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NFL - Los Angeles Rams: Warum das vermeintliche Superteam in der Krise steckt

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von Maximilian Stegmaier-Länge

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NFL-Insider berichtet: Rams-Superstar mit Wadenverletzung

Videoclip • 01:03 Min


Myles Garrett geholt, Aaron Donald aus dem Ruhestand zurückgelockt, den Heim-Super-Bowl fest im Blick. 2025 fehlten den Los Angeles Rams vermeintlich genau diese Puzzleteile, mit denen sie 2026 den maximalen Erfolg forcieren wollten. Nach nur sechs Spielen ist klar: Sie sind krachend gescheitert. Eine kommentierende Analyse.

Von Maximilian Stegmaier-Länge

Es sollte die Saison der Los Angeles Rams werden – inklusive glamouröser Abschiedstour zweier Legenden. Defensive Player of the Year Myles Garrett kam per Blockbuster-Trade aus Cleveland und Quarterback-Albtraum Aaron Donald beendete extra seinen Ruhestand. Dazu kam Trent McDuffie aus Kansas City. Am Ende sollte der Super Bowl LXI stehen, im eigenen Stadion in Inglewood.

Sechs Spieltage später stehen die Rams bei zwei Siegen und vier Niederlagen und sind Letzter der NFC West. Zuletzt verloren sie 16:18 gegen die ambitionslosen Cardinals, obwohl sie als 12,5-Punkte-Favorit ins Spiel gegangen waren. Arizona gelang dabei kein einziger Touchdown.

Man kann jetzt auf knappe Ergebnisse bei Niederlagen verweisen. Man kann mit Pech argumentieren. Und man kann berechtigterweise anführen, dass die Restsaison lang ist und das unmittelbar bevorstehende Programm milder wird.

Ich sage trotzdem: Das wird nichts mehr. Dafür gibt es fünf Gründe.

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1. Das Superteam hat nie auf dem Platz gestanden

Myles Garrett schleppte sich mit Knieproblemen nach Melbourne und dort durch den Auftakt gegen die 49ers und landete danach auf der Injured Reserve List. Gespielt hat er seitdem nicht mehr. Für Poona Ford ist die Saison wegen eines Trizepsrisses beendet, Kobie Turner fehlt voraussichtlich mehrere Wochen.

Und der zurückgekehrte verlorene Sohn Aaron Donald? Er wirkt wie ein großartiger Spieler … der drei Jahre lang kein Football gespielt hat.

Das Ergebnis sind acht Sacks nach sechs Spielen, und kein einziger kam von einem Defensive Lineman. Die Rams haben alles (Erstrunden-Pick und Jared Verse inklusive) auf eine Karte gesetzt, um die gefürchtetste Verteidigungslinie der NFL-Geschichte zu bauen. Statt des Steel Curtains 2.0 haben sie einen weißen Stoffvorhang gestickt, der in keinem Lazarett dieser Welt herausstechen würde.

Und da sind die Ausfälle in der Offensive noch gar nicht berücksichtigt. Davante Adams fällt wohl bis zur Bye Week aus, während Puka Nacua 13 Targets pro Spiel abarbeiten muss, jetzt an der Wade verletzt ist und das Talent besitzt, seine sportlichen Leistungen mit Themen abseits des Spielfelds zu torpedieren.

Aber für einen Plan B fehlt jetzt die Tiefe im Kader.

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2. Matthew Stafford ist 38 – und das sieht man

Tiefe ist auch an anderer Stelle ein Problem: im Passspiel.

Vor einem Jahr spielte Matthew Stafford eine MVP-Saison, jetzt ist er im Mittelmaß der NFL angekommen. Besonders bitter ist, dass seine größte Waffe nicht mehr funktioniert: das tiefe Passspiel. Auf Würfe über 15 Yards stehen ein Touchdown und fünf Interceptions. 2025 waren es 15 Touchdowns bei einer einzigen Interception.

Die Rams-Offense punktet nur bei 35 Prozent ihrer Drives, das ist der achtletzte Rang im NFL-Vergleich. Im Vorjahr waren nur drei Teams effizienter. Effizient wäre hier ein gutes Stichwort, denn das Laufspiel ist es. Trotzdem wirft LA den Ball bei knapp 65 Prozent seiner Spielzüge.

Das wird alles wieder, wenn Adams zurück ist und die Stafford seinen Flow findet? Mit 38 Jahren wird man im November und Dezember nicht frischer – und schon gar nicht als Tiefpass-Maestro wiedergeboren.

3. Die Special Teams haben kein Pech, sondern scheitern systematisch

Wer fortgeschrittene Metriken bemühen will, bekommt es direkt schwarz auf weiß: Die Rams stehen mit ihren Special Teams bei −29,4 EPA – das bedeutet, dass die Unit LA nach einem Drittel der Saison schon rund 30 Punkte gekostet hat – und auf Platz 32 der Liga. Nach sechs Spielen war kein Team mehr so schwach seit Washington 2013.

Wer es lieber mit einfachen Zahlen hält: Die Field-Goal-Quote von 60 Prozent ist die schlechteste der NFL.

