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NFL - Chaos pur in Tennessee: Die Titans auf dem Weg zum schlechtesten Team der Geschichte?
Veröffentlicht:
von Gianluca FraccalvieriNFL
NFL: Chase mit 54-Yard-Touchdown! Die besten Catches in Woche 5
Videoclip • 08:12 Min
Die Tennessee Titans haben noch kein Spiel in dieser Saison gewonnen und gehören mittlerweile seit vielen Jahren zum Stammpersonal im Ligakeller. In dieser Zeit haben sie viele Verantwortliche verbrannt, ohne dass sich etwas zum Besseren verändert hat. Nun ist die Franchise sogar auf dem Weg, zur schlechtesten der Geschichte zu werden. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Aus Fan-Sicht fing die Saison der Tennessee Titans eigentlich gar nicht so schlecht an.
Nach einem unglücklichen Auftakt gegen die New York Jets bereitete das Team den Philadelphia Eagles richtig Probleme, zeigte ein offensiv mutiges Spiel und sah auch defensiv ordentlich aus. Zum Sieg reichte es zwar nicht, einen der Großen aber zumindest ärgern zu können, kann man in Nashville aktuell schon als Erfolg werten.
Dann folgte allerdings ein blutleerer Auftritt in einem auf beiden Seiten desaströsen Spiel gegen die Giants, der die Euphorie wieder einbremste. Anschließend kam es dann zu einem besonderen Moment: der ersten Rückkehr von Derrick Henry an seine alte Wirkungsstätte.
Die Titans begannen erneut mutig, glichen nach einem frühen Ravens-Touchdown umgehend aus und hatten sogar die Chance auf die Führung, ein nicht nachvollziehbarer Call von Offensive Coordinator Brian Daboll sorgte aber für einen Bruch im Spiel.
Bei 4th and Goal von der 3-Yard-Line entschied er sich, sein Team in Wildcat-Formation aufzustellen mit Running Back Tony Pollard in der Shotgun. Jeder im Stadion wusste, dass bei dem direkten Snap auf den Wildcat-unerfahrenen RB ein Run folgen würde, und die Ravens stoppten den Versuch mühelos. Danach lief bei Tennessee überhaupt nichts mehr zusammen.
Die Ravens trugen den Ball 98 Yards das Feld runter für einen Touchdown und gewannen das Spiel mühelos, gegen den Division-Rivalen aus Houston folgte dann in Woche 5 eines der schwächsten Spiele der vergangenen Jahre. Gegen ein Team, das davor ebenfalls bei 0-4 stand, kassierten sie eine 3:26-Klatsche, bei der sie völlig chancenlos waren. Sie stellen mittlerweile die schlechteste Offensive der Liga und sind seit unglaublichen elf Divisionsspielen sieglos (längster Streak der Liga).
Das (nächste) große Chaos hatte aber bereits vor dem Houston-Spiel begonnen.
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Tennessee Titans: Geleakte Memo sorgt für Ärger
Während der Woche schmiss die Franchise in Adam Nuse, Charles Jensen und Erin Swartz drei ranghohe Executives raus. Das ist zunächst keine allzu große Sache, die Details machen die Geschichte aber spannend.
Denn anstatt das alles in Ruhe hinter verschlossenen Türen zu regeln, landete die vertrauliche Memo mit der Umstrukturierung sofort im Netz – inklusive des klaren Hinweises am Ende, dass alles unbedingt innerhalb der Organisation bleiben müsse.
Interessant ist dabei auch der Name Erin Swartz. Sie war Senior VP Brand Marketing beim Team und hauptverantwortlich für das vielumjubelte Rebranding zum Saisonbeginn. Das Logo wurde erstmals seit 1999 geändert, zudem verschwanden die Flammen auf den Trikots und die Franchise kehrte zu Hellblau zurück.
Obwohl das neue Design als Erfolg gefeiert wurde, war die Frau dahinter, die zuvor 17 Jahre lang für die Viking tätig war, das nächste "Opfer" in einer Reihe von vielen Kündigungen der letzten Zeit.
Wirft man einen Blick auf die Entwicklungen in den wichtigen Positionen, erkennt man nämlich langsam die Ausmaße des Chaos, das vor allem in diesem Jahrzehnt neue Formen angenommen hat.
Tennessee Titans: Fehlt ihnen die Geduld?
Ja, die Titans waren noch nie eine Vorzeigefranchise, unter Head Coach Mike Vrabel erreichten sie zwischen 2018 und 2022 jedoch in drei von vier Saisons die Playoffs und hatten mit QB Ryan Tannehill, RB Derrick Henry und WR AJ Brown eine der gefährlichen Achsen der Liga. 2019 stand sie sogar in den Conference Championships gegen die Chiefs!
Mit den Entlassungen von GM Jon Robinson 2022 ging dann alles langsam, aber sicher den Bach runter. Die Siege gingen stetig zurück (zwölf in 2021, sieben in 2022, sechs in 2023, drei in 2024), sodass es auch für Vrabel irgendwann keine Argumente mehr gab, nachdem dieser sich auch noch einen Machtkampf mit Neu-GM Ran Carthon geliefert haben soll.
Auf ihn folgte Brian Callahan, der aber im Oktober 2025 bereits wieder gehen musste. Mittlerweile war auch GM Carthon wieder ausgetauscht worden. Die Bilanz für Callahan liest sich auch wirklich nicht gut: Laut "AP" war er mit einer Siegesquote von 17,4 Prozent auf Rang 237 von 241 Trainern mit mindestens 20 Spielen seit 1970.
