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Borussia Mönchengladbach: Alexander Blessin ist Gladbachs letzter Schuss - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Andreas Reiners

Sat.1 NRW

Blessin soll neuer Gladbach-Trainer werden

Videoclip • 32 Sek


Bei der kriselnden Borussia soll es jetzt Alexander Blessin richten. Der Schuss muss sitzen, denn er ist Gladbachs letzter. Ein Kommentar.

Ein neuer Trainer ist in der Krise immer ein Hoffnungsträger. Manchmal sogar der Heilsbringer. Der Messias.

Siehe Jürgen Klopp bei der deutschen Nationalmannschaft. Er soll dem am Boden liegenden deutschen Fußball wieder aufhelfen. Ihn retten. Alles besser machen.

Ähnlich anspruchsvoll liest sich die Aufgabe für Alexander Blessin.

Vier Spiele, null Punkte, 6:16 Tore und Platz 18 - es ist der historisch schlechteste Saisonstart von Borussia Mönchengladbach. Ein Alarmsignal, das nicht ertönt, sondern schrillt. Und das nicht zum ersten Mal. Der Klub hat es sich nämlich längst in trister Erfolgslosigkeit gemütlich gemacht.

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Alexander Blessin: Kein Messias oder Heilsbringer

Als Messias oder Heilsbringer gilt Blessin aber nicht.

Was vor allem daran liegt, dass man im Umfeld des Traditionsklubs längst weiß, dass es schon länger nicht mehr nur am Trainer liegt, weil Unzulänglichkeiten, Peinlichkeiten, Rückschläge und Pleiten fester Bestandteil des Vereinsbildes geworden sind.

Ob nun unter Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane oder zuletzt Eugen Polanski - seit 2021 wiederholen sich viele Probleme in unschöner Regelmäßigkeit.

Man kann durch den Gladbacher Absturz seit geraumer Zeit anschaulich verfolgen, wie man es nicht machen sollte. Es ist dabei auf fatale Art und Weise beeindruckend, wie schrecklich wenig dabei aus Fehlern gelernt wird. Stattdessen werden die Probleme seit Jahren mitgeschleppt.

Borussia Mönchengladbach: Trainer wieder nach drittem Spieltag weg

Bestes Beispiel: Dass man den Trainer zwei Jahre in Folge nach dem dritten Spieltag entlässt, nachdem man ihm trotz zahlreicher Zweifel zuvor nach dem Saisonende ausdrücklich die Treue hielt.

Dass die Verantwortlichen an Polanski festhielten, ehrt sie, war aber ein Absturz mit Ansage. Zu sehr haben sich andere Problemfelder verfestigt, die auch durch den neuen Sportchef Rouven Schröder und zahlreiche neue Spieler nicht aufgebrochen werden konnten.

Und Polanski hatte zuvor zu selten unter Beweis gestellt, dass er einen Plan hat für die explosive Gemengelage rund um den Klub, der seinen eigenen Ansprüchen verzweifelt hinterherläuft.

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Borussia Mönchengladbach: Mentalität ist am Boden

Die Bestandsaufnahme klingt fatal. Die Defensive befindet sich in einer katastrophalen Schieflage, die Taktik ist eine verwirrende Irrfahrt, die Qualität grundsätzlich überschaubar, toxisch verstärkt durch die sich am Boden befindliche Mentalität der Mannschaft.

Dass Tim Kleindienst als Kapitän Klartext spricht, ehrt auch ihn, doch die eigenen Teamkollegen zum Auftakt mehrfach öffentlich vor den Bus zu werfen, ist nicht mehr hilfreich, sondern lässt tief blicken, wie es um die Kabine bestellt ist.

Heißt: Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis das Ganze implodiert. Zu viele Baustellen, zu wenig Lösungen. Selbst nach dem Trainerwechsel hin zur Interimslösung Jan-Moritz Lichte war keinerlei Aufbäumen erkennbar, keine zumindest kurzfristige positive Reaktion.

Es fehlt im Moment die Fantasie, wie die zahlreichen Probleme hinsichtlich Schnelligkeit, Nachhaltigkeit und Stabilität so adäquat gelöst werden können, dass sich die Borussia endlich wieder bundesligatauglich präsentiert. Und im Abstiegskampf bestehen kann.

Blessin ist Hoffnungsträger. Aber er ist eben kein Heilsbringer.

Er übernimmt eine Mannschaft, deren Probleme weit über die Trainerbank hinausreichen. In einem Verein, der schon länger taumelt und immer weniger Optionen hat, um einen endgültigen Fall zu verhindern. Trotzdem muss ausgerechnet Blessin die Situation lösen, und zwar schnell.

Angefangen nach der Länderspielpause ausgerechnet mit dem Derby beim 1. FC Köln.

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Borussia Mönchengladbach: Es bleibt wenig Spielraum

Klar ist: Viel Spielraum hat sich die Borussia nicht mehr gelassen.

Wieder wurde ein Trainer früh ausgetauscht, wieder soll ein neuer Mann eine Entwicklung stoppen, die seit Jahren in die falsche Richtung läuft. Scheitert auch Blessin, wird sich die Krise nicht mehr mit dem nächsten Wechsel auf der Bank erklären lassen. Spätestens dann müssen sich auch andere Verantwortliche fragen, wie viel Verantwortung sie tragen (wollen).

Blessin ist deshalb mehr als der nächste Versuch. Er ist Gladbachs letzter Schuss, bevor endgültig die Frage beantwortet werden muss, wie tief die Probleme dieses Klubs tatsächlich liegen.

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