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Champions League

Borussia Dortmund: Taktische Umstellung von Niko Kovac greift, jetzt muss er daraus die Lehren ziehen - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

ran Fußball

"Schlicht peinlich": Netz zerlegt BVB trotz Sieg bei Sabah

Videoclip • 02:09 Min


Auf die erneute Zwangspause von Konstantinos Karetsas reagiert BVB-Trainer Niko Kovac in Baku mit den richtigen Umstellungen. Jetzt muss er aber auch daran festhalten. Ein Kommentar.

Von Chris Lugert

Der BVB kann tatsächlich noch Offensive.

Nach zwei biederen und langweiligen Auftritten in der Champions League bei Bodö/Glimt und in der Bundesliga bei Union Berlin kreierten die Dortmunder im Auswärtsspiel bei Sabah FK in Aserbaidschan endlich mal wieder eigene Chancen.

Im Vergleich zu den beiden vorherigen Partien war es sogar ein regelrechtes Chancenfeuerwerk, das die Borussia in Baku abbrannte. 21 Torschüsse, die in 3,62 xGoals resultierten - es wäre ein deutlich höherer Sieg als das 2:1 möglich gewesen. Dass es plötzlich deutlich besser lief, lag natürlich auch an der etwas geringeren Qualität des Gegners.

Aber das allein wäre zu kurz gegriffen.

Vielmehr hatte Trainer Niko Kovac nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Kreativspieler Konstantinos Karetsas die richtige Idee und nahm Umstellungen vor, die sich vollends auszahlten.

So stellte Kovac von seinem Standardsystem mit zwei Sechsern, zwei Zehnern und einem Stürmer auf eine Formation mit einem Sechser, zwei offensiv ausgerichteten Achtern und zwei echten Stürmern um. Damit verschaffte sich der BVB im Angriffsdrittel deutlich mehr Präsenz als zuletzt.

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Silva und Chukwuemeka nutzen ihre Chance

Was allerdings auch am aufgestellten Personal lag. Kovac brachte in Fabio Silva und Carney Chukwuemeka zwei Spieler, die beide in Baku Eigenwerbung betrieben. Vor allem der Österreicher Chukwuemeka nutzte seinen ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison nahezu perfekt, zumindest abseits der reinen Scorerliste.

Denn ein Tor oder eine Vorlage verbuchte der gebürtige Wiener zwar nicht, dafür war er ein stets belebendes Element für die Offensive. Vor allem in der ersten Halbzeit versprühte er viel Spielwitz und setzte seine Mitspieler gut in Szene. Am 1:0 hatte er ebenfalls Anteil. Nach der Pause zauberte er sich durch die aserbaidschanische Abwehr und bediente Serhou Guirassy, der aber nicht zum Abschluss kam.

Es sind genau die Aktionen, die sich der BVB eigentlich von Karetsas erhofft hatte, die dieser nun aber erst einmal nicht zeigen kann. Chukwuemeka hat bewiesen, dass er nicht nur ein würdiger Ersatz für den Griechen sein kann, sondern generell bereit ist, weitere Einsatzchancen zu erhalten. Die Position als halbrechter Achter im Verbund mit Felix Nmecha führte er gut aus.

Und auch Silva hatte fast ausschließlich positiven Einfluss auf das BVB-Spiel. Bereits vor der Länderspielpause überzeugte er als Super-Joker, jetzt knüpfte er daran auch in der Startelf an. Der Portugiese arbeitete fleißig gegen den Ball und entlastete Guirassy, der seinerseits sofort mehr Freiheiten bekam und diese nicht nur aufgrund seiner beiden Tore auch nutzen konnte.

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Verfällt Kovac wieder in alte Muster?

Ein neues, offensiveres System und zwei Spieler, die andere Qualitäten ins Spiel einbringen - es war ein einfaches Rezept, das die drei Punkte in Aserbaidschan einbrachte. Jetzt aber muss Kovac auch die richtigen Lehren daraus ziehen. Es ist seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die guten Ansätze von Baku in den nächsten Spielen fortgesetzt werden können.

Immerhin bewies der bei den Fans kritisch beäugte Kroate durch seine Änderungen, dass er zu Anpassungen bereit ist. Doch das darf keine Eintagsfliege bleiben. Allerdings ist zu befürchten, dass Kovac nicht auf die offensiven Zahlen blicken wird, sondern auf die Chancen der Gastgeber. Denn der BVB bot defensiv durchaus etwas an, was allerdings meist durch individuelle Fehler entstand.

Individuelle Fehler können jedoch abgestellt werden, die Vorzüge der neuen taktischen Grundordnung waren hingegen deutlich zu sehen. Auch Felix Nmecha als linker Achter sowie Joey Veerman als alleiniger Sechser konnten ihre Stärken auf diesen Positionen deutlich besser einbringen.

Vor dem BVB liegen im verbleibenden Oktober jetzt drei richtungsweisende Spiele. Zunächst wartet am Samstag das Heimspiel gegen Kovacs Ex-Klub Eintracht Frankfurt, danach geht es im DFB-Pokal gegen Werder Bremen. Und an Halloween steigt der "Klassiker" beim FC Bayern.

Kovac muss sich entscheiden, welches Signal er senden will: Soll der BVB agieren oder wie das Kaninchen vor der Schlange nur reagieren? Dass es auch offensiver gehen kann, hat er sich selbst bewiesen. Die Frage ist, ob er das auch gegen namhaftere Gegner haben will.

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