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NFL: San Francisco 49ers schweben auf Erfolgswelle - was den Super-Bowl-Traum trotzdem zerstören könnte

Aktualisiert:

von Chris Lugert

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NFL-Highlights: 49ers at Seahawks

Videoclip • 06:59 Min


Die San Francisco 49ers setzten mit dem Auswärtssieg bei den Seattle Seahawks ein Ausrufezeichen und bleiben weiterhin ungeschlagen. Sind die Niners in diesem Jahr bereit für den großen Wurf? Oder täuscht das 5-0 über manche Probleme hinweg?

Rache ist süß, entsprechend euphorisiert feierten die San Francisco 49ers ihren Auswärtssieg bei den Seattle Seahawks. An jenem Ort, an dem die Niners vor gut neun Monaten in den Playoffs regelrecht vorgeführt und in alle Einzelteile zerlegt worden waren, gewannen die Kalifornier mit 32:29 und bauten ihren makellosen Saisonstart auf eine Bilanz von 5-0 aus.

Damit sind die 49ers neben den Minnesota Vikings das einzige Team, das nach fünf Wochen bei fünf Siegen steht. Die ebenfalls ungeschlagenen Kansas City Chiefs hatten in dieser Woche spielfrei. Aber was sind die Gründe für den Raketenstart? Wo liegen die Stärken von San Francisco? Und ist in diesem Jahr endlich der große Wurf drin, auf den die Fans inzwischen seit dem bislang letzten Super-Bowl-Sieg vor 32 Jahren warten?

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San Francisco 49ers stellen die beste Offense der NFL

Während bei den Vikings die Defensive klar der X-Faktor für den Erfolg ist, sieht es bei den Niners differenzierter aus. Solange Kyle Shanahan der Head Coach ist, muss die Offense die Identität der Franchise bestimmen. Und das tut sie in dieser Saison bislang wie ein Uhrwerk.

Nach EPA (Expected Points added) pro Spielzug liegen die Niners offensiv an der Spitze der NFL, gleiches gilt für die EPA pro Pass. In der Kategorie Success Rate ist San Francisco Zweiter. Die offensive Maschine läuft also auf Hochtouren. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer davon trägt den Namen Mike Evans. Der 33-Jährige, der in der Free Agency von den Tampa Bay Buccaneers an die Westküste gewechselt war, hat sich sofort zu einem wichtigen Fixpunkt im Passspiel entwickelt. Seit der Verletzung von und dem anschließenden Theater um Brandon Aiyuk suchten die Niners einen echten Nummer-1-Receiver, jetzt haben sie ihn gefunden.

Gegen die Seahawks spielt Mike Evans groß auf

Gegen die Seahawks machte Evans sein bislang bestes Saisonspiel. Zehn Targets, sechs Catches, 113 Yards - alles persönliche Höchstwerte in diesem Jahr. Dazu erzielte er einen enorm wichtigen Touchdown – und das alles sichtlich angeschlagen. Seine Mitspieler überboten sich anschließend regelrecht mit Lobeshymnen.

Linebacker Fred Warner sprach von einer "wandelnden Aura", Christian McCaffrey betonte, Evans habe "alles, was wir von einem Receiver wollen". Brandin Cooks brachte seinen Passempfänger-Kollegen sogar als sofortigen Hall of Famer im ersten Jahr der Verfügbarkeit ins Spiel. Head Coach Shanahan war etwas nüchterner und stellte lapidar fest: "Genau deshalb ist er hier."

NFL: Brock Purdy statistisch der beste Quarterback der Liga

Ein topfitter Evans war bereits bei den Bucs ein Unterschiedsspieler, jetzt schickt er sich an, diese Rolle auch in der anderen Bay Area einzunehmen. Dass sich vor der Saison der vielversprechende Rookie De'Zhaun Stribling und auch Ricky Pearsall schwer verletzten und noch mehrere Wochen bzw. gar die gesamte Saison verpassen, wirkt plötzlich nicht mehr tragisch.

Zumal auch Tight End George Kittle seine schwere Achillessehnenverletzung überwunden hat und Quarterback Brock Purdy eine zuverlässige Anspielstation bietet. Und überhaupt Purdy: Der einstige "Mr. Irrelevant" spielt in dieser Saison noch einmal auf einem höheren Niveau.

Sein durchschnittliches Passer Rating von 119,3 wird in dieser Saison unter den Vollzeit-Quarterbacks nur knapp von Lamar Jackson überboten. Beim Adjusted Quarterback Ranking von "ESPN", das neben der Qualität des Passspiels auch weitere Faktoren wie Umgang mit Gegnerdruck und Vermeidung von Sacks berücksichtigt, ist Purdy mit großem Abstand die Nummer eins der NFL. Auch seine 13 Touchdown-Pässe sind Bestwert der Liga.

Shanahan schafft es mit seiner Offense traditionell, seinen Quarterbacks gute Umstände zu kreieren - sofern das Drumherum passt. Die Offensive Line um den inzwischen 38-jährigen Trent Williams spielt auf einem hohen Niveau, was Purdy zusätzlich das Leben vereinfacht, wenngleich die Seahawks Purdy mehrfach unter Druck setzen konnten. Allerdings gehört die Defense von Seattle auch zum Besten, was es in der NFL auf dieser Seite des Balls gibt.

