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WM 2026

Cristiano Ronaldo ist "back" und genau das könnte ein Problem für Portugal sein – ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

WM 2026 - Fans schießen gegen Cristiano Ronaldo: "Nur noch peinlich"

Videoclip • 02:07 Min


Cristiano Ronaldo ist zurück. Zumindest behauptet er das selbst. Den Nachweis muss er noch erbringen – und für sein Team wird die CR7-Show im zweiten Spiel vielleicht sogar ein Problem. Ein Kommentar.

"Back! I'm back!", rief Cristiano Ronaldo nach dem Abpfiff gegen Usbekistan in die Kamera, die ihn in der Großaufnahme zeigte. Der Portugiese wusste sich mal wieder zu inszenieren.

Als er das frühe 1:0 erzielte, jubelte er zunächst ohne seinen typischen Sprung. In einer Traube von Mitspielern ließ er sich feiern. Für Portugal war es ein spürbar besonderer Moment. Ein emotionaler Moment.

Nach dem enttäuschenden 1:1 wollte die Mannschaft unbedingt eine Reaktion zeigen. Gerade in der Anfangsphase taten sie das und "CR7" war besonders motiviert, es seinen Kritikern zu zeigen. Zu alt, zu langsam, zu dominant für zu wenig Ertrag – viel wurde nach dem 1:1 analysiert und kritisiert.

Entsprechend befreiend war dieser Führungstreffer für alle. Und als dann auch der letzte Mitspieler mit ihm abgeklatscht und ihn umarmt hatte, setzte Ronaldo doch noch an zu seinem weltberühmten Jubel. Er sprang, er drehte sich und das Publikum schrie gemeinsam mit ihm "SIUUU!".

Cristiano Ronaldo: Der Gegenpol zu Lionel Messi

Man kommt nicht umhin, das als Schauspiel zu bezeichnen. Oder vielleicht treffender als Show. Der 41-Jährige ist ein Showman. Das war er schon immer. Auf dem Platz weiß er sich zu inszenieren und er weiß mit den Geschichten um sich herum zu spielen. Das hat ihn schon immer von seinem großen Gegenspieler Lionel Messi unterschieden.

Der Argentinier geht auf den Platz, spielt sein Spiel und schert sich wenig darum, was um ihn herum erzählt wird. Er ist kein Showmaster. Ronaldo hingegen lebt jede Situation während eines Spiels besonders intensiv und bewusst für die Öffentlichkeit. Dieses Kopfnicken, wenn eine Aktion nicht gelungen ist, mit dem er sich selbst signalisieren will, dass ihn das nur stärker machen wird. Man hat das Gefühl, jedes Spiel hat ein Drehbuch.

All das ist legitim. Fußball ist auf diesem Niveau eine Unterhaltungsbranche geworden, in der der Sport oft in den Hintergrund rückt. Ronaldo hat das früh verstanden und weiß genau, welche Hebel er in Bewegung setzen muss, um im Mittelpunkt zu stehen.

Doch die Ronaldo-Show hat an Bedeutung verloren, weil er einfach nicht mehr das Niveau von früher hat. Daran ändert auch eine starke Leistung gegen Usbekistan wenig. Sein letztes Tor für Portugal vor der WM hat er beim 2:2 gegen Ungarn gemacht. Das war im Oktober 2025. Bei der Europameisterschaft 2024 erzielte er keinen einzigen Treffer. Zwischendrin gab es noch die Nations League, in der er immerhin drei Tore beisteuerte.

Seine sportlichen Leistungen sind dennoch streitbarer geworden. Dieses hochtalentierte portugiesische Team ist ihm komplett untergeben. Jede Flanke, jeder Tiefenball ist erstmal an ihn adressiert. Portugal schafft es einfach nicht, sich vom Mythos Ronaldo zu lösen.

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Portugal kann mehr und hat mehr verdient

Ausgerechnet die Freistöße zeigten stellvertretend, was möglich ist, wenn man die Aufmerksamkeit für den Superstar nutzt, indem andere unbemerkt in den Mittelpunkt rücken. Das Freistoßtor zum 2:0 erzielte Nuno Mendes auch deshalb, weil die ganze Welt damit rechnete, dass Ronaldo den Ball in den Himmel jagen würde. In der zweiten Halbzeit gab es eine Variante, bei der er am Ball vorbeiläuft und dann einen Chipball zugespielt bekommt. Beinahe ein Tor.

Aber das sind Ausnahmen. Dass Ronaldo jetzt gegen eines der schwächsten Teams bei der gesamten Weltmeisterschaft eine Show hingelegt hat, könnte auf das Team perspektivisch sogar negative Effekte haben. Was, wenn er nämlich doch nicht "back" ist? Was, wenn das Team jetzt noch fokussierter darauf ist, ihren Frontmann zu finden, statt unabhängigere Ansätze zu entwickeln?

Dabei wäre all das gar nicht notwendig. Portugal wäre ein fußballerisch so viel besseres Team, wenn Trainer und Frontmann verstehen würden, dass es nicht mehr 2016 ist. Ronaldo ist immer noch ein sehr guter Fußballer. Das steht außer Frage. Aber er ist längst nicht mehr außergewöhnlich.

Bei allem Verständnis für die portugiesische Freude über den souveränen Sieg: Ob Ronaldo wirklich "back" ist, wird sich gegen Kolumbien und dann in der K.-o.-Phase zeigen. Usbekistan rollte den roten Teppich aus für einen Showmaster, der immer noch genau weiß, wie er sich zu inszenieren hat.

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