WM
DFB-Team: Markus Babbel über Hoffnungsträger Jürgen Klopp und Julian Nagelsmanns Fehler
Aktualisiert:
von Martin Volkmarran Fußball
WM 2026: Zukunft des DFB? Hummels glaubt an Umbruch
Videoclip • 07:08 Min
Im zweiten Teil des ran-Interviews blickt Markus Babbel auf die Probleme der deutschen Nationalmannschaft und erklärt den Unterschied zwischen Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp.
Nach dem schwachen WM-Abschneiden steht die deutsche Nationalmannschaft vor einem Neuanfang – aller Voraussicht nach unter Jürgen Klopp.
Wo muss der künftige Bundestrainer den Hebel ansetzen, was kann die DFB-Auswahl von Weltmeister Spanien lernen und welche Fehler von Ex-Coach Julian Nagelsmann dürfen sich nicht wiederholen?
Zu diesen Fragen nimmt ran-Experte Markus Babbel Stellung.
Die nächsten Livestreams auf Joyn
Bald verfügbarMittwoch, 22.07. 13:15 • Radsport
Tour de France im Livestream: 16. Etappe
255 Min
Bald verfügbarMittwoch, 22.07. 13:15 • Radsport
Tour de France im Livestream: 16. Etappe
255 Min
ran: Spanien ist nun die Benchmark. Kann der deutsche Fußball etwas vom neuen Weltmeister lernen?
Markus Babbel: Ja, alles andere wäre hoch fahrlässig. Du musst von den Topnationen lernen und dich schlaumachen, was die anders machen. Die Spanier schaffen es, ihre Talente einzubauen wie Pau Cubarsi. Der hat mit 19 Jahren eine unglaubliche WM gespielt. Sein Zweikampfverhalten, aber auch sein Spiel nach vorne, seine Passschärfe und -genauigkeit sind sensationell. Von Yamine Lamal mit seinen 18 Jahren gar nicht zu sprechen und da kommen ja noch mehr nach. Da müssen wir uns fragen, warum wir es nicht schaffen, dass die besten jungen Spieler auch in den Topklubs regelmäßig spielen. Liegt es an der Ausbildung? Die findet nämlich in den Vereinen statt, da kann der DFB gar nicht so viel machen. Aber offenbar machen die Spanier hier einiges besser.
ran: Ist das auch ein Arbeitsauftrag an den neuen Bundestrainer, sich mehr in die Nachwuchsarbeit einzuschalten als seine Vorgänger?
Babbel: Absolut, und das sage ich schon seit Jahren. Ich habe nie verstanden, warum man als Bundestrainer bei Großereignissen bei der U19 oder U21 nicht vorbeischauen und sich die besten Talente anschauen kann. Aber auch bei den Topspielen regelmäßig ins Stadion zu gehen. Vor allem in der Bundesliga, aber ebenso international mal nach Barcelona zu fliegen, wenn die gegen Inter spielen. Schon Jogi Löw und Hansi Flick haben sich da zurückgehalten, waren aber immer mal wieder vor Ort. Doch bei Julian Nagelsmann war es extrem.
ran: Im Sinne von fehlender Präsenz?
Babbel: Ja, das war ein absolutes Desaster, das kein Mensch nachvollziehen konnte. Sich Videos anzuschauen ist das eine, aber live im Stadion ist halt schon nochmal was anderes. Da sehe ich gewisse Dinge, die ich im Fernsehen nicht sehen kann. Deswegen war mir die Abwesenheit des Bundestrainers immer ein Rätsel. Vor allem bei der Klub-Weltmeisterschaft in den USA, wo man sich die Bedingungen und die möglichen Schwierigkeiten hätte vor Ort anschauen können und müssen. Wie sind die Rasenbedingungen, wie ist das Klima, was gibt es noch zu beachten? Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum Julian Nagelsmann das im Gegensatz zu vielen anderen Trainern nicht geschafft hat.
ran: Nagelsmann steht seit dem frühen WM-Ausscheiden massiv in der Kritik, zuletzt hat Felix Magath unter anderem gesagt, er sei als Bundestrainer "völlig überfordert" gewesen. Wie bewerten Sie das im Rückblick?
Babbel: Mein Hauptkritikpunkt ist der: Wenn viele ehemalige hochklassige Spieler was sagen, dann würde ich zumindest mal zuhören. Ob Lothar Matthäus, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und wie sie alle heißen. Es war ja nicht nur meine Wenigkeit. Da kann man sagen, der Babbel hat keine Ahnung. Aber wenn sich so viele andere auch melden und meinen, der Bundestrainer sei auf dem falschen Weg, dann sollte man das ernst nehmen.
Die aktuellsten Fußball-Videos

