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Fußball

Legacy von Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: Die GOAT-Debatte ist entschieden - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

:newstime

Nach Abgang: Ronaldo schießt gegen Trainer

Videoclip • 01:05 Min • Ab 12


Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben über viele Jahre den Weltfußball diktiert. Nun sind sie im Spätherbst ihrer Karriere angekommen. Während sich der eine aber als der Größte der Geschichte verabschieden wird, fällt der andere vor allem durch unwürdige Aktionen auf. Ein Kommentar.

"Messi oder Ronaldo?"

Für fußballbegeisterte Kinder der 90er gehörte diese Frage zum absoluten Standardrepertoire auf den Bolzplätzen und Pausenhöfen der ganzen Welt. Diese kleine Frage unterteilte in Gruppen, erzeugte Rivalitäten und sorgte über Jahre für Gesprächsstoff. Auf der einen Seite war der schillernde Sunnyboy mit den glitzernden Ohrringen, auf der anderen der schüchterne Zauberer mit den langen Haaren.

Nahezu jeder konnte darauf eine Antwort wie aus der Pistole geschossen geben. Die "CR7"-Anhänger erkannte man dabei gerne schon an den passenden Mercurials an den Füßen und der patentierten Freistoß-Haltung bei jeder sich bietenden Gelegenheit, während die Messi-Jünger diese Inszenierungen kategorisch ablehnten.

Man musste sich dabei gut überlegen, für wen das eigene Herz schlug, denn sobald man einer Gruppe angehörte, war die Entscheidung in Stein gemeißelt. Ein Zwischending gab es nicht. Hatte man sich für "seinen" Superstar entschieden, galt es, den anderen abgrundtief zu hassen.

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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben eine ganze Generation geprägt

Das klingt aus heutiger Sicht natürlich ein wenig extrem, so war aber die Realität damals. Die beiden schwebten – ob berechtigt oder nicht – so weit über den anderen begabten Spielern ihrer Generation, dass es über viele Jahre nun diesen Zweikampf gab. Und egal, welcher Seite man angehörte, war allen irgendwo klar, dass dies ganz besondere Zeiten waren.

Ganz objektiv gesehen sind die beiden zwei der besten fünf Spieler, die jemals einen Fußballplatz betreten haben. Es war ein absolutes Privileg, sie über fast eine Dekade hinweg in unzähligen direkten Duellen pro Saison gegeneinander antreten zu sehen. Wer weiß, wann und ob es so etwas in der Fußballgeschichte wieder geben wird.

Das Besondere daran war stets, dass die beiden so unterschiedlich waren und es bei der Frage nach dem "besten Spieler der Geschichte" kein klares Richtig oder Falsch gab. Sowohl für das Arbeitstier aus Portugal, das über Jahre die Champions League in Angst und Schrecken versetzt hat, als auch für das Wunderkind aus Argentinien, das Dinge mit dem Ball angestellt hat, die man davor noch nie gesehen hat, konnte man einen reliablen GOAT-Case zusammenbauen.

Hätten beide auf dem Höhepunkt ihres Schaffens aufgehört, könnte man sich heute immer noch darüber streiten, wer denn der Bessere und Tollere war.

Umso betrüblicher ist es, dass die vergangenen Jahre diese Waage ganz klar auf die Seite des einen gekippt haben, weil der andere sich für einen Weg entschieden hat, der von außen erstmal nicht nachzuvollziehen ist.

Ronaldo auf Abwegen

Nach vielen ruhmreichen Jahren bei den Königlichen wollte CR7 es nach Stationen in Spanien und England dann noch mal in Italien wissen und mit der "Alten Dame" ein paar Titel einheimsen. Das war natürlich gerechtfertigt, seine viel umjubelte Rückkehr zu Manchester United 2021 hätte dann aber der perfekte Ort für das Ende seiner Karriere sein sollen. Bei seinem ersten großen Verein, wo er absoluten Weltruhm begann.

Ego und Gier ließen das aber anscheinend nicht zu.