Kicker Harrison Mevis wurde nach dem Debakel gegen die Bills entlassen. Sein Nachfolger Blake Grupe landete mit einem Kreuzbandriss auf der Verletztenliste, weil er auf die Idee kam, mit zarten 71 Kilogramm die 92 Kilo Topspeed von Devin Duvernay stoppen zu wollen, nachdem die Rams-Coverage den Returner durchgelassen hatte. Jetzt soll es Brandon McManus richten.

Das Problem ist nicht neu. Überdurchschnittliche Special Teams hatten die Rams zuletzt 2021, also ausgerechnet im Jahr ihres Super-Bowl-Siegs. Und der neue Coordinator Bubba Ventrone kam von den Browns, deren Special Teams 2025 die schlechtesten der Liga waren.

Überraschend ist hier nur, dass die Rams von ihrem Misserfolg überrascht sind.

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4. Die Los Angeles Rams schlagen sich selbst

Head Coach Sean McVay betont gerne, dass sein Team aufhören müsse, sich selbst zu schlagen. Aber genau das lebt er selbst seit Beginn der Saison vor. Der vermeintliche Masterplan, nur wenige Stunden vor dem NFL Melbourne Game anzureisen, war eine fatale Fehlentscheidung, die der Cheftrainer auf seine Kappe genommen hat.

Aber vielleicht lag die Auftaktniederlage gar nicht an müden Beinen, sondern an einem Mix aus den anderen hier aufgeführten Argumenten.

Was McVay mit dem Australien-Reiseplan vorlebte, machten seine Spieler in den Folgewochen nach. Die drei Niederlagen gegen Denver, Buffalo und Arizona summieren sich auf gerade einmal neun Punkte Rückstand. Das klingt nach Pech, ist es aber nicht.

Vom Superteam zum Flop der Saison: Das hat sich auch Rams-Cheftrainer Sean McVay anders vorgestellt.

Bild: ZUMA Press


Gegen die Broncos verhinderten Strafen von Steve Avila und Davante Adams mögliche First Downs in der Red Zone. Gegen die Cardinals verlor Tyler Higbee einen Fumble und ein False Start machte aus 4th & 3 ein 4th & 8. Im letzten Drive brachte eine Roughing-Strafe Arizona in Field-Goal-Reichweite.

Hinzu kommt, dass Sean McVay weiter zockt: Bei 4th & 1 gegen die Cardinals schenkte er einem Backup Tight End den ersten Laufspielzug seiner NFL-Karriere. Bei 4th & 8 waren die Star-Receiver erneut nur Deko.

Der Überraschungseffekt hätte ihm im Erfolgsfall recht gegeben, aber eine Ernstfall-erprobte Alternative über die klaren Leistungsträger wäre vielleicht der bessere Weg für eine bereits verunsicherte Offensive gewesen.

Nach sechs Wochen sind diese Disziplinlosigkeiten und die Gier des Trainers, dem Gegner fünf Schritte voraus zu sein (und dabei zu vergessen, wie man läuft), kein Ausrutscher mehr. Sie sind das Muster der Saison.

5. Die Mathematik ist gnadenlos

In der Division stehen die Rams bei zwei Niederlagen aus zwei Spielen, die 49ers insgesamt schon bei 5-0. Laut ESPN-Berechnung liegt die Chance auf den Divisionstitel unter einem Prozent.

Für eine versöhnliche (naja, not really) 10-7-Bilanz, die die Playoffs nicht einmal garantiert, müssten die Rams acht ihrer letzten elf Spiele gewinnen. Danach bliebe nur der Weg als Wildcard, also mindestens zwei Playoff-Siege auswärts, um überhaupt in Super-Bowl-Reichweite zu kommen.

Auch die Geschichte spricht gegen LA. Noch nie hat ein Team mit negativer Bilanz nach sechs Wochen in der Super-Bowl-Ära seine Conference gewonnen. Dazu kommt ein Favoritenfluch: Von den 20 Teams, die in den vergangenen 30 Jahren mit Quoten von +500 oder besser in die Saison gingen, hat keines den Titel geholt.

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Was macht noch Hoffnung?

Die eingangs erwähnten Gegenargumente. Bis zur Bye Week warten Raiders, Chargers, Commanders und Cardinals. Fairerweise muss man sagen: Die Defense erzeugt viel Druck, nur die Sacks fehlen noch. Und auch beim Fumble-Glück dürfte sich auf lange Sicht einiges ausgleichen. Außerdem haben die Rams schon 2023 aus einem 3-6-Start noch die Playoffs gemacht.

Nur: Die Cardinals waren auch ein vermeintlich leichter Gegner. Ein einfacheres Programm hilft wenig, wenn man sich selbst der größte Gegner ist. Die 49ers warten dann auch nochmal, die Seahawks sogar noch zweimal. Selbst wenn die Wende kommt, kommt sie zu spät, denn der Division-Titel und damit der für einen Super-Bowl-Anlauf hilfreiche Heimvorteil sind weg.

Der Unterschied zu 2023: Damals waren die Rams ein Team im Umbruch, von dem niemand viel erwartete. 2026 waren die Erwartungen gigantisch – und die Fallhöhe astronomisch.

Vergisst man das Superteam-Gerede für einen Augenblick, sind die Rams einfach nur ein mittelmäßiges Team.

Das Problem: Niemand vergisst dieses Label, an dem sie in Los Angeles eifrig mitgebaut haben.

Inzwischen sehen alle: Es war ein Luftschloss.

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