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NBA - Franz Wagner mit neuer Rolle, Lichtblick Tristan da Silva: Warum die Orlando Magic trotzdem straucheln
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von Ole Frerksran Basketball
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Mit der neuen Saison wurden bei den Orlando Magic große Hoffnungen verbunden - mit einem neuen Coach sollte der alte Spieler-Kern es endlich schaffen, den nächsten Schritt zu gehen. Der Saisonstart unter Head Coach Sean Sweeney ging jedoch in die Hose - trotz eines deutschen Lichtblicks.
Ist die Schuhsohle erst einmal richtig dreckig, kann es schwer werden, sie wieder sauberzubekommen - das wusste nicht nur Andi Brehme. Insofern mag es kaum verwundern, dass dieser Kader der Magic, der über die letzten Jahre bereits so oft von Verletzungen heimgesucht wurde, ab jetzt nicht durch magische Hand beste Gesundheit erfahren durfte.
Paolo Banchero eröffnete die Saison mit dem vielleicht besten Regular-Season-Spiel seiner Karriere, direkt danach verletzte er sich am Knöchel und soll insgesamt vier bis sechs Wochen fehlen. Bei Jalen Suggs war es ein Spiel später wieder einmal so weit, wobei seine Pause immerhin nicht ganz so lang dauern sollte. Anthony Black hat auch schon drei Spiele verpasst.
Diese fehlende Verfügbarkeit essentieller Spieler ist ein Problem, das in Orlando bestens bekannt ist - auch 2025/2026 etwa standen drei der vier Topverdiener des Teams bloß in 19 gemeinsamen Spielen auf dem Court. Den ernüchternden 2-5-Saisonstart bedingen allerdings auch noch einige Faktoren, die neu in die Gleichung mit hineinspielen.
Einige davon könnten die Magic vielleicht sogar selbst bereinigt kriegen.
Orlando Magic in der Saison 2026/2027: Eine andere Offense
Mit dem Trainerwechsel in der Offseason, von Jamahl Mosley zu Sean Sweeney, wurden gewisse Erwartungen verbunden: Das Spiel sollte modernisiert werden, insbesondere in der Offensive. Und auch wenn die Resultate das bisher nicht hergeben und Orlando beim Offensiv-Rating nach Rang 18 im Vorjahr nun bloß Rang 23 belegt, sieht die Offense tatsächlich verändert aus.
Die Magic spielen konsequenter Drive-and-Kick als in der Vergangenheit. Es soll schnell attackiert werden, es sollen Paint Touches her, es sollen Dreier daraus entstehen. Das setzen die Magic auch um: Orlando verzeichnet die viertmeisten Drives und nimmt anteilig die viertmeisten Dreier der Liga, nachdem sie hier unter Mosley noch Rang 24 belegten.
Die Magic unter Sweeney legen außerdem wesentlich mehr Creation-Verantwortung in die Hände ihrer besten Spieler, was ein sinnvoller Schritt war und ist. Sie schaufeln damit gleichzeitig aktuell unfassbar viel Verantwortung auf den einzigen tatsächlich verfügbaren ihrer besten Spieler, also Franz Wagner.
"Wir müssen es besser schaffen, einfache Looks für ihn zu generieren", gestand Black ein, nachdem Wagner gegen Boston zwölf Assists aufgelegt, aber selbst bloß fünf seiner 20 Würfe getroffen und sich an der zusammengezogenen Defense aufgerieben hatte. "Wir müssen mehr Platz für ihn schaffen, damit er beim Drive seinen Mann attackieren kann", betonte Black.
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Orlando Magic mit Verletzungssorgen: Ein Drive nach dem anderen
Für die Magic geht es darum, einen Drive nach dem anderen anzugehen. Das klingt sehr simpel, trifft aber ins Schwarze. Wagner ist in Orlando derzeit das Workhorse schlechthin, spielt viel mehr On Ball (39,3 Prozent) als je zuvor in seiner Karriere. Ein Stück weit erinnert seine Rolle an die von Deni Avdija in Portland im Vorjahr: Er soll mit seiner Power permanent Richtung Ring ziehen und daraus Würfe für sich und andere kreieren.
Tatsächlich führt Wagner die Liga bei den Drives knapp vor Avdija an. Er verteilt mehr Assists denn je (7,6), sein Potential-Assists-Wert ist mit 13,1 einer der höchsten der NBA - die Playmaker-Rolle liegt Wagner recht gut, auch wenn er dabei aktuell zu viele Ballverluste produziert (4,1).
Als Scorer jedoch verläuft sein Saisonstart enttäuschend (20,3 Punkte, 41,9 Prozent aus dem Feld), was mit dem Spacing, aber auch mit seinen eigenen Schwächen zu tun hat. Aktuell ist es für ihn fast schon alternativlos, zum Korb zu kommen, weil er sonst von nirgendwo gut trifft oder Vertrauen in seinen Wurf zu haben scheint.
Den Dreier trifft er mit 20 Prozent, lange Zweier nimmt er quasi gar nicht (0/5 über die Saison), die Wurfbewegung wirkt zum Teil noch zögerlicher als in den vorigen Jahren. Smarte Verteidigungen wissen dies natürlich, sie sinken ab und bauen Mauern vor ihm auf, die ihn vom Ring fernhalten sollen, worauf dann wiederum oft ein guter Konter fehlt.
