Premier League
Manchester City droht drakonische Strafe - Verstöße gegen Financial Fairplay offiziell
Aktualisiert:
von Oliver Jensenran Fußball
Manchester City schuldig gesprochen! Fans fassungslos
Videoclip • 01:34 Min
Manchester City wird von einer unabhängigen Kommission der Premier League für schuldig befunden, über Jahre gegen die Finanzregeln der Premier League verstoßen zu haben. Nun droht dem Verein rund um Erling Haaland womöglich sogar der Abstieg in die 2. Liga. ran beantwortet die wichtigsten Fragen.
Manchester City: Was wird dem Verein vorgeworfen?
Die Premier League wirft Manchester City nach der Untersuchung einer unabhängigen Kommission "schwerwiegende Verstöße gegen die Finanzvorschriften" der Liga vor. Über Scheinverträge mit "einer Reihe von Geschäftspartnern" und Scheinvereinbarungen mit anderen Partnern soll der Klub seine Einnahmen künstlich erhöht und die Kosten um umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro gesenkt haben. Bei diesem verschleierten Finanzierungsmodell spielte die Abu Dhabi United Group Investment & Development Ltd (ADUG) als City-Besitzer demnach eine entscheidende Rolle.
In der Folge seien fehlerhafte Finanzberichte eingereicht worden. So sollen die Skyblues "erheblich" gegen die Ausgabenobergrenzen sowohl der Premier League als auch der UEFA verstoßen haben. Weiter geht es darum, dass der Verein laut der Kommission gezielt versucht haben soll, "die Untersuchung der Premier League zu stoppen und zu behindern". Die untersuchten Fälle umfassen demnach die neun Spielzeiten von 2009/2010 bis 2017/2018.
Was sagt der Premier-League-Boss zu dem Bericht der Kommission?
Richard Masters, Geschäftsführer der Premier League, fühlt sich nach dem Bericht der unabhängigen Kommission in der Entscheidung bestätigt, dieses Verfahren angestrengt zu haben. Es habe sich gezeigt, "wie der Verein über einen Zeitraum von fast zehn Jahren systematisch gegen die Regeln der Premier League verstoßen hat".
Das Verfahren sei zwar "langwierig und schwierig", die Liga halte aber "entschlossen an ihrem Ziel fest, die Sachverhalte unabhängig aufklären zu lassen". Die Premier League nehme ihre Verantwortung sehr ernst, dafür zu sorgen, "dass der Wettbewerb für alle Vereine und Fans fair bleibt".
Weiter betont der Premier-League-Boss: "Dieses Disziplinarverfahren und die vorliegende Entscheidung sind von herausragender Bedeutung in der Geschichte der Premier League."
Wie erfolgreich war Manchester City in der Zeit der vorgeworfenen Verstöße?
Sehr erfolgreich. Während der Zeit der angeblichen Verstöße gewann City dreimal die Premier League, einmal den FA Cup, dreimal den Ligapokal und einmal den Community Shield.
Spielt Erling Haaland mit Manchester City bald in der zeitklassigen EFL Championship?
Bild: News Images
Wie kam es zu der Untersuchung?
Im November 2018 veröffentlichte die deutsche Zeitung "Der Spiegel" geleakte Finanzunterlagen des Vereins - sie waren Teil der sogenannten "Football Leaks". Daraufhin untersuchte die Premier League den Fall vier Jahre lang. Im Februar 2023 erhob sie schließlich die 115 Vorwürfe und übergab den Fall an eine unabhängige Kommission.
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Manchester City: Gab es schon einmal eine Strafe in diesem Zusammenhang?
Ja. Im Februar 2020 sperrte die UEFA Manchester City nach den Enthüllungen des Spiegel für zwei Jahre von ihren Wettbewerben und verhängte eine Geldstrafe von 30 Millionen Euro. Fünf Monate später hob der Internationale Sportgerichtshof (CAS) diese Sanktionen auf. Die Sperre wurde aufgehoben, weil die mutmaßlichen Verstöße gegen die Finanzregeln entweder nicht nachgewiesen oder verjährt waren.
City wurde allerdings für schuldig befunden, nicht ausreichend mit der UEFA zusammengearbeitet zu haben: Der Verein hatte umfangreiches Beweismaterial nicht vorgelegt. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) bezeichnete diesen Verstoß als "schwerwiegend" und erklärte, er müsse "ernsthaft gerügt" werden. Deshalb musste City eine Geldstrafe von 8,8 Millionen Pfund zahlen.
