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WM 2026

Weltmeister, Europameister und der Blick auf die Heim-WM: Ist Spanien auf Jahre hinaus unschlagbar?

Veröffentlicht:

von Justin Kraft

ran Fußball

WM 2026: Spanier feiern in Madrid - Rodri packt Moves aus

Videoclip • 01:04 Min


Spanien ist Weltmeister und krönt damit einen weiteren sehr erfolgreichen Zeitabschnitt – gelingt es ihnen jetzt, eine ähnliche Dominanz hinzubekommen wie zwischen 2008 und 2012?

Amtierender Welt- und Europameister bei den Männern, amtierender U19-Europameister und sogar amtierender Weltmeister bei den Frauen – der Weltfußball kommt einem aktuell spanisch vor.

Mit dem Triumph in Nordamerika erreicht Spanien einen weiteren Höhepunkt in einem Zeitabschnitt, der an die Dominanz zwischen 2008 und 2012 erinnert, als sie zweimal Europa- und einmal Weltmeister bei den Männern wurden.

Kein Team spielte so kontrolliert, so ballsicher und gleichzeitig defensiv so stabil wie Spanien. Unter Luis de la Fuente gelang es ihnen, die eigene, ballbesitzorientierte Spielweise um den Faktor Stabilität zu ergänzen.

Und die beste Nachricht für den spanischen Fußball? Ein Großteil des Kaders ist noch sehr jung – während von unten viele große Talente nachkommen. Um die daraus resultierende Frage mit Franz Beckenbauer auszuformulieren: Sind die Spanier nun auf Jahre hinaus unschlagbar?

Spanien: Blick auf die Titelverteidigung bei der EM 2028

Zumindest bei der EM 2028 könnte dieselbe Startelf, die jetzt den WM-Titel geholt hat, theoretisch nochmal auflaufen. Die einzige größere Ausnahme ist hier Aymeric Laporte, der mit 32 Jahren ein Wackelkandidat ist.

Darüber hinaus sind nur Rodri und Fabian Ruiz knapp im Klub der 30er gewesen. Alle anderen befinden sich in ihren besten Jahren oder sind sogar noch in der Lage, sich zu verbessern. Lamine Yamal ist 19, auch Gavi (21), Pedri (23), Nico Williams (24), Pau Cubarsi (19) und noch einige andere zählen zu den Spielern, die 2028 vielleicht sogar besser sind als jetzt.

Spanien wird also bei der Europameisterschaft in zwei Jahren erneut zu den Top-Favoriten zählen. Die viel interessantere Frage für sie dürfte aber sein: Gilt das auch für die WM 2030? Denn die findet zum Teil in Spanien statt. Gemeinsam mit Marokko und Portugal ist der Weltmeister einer der Gastgeber.

Außerdem wird es drei Partien in Uruguay, Argentinien und Paraguay geben – um das 100-jährige Bestehen des Turniers zu feiern und sich an die erste WM 1930 in Uruguay zu erinnern. Eine Extramotivation also für die Spanier, 2030 abermals eine erfolgreiche Weltmeisterschaft zu spielen.

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Die Heim-WM 2030 als großes Ziel - und Rodri als Problem?

Aber kann das gelingen? Der Blick vier Jahre nach vorn ist deutlich komplexer. Wichtige Eckpfeiler könnten dann wegbrechen. Rodris Rolle bei diesem Turnier war immens wichtig. Der 30-Jährige lenkte das Geschehen, bestimmte den Rhythmus und organisierte im Zentrum alles so gut, wie es seit Sergio Busquets niemand mehr getan hat.

2030 wäre er bereits 34. Kein Ding der Unmöglichkeit, zumal im zentralen Mittelfeld einige Spieler gut altern. Nur war die Leistung des einstigen Ballon-d'Or-Gewinners bereits bei der diesjährigen WM keine Selbstverständlichkeit mehr. Verletzungen warfen ihn zurück, seine Saison bei Manchester City war durchwachsen. Nicht unwahrscheinlich, dass er diese wichtige Rolle im Team in vier Jahren nicht mehr einnehmen kann und wird.

Ihn zu ersetzen, wird unglaublich schwer. Spanien hat zwar mit Pedri, Gavi und Martin Zubimendi viel spielerische Qualität im Kader, aber sie alle bringen nicht dieses komplette Rodri-Profil mit, das sowohl defensiv als auch mit dem Ball absolute Weltklasse verkörpert.

Aus der Europameistermannschaft der U19 kommen einige spannende Spieler nach. Allen voran Thiago Pitarch, der Pressingresistenz, spielerische Qualität und ein hervorragendes Taktgefühl auf dem Platz vereint. Aber auch er ist defensiv nicht so überragend wie es früher Busquets oder jetzt Rodri waren beziehungsweise sind. Er ist mehr der Typus Toni Kroos.

Marc Bernal – derzeit U21-Nationalspieler mit zwei Einsätzen für die A-Nationalmannschaft – wäre auch ein Kandidat. Der 19-Jährige ähnelt dem Rodri-Busquets-Profil, muss sich in Barcelona und bei den Spaniern aber erst beweisen.

Für das spanische Spiel ist es wichtig, dass jemand die Mannschaftsteile so zusammenhält, wie es Rodri getan hat. Sonst kann es schnell auch wieder in eine Richtung gehen, die man nach 2012 eingeschlagen hatte: Viel Ballbesitz, aber defensiv anfälliger und offensiv nicht überragend.

Offensive gut aufgestellt

Offensiv sind die Fragezeichen zumindest personell etwas kleiner. Neben den angesprochenen (Super-)Talenten rund um Yamal rücken aus der U19 weitere Spieler nach. José Antonio Morante (Betis Deportivo) erzielte bei der U19-EM vier Tore und bereitete ein weiteres vor.

Das spannendste Thema bleibt hier die Stürmerposition. Spanien hat abermals bewiesen, dass sie keinen Weltklasse-Neuner brauchen, um erfolgreich zu sein. Der Erfolg gibt ihnen recht. In mancher Situation würde es ihnen aber womöglich doch etwas einfacher fallen, Spiele für sich zu entscheiden, wenn sie einen hätten.

Von unten kommen einige interessante Spieler nach, darunter Sergio Esteban (Atletico Madrid) oder Gonzalo Garcia (Real Madrid). Eine offensichtliche Lösung gibt es aber noch nicht, sie alle müssen erst nachweisen, dass sie auf höchstem Niveau das Zeug für die Nationalmannschaft haben.

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Eine unterschätzte Sorge

Mit Blick auf 2030 gibt es aber noch eine weitere Baustelle, die gern mal unterschätzt wird. Auf den Außenverteidigerpositionen gibt es massive Fragezeichen im aktuellen Team. Marc Cucurella hatte angekündigt, dass er an Rücktritt denkt, sollte er Weltmeister werden. Noch ist es nicht offiziell.

Der 27-Jährige war einer der wichtigsten Spieler bei der WM. Gerade weil es auf der Welt nur wenige herausragende Außenverteidiger gibt, machen Spieler wie er einen riesigen Unterschied. Sollte Cucurella wirklich zurücktreten, wird das für 2030 eine Herausforderung.

Sein Ersatz bei dieser WM, Alejandro Grimaldo, ist dann bereits 34. Aus den U-Mannschaften kommt wie fast überall Talent nach, aber kann wirklich jemand diesen Qualitätsverlust auffangen?

Auch auf der rechten Seite muss man abwarten, wie sich Pedro Porro entwickelt. Seine starke WM-Leistung war ein klarer Ausreißer nach oben. Bei Tottenham zählt er zwar auch zu den besseren Spielern, ohne aber klar herauszustechen.

Spaniens Dominanz: Bis 2