Bundesliga
FC Bayern: Entspannt durch den Sommer? Diese Baustellen gibt es noch im Kader
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball
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Der FC Bayern hat einen halbwegs entspannten Transfersommer. Gibt es überhaupt noch Baustellen im Kader?
Die WM 2026 neigt sich dem Ende zu, die Bundesliga wirft ihren Schatten voraus. Bald wird auch der FC Bayern in die Vorbereitung auf die neue Saison starten.
In den vergangenen Jahren bedeutete das vor allem eines: Unruhe. Wer geht noch, wer kommt noch? Wer schließt in allerletzter Sekunde noch eine Lücke, die man sich zuvor unnötig aufgerissen hatte?
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Oft waren die Sommer an der Säbener Straße zuletzt chaotisch und mitunter sogar kopflos. Besonders kurios war der Sommer 2020, als der damals amtierende Champions-League-Sieger mit Bouna Sarr, Eric Maxim Choupo-Moting, Marc Roca und Douglas Costa vier Verzweiflungstransfers tätigte. Nur Choupo-Moting war ein Erfolg.
Damals war noch Hasan Salihamidzic am Ruder. Mittlerweile ist Max Eberl der Hauptverantwortliche. Aber auch mit ihm gab es im letzten Sommer chaotische Abläufe. Die ewige Saga um Florian Wirtz, der Verkauf von Kingsley Coman, der späte Transfer von Nicolas Jackson – den Bossen des FCB gefiel das offenkundig nicht.
Gestritten, gelernt. So könnte man es formulieren. Denn Eberl scheint bereits jetzt den Großteil seiner Sommerhausaufgaben erledigt zu haben. Oder?
FC Bayern: Kein Geld mehr für die Defensive?
Im hinteren Teil der Mannschaft sieht es bereits gut aus – zumindest nummerisch. Vier Innenverteidiger, je zwei Spieler für die beiden Außenpositionen: Die Viererkette ist doppelt besetzt. Die große Frage ist hier nur, ob Vincent Kompany wirklich genug Vertrauen in Min-jae Kim und Hiroki Ito hat, um in dieser Konstellation in die Saison zu gehen.
Kim stand in seiner Backup-Rolle weniger im Fokus, zeigte mitunter solide Leistungen. Doch sobald das Niveau der Gegner steigt, ist er anfällig für Positionierungsfehler. Das zeigte auch die WM erneut, als er sich bei manchem Gegentor zu weit aus seiner Position ziehen ließ.
Jonathan Tah und Dayot Upamecano sind zu Recht weiter gesetzt. Auch wenn die Bayern defensiv immer für das eine oder andere Gegentor gut waren, hat das eher systemische Gründe. Für den aggressiven und offensiven Kompany-Fußball sind beide gut geeignet. Sollte Eberl hier nochmal aktiv werden, dann wohl nur, wenn Ito und/oder Kim noch verkauft werden.
Nach den Ausgaben zuletzt ist aber nicht damit zu rechnen, dass die Münchner das erzwingen werden. Auch wenn etwas mehr Qualität in der Innenverteidigung wohl gut wäre.
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Die Offensive ist fertig – und ausbalancierter denn je
In der Offensive hat man entsprechend gehandelt. Dort kam mit Ismael Saibari erstmal nur ein Spieler von außen dazu, während mit Nicolas Jackson einer ging. Doch der Marokkaner hebt die Qualität im Angriff enorm an. Jackson war allenfalls für ein paar kleinere Spiele in der Bundesliga gut, während Saibari einer ist, der in jedem Wettbewerb eine Rolle spielen kann.
Zumal der 25-Jährige alle Positionen im Angriff bekleiden kann. Sowohl als Backup für Harry Kane, wo er kaum schwächer sein dürfte als Jackson und eher noch besser ins System passt, als auch auf den drei Positionen dahinter. Hinzu kommt mit Jamal Musiala ein Spieler, dessen gesamte letzte Saison eher eine gebrauchte war. Findet er zurück zu seinem Niveau, ist er im Vergleich zum Vorjahr eine echte Verstärkung, die das Offensivspiel noch unberechenbarer macht.
