Nations League
DFB-Team - Thomas Helmer: Das habe ich bei Joshua Kimmich nicht verstanden
Veröffentlicht:
von Martin Volkmarran Fußball
DFB-Team: Mittelmaß? Joshua Kimmich wird deutlich
Videoclip • 02:00 Min
Zwei Pflichtspiele, kein Sieg: Der Start von Jürgen Klopp als Bundestrainer läuft nicht nach Plan. Im ran-Interview erklärt Ex-Nationalspieler Thomas Helmer, was sich beim DFB-Team ändern muss.
Das Interview führte Martin Volkmar
Auch Thomas Helmer sieht die deutsche Nationalmannschaft im fußballerischen Mittelmaß.
Der Europameister von 1996 vermisst bei seinen Nachfolgern vor allem eines: den Willen, ein Spiel mit aller Macht gewinnen zu wollen.
Gegen Griechenland habe er stattdessen keinen Fortschritt gegenüber der WM gesehen, sagt der frühere Bayern-Star.
Im ran-Interview spricht Helmer außerdem über fehlende Weltklasse im DFB-Team, die Suche nach einer festen Achse und die Experimente von Jürgen Klopp.
Eine Entscheidung des neuen Bundestrainers kann Helmer dabei überhaupt nicht nachvollziehen.
ran: Hat Sie die Leistung gegen Griechenland auch ernüchtert oder nach der WM gar nicht mehr überrascht?
Thomas Helmer: Wenn unsere Mannschaft verliert, überrascht mich das immer. Und es betrübt mich auch ein bisschen. Wir haben zum ersten Mal überhaupt gegen Griechenland verloren, und dann noch zu Hause. Das ist schon enttäuschend gewesen.
ran: Woran hat es aus Ihrer Sicht gelegen?
Helmer: Mein Eindruck ist, dass die Jungs noch nicht verinnerlicht haben, was Jürgen ihnen mitgeben will. Ich hatte nicht das Gefühl, dass dieser unbedingte Willen da war, das Spiel mit aller Macht auf die eigene Seite zu ziehen. Es kam ja nach rund 60 Minuten nicht mehr viel. Da habe ich überhaupt keinen Fortschritt zur WM gesehen. Wir spielen ordentlich, schieben den Ball hin und her, erarbeiten uns aber wenig Chancen. Und dann liegen wir zurück – und spielen so weiter.
ran: Wenn man typischen Jürgen-Klopp-Fußball erwartet hatte, fehlte auch das Tempo…
Helmer: Ja, davon war fast nichts zu sehen, obwohl wir Spieler mit Tempo haben. Natürlich ist das Team nicht eingespielt. Aber die Zeit dazu hat man bei der Nationalmannschaft nie, außer vor einem großen Turnier. Ich weiß auch nicht, ob es die richtige Entscheidung war, auf zwei Kader zu setzen. Damit wollte Jürgen vermutlich dokumentieren, dass wir viele talentierte junge Spieler haben. Aber vielleicht sind einige nach ein paar Bundesligaspielen doch noch nicht so weit.
ran: Das heißt, Bastian Schweinsteiger hat recht mit seiner Aussage, die DFB-Auwahl sei nur noch Mittelmaß?
Helmer: Wir waren ja bei der WM schon nicht besser und das hat Basti dann nochmal untermauert. Die Leistung hat bestätigt, dass wir im Moment in einer Phase sind, wo wir nicht zu den besten Teams der Welt gehören. Allerdings fehlt mir auch schon seit längerem so eine Achse, vom Torwart über einen Innenverteidiger und zentralen Mittelfeldspieler bis zum Stürmer. So ein Gerüst braucht jede Mannschaft, und das wird auch Jürgen brauchen. Aber das sehe ich im Moment nicht, auch weil wir so viel experimentieren. Und mir fehlen die Basics, gerade im Zweikampfverhalten, wo wir ganz schlechte Statistiken haben.
Thomas Helmer bestritt zwischen 1990 und 1998 68 Länderspiele für Deutschland
Bild: DeFodi Images
Bei Kimmich versteht Helmer den Bundestrainer nicht
ran: Sie haben die Achse angesprochen: Joshua Kimmich müsste hier als Kapitän und Ballverteiler im Mittelfeld eine zentrale Rolle spielen. Warum hat er offenbar Probleme, die Leistung aus dem Verein auch im Nationalteam zu bringen?
Helmer: Eins darf man nicht vergessen: Bei Bayern hat er natürlich sehr, sehr gute, zum Teil überragende Mitspieler. Wenn du Olise oder Diaz den Ball gibst, dann weißt du, die machen schon irgendwas damit. Im Zweifel flanken sie auf Harry Kane und der macht ihn rein, um es mal etwas einfach runterzubrechen. Solche Weltklassespieler gibt es im Moment in der deutschen Mannschaft nicht. Aber ich habe noch etwas anderes nicht verstanden.
ran: Und zwar?
Helmer: Wenn Jürgen Klopp Joshua Kimmich die Kapitänsbinde lässt und weiter auf ihn baut, warum schickt er ihn dann ausgerechnet vor seinem Heimspiel in München nach Hause? Joshua will sowieso immer spielen, der ist auch nicht ausgebrannt oder überspielt. Daher hätte ich erwartet, dass er gerade in München dabei ist. Und man hat ihm seine Enttäuschung darüber ja auch angemerkt.
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Helmer: "Von den Spielern muss mehr kommen"
ran: Wie ist generell bisher Ihr Eindruck von Jürgen Klopp in den ersten Wochen im neuen Amt?
Helmer: So wie man Jürgen kennt: Er hat sehr viel Euphorie und Begeisterung mitgebracht und geht mit sehr viel Elan und Energie an die Dinge. Er versucht wirklich alles und will was bewegen, damit die Mannschaft wieder besser wird. Aber man sieht eben, dass es nicht alles auf einmal geht. Wahrscheinlich hat er auch gedacht, man wäre schon ein bisschen weiter.
ran: Muss er etwas anders machen?
Helmer: Er hat ja gesagt, er nimmt alles auf seine Kappe und es ist alles seine Schuld, wenn es nicht läuft. Aber ich finde, von den Spielern muss einfach noch mehr kommen. Das ist zu wenig. Die Griechen haben in Augsburg das Spiel ihres Lebens gemacht und uns mit einfachen Mitteln geschlagen. Das darf uns so einfach nicht passieren. Und ich glaube, das wird Jürgen sich auf Dauer auch nicht weiter anschauen.
ran: Mit welchen Maßnahmen rechnen Sie?
Helmer: Die beiden Spiele jetzt wartet er natürlich noch ab. Auch wenn es für die Nations League sicherlich etwas blöd ist, weil wir gerade mit Blick auf die Setzliste zur EM-Qualifikation punkten müssen. Aber ich glaube, bei den nächsten Länderspielen im November muss er schon ein klares Konstrukt haben. Da muss er seinen Kern-Kader zusammenhaben und dann vielleicht noch sporadisch den einen oder anderen dazu nehmen, der gerade in super Form ist in der Bundesliga. Ich rechne damit, dass Jürgen klar nach Leistung gehen wird und natürlich auch seine Art von Fußball gerne spielen möchte. Da müssen die Spieler aber auch mitmachen und sein System begreifen. Die Zeit gibt ihm jeder, bis jetzt gibt es ja kaum Kritik an ihm, höchstens Verbesserungsvorschläge. Und Jürgen ist schlau genug, das anzunehmen und umzusetzen.
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