Fußball-WM
WM 2026: Österreich kann nach emotionalem Drama auch Spanien schlagen - Kommentar
Veröffentlicht:
von Franziska Wendlerran Fußball
WM 2026: Verschwörung? Netz fassungslos nach Österreich-Drama
Videoclip • 02:18 Min
Österreich erlebt bei der WM unglaubliche Minuten, die etwas auslösen können. Gegen Europameister Spanien hat das Team gute Chancen. Ein Kommentar.
Wie es um die Emotionen der österreichischen Nationalmannschaft bestellt war, zeigte das "ZDF"-Interview von Michael Gregoritsch sinnbildhaft. Immer wieder rang der Routinier mit sich, am Ende brachte er gerade noch die Worte "Gott sei Dank gibt es Wunder" hervor.
"So ganz realisiert haben Sie es, glaube ich, noch nicht, oder? So gelöst bekomme ich Sie nicht mit", entgegnete Reporterin Amelie Stiefvatter, woraufhin Gregoritsch lange inne hielt – und dann mit tränenerstickter Stimme sagte: "Wir waren halt raus für ein paar Minuten. Und wir sind noch dabei."
Zum Abschluss des Gesprächs nahm der offensichtlich emotionale Augsburg-Stürmer die Journalistin voller Erleichterung in den Arm.
Szenen, die sich nach einem normalen Spiel gewiss nicht ereignet hätten.
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Österreich kurzzeitig raus aus der WM
Doch normal war das 3:3 zum Abschluss der WM-Gruppenphase gegen Algerien wahrlich nicht. Lange Zeit hatten sich beide Teams eine muntere Partie geliefert. Zweimal traf Österreich, zweimal Algerien.
Doch nach dem zweiten Ausgleich der Algerier und der folgenden Trinkpause scheuten beide Teams das Risiko, es folgte ein wenig attraktives Ballgeschiebe.
Doch als jeder schon dachte, das Spiel würde mit einem 2:2 enden, was beide Mannschaften in die K.o.-Phase gebracht hätte, schockte Riyad Mahrez die Österreicher.
In der dritten Minute der Nachspielzeit ging die Mannschaft aus Afrika in Führung, Österreich war zu diesem Zeitpunkt raus aus der WM. Doch das Spiel sollte noch nicht zu Ende sein.
Rangnick nach spätem Remis sprachlos
In einem letzten Aufbäumen warfen die geschockten Österreicher noch einmal alles nach vorne. Einen langen Ball von Marcel Sabitzer leitete Gregoritsch per Kopf weiter – und ausgerechnet Verletzungs-Pechvogel Sasa Kalajdzic, der schon drei Kreuzbandrisse erlitten hat, köpfte Österreich zum 3:3-Ausgleich und in das Sechzehntelfinale der WM.
"Ich habe im Moment keine Worte, sage ich ganz ehrlich. Ich glaube, so etwas habe ich so noch nie erlebt", konstatierte der für gewöhnlich nur selten sprachlose Trainer Ralf Rangnick.
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das war ein Auf und Ab. Wir gehen zweimal in Führung, das musst Du nach Hause bringen. Es war teilweise unseriös“, sagte Mittelfeldspieler Sabitzer.
"Heute freuen wir uns mal. Wir haben Österreich den Atem angehalten - aber jetzt sollen sie alle schön weiter trinken." Dass es zu diesem Zeitpunkt kurz nach 6 Uhr morgens in der Alpenrepublik war, spielte wahrlich keine Rolle.
Chance gegen schwache Spanier
Keine Frage: Am Donnerstagabend im Sechzehntelfinale gegen Spanien (ab 21 Uhr im Liveticker) ist Österreich auf dem Papier Außenseiter. Aber: Die ÖSV-Auswahl hat bei der WM ganz besondere Minuten erlebt. Tiefe Verzweiflung, das größte Glück – und dann die Fassungslosigkeit ob der Ereignisse.
Minuten, die zusammenschweißen. Minuten, die in Erinnerung bleiben. Und Minuten, die etwas auslösen können.
Die Auswirkungen solcher Ereignisse darf man nicht unterschätzen, der dadurch ausgelöste Rückenwind kann enorm sein.
Hinzu kommt, dass die Spanier sicher mehr Qualität vorweisen, aber bislang noch nicht in Fahrt sind. Ganz im Gegensatz zu den Österreichern, die sich mindestens mal emotional komplett angezündet haben.
Das mühevolle 0:0 gegen Kap Verde, der knappe 1:0-Sieg gegen Uruguay nach einem Torwartfehler – wirklich überzeugen, geschweige denn übermäßig Selbstvertrauen tanken konnte das Team um Superstar Lamine Yamal bislang nicht.
Auf dem Papier mögen die Spanier Favorit sein, gegen die emotionale Rangnick-Truppe müssen sie das aber erst einmal auf den Platz bekommen.
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