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Markus Babbel exklusiv vor Supercup-Duell Bayern vs. BVB: "El Mala ist noch keine 50 Millionen wert"

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

ran Fußball Bundesliga

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Videoclip • 01:13 Min


Vor dem Supercup zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München spricht Markus Babbel exklusiv über Bayerns Transfers, die Wichtigkeit des Supercups und die Personalie Said El Mala.

Traditionell eröffnen mit dem Franz Beckenbauer Supercup der Deutsche Meister und der Pokalsieger die Saison. Da der FC Bayern München beide Titel gewann, kommt es zum Duell mit Vizemeister Borussia Dortmund.

Für Markus Babbel, Europameister von 1996, ist der Supercup weit mehr als ein besseres Testspiel. Mit ran hat er exklusiv vor der Partie gesprochen.

Davies vs. Brown: "Ist immer eine Gefahr"

ran: Herr Babbel, wie bewerten Sie die Transfers des FC Bayern in diesem Sommer, speziell Ismael Saibari und Nathaniel Brown? Was trauen Sie ihnen zu?

Markus Babbel: Die Bayern haben viel Geld ausgegeben und beide bestätigen, dass sie tolle Spieler sind, die den Verein besser machen werden, ob von Anfang an oder halt in der Breite. Es sind zwei großartige Transfers. Bei Brown ist es natürlich super, dass er in der Bundesliga bleibt, dass er nicht irgendwo ins Ausland gegangen ist.

Saibari ist dagegen ein Spieler, der gefühlt auf jeder Position in der Offensive spielen kann. Es wird auch da spannend zu sehen sein, wie seine Entwicklung sein wird. Bei allem Respekt vor Eindhoven, aber der FC Bayern ist da nochmal eine andere Kategorie. Ich hoffe, dass es ähnlich wird wie bei Michael Olise, der bei Crystal Palace schon auffällig war und bei Bayern dann noch mal ganz andere Dimensionen angenommen hat, weil er mit besseren Spielern umgeben war und er dadurch seine Qualitäten noch mehr zeigen konnte.

ran: Mit Brown und Alphonso Davies hat der FC Bayern jetzt natürlich zwei Top-Spieler für eine Position. Ist das förderlich für den Konkurrenzkampf oder kann das auch zu Unzufriedenheiten führen?

Babbel: Das ist natürlich immer die Gefahr, aber darüber bist du dir von vornherein bewusst, wenn du zu so einem Verein gehst wie Bayern München. Und da sind die Bayern kein Einzelfall. Wenn man sich die internationalen Top-Vereine anschaut, sind die auf jeder Position gut doppelt besetzt. Dazu ist Alphonso Davies halt einfach mit Fragezeichen behaftet. Bleibt er stabil, bleibt er fit? Wenn er fit ist, hat er natürlich eine brutale Qualität. Aber er war jetzt in der Vergangenheit sehr oft verletzt und ist lange ausgefallen. Dadurch hat sich auch bei Bayern ein kleines Problem aufgetan, dass auf einmal ein Rechtsverteidiger links verteidigen musste. Und dem sind sie jetzt einfach nachgegangen, als sich die Chance ergab mit Brown.

ran: Wie sehen Sie generell die Entwicklung von Brown in den letzten Jahren?

Babbel: Er hat eine unfassbar tolle Entwicklung genommen. Erst in Nürnberg und jetzt hat er in Frankfurt nochmal eine Schippe draufgelegt. Und auch bei ihm wird man sehen, dass er sich auch noch mal verbessern wird, weil er einfach mit noch besseren Spielern zusammenspielt. Dass er eine gewisse Stabilität mitbringt, hat er in der Vergangenheit ja auch schon gezeigt. Der bringt seine Leistungen, er ist nicht oft verletzt, das war mit Sicherheit auch ein ausschlaggebender Punkt. Jetzt haben sie wieder einen pfeilschnellen Linksverteidiger, der, wenn er hoch spielt, vielleicht nochmal was retten kann aufgrund seiner Schnelligkeit, aber eben auch technisch so versiert ist, dass er immer wieder auch torgefährlich wird.

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FC Bayern München: Positionskämpfe werden "ein schönes Hauen und Stechen"

ran: Was sehen Sie ansonsten für Positionsduelle in der kommenden Saison bei den Münchnern? Vor allem auf der Zehn ist die Konkurrenz riesig.

Babbel: Definitiv. Gerade was die Offensive angeht, wird es hochspannend. Du hast Serge Gnabry, der zurückkommt, der bis zu seiner Verletzung für mich herausragend gut gespielt hat. Du hast Lennart Karl, der zurückkommt. Das wird ein schönes Hauen und Stechen. Jetzt ist mit Saibari noch einer dazugekommen und du hast Jamal Musiala, der aufgrund seiner schwankenden Form ein großes Fragezeichen ist. Das wird extrem spannend zu beobachten sein.

ran: Wer macht aber am Ende das Rennen?

