Fußball
Der FC Bayern steht mit dem Rücken zur Wand – die Erkenntnisse zum 2:2 gegen Arsenal
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
FC Bayern: Harry Kane träumt von magischem Ballon-d'Or-Abend
Videoclip • 06:34 Min
Für den FC Bayern ist das 2:2 gegen den FC Arsenal ein Ergebnis zwischen den Stühlen. Neben einigen positiven Erkenntnissen stehen auch ernüchternde.
"Wir hatten das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können oder vielleicht sogar müssen", sagte Vincent Kompany nach dem 2:2 des FC Bayern gegen den FC Arsenal in der Champions League bei "DAZN".
Die Statistiken geben das durchaus her. Rund 2,5 erwartete Tore sammelte der FCB laut "Fotmob" mit seinen Chancen, die Gäste kamen nur auf 1,4. Auch der Zeitpunkt des Ausgleichs schmerzt.
Erst kurz vor dem Ende kamen die Gunners zum 2:2. Unter dem Strich steht für die Bayern jetzt das zweite Unentschieden in Serie – und die Top-4 enteilen in der Tabelle. Irgendwo zwischen positiven Gefühlen und Ernüchterung suchen die Münchner nach einer Einordnung für diesen Abend.
ran hat die wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht des deutschen Rekordmeisters.
Harry Kane in Ballon-d'Or-Form
Einer stach mal wieder heraus: Harry Kane. Der Assist zum Ausgleich von Alphonso Davies war fast schon surreal. Arsenal war defensiv in dieser Situation durchaus luftig, aber Jurrien Timber war eigentlich gut positioniert, um ein Laufduell mit Alphonso Davies zu gewinnen.
Der Abwehrspieler hatte nahezu jedes Szenario und jeden Passwinkel mit seinem Stellungsspiel abgedeckt. Nahezu. Denn einen fast unmöglichen Winkel gab es noch. Kane konnte diesen Pass nur so an ihm vorbeikriegen, indem er seinen Laufweg schneidet.
Ein Zuspiel, das die besten Spielmacher der Welt nur selten hinbekommen. Doch für Kane ist keine Aufgabe zu groß. Der Ball kam perfekt und Davies traf zum wichtigen Ausgleich. Das zwischenzeitliche 2:1 machte der Engländer dann zur Chefsache. Den Elfmeter holte er zunächst selbst heraus und verwandelte ihn dann auch.
Natürlich hat diese Leistung keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung am Montagabend. Aber Kane liefert exakt das kontinuierlich seit vielen Jahren. Und gefühlt packt er jedes Jahr noch ein Level obendrauf. Verdient hätte er diesen goldenen Ball ja schon, wenn man das rein sportlich betrachtet und all die Lobbyarbeit mal außen vor lässt.
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Rechtsverteidiger-Position: Konrad Laimer mit Problemen
Von guter Form kann bei Konrad Laimer derweil keine Rede sein. Der Österreicher hat noch nicht in die Saison gefunden. Es war nicht das erste Mal, dass er defensiv große Schwierigkeiten hatte. Keinen einzigen seiner sieben Bodenzweikämpfe konnte er gewinnen.
Aber auch offensiv hat der 29-Jährige aktuell wenig Einfluss. Laimer war über viele Monate hinweg ein fast schon unterschätzt wichtiger Spieler für den FC Bayern. Im Moment sucht er diese Version seiner selbst.
Dayot Upamecano und Alphonso Davies glänzen im Schatten Kanes
Zwei, die wiederum einen starken Eindruck hinterlassen haben, sind Dayot Upamecano und Alphonso Davies. Der Franzose verteidigte nahezu jeden Angriff, der in seiner Nähe lief. Er warf sich in Zweikämpfe, klärte Hereingaben und trieb das Offensivspiel sogar selbst mit Dribblings und Pässen an.
Davies spielte vor allem in der ersten Halbzeit eine wichtige Rolle. Der Kanadier sollte als Zielspieler in Umschaltsituationen sein Tempo ausspielen. Das gelang ihm mehrfach sehr gut. In der zweiten Halbzeit war das Spiel ein bisschen anders. Die Münchner machten mehr Druck, hatten häufiger auch selbst dem Ball. Hier fehlte Davies der Raum, um als Offensivspieler zu überzeugen.
Trotzdem waren beide extrem wichtig dafür, dieses Spiel nach dem Rückstand umzudrehen.
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Jürgen Klopp kritisiert die Defensivarbeit – und hat einen Punkt
In der Halbzeit ließ Jürgen Klopp durchklingen, dass er die Abwehrarbeit des FC Bayern nicht allzu logisch findet. Harry Kane auch defensiv als Sechser und teilweise sogar Innenverteidiger, dazu recht wilde Wechsel zwischen Mann- und Raumorientierungen.
Klopp sprach davon, dass er sich fortbilden würde. Viel mehr klangen seine Aussagen aber danach, dass er das komplett anders angehen würde.
Tatsächlich hat der Bundestrainer einen Punkt. Bayerns Pressing war schon mal druckvoller. Statistisch gibt es sogar beweise dafür. Ein Wert misst beispielsweise, wie viele Pässe die Bayern ihrem Gegner in dessen ersten 60 Prozent des Spielfelds erlauben, ehe eine Defensivaktion erfolgt.
An Tagen, wo das Pressing sehr aggressiv ist und gut funktioniert, sind es laut "Wyscout" oft deutlich weniger als zehn Zuspiele. Manchmal geht der Wert sogar in Richtung fünf. Zwischen sieben und zehn bewegen sich auch andere Teams durchschnittlich, die ein sehr hohes Pressing spielen.
Zuletzt lag der Wert bei den Bayern aber auffällig oft bei knapp über zehn. Gegen Arsenal sogar bei rund 14. Ein Indiz, das zumindest andeutet, dass es ihnen schwerfällt, den gewohnten Druck zu entfachen.
Jürgen Klopp
Bild: Eibner
FC Bayern München: Ismael Saibari ist noch nicht angekommen
Wenig Druck hat auch Ismael Saibari entfacht. In der ersten Halbzeit hatte er zwar drei, vier starke Aktionen. Beispielsweise als er klug aufdrehte, seinen Gegenspieler ausdribbelte und dann Davies tief schickte. Aber viel gelingen wollte ihm ansonsten nicht.
In der zweiten Halbzeit tauchte der Marokkaner dann gänzlich ab. Bisher ist das Bayern-Spiel noch nicht seines. Manchmal wirkt er etwas zu träge, verlangsamt dadurch den Angriff. In anderen Situationen hat er aber gute Ideen und weiß sich zu behaupten. Gut möglich, dass Saibari noch Zeit braucht. Sein Auftritt gegen Arsenal war einer mit Licht und Schatten.
2:2 gegen Arsenal: Bayern früh unter Druck
Vieles erinnert beim FC Bayern an das erste Jahr von Vincent Kompany. Nur damals waren es sogar Niederlagen, die die Münchner in eine unangenehme Tabellensituation brachten. Diesmal sind es zwei Unentschieden.
Den Kontakt zu den Top-5 hat man allerdings erstmal verloren. Vier Punkte fehlen zu den fünf Teams ohne Punktverlust. Aus den Erfahrungen der ersten Austragungen heraus weiß man zudem, dass es mindestens 17, eher sogar 19 Punkte oder mehr brauchen wird, um die Top-4 zu erreichen.
Für den weiteren Verlauf in der K.-o.-Phase wäre das aus diversen Gründen wichtig. Nicht nur wegen der Chance auf eine machbare Auslosung, sondern auch wegen des Heimrechts in entscheidenden Spielen. Für die Top-8 reichen auch etwas weniger Zähler.
Allerdings hat der FCB jetzt noch einige sehr unbequeme Auswärtsspiele vor der Brust: Atletico Madrid, Lille und Manchester United. Auch das Heimspiel gegen Betis, die jetzt bei drei Siegen aus drei Spielen stehen, muss erstmal gewonnen werden.
Isoliert betrachtet ist ein 2:2 gegen Arsenal kein schlechtes Ergebnis. In Kombination mit dem 3:3 in Norwegen vor einer Woche sorgt es aber für eine sehr angespannte Lage in der Champions League.
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