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WM 2026 - Markus Babbel zieht nach Spaniens Sieg Bilanz: "Wäre ein Skandal gewesen, wenn Argentinien sich durchgeschummelt hätte"
Aktualisiert:
von Martin Volkmarran Fußball
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Im Interview mit ran zieht Markus Babbel seine große WM-Bilanz. Dabei kritisiert der Ex-Nationalspieler Argentinien und lobt Thomas Tuchel.
Nach 104 Spielen in mehr als fünf Wochen ist die Mammut-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko mit dem Endspiel und dem neuen Titelträger zu Ende gegangen.
Zeit für das Fazit von ran-Experte Markus Babbel.
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Babbel über Messi: "Für mich ist er der Größte seiner Zeit"
ran: Toni Kroos hat nach dem WM-Finale geschrieben, der Fußball habe gewonnen. Ist auch für Sie Spanien der verdiente Weltmeister?
Markus Babbel: Ja, zu 100 Prozent. Also alles andere wäre ein Skandal gewesen, wenn sich Argentinien da durchgeschummelt hätte. Die haben mir lange Zeit sehr viel Freude bereitet, weil sie immer eine sensationelle Mentalität gezeigt haben. Gefühlt waren sie schon dreimal raus und haben es dann trotzdem geschafft, mit ihrem Spirit und Kampfgeist bis ins Finale zu kommen. Davor ziehe ich den Hut. Aber im Finale sind sie leider nicht durch ihre fußballerischen Klasse aufgefallen, die sie ja zweifelsohne haben. Sondern durch übertriebene Härte und vor allen Dingen nach dem Spiel sehr negativ durch ihr unsportliches Verhalten als schlechte Verlierer.
ran: Schmälert dieses traurige Ende auch für Lionel Messi dessen Lebensleistung? Einige hatten ihn ja schon wieder als möglichen Weltfußballer auf dem Zettel.
Babbel: Auch wenn Lionel Messi drei Tore im Finale geschossen hätte, wäre er für mich nach dieser Saison in der MLS kein Kandidat als Weltfußballer. Klar, er hat eine überragende Weltmeisterschaft gespielt, die ihm keiner so zugetraut hätte. Ich habe ihn sogar stärker gesehen als beim WM-Sieg vor vier Jahren, weil er diesmal mehr für die Mannschaft getan hat als sonst. Das Finale schmälert seine Lebensleistung überhaupt nicht, im Gegenteil.
ran: Warum?
Babbel: Für mich ist er der Größte seiner Zeit. Ich war immer Messi-Fan und werde Messi-Fan bleiben, weil mir einfach die Art und Weise, wie er Fußball spielt, total gut gefällt. Und weil er nicht nur für sich spielt, sondern für seine Mannschaft. Bei den Portugiesen hatte man das Gefühl, dass sie wegen Ronaldo eher blockiert waren. Die Argentinier dagegen blühen auf wegen Messi. Das zeigt seinen Stellenwert, seine Größe und seine Genialität.
Babbel: "Selbst wenn Tuchel Weltmeister geworden wäre, hätte er nicht die Akzeptanz des englischen Publikums bekommen"
ran: Wer ist dann Ihr Favorit für den Ballon d’Or? Rodri, der als bester Spieler der WM ausgezeichnet wurde?
Babbel: Mit der Entscheidung bei der Weltmeisterschaft für Rodri bin ich total einverstanden. Das war unfassbar, was er gespielt hat mit einer unglaublichen Präsenz und einer unglaublichen Ruhe am Ball. Sensationell, besser als Rodri kannst du die Position nicht spielen. Vor allem im Halbfinale gegen die favorisierten Franzosen war das der Schlüssel zum Erfolg. Also als Weltfußballer gehört er sicher zu den Kandidaten. In jedem Fall sollte ein Spieler gewählt werden, der über das ganze Jahr hinweg großartige Leistungen gezeigt hat. Und da fallen mir halt zuerst Hary Kane, Michael Oliseh oder Vitinha von PSG ein.
ran: Kane ist als Kapitän mit England am Ende WM-Dritter geworden, das beste Ergebnis seit dem WM-Sieg 1966. Trotzdem steht Thomas Tuchel seit dem Halbfinal-Aus massiv in der Kritik. Wie sehen Sie seine Position?
Babbel: Thomas Tuchel schlug von Anfang an wahnsinnig viel Skepsis entgegen. Nicht, weil man ihn als schlechten Trainer gesehen hat, sondern es geht eigentlich nur darum, dass er aus Deutschland kommt. Sie haben es dann bis zum Halbfinale wirklich sehr gut gemacht, auch wenn sie nicht die Sterne vom Himmel gespielt haben. Aber mir war klar, wenn einmal irgendetwas schief geht, dann bekommt Tuchel den absoluten Monster-Shitstorm.
ran: Das war nach dem Halbfinale der Fall. Zu Recht oder nicht?
Babbel: Man kann als Außenstehender natürlich hinterfragen, warum er nach dem 1:0 gegen Argentinien defensiv gewechselt hat. Das Zeichen an die Mannschaft war da schon, dass man die Führung irgendwie über die Zeit bekommen will. Auf der anderen Seite vergessen viele, dass allein das Achtelfinale auf 2000 Metern Höhe und am Ende in Unterzahl gegen Mexiko wahnsinnig viel Kraft gekostet hat. Und da kann der Trainer sicherlich am besten beurteilen, dass er gegen Argentinien die Schotten dicht machen musste, weil sein Team einfach platt war. Das ist nicht aufgegangen und entsprechend heftig ist jetzt die Kritik. Aber selbst wenn er Weltmeister geworden wäre, hätte er nicht die Akzeptanz des englischen Publikums bekommen, sondern beim nächsten Tiefschlag sofort wieder Feuer.
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Babbel: "Bin von Anfang an nicht warm geworden mit dieser Weltmeisterschaft"
ran: Also keine faire Bewertung von Tuchels Arbeit?
Babbel: Man muss sich ja nur die Fakten anschauen. England hat eine überragende Qualifikation gespielt und ohne Gegentor jedes Spiel gewonnen. Und dann kommst du bei einer WM bis ins Halbfinale und stehst kurz vor dem Finaleinzug – und wirst jetzt als die größte Bratwurst hingestellt. Dabei hat er es wirklich geschafft, eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die füreinander kämpft und mit Kane und Bellingham klare Anführer hat. Genau das war ja lange das größte Problem der Engländer, dass sie trotz ihrer herausragenden Einzelspieler kein echtes Team waren. Das Spiel um Platz drei hat mir nochmal gezeigt, dass die Mannschaft unter Tuchel auf einem guten Weg ist. Wenn man ihn lässt, bin ich der Meinung, dass England bei den nächsten Turnieren Großes erreichen kann.
ran: Wie bewerten Sie generell diese erste XXL-WM, die ja auch im Endspiel mit der schlechten Qualität des Rasens oder den horrenden Eintrittspreisen nicht zum ersten Mal für negative Schlagzeilen gesorgt hat?
Babbel: Ich bin von Anfang an nicht warm geworden mit dieser Weltmeisterschaft. Es waren einfach viel zu viele Dinge, die mir nicht gefallen haben. Aber ich gehe schwer davon aus, dass wir uns daran gewöhnen müssen, dass es immer mehr Entertainment wird. Ich persönlich brauche keine Trinkpausen und keine halbstündigen Halbzeitshows. Für mich muss das Spiel nach wie vor im Mittelpunkt stehen. Und das tut es mittlerweile halt nicht mehr. Wenn bei einem WM-Finale der Platz nicht in einem optimalen Zustand ist, dann finde ich das skandalös.
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