Leichtathletik-EM
Leichtathletik-EM - Owen Ansah: Fragen und Antworten zum Doping-Vorwurf - Zweite Medaille, Sperre oder viel Luft um nichts?
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von Gianluca Fraccalvieri:newstime
Medaillenregen bei Leichtathletik-EM
Videoclip • 32 Sek • Ab 12
Owen Ansah hat die erste deutsche Sprint-Medaille seit 40 Jahren geholt, die Gerüchte um angebliches Doping reißen aber nicht ab. Nun könnte er sogar seine zweite Medaille gewinnen. ran schaut sich die Situation um den verweigerten Dopingtest genauer an.
Owen Ansah und der Doping-Verdacht: Was ist passiert?
Zunächst ist klarzustellen, dass Owen Ansah nie positiv getestet wurde oder sonst in irgendeiner Form offiziell gedopt hat. Bei den Anschuldigungen geht es um einen verweigerten Dopingtest Anfang Juli.
Laut Ermittlungen der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) soll der Hamburger verweigert oder unterlassen haben, eine Dopingprobe abzugeben.
Ansahs Anwalt widersprach dieser Schilderung aber deutlich. "Unser Mandant Owen Ansah hat sich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingkontrolle durchzuführen", sagte sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh: "Er hat zu keinem Zeitpunkt die Abgabe einer Probe abgelehnt. Owen Ansah hat zu keinem Zeitpunkt gesagt oder den Eindruck erweckt, dass er eine Dopingkontrolle nicht durchführen wolle."
Nach Ansahs eigenen Angaben sei er kurzfristig als Nachrücker ins Starterfeld des Diamond-League-Rennens in Monaco gekommen. Während der dann gerade zum Flughafen aufbrechen wollte, forderte ein Doping-Kontrolleur eine Probe außerhalb des offiziellen Zeitraums.
Aufgrund des Zeitdrucks und der Tatsache, dass er eben auf dem Klo gewesen sei, habe er jedoch keine Probe abgeben können. "Dies habe ich mit dem Kontrolleur besprochen. Es wurde nicht angeboten, dass der Kontrolleur mit zum Flughafen fährt, damit ich dort die Probe abgeben kann. Zudem wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt", meinte Ansah.
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Owen Ansah und der Doping-Verdacht: Welche Konsequenzen drohen?
Als Folge des verweigerten Tests hat die NADA einen Sanktionsbescheid vorgelegt, der eine Sperre über vier Jahre vorschlägt.
Hätte Ansah den Vorschlag akzeptiert, hätte sich die Sperre automatisch auf drei Jahre verringert. Laut der NADA hat Ansahs Anwalt am 7. August jedoch bereits klar gemacht, dass sie dies "nicht akzeptieren" werden.
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Ansah und der verweigerte Doping-Test: Wie ist die rechtliche Situation?
Dem "Meldeblatt für mögliche Verstöße gg. Art. 2.3 NADA-Code" zufolge, das der "Sportschau" vorliegt, lässt die Situation jedoch wenig rechtlichen Spielraum.
"Gemäß Art. 2.3 NADA-Code [...] stellt die Umgehung oder die Weigerung oder das Unterlassen ohne zwingenden Grund eines*r Athleten*in, sich nach entsprechender Benachrichtigung einer gemäß anwendbaren Anti-Doping-Bestimmungen zulässigen Probenahme zu unterziehen, einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen dar, der [...] mit einer bis zu vierjährigen Sperre sanktioniert werden kann", heißt es in dem Papier.
Nach Informationen von "ARD"-Dopingexperte Hajo Seppelt sollen Ansah sowie der Kontrolleur das entsprechende Dokument unterschrieben haben.
Laut Seppelt wird Ansahs Anwalt argumentieren, dass bei seinem Mandanten ein im Formular genannter "zwingender Grund" vorlag. "Ich kann mir gut vorstellen, dass der Anwalt von Owen Ansah versuchen wird, das auch deutlich zu betonen. Der zwingende Grund könne dann gewesen sein, dass er unbedingt sehr schnell zum Flughafen musste", sagte Seppelt in der "Sportschau".
Laut Seppelt sei Ansah, anders als dieser behauptet, vom Kontrolleur auch klar über die möglichen Konsequenzen aufgeklärt worden.
Owen Ansah: Was passiert mit seiner EM-Medaille?
Sollte er wegen des verweigerten Dopingtests gesperrt werden, würden all seine Wettkampfergebnisse ab dem Tag der Kontrolle am 9. Juli aberkannt werden.
Dazu würde natürlich auch seine Bronzemedaille bei der EM in Birmingham über 100 Meter zählen sowie eine weitere mögliche Medaille über die 200 Meter am Freitagabend (live auf Joyn). Dort zählt der Hamburger nach der Spitzenzeit im Vorlauf zu den Favoriten.
Auch ohne Verurteilung hatte der verweigerte Test schon Konsequenzen für Ansah: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (LVB) entschied, ihn nicht in die 4x100-Meter-Staffel zu inkludieren. Zu groß sei die Angst, dass das Ergebnis im Nachgang gestrichen werden würde.
Owen Ansah hat Bronze geholt.
Bild: picture-alliance/dpa/SID/Sven Hoppe
Owen Ansah: Wie geht es mit dem deutschen Sprinter weiter?
Aktuell läuft die 20-tägige Frist, die die NADA gesetzt hat, um die Strafe zu akzeptieren. Da Ansah das laut seinem Anwalt nicht tun wird, wird der Fall vor dem Deutschen Sportschiedsgericht landen.
Sollte es dann erneut zu einer Berufung kommen, würde der Fall vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne landen, der eine finale Entscheidung treffen würde.
Doping-Experte Fritz Sörgel meinte im Gespräch mit der "DPA", dass er so oder so an eine Strafe für den 25-Jährigen glaube. "Dass er ohne Strafe aus dem Verfahren rausgeht, das halte ich für ausgeschlossen", erklärte er.
Owen Ansah: Gibt es vergleichbare Fälle?
Tatsächlich gibt es mit der berühmten Tennisspielerin Marketa Vondrousova einen vergleichbaren Fall: Die Wimbledon-Siegerin von 2023 verweigerte im Dezember 2025 einen Dopingtest und wurde anschließend für vier Jahre gesperrt.
Die zuständige International Tennis Integrity Agency (ITIA) wertete den verweigerten Test als einen positiven Befund. Ihre Erklärung, dass eine Angststörung der Grund dafür sei, war laut der ITIA "keine überzeugende Rechtfertigung".
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