Die Titans begründeten die Entscheidungen stets damit, dass trotz geduldigem Plan nicht genug Fortschritt zu sehen sei, wobei man ihre Definition des Begriffs "Geduld" bei den kurzen Amtszeiten hinterfragen muss.
Zusammengerechnet hat die Franchise seit Dezember 2022 zwei Coaches, zwei GMs und ihren Präsidenten (Chad Brinker, im April 2026 zurückgetreten) verbrannt – und steht trotzdem kein Deut besser da.
Hinzu kommt die Ironie, dass die Patriots an Vrabel auch nach zwei Jahren mit 4-13-Bilanz festgehalten haben und er das Vertrauen mit dem Einzug in den Super Bowl 2025 zurückgezahlt hat.
Titans-Quarterback Cam Ward.
Bild: ZUMA Press Wire
Tennessee Titans: Undankbare Situation für Robert Saleh
Entsprechend undankbar war auch die Situation für Robert Saleh, der nach den Jets den nächsten Scherbenhaufen übernahm und keine faire Chance hat, zu zeigen, ob er ein guter Head Coach ist.
Interessant ist, dass er bei seiner Antrittsrede Besitzerin Amy Adams Strunk und ihre Investitionsbereitschaft als besonderen Anreiz hervorgehoben hatte. Außer Saleh sehen die meisten Strunk allerdings sehr kritisch.
Sie hat das letzte Wort innerhalb der Organisation und wird gerne in viele Entscheidungen einbezogen, auch wenn sie sich zuletzt nicht besonders mit Ruhm bekleckert hat. Viele bezeichnen sie sogar als schlechteste Besitzerin der gesamten NFL.
Beispielsweise bezahlt der Klub Robinson (bis 2027), Carthon und Callahan (bis 2028) noch für viele Jahre, es würde nicht wundern, wenn Saleh, der im Sommer einen Fünfjahresvertrag (!) unterschrieben hat, bald zu dieser illustren Runde dazuzählen würde.
Hinzu kommt, dass Tennessee ein eher kleiner Markt und damit nicht besonders attraktiv für Free Agents ist. Entsprechend muss die Franchise meist überbezahlen, um ordentliche Spieler an Land zu ziehen. Aktuell ist Wan’Dale Robinson auf dem Weg, einer dieser Kandidaten zu sein, nachdem er im Sommer einen fetten Vertrag (vier Jahre/87 Millionen Dollar) unterschrieben, bisher aber keinmal die 60-Yard-Marke geknackt hat. Eigentlich sollte er der erhoffte Go-to-Guy für QB Cam Ward werden, der Ex-Nr.1-Pick hat aktuell aber seine ganz eigenen Probleme.
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Tennessee Titans: Cam Ward mit Problemen
Der 24-Jährige wurde 2025 an erster Position gepickt, enttäuscht seither aber auf ganzer Linie. Er gehört in allen wichtigen Statistiken zu den schlechtesten QBs der Liga und hat besonders gegen den Blitz enorme Probleme – obwohl er so selten geblitzt wird wie kein anderer QB der Liga.
Er bringt magere 63,2 Prozent seiner Würfe an den Mann und wirft im Schnitt für 5,78 Yards pro Versuch, womit er nur von Jacoby Brissett unterboten wird.
Da die Titans dazu auch kein gut funktionierendes Running Game haben (82,6 Yards pro Spiel, Platz 28 ligaweit) und Ward nur selten gute Entscheidungen trifft (3 TD, 3 INT), sieht die Offensive oft schlichtweg verheerend aus.
Währenddessen möchte Saleh ihm – verständlicherweise – Zeit geben und stellt sich ehrenwerterweise immer wieder vor seinen jungen Quarterback. Wie lange er das bei Wards Leistungen noch machen kann, ist aber unklar.
Irgendwann müssen die Titans mal wieder anfangen, Spiele zu gewinnen und sich in Richtung einer ernstzunehmenden Franchise zu entwickeln, sonst könnten sie bald sogar die Browns als schlechtestes Team der Geschichte ablösen!
Tennessee Titans: Auf dem Weg zum schlechtesten Team ever?
Die Browns haben zwischen 2014 und 2017 eine Bilanz von 11-53 hingelegt (17,2 Prozent Siegquote), was die schlechteste Vierjahresspanne der NFL-Geschichte ist.
Inklusive der vergangenen zwei Saisons stehen die Titans aktuell bei einer Bilanz von 6-33, was eine Siegquote von mageren 15,38 Prozent bedeutet. Denkt man nun ein bisschen weiter, müssten die Titans von den nächsten 29 Spielen über diese und nächste Spielzeit sechs gewinnen, um diesen historischen Negativrekord zu vermeiden.
Das klingt erstmal sehr machbar, schaut man auf das aktuelle Team, muss man als Fan schon sehr Angst haben, dass diese Marke tatsächlich unterboten wird.
Hinzu kommt auch noch, dass das Team nächstes Jahr in das neugebaute, 2,2 Milliarden Dollar teure Stadion umzieht und nur ungern vor leeren Rängen spielen möchte, schließlich findet 2030 ja sogar der Super Bowl in Tennessee statt!
Aktuell sind die Titans jedoch so weit davon entfernt, einen Super Bowl im eigenen Stadion zu spielen, wie kein anderes Team der Liga.
Ihnen darf nur zu wünschen sein, dass sie ihr Chaos ganz bald in den Griff bekommen.
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