Was sagt Manchester City zu den Vorwürfen?
Nach der Veröffentlichung des Berichts der unabhängigen Kommission durch die Premier League reagierte Manchester City mit einem Statement auf seiner Homepage. Darin zeigte sich der Verein "enttäuscht und überrascht". Die Skyblues stellen klar: "Der Klub weist die von der Premier League erhobenen Anschuldigungen zurück; es liegt eine umfassende Beweislast vor, die die Position des Klubs in diesem Fall zweifelsfrei untermauert."
Zudem betont ManCity, das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, es stünden noch "wesentliche Schritte" aus. Weiter heißt es: "Manchester City wird nun die offenstehenden Rechtsmittel ausschöpfen, da die Stellungnahme eindeutige, wesentliche Fehler in rechtlicher, grundsätzlicher und tatsächlicher Hinsicht enthält und auf einer unhaltbaren Grundlage beruht."
In den fraglichen Jahren habe der Verein "gewissenhaft die ordnungsgemäßen Verfahrensabläufe respektiert". Dies sei auch in der Erwartung geschehen, "dass das Board und die Geschäftsführung der Premier League als unabhängige, unparteiische und faire Regulierungsinstanz agieren würden – frei von parteiischer Einflussnahme".
Bereits am Samstag nach den ersten Berichten über den bevorstehenden Schuldspruch hatte sich City kämpferisch gegeben. "Das Verfahren ist noch lange nicht abgeschlossen, und unser Vertrauen und unsere Entschlossenheit, die Unschuld des Vereins zu beweisen, sind nach wie vor ungebrochen", schrieb Klubboss Khaldoon Al Mubarak in einem offenen Brief auf der Klub-Homepage.
"Es gibt so viele Dinge, die ich gerne mit Ihnen teilen würde, damit Sie verstehen, warum wir uns unserer Position so sicher sind. Aber die strikte Vertraulichkeit des Rechtsverfahrens und unsere Entschlossenheit, diese zu respektieren, bedeuten, dass ich das derzeit nicht tun kann", so der 51-Jährige.
Und weiter: "Während manche vorschnell ihre eigenen Schlüsse gezogen haben und viel Lärm um uns herum kursiert, hat sich nichts geändert. Wir haben schon früher gemeinsam Herausforderungen gemeistert und sind als Sieger hervorgegangen. Es gibt immer noch viele, die den Schwung unseres Vereins untergraben wollen. Wir werden ihnen diese Gelegenheit nicht geben."
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Welche Strafen sind für ManCity möglich?
Das Regelwerk der Premier League sieht verschiedene Möglichkeiten vor: eine Verwarnung, Geldstrafen, Punktabzüge oder sogar den Ausschluss aus der Liga. Mehrere Strafen könnten auch miteinander kombiniert werden. Ein Punktabzug könnte sich möglicherweise auf eine vergangene Saison beziehen. Das könnte zur Folge haben, dass in der Vergangenheit gewonnene Titel aberkannt werden.
Ein Experte hält dies allerdings für unwahrscheinlich. "Falls es einen Punktabzug gibt, gehe ich davon aus, dass er für die Zukunft gelten wird", sagte James Hill, ein auf Sportrecht spezialisierter Jurist bei Onside Law, 2023 gegenüber The Athletic. "Im Allgemeinen entscheiden solche Gremien Meisterschaften ungern in einem Gerichtsverfahren. Ein rückwirkender Punktabzug wäre für den Verein auch keine wirklich spürbare Strafe."
Manchester City: Wie geht es weiter?
Bis Freitag, 2. Oktober, bleibt Manchester City Zeit, um gegen die Feststellungen der unabhängigen Kommission Berufung einzulegen. Die Premier League betont, sie strebe an, "das gesamte Verfahren (einschließlich etwaiger Berufungen und der Veröffentlichung der entsprechenden Entscheidungen) so bald wie möglich abzuschließen".
Liga-Boss Masters sagte dazu: "Es gibt noch Aspekte des Falls, über die entschieden werden muss – insbesondere die Frage, welche Sanktionen auf diese Verstöße folgen sollen. Nun, da die Entscheidung der Kommission vorliegt, werden wir das weitere Verfahren zügig vorantreiben, um für die Liga, unsere Vereine und die Fans Klarheit zu schaffen.“
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