze für die Werder-Profis) und Coulibaly (27 Profi-Einsätze) kann man sich durchaus die Frage stellen, ob man das Duo nicht vielleicht zu schnell abgegeben hat - eigentlich noch vor ihrem vielleicht ganz großen Durchbruch bei den Profis. Doch Werder nahm in diesen Fällen offensichtlich lieber das Geld, insgesamt kolportierte 32 Millionen Euro.
Werders Neue: Günstig, aber auch gut genug?
Von den üppigen Transfer-Einnahmen hat Geschäftsführer Clemens Fritz laut "transfermarkt.de" bislang gerade einmal sieben Millionen Euro reinvestiert.
Im Tor soll Karl Hein die Nachfolge von Backhaus antreten, dafür zog Werder die mit dem FC Arsenal vereinbarte Kaufoption in Höhe von kolportierten drei Millionen Euro. Bei seinen wenigen Einsätzen in der Vorsaison hat der estnische Nationalkeeper tatsächlich schon seine Klasse aufblitzen lassen.
Auch das polnische Abwehrtalent Oskar Wojcik kostete drei Millionen Euro, ansonsten holte Werder vermehrt ablösefreie Akteure (Chuki, Ludovit Reis, Cedric Itten, Alexander Schlager) oder setzt auf Leihen (Niclas Füllkrug, Eren Dinkci).
Hype um Füllkrug-Comeback an der Weser
Ein besonderer Hype entstand natürlich durch die Rückkehr von Füllkrug an die Weser. Er war schon während seiner ersten Werder-Ära Publikumsliebling und verlässlicher Torjäger. "Ich habe mich bewusst für das Richtige entschieden. Ich glaube, dass es für mich fußballerisch und menschlich kein besseres Umfeld gibt", sagte der 33-Jährige zum Werder-Comeback.
Für den Routinier ist die Leihe nach Bremen im fortgeschrittenen Alter eine Art Neustart, denn zuletzt lief es beim einstigen Nationalspieler nicht sonderlich gut. Bei seinem Stammverein West Ham United war er in der Vorsaison außen vor und auch die Leihe zur AC Mailand verlief enttäuschend (20 Liga-Einsätze, ein Tor).
Dennoch erhoffen sich die Werder-Verantwortlichen einiges von Füllkrug. "Da haben wir einen gefunden, der uns aus unser vermeintlichen Lethargie, in der wir uns Monate bewegt haben, herausziehen will", erklärte Coach Daniel Thioune.
Mit seinem Tor-Einstand beim Pokal-Erfolg gegen LSK Hansa hat Füllkrug zumindest schon mal einen Anfang gemacht. Allerdings muss man bei ihm erst einmal abwarten, inwieweit er über längere Zeit fit bleibt - auch so ein Problem, mit dem sich der Stürmer vor allem seit seinem England-Wechsel immer wieder herumschlagen musste.
Ausgerechnet ein Ex-HSV-Kapitän: Wird Reis der neue Mittelfeld-Boss?
Während Füllkrug erst einmal bis 2027 ausgeliehen ist, hat der Niederländer Ludovit Reis bis 2029 bei Werder unterschrieben. Diese Personalie hat nicht nur in Bremen für Aufsehen gesorgt, sondern auch beim Erzrivalen Hamburger SV. Denn Reis war bis 2025 Kapitän der Rothosen, ehe er sich nach Brügge verabschiedete. "Mein Herz ist blau", sagte er damals zum Abschied - nur um nun in Grün-Weiß aufzulaufen.
Nicht nur wegen dieser Vorgeschichte, steckt hinter der Reis-Verpflichtung ein gewisses Risiko für Werder. Denn der 26-Jährige kommt auch mit einem gehörigen Manko an Spielpraxis nach Bremen. Nach seinem Wechsel nach Belgien hat er nämlich nur sieben Ligaspiele (266 Minuten) bestritten, das letzte davon Mitte Januar 2026.
Dennoch durfte Reis im DFB-Pokal von Beginn an für Werder ran und traf gleich beim Debüt für seinen neuen Klub. Thioune tritt aber auf die Bremse. "Viel besser hätte es nicht laufen können. Es hat ihm gut getan, das Spiel vor sich zu haben. Man hat aber gesehen, dass er lange nicht gespielt hat: Timing, Ballqualität und Entscheidungsfindung. Heute sind die Fehler nicht bestraft worden", erklärte der 52-Jährige.
Rechtsverteidiger gesucht - Schmetgens als Notlösung
Beim Sieg im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten verhalf Thioune dem 18-jährigen Mick Schmetgens zu seinem Startelf-Debüt bei den Werder Profis. Der gelernte Innenverteidiger durfte als Rechtsverteidiger in der Viererkette ran - und das hat Gründe.
Denn Bremen hat aktuell kaum eine ernsthafte Alternative auf dieser Position. Felix Agu und Mitchell Weiser sind verletzt, so bleibt neben Schmetgens nur noch der 19-jährige Luca Höcker als zumindest theoretische Alternative für den Werder-Coach. Außerdem könnte der eigentlich offensivere Marco Grüll nach hinten beordert oder der etatmäßige Innenverteidiger Julian Malatini nach außen gezogen werden.
Hier gilt es also für Bremen und Fritz wohl noch, personell nachzubessern. Bislang bahnt sich aber lediglich die Leihe des Ex-Schalkers Moussa Ndiaye an, der links hinten zu Hause ist. Geld sollte nach dem Ausverkauf jedenfalls genügend vorhanden sein, und sich gewissermaßen sehenden Auges in die 2. Bundesliga zu sparen, nicht das Ziel sein.
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