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Defense macht der Offense das Leben einfach

Die Offense und hier besonders das Passspiel mag aktuell die Waffe der 49ers sein, doch die Defense macht ebenfalls einen ordentlichen Job. Nach EPA pro Spielzug haben die Niners die sechstbeste Verteidigung der Liga, nach Success Rate immerhin die Nummer neun. Was aber besonders wichtig ist: Immer wieder geben sie ihrer Offense kurze Felder bis zur gegnerischen Endzone.

Denn dass die Offense trotz aller genannten Metriken bei den Total Yards pro Spiel "nur" auf dem neunten Platz liegt, hat genau hier seinen Grund. Dank der Defense benötigt die Offense nur selten lange Drives, um zu Punkten zu kommen. Gegen die Seahawks war das eklatant.

Nicht einmal 300 offensive Yards standen am Ende in den Büchern, gleich drei Touchdowns resultierten aber entweder aus kurzen Feldern oder wurden durch die Defense selbst erzielt. Für die ersten beiden Touchdowns der Niners waren lediglich insgesamt 29 (!) Yards nötig.

Bemerkenswert ist die Leistung der Defense aber vor allem deshalb, weil Starspieler Nick Bosa aktuell verletzt fehlt. Auch Vorjahresrookie Mykel Williams musste zuletzt zuschauen. Sind beide erst einmal wieder bei 100 Prozent Fitness angelangt, sollte gerade der Pass Rush noch einmal eine neue Qualität erreichen. Das Linebacker-Duo mit Warner und Dre Greenlaw gehört ohnehin zu den Besten der Liga.

Dre Greenlaw (Nummer 57) und Fred Warner (54) von den San Francisco 49ers

Bild: Icon Sportswire


NFL: Bleiben die Niners halbwegs fit?

Die 49ers haben also zumindest in aktueller Verfassung viele Zutaten, um in dieser Saison Richtung Super Bowl blicken zu dürfen. Doch es bleiben Fragezeichen. Das größte dabei: Welche Leistungsträger werden sich noch verletzen? Was ketzerisch klingt, ist in San Francisco einfach die entscheidende Komponente. Auch aktuell stehen viele Spieler nicht zur Verfügung, die Ausfälle beschränken sich aber auf wenige Topstars wie Bosa und mehr Spieler der zweiten Reihe.

Und Verletzungen sind bei diesem Kader auch rein biologisch wahrscheinlicher, denn viele Stars sind schon weit jenseits der 30 Jahre, wie etwa Williams und Evans. Gerade Evans wurde zuletzt häufiger von seinem Körper im Stich gelassen. Bleibt San Francisco von weiteren schwerwiegenden Ausfällen verschont, gerade in den Playoffs, ist ein tiefer Run denkbar.

Doch Vorsicht, trotz der starken Offense und des 5-0-Starts ist auch schematisch nicht alles Gold, was glänzt. Denn so stark Purdy derzeit auch aktuell spielen mag: Das Laufspiel der Niners ist eher enttäuschend. San Francisco liegt bei den EPA pro Laufspielzug nur auf dem 15. Platz der Liga, Running Back Christian McCaffrey ist lange nicht auf dem Niveau unterwegs, das man von ihm schon kannte.

In dieser Saison knackte "CMC" noch kein einziges Mal die Marke von 100 Rushing Yards, selbst ein dreistelliger Wert an Scrimmage Yards - also inklusive des Raumgewinns über das Passspiel - sprang erst einmal heraus. Bislang ist das kein Problem. Was aber, wenn gegnerische Defenses mehr Antworten auf Purdy finden? Oder nicht so viele kurze Felder zur Verfügung stehen?

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49ers: Ende November sind (wohl) alle Zweifel beseitigt

Das Spiel in Seattle war auch deshalb erfolgreich, weil Seattle sich selbst mehrfach in den Fuß schoss. Und dennoch war es am Ende knapp. Fakt aber ist auch: Mit den Broncos, Rams und Seahawks besiegten die Niners in dieser Saison bereits drei der vier Teams, die in den vergangenen Playoffs in den Championship Games standen. Einmal mag auch durch Glück zu erklären sein, dreimal zeugt von Qualität.

Die nächsten Aufgaben heißen: Heimspiel gegen die Washington Commanders, Auswärtsspiel bei den Atlanta Falcons, Heimspiel gegen die Las Vegas Raiders und Auswärtsspiel bei den Dallas Cowboys. Abgesehen von den Falcons nur Teams, deren Defensiven im unteren Viertel der Liga rangieren. Gut möglich, dass die Niners am Ende dieses Weges 9-0 stehen.

Danach warten Ende November das Mexico Game gegen die Vikings und das Rückspiel gegen die Seahawks - zwei der besten Defenses der Liga. Spätestens nach diesem Programm wird sich zeigen, ob die Offense wirklich "legit" ist und ob die Defense ihr Niveau halten konnte. Falls ja, sind die Niners der neue Super-Bowl-Favorit.

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