Knüpfen Lennart Karl und Serge Gnabry an ihre Leistungen an, bleibt diese Offensive auch hinter Kane, Luis Diaz und Michael Olise eine der besten in Europa. Arijon Ibrahimovic ist zudem eine sinnvolle und entwicklungsfähige Ergänzung, um für mehr Rotation im Alltag sorgen zu können.
Der große Knackpunkt ist das Mittelfeld
Für Rotation soll in der kommenden Saison auch Tom Bischof sorgen. Laut dem "kicker" ist er fest eingeplant als der Spieler, der die Minuten von Leon Goretzka größtenteils übernehmen soll. In seiner Debütsaison absolvierte Bischof 1.700 Minuten für den FCB, nur 270 davon im zentralen Mittelfeld.
Das soll sich jetzt ändern. Bischof passt gut ins System, bringt technisch Fähigkeiten mit, die es im anspruchsvollen Fußball der Bayern braucht. Aber ein wenig Wundertüte steckt bei allem Talent dennoch in ihm. Ist der 21-Jährige bei all seiner Bundesliga-Erfahrung physisch in der Lage, das Mittelfeld der Bayern auch gegen den Ball zu stabilisieren?
Hier hatten Aleksandar Pavlovic und Joshua Kimmich mitunter Probleme. Bischof, eigentlich gelernter Offensivspieler, ist den beiden im Profil recht ähnlich. Was die Bayern hier eigentlich bräuchten, wäre ein Spielertyp wie Joao Palhinha – nur eben zusätzlich mit der Fähigkeit, das Spiel etwas mitzugestalten. In Ballbesitz war der Portugiese eher ein Laster fürs Team.
Welche Talente sind in Lauerstellung?
Deshalb wird Palhinha jetzt auch aller Wahrscheinlichkeit nach verkauft. Spannend ist jedoch, dass auch Noel Aseko den Verein voraussichtlich in Richtung Frankfurt verlassen wird. Er hätte die Kombination aus Physis und Spielstärke womöglich mitbringen können, wenngleich er das auf diesem Niveau noch nie nachweisen durfte.
Neben Ibrahimovic, der in der Offensive seine Chance erhalten soll, sind dementsprechend nicht mehr viele Plätze für Campus-Spieler frei. Gerüchte machen die Runde, dass die Bayern Erblin Osmani einen Profivertrag angeboten haben. Osmani ist ein weiterer Spieler der Kategorie Bischof: Gutes Spielverständnis, technisch stark, passsicher und ein echter Taktgeber. Physisch hingegen noch mit ein paar Fragezeichen.
Weitere Talente im Mittelfeld wären David Santos, der in eine ähnliche Kategorie gehört, und Felipe Chavez, der in Köln keine echte Chance bekam. Beide sind aktuell jedoch einigermaßen weit weg vom notwendigen FCB-Level. Santos hat zudem nach einer Oberschenkelverletzung zur Unzeit damit zu kämpfen, wieder fit zu werden.
Und dann gibt es im Mittelfeld noch Bara Sapoko Ndiaye. Der 18-Jährige schien sich in den Fokus von Kompany spielen zu können, fuhr sogar mit zur WM für den Senegal. Allerdings ist bis jetzt noch keine endgültige Entscheidung über seinen Verbleib gefallen.
Bayern hat einige Talente, die überraschen könnten. Aber keines davon ist derzeit so klar positioniert, wie es bei Karl im Sommer 2025 der Fall war. Das macht vor allem das Mittelfeld zur größten Ungewissheit des Kaders.
Passiert noch etwas?
Die Bayern setzen hier und da auf Polyvalenz. Nathaniel Brown kann auf mehreren Positionen aushelfen, sogar im Mittelfeldzentrum.
Zu sehr sollte man sich darauf aber nicht verlassen. Verletzt sich ein Spieler, der für mehrere Positionen gebraucht wird, ist das gleich doppelt und dreifach bitter. Viel wird also davon abhängen, wie kritisch man die Defensivprobleme im Mittelfeld intern wahrnimmt und ob man Bischof zutraut, von 270 Minuten im Zentrum direkt auf 2.000 Minuten oder mehr zu springen.
Schaut man sich den gesamten Kader aber an, ist Eberl auffällig früh fertig mit seinen wichtigsten Aufgaben. Wobei das nach einer sehr erfolgreichen Saison auch etwas einfacher war als im Sommer 2025.
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