Babbel: Das kommt natürlich immer ein bisschen auf den Gegner drauf an. Gegen einen tief stehenden Gegner kann ich mir schon vorstellen, dass Gnabry und Saibari da das Rennen machen, weil sie halt einfach auch in der Lage sind, in die Box mit reinzugehen und torgefährlich sind. Das ist vielleicht eher weniger das Spiel von Musiala. Auf der anderen Seite ist Musiala aber jemand, der gegen tief stehende Gegner Lösungen finden kann, weil er einfach dieses Geniale in sich trägt, das die anderen zwei vielleicht nicht in diesem Ausmaß haben. Aber das Schöne für Vincent Kompany ist ja, dass er seinen Spielern dadurch noch mehr Pausen geben kann. Das war dann schlussendlich auch eine Quintessenz der letzten Saison, als dir am Ende vielleicht dann diese ein, zwei Prozent gefehlt haben, weil du halt schon viele Spiele in den Knochen hattest. Dem werden sie jetzt ein bisschen vorbeugen.

ran: Mit Tom Bischof drängt dazu ein junger, hungriger Spieler ins Team. Wie viel Impact kann er kommende Saison haben?

Babbel: Ich hatte bei ihm ein paar Fragezeichen, aber er hat sich echt toll entwickelt. Wenn er seine Chance bekam, war er immer einer der auffälligeren Spieler, der immer wieder versucht hat, seinen Impact reinzugeben. Deswegen kann ich mir schon sehr gut vorstellen, dass die Anzahl seiner Einsätze höher sein wird. Aleksandar Pavlovic hat ja auch immer wieder mit kleinen Verletzungen zu kämpfen, weshalb er seine Pause bekommt. Dementsprechend wird dann Bischof versuchen, sein Können auf den Platz zu bringen, das ja wunderbar zum FC Bayern passt: Sein Passspiel ist außergewöhnlich. Darüber hinaus ist er ein Spieler, der aus der zweiten Reihe abziehen kann und einen guten, platzierten Distanzschuss hat.

ran: Im Tor ist ja eine Arbeitsteilung zwischen Jonas Urbig und Manuel Neuer geplant: Ist das eher eine große Chance oder ein großes Risiko?

Babbel: Ein Risiko sehe ich da nicht, weil auch Urbig ein herausragendes Talent ist, der wirklich schon unter Beweis gestellt hat, dass er absolut das Zeug dazu hat, beim FC Bayern im Tor zu stehen. Ich glaube, es wird ihm trotz allem noch mal guttun, dass er weiß: Da ist ein Manuel Neuer, darauf fokussiert sich alles, und ich bin so ein bisschen im Schatten von ihm und kann von ihm lernen. Auch da gehe ich mal schwer davon aus, dass er mehr Spiele bekommt als in der vergangenen Saison, damit er in der darauffolgenden Saison – wenn Neuer wahrscheinlich nicht mehr da ist – dann auch bereit ist, im Mittelpunkt zu stehen. Bis dahin tut es einem jungen Torhüter wie ihm gut, diesen erfahrenen, gestandenen, herausragenden Torwart vor sich zu haben, der ihn unterstützt. Man merkt auch einfach, dass die Chemie zwischen den beiden passt. Das ist etwas ganz anderes als bei Alexander Nübel damals.

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Vincent Kompany: "Das ist die größte Auszeichnung"

ran: Vincent Kompany geht jetzt bereits in seine dritte Saison als Cheftrainer des FC Bayern, in welchen Bereichen kann er sich noch verbessern?

Babbel: Das ist schwer zu beurteilen, aber ich hoffe, er schafft es wieder, diese Ruhe, die der FC Bayern ja in der Vergangenheit auch ausgestrahlt hat, hinzubekommen. Und das wird schwer genug, weil – Max Ebel hat es ja richtig gesagt – sie sich alles erst wieder von null auf erarbeiten müssen. Es ist nicht garantiert, dass sie sofort wieder in diesen Flow reinkommen wie letztes Jahr. Das muss man sich knallhart erarbeiten, und da wird er mit Sicherheit mit Argusaugen draufschauen, wer da im Moment vorne ist und wer noch die ein oder andere Trainingseinheit mehr braucht. Er hat dazu etwas ganz Besonderes geschafft: In ganz Deutschland, egal wo du lebst und welcher Fan du bist, findest du Kompany cool. Das ist die größte Auszeichnung, die man bekommen kann, und das zeigt ja, dass er schon sehr viel richtig gemacht hat.

ran: Auch Max Eberl hat sich in dieser Transferperiode für viele Experten und Fans bewiesen. Wie realistisch schätzen Sie eine Vertragsverlängerung ein?

