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Champions League

FC Bayern: Markus Babbel mit heftiger Ballon-d'Or-Abrechnung - "Größter Clowns-Wettbewerb der Welt"

Aktualisiert:

von Martin Volkmar

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern: Vincent Kompany über die Probleme von Lennart Karl

Videoclip • 01:34 Min


ran-Experte Markus Babbel spricht im Interview unter anderem über die Leistung von Bayern München gegen Arsenal, den engen FCB-Kader, die Aussagen von Jürgen Klopp und die Ballon-d'Or-Wahl.

Von Martin Volkmar

Nach dem 2:2 gegen den FC Arsenal steht der FC Bayern in der Ligaphase der Champions League unter Erfolgsdruck, wenn man noch den direkten Einzug ins Achtelfinale schaffen will.

Für Ex-Nationalspieler Markus Babbel war der Punktgewinn der Münchner "leistungsgerecht", wie er im Gespräch mit ran sagte.

Außerdem äußerte sich der frühere Bayern-Profi und Bundesliga-Coach über die Bedeutung von Joshua Kimmich und Harry Kane, die Diskussionen über Jürgen Klopps Halbzeit-Aussagen und erklärte, warum er den Ballon d’Or für einen "Clowns-Wettbewerb" hält.

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Bayern gegen Arsenal: "Duell zweier Top-Mannschaften"

ran: Bei Bayern gegen Arsenal stand Topspiel drauf - war auch Topspiel drin, Herr Babbel?

Markus Babbel: Ja, es war sehr unterhaltsam. Ein Duell zweier Top-Mannschaften, bei dem man auch den Respekt voreinander gemerkt hat. Daher war es kein Feuerwerk. Aber was Intensität und Bereitschaft anbetraf, war das schon auf einem sehr, sehr hohen Niveau.

ran: Bleibt die Frage, ob es für Bayern eher ein gewonnener Punkt oder mit Blick auf die Tabelle zwei verlorene Punkte waren?

Babbel: Man kann ja nicht davon ausgehen, dass man gegen einen absoluten Topgegner wie Arsenal automatisch drei Punkte holt. Da brauchst du schon einen sehr guten Tag, um sie zu schlagen. Bayern hatte seine Möglichkeiten, aber es hat eben nicht ganz gereicht, weil sie auch nicht in Bestbesetzung angetreten sind. Deshalb war der Punkt leistungsgerecht. Im Gegensatz zu Stavanger, da hat das Unentschieden den Bayern weh getan.

Markus Babbel

Bild: IMAGO/kolbert-press


FC Bayern: Max Eberl überrascht Babbel

ran: Man hatte den Eindruck, dass Bayern bei Verletzungspech und Formkrisen wie aktuell bei Lennart Karl Ausfälle von mehreren Leistungsträgern nicht kompensieren kann. Ist der Kader etwas zu sehr auf Kante genäht?

Babbel: Ja, so sieht es im Moment aus. Mich hat es überrascht, dass Max Eberl Lennart Karls schwache Form sogar namentlich erwähnt hat. Das kennt man normalerweise nicht von Bayern und ich glaube, da steckte schon auch eine Message an die Nachrücker dahinter: Wenn ihr reinkommt, erwarten wir mehr von euch. So habe ich es zumindest verstanden. Und ja, es ist ein Kader, der sehr eng ist. Man hätte da vielleicht auch berücksichtigen können oder sogar müssen, dass die Weltmeisterschaft jetzt so langsam bei vielen großen Mannschaften ihre Spuren hinterlässt. Da gibt es viele Topspieler mit Verletzungsproblemen, das sieht man aktuell auch bei PSG. Das geht also nicht nur den Bayern so. Allerdings ist das auch nicht so einfach zu managen.

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Kaderbreite beim FC Bayern: "Ritt auf der Rasierklinge"

ran: Wieso?

Babbel: Bei Bayern sind die Stammspieler nicht zufrieden, wenn sie auf die Bank rotieren müssen. Ein Harry Kane will einfach dreimal in der Woche spielen. Und das zeichnet Top-Spieler ja auch aus. Deswegen ist es immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Der FC Bayern hat sich für diesen Weg entschieden. Und da muss man dann auch damit leben, dass man bei so einem Topspiel vielleicht nicht immer die besten Spieler am Start hat.

ran: Es gab zuletzt relativ viele Diskussionen um Joshua Kimmich. Hat seine Abwesenheit gegen Arsenal gezeigt, wie wichtig er weiterhin ist?