Als Saudi-Arabien die prall gefüllte Geldschatulle öffnete, überlegte er nicht lange und karrte seine gesamte Familie kurzerhand in den rückschrittlichen Wüstenstaat, um für hunderte Millionen Euro pro Jahr in einer inszenierten Liga aufzulaufen und auf Buddy mit dem Scheich zu machen. Wohlgemerkt als zuvor schon reichster Fußballer der Geschichte!

Während Ronaldo seine Würde in Saudi-Arabien buchstäblich verspielte, ließ auch Messi sich tatsächlich aus Barcelona nach Paris locken, was für viele überraschend kam. Die Aussicht auf den sagenumwobenen ersten CL-Titel des Teams und ein Zusammenspiel mit Kumpel Neymar und Kylian Mbappe schienen ihn überzeugt zu haben, rückblickend hätte er sich die PSG-Zeit aber sicherlich lieber gespart.

Zum Glück traf er danach aber die richtige Entscheidung und ging nach Miami, um dort seinen Fußballabend ausklingen zu lassen und die Fußballeuphorie in den USA neu zu entfachen.

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Messi sticht Ronaldo bei der WM aus – nicht nur sportlich

Mit den beiden Legenden auf unterschiedlichen Hälften der Erde wurde es deutlich ruhiger um sie, im Kontext der Nationalmannschaft sorgten sie aber weiterhin für Aufsehen.

Sie waren weiterhin die Fixpunkte ihrer Nationen, allerdings mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Portugal kam nach dem Titelgewinn 2016 bei Europameisterschaften nicht mehr über das Viertelfinale hinaus, während Messi mit Argentinien die jüngsten beiden Ausgaben der Copa America gewann.

Sein ganz großer Triumph und die Vollendung seiner Karriere folgten dann 2022 in Katar, für Portugal war dagegen schon im Viertelfinale Schluss. Das wollte der ehrgeizige Ronaldo aber nicht auf sich sitzen lassen und witterte eine letzte Chance, sich auf der Weltbühne zu präsentieren.

Statt sich sportlich zu beweisen und die Mannschaft mit seiner Erfahrung als Mentor anzuführen, stellte er aber einmal mehr seinen fragwürdigen Charakter zur Schau. Klar, er ist immer noch ein brandgefährlicher Torjäger. Seine Weigerung, nach hinten zu arbeiten, und seine offensichtlichen Differenzen mit Trainer Roberto Martinez belasteten jedoch die gesamte Mannschaft.

Da sein Prestige in Portugal weiterhin riesig ist, spielte er trotzdem, schadete seinem talentierten Team aber mehr, als ihm zu helfen. Sein Ego stand ihm mal wieder im Weg und am Ende war es so kaum verwunderlich, dass die Portugiesen sang- und klanglos gegen den späteren Weltmeister Spanien im Achtelfinale rausgingen.

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Messi hat die GOAT-Debatte für sich entschieden

Auf der anderen Seite war Messi mit 39 Jahren immer noch das Herz und die Seele der Südamerikaner. Ohnehin lief bei Argentinien nichts, die sich als geschlossene Einheit mit sensationellen Comebacks in die Herzen der Fans und bis ins Finale spielten. Jeder Einzelne spielte für den Kapitän, der dieses Vertrauen sportlich und menschlich rechtfertigte.

Auch wenn am Ende kein weiterer Titel heraussprang, war es ein absolut würdiges Ende seiner internationalen Karriere. Natürlich schenkte Argentinien ihm aber noch den Abschied vor den heimischen Fans, auch wenn er das selbst gar nicht gewollt haben soll. Schön war es trotzdem.

Währenddessen liefert sich Ronaldo eine Seifenoper der Extraklasse bei der portugiesischen Nationalmannschaft, reist beleidigt ab, weil er nicht spielen darf, greift den Trainer öffentlich an – und will dann trotzdem immer noch weiterspielen. Mit 41 Jahren. Anders als Messi scheint er einfach nicht zu wissen, wann Schluss ist.

Sportlich wird er immer einer der größten Spieler der Geschichte bleiben, charakterlich hat sein langjähriger Rivale ihn aber mittlerweile meilenweit abgehängt und die GOAT-Debatte zwischen den beiden auf den letzten Metern doch noch klar entschieden.

Schade, dass seine Legacy damit für immer einen Beigeschmack haben wird.

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