Anders als beispielsweise Avdija ist Wagner auch kein Experte darin, Freiwürfe zu ziehen und sich auf diesem Wege leichte Punkte zu verdienen. 5,6 Freebies pro Spiel sind wenig für einen Spieler, der so viel Ballbesitz hat und so viel attackiert. Derzeit wirkt fast alles schwer, hart verdient, was Wagner in Phasen von nahezu jedem Spiel auch schon anzusehen war, in denen ihm die letzte Dynamik fehlte.
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Dabei würden die Scoring-Probleme Wagners wohl weniger ins Gewicht fallen, wenn der Dreier anderswo besser fallen würde. Leider nimmt Orlando zwar wesentlich mehr Dreier als in der Vergangenheit, trifft sie aber nicht besser (34,4 Prozent) – und es gibt in nahezu jeder Lineup-Kombination neben Wagner noch andere Spieler, von denen Verteidiger absinken können.
Immerhin tut sich Tristan da Silva hier als klarer Lichtblick hervor. Der Münchner hat in seinem dritten Jahr endgültig das grüne Licht und jagt aktiv nach Triples, die alte Zögerlichkeit hat er nahezu vollständig abgelegt. 7,4 Dreier nimmt da Silva in 29,4 Minuten pro Spiel und trifft bisher überragende 44,2 Prozent davon, sogar 55 Prozent bei Catch-and-Shoot-Dreiern.
"Dafür bin ich auf dem Court", sagte da Silva nach 23 Punkten gegen Boston: "Ich soll Dreier jagen, Platz schaffen. In manchen Situationen kann ich auch schon spüren, dass sich die Defense in meine Richtung verlagert und dadurch Möglichkeiten für andere entstehen." Trifft er so weiter (gegen die Wizards gab es einen Dämpfer), dürfte sich dieser Effekt noch verstärken.
Das spürt auch Wagner: In den gemeinsamen Minuten von da Silva und Wagner generieren die Magic ordentliche 114,3 Punkte pro 100 Ballbesitzen, Wagner-Lineups ohne da Silva schaffen lausige 105,8 Punkte. Das sind zwar noch kleine Stichproben, das Spiel der Magic wirkt aber auch visuell besser strukturiert, wenn da Silva dabei ist und um Blöcke gejagt wird.
Überzeugt in der noch jungen Saison: Tristan da Silva (M.) wird bei den Orlando Magic immer mehr zum Faktor
Bild: Xinhua
Saisonstart der Magic: Desolat im Possession Game
Trotz dieses individuellen Lichtblicks gibt es aktuell zu viele Bereiche, in denen Orlando nicht gut aussieht. Offensiv fällt neben den schwachen Quoten sehr auf, dass die Magic viel zu oft den Ball herschenken (17,5 Prozent Turnover-Rate, Platz 26), während sie selbst mit die wenigsten gegnerischen Ballverluste forcieren. Auch beim Rebounding gehen die Magic regelmäßig unter.
Bloß zweimal holten sie in dieser Spielzeit mehr Bretter als der Gegner, und nur einmal nahmen sie mehr Würfe als das gegnerische Team. Das Possession-Game spricht gegen Orlando, und das mangelhafte Rebounding hat einen großen Anteil daran, dass die Defense unterm Strich bisher viel zu schlecht ist, die ja über Jahre eigentlich das Steckenpferd der Magic war. Sie kriegen ihre Possessions nicht beendet.
Das Resultat: Sweeney gilt eigentlich als ausgewiesener Defensiv-Spezialist, bisher waren die Magic jedoch eins der schlechtesten Defensiv-Teams der Liga, was nicht in erster Linie an heißem Shooting der Gegner lag. Das größte Problem ist tatsächlich die Vielzahl der Möglichkeiten, die Orlando seinen Gegnern anbietet.
Die Arbeit am defensiven Brett, die in den vergangenen Jahren eigentlich konstant zu den Stärken der Magic zählte, muss sich zwingend wieder verbessern – das allein könnte schon einen großen Einfluss auf mehr Siege ausüben.
Orlando Magic unter Sean Sweeney: Wie lange hält die Geduld?
Es ist überdies möglich, dass die Magic ihre neue Identität noch verinnerlichen müssen, und dass sich auch dadurch Verbesserungen einstellen werden. Wagner denkt das jedenfalls. "Wenn wir es erst einmal verinnerlicht haben, wird es richtig gut aussehen", sagte er nach der Niederlage gegen die Wizards: "Wenn alles zusammenkommt, werden wir ein richtig gutes Team sein."
Vielleicht stimmt das. Vielleicht stellen sich Verbesserungen auch dadurch ein, dass das Team irgendwann wieder kompletter wird, was ja auch etwas weniger Last für den Berliner bedeuten würde. Wie gesagt, der Ansatz, ihm (und auch Banchero) den Ball in die Hand zu geben, ist bei dem Personal der Magic kein falscher.
Gleichzeitig sind die Magic bei ihrer Vorgeschichte kein Team, das sich auf die Gesundheit seiner Spieler verlassen sollte. Selbst wenn es gelingt, die neuen Probleme zu lösen, ist dadurch nichts über die alten gesagt. Dabei überstrahlt alles die Tatsache, dass die Magic zu den teuersten Teams der Liga zählen – und dass sie sich einen weiteren Rückschritt im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten können.
Noch ist es möglich, dass die Magic die Kurve noch kriegen. Klar ist aber auch, dass der Spielraum für Fehler in der restlichen Saison durch diesen Start noch kleiner geworden ist. Die Magic mussten sich nicht nur verändern, sie müssen auch besser werden.
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