Babbel: Mich persönlich würde es überraschen, wenn der FC Bayern ihn nicht verlängern würde. Wenn ich jetzt die letzten beiden Transferperioden anschaue, muss ich sagen: 'Wow'. Es ist großartig, was er für tolle Spieler zum FC Bayern gebracht und allgemein gesagt für die Bundesliga verpflichtet hat. Die profitiert ja auch davon. Was mir dazu auffällt, ist die großartige Harmonie zwischen Eberl und Kompany. Das ist etwas, das viele vielleicht ein bisschen unterschätzen, aber das ist genauso wichtig wie gute Transfers zu tätigen: ein gutes Miteinander. Alle Parameter sprechen daher klar für Eberl.

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BVB verzichtet auf El Mala: "Ist noch keine 50 Millionen wert"

ran: Am Samstag beginnt die Saison ja offiziell mit dem Supercup. Wie wichtig ist das Spiel mit Hinblick auf die restliche Saison, oder gehen die Spieler das noch eher locker an?

Babbel: Es geht um einen Titel, ganz einfach. Es ist jetzt nicht der größte Titel in Deutschland, aber es ist einer. Ich hoffe doch sehr, dass wir ein ähnliches Spiel sehen wie zuletzt Arsenal gegen Manchester City im Community Shield. Vor allem für Borussia Dortmund sehe ich da keinen Grund, irgendetwas abzuschenken, nur weil der FC Bayern kommt. Ganz im Gegenteil: Ich erwarte und erhoffe mir natürlich schon von der Borussia, dass sie eine Bissigkeit an den Tag legt, um gleich mal ein Statement zu setzen. Auch weil die Stimmung in Dortmund komischerweise aktuell nicht so gut ist.

ran: Inwiefern?

Babbel: Mir fehlt da diese Euphorie so ein bisschen, dass man es wirklich auch wieder schafft, vielleicht um einen Titel mitzuspielen. Das ist alles mit sehr viel Skepsis hinterlegt. Sie haben eine spannende Truppe bis jetzt zusammengestellt mit sehr vielen jungen, talentierten Spielern. Die Frage ist: Kriegen sie die Konstanz rein? Das wird die Hauptaufgabe sein. Aber ich finde, das ist eine spannende Truppe, die schon das Potenzial hat, richtig Spaß zu machen. Jetzt sind sie in ihrem eigenen Stadion, und wenn sie alles geben, sehe ich schon eine realistische Chance, dass sie den Titel einfahren.

ran: Generell hat der BVB in dieser Transferperiode ja sehr auf junge Talente gesetzt, hätte ihnen da nicht auch der ein oder andere gestandene Spieler gutgetan?

Babbel: Ich glaube, dass der Kader trotz allen Talents sehr gut ausbalanciert ist. Sie haben viele gestandene Spieler und drumherum eben hochtalentierte junge Spieler. Das wird auch immer der Weg für Borussia Dortmund sein müssen. Sie sind halt nicht der Verein, der dann wie der FC Bayern 50 Millionen Euro für einen Linksverteidiger ausgibt. Das wird Dortmund nicht machen können. Sie können natürlich gute Transfers tätigen, aber nicht in dieser Price Range. Dementsprechend müssen sie da kreativ sein und auch Werte schaffen. Das haben sie in der Vergangenheit auch schon oft genug erfolgreich geschafft, ob es mit Erling Haaland oder Jude Bellingham war. Der FC Bayern ist allen anderen in dieser Hinsicht meilenweit entsprungen.

ran: War das Finanzielle also auch der Grund, warum der BVB Abstand von Kölns Saïd El Mala genommen hat?

Babbel: Ja klar, das ist ja genau der Punkt. Da verstehe ich Dortmund total, dass sie sagen: "Wir haben eine Price Range, wir gehen eh schon drüber, aber es muss vernünftig bleiben." Und bei allem Respekt vor El Mala, aber der ist ja noch keine 50 Millionen wert. Das muss er sich erst noch erarbeiten. Das ist ein toller Spieler, der auch wunderbar zu Borussia Dortmund gepasst hätte, aber der Preis war einfach zu hoch. Da geht es ja nicht nur um die Ablöse, sondern das ganze Paket inklusive Gehalt und Provisionen wird ja schnell 60, 70 Millionen schwer. Genau deswegen war es aus wirtschaftlicher Sicht wahrscheinlich die vernünftige Antwort von Dortmund, da auszusteigen. Das kannst du irgendwann nicht mehr verantworten, da im schlimmsten Fall so viel Geld in den Sand zu setzen.

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