ran Fußball
WM 2026: Dani Olmos Freundin bekommt Hate-Kommentar wegen Pokalfoto
Videoclip • 01:13 Min

ran Fußball
WM 2026: Cristiano Ronaldos Verlobte im Fan-Zoff nach Spaniens WM-Triumph
Videoclip • 01:13 Min

ran Fußball
Cucurella stichelt schon wieder gegen Haaland
Videoclip • 01:05 Min
ran: Was meinen Sie konkret?
Babbel: Es sind halt vor der WM schon wahnsinnig viele Dinge sehr unglücklich gelaufen, daher waren auch alle Experten so pessimistisch. Ich habe vorher gesagt: Wenn sich da nichts ändert, dann müssen wir froh sein, wenn man die Gruppenphase übersteht. Da gab es inhaltlich mehrere Punkte, die nicht nur ich nicht nachvollziehen konnte. Zum Beispiel den Verzicht auf einen gelernten Rechtsverteidiger im WM-Kader und die Festlegung auf Joshua Kimmich rechts hinten statt im Mittelfeld. Und wenn das dann so krachend schiefgeht, darf man sich nicht wundern, dass Kritik geäußert wird. Wenn du in dieser Rolle so ein Bild abgibst, wundert es mich nicht, dass ein Felix Magath von Überforderung spricht.
ran: Stichwort Kimmich: Dietmar Hamann und Mario Basler haben zuletzt das Aus für den bisherigen DFB-Kapitän gefordert. Sehen Sie es genauso?
Babbel: Ich bin immer Fan davon, dass die besten Spieler zur Nationalmannschaft kommen. Wenn ein 19-Jähriger gute Leistungen zeigt, hat er die Nominierung genauso verdient wie ein 36-Jähriger. Da tue ich mich schwer mit der Argumentation, Kimmich sei nicht mehr gut genug, nur weil er nichts gewonnen hat mit der Nationalmannschaft. Ich finde, er hat wirklich eine tolle Saison gespielt und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg des FC Bayern. Wenn er diese Leistung weiter bringt, dann hat er absolut das Recht auch weiter im DFB-Team dabei zu sein.
ran: Abschließend zur Bundestrainerfrage: Ist Jürgen Klopp für Sie auch die richtige Wahl?
Babbel: Ja, denn das ist der beste deutsche Trainer der vergangenen 20 Jahre. Er hat Bahnbrechendes geleistet, ob in Mainz, Dortmund oder Liverpool. Er steht für Kontinuität, Innovation und einfach herausragende Trainer-Kompetenz. Er besitzt die Erfahrung, die Julian vielleicht gefehlt hat, und ist ein guter Kommunikator. Er spricht die Dinge klar an und eiert nicht rum, kann aber gleichzeitig gut mit den Leuten umgehen. Daher ist er für mich als Bundestrainer alternativlos. Mir fällt keiner ein, der seine Qualität erreichen würde. Ich würde mich daher wahnsinnig freuen, wenn es klappt. Denn dann kann auch wieder eine Aufbruchstimmung entstehen, dass wir alle wieder Lust auf die Nationalmannschaft bekommen.
Auch interessant: Kommentar: Die Argentinier sind ganz schlechte Verlierer

