Babbel: Für mich gibt es da ohnehin nichts zu diskutieren. Jo Kimmich ist ein herausragend guter Spieler. Genau wie Manuel Neuer. Komischerweise höre ich nach dem Arsenal-Spiel keinen mehr sagen, der ist zu alt und hat es nicht mehr drauf. Seine gute Leistung wird als Selbstverständlichkeit gesehen. So wie bei Kimmich auch. Das ist der Fluch der guten Taten.

ran: Wobei Sie Kimmich in der Vergangenheit auch immer wieder kritisiert haben…

Babbel: Ja, das stimmt. Aber nicht, weil er ein schlechter Spieler ist, sondern weil er damals seinen Job nicht gemacht hat. Und im Moment macht er seinen Job und deswegen gibt es bei mir keine Diskussion um Jo Kimmich. Denn dann ist er ein herausragend guter Sechser, der auf dieser Position zu den besten Spielern der Welt gehört.

ran: Mindestens genauso unverzichtbar für die Bayern dürfte Harry Kane sein. Teilen Sie den Eindruck, dass er mit dem Alter sogar noch besser wird?

Babbel: Ja, das Gefühl hat man. Gegen Arsenal hat er aus meiner Sicht eines seiner besten Spiele für Bayern gezeigt. Nicht, weil er das Tor geschossen hat, sondern wegen seiner unglaublichen Präsenz auf dem Platz. Das war schon außergewöhnlich, wie sehr er seinen Mitspielern geholfen hat und Anspielstation als auch Ruhepol war. Er ist in Abwesenheit von wichtigen Spielern wirklich vorangegangen und das zeichnet ja die großen Spieler aus. Das fand ich schon sensationell.

ran-Experte Markus Babbel äußert sich auch zu Harry Kanes Chancen auf den Ballon d'Or

Bild: IMAGO/DeFodi Images


Babbel nimmt Klopp in Schutz: "Ehrliche und authentische Aussage"

ran: Jürgen Klopp hat im Halbzeit-Interview gesagt, er verstehe das Bayern-System nicht, auch weil sich Kane immer so tief fallen lässt. War das eher ein flapsiger Spruch oder war das eine Spitze gegen Vincent Kompany?

Babbel: Also ich habe das nicht als Kritik aufgefasst. Sondern dass er genauso deshalb ins Stadion kommt, um sich solche Dinge anzuschauen, die du am Fernseher nicht siehst. Das ist ja seinem Vorgänger oft angekreidet worden, dass er zu selten vor Ort war. Also ich habe Klopp eher so verstanden, dass er einfach wissbegierig ist, weil er zum Beispiel das Pressing des FC Bayern bis heute noch nicht hundertprozentig verstanden hat. Deshalb fand ich das eigentlich eine sehr ehrliche und authentische Aussage von Jürgen Klopp.

ran: Haben Sie als Trainer denn das Pressing des FC Bayern verstanden?

Babbel: Nein, also das wäre gelogen, wenn ich jetzt sage, ich kapiere das alles, was Kompany macht. Das ist immer wieder auch für mich ein Rätsel. Deswegen bin ich dann auch so begeistert, wenn ich etwa die ersten 70 Minuten gegen RB Leipzig sehe. Die Art und Weise, wie Bayern gegen den Ball gespielt hat, war einfach außergewöhnlich. Du hast das Gefühl gehabt, die sind einen Mann mehr auf dem Platz. Vielleicht muss ich mich mal mit Vincent Kompany treffen und mir das erklären lassen.

ran: Nochmal zurück zu Harry Kane. Gerade die englischen Kollegen haben ihn nach dem Spiel vor allem auf den Ballon d’Or angesprochen. Ist er auch Ihr Favorit?

Babbel: Also ich würde grundsätzlich so eine persönliche Wahl in einem Mannschaftssport wie Fußball abschaffen. Das ist für mich der größte Clowns-Wettbewerb, den es auf der Welt gibt. Ich lache mich jedes Mal kaputt, wie dann die Leute oder zum Teil ganze Vereine beleidigt sind, wenn ihre Spieler nicht gewählt werden. Das finde ich lächerlich. Aber wenn es wirklich um Leistung geht, dann war Harry Kane sicher der auffälligste Spieler in den Topligen.

ran: Nun müssen die Bayern am Sonntag zum SC Freiburg, was tabellarisch ein Spitzenspiel ist. Muss man da aufpassen, weil man sich zuletzt auswärts in Augsburg und Stavanger schwergetan hat?

Babbel: Aufpassen müssen die Bayern auf alle Fälle. Die Freiburger werden wirklich von Jahr zu Jahr besser. Das ist mittlerweile eine absolute Top-Mannschaft und da muss der FC Bayern eine Top-Leistung bringen, um sie zu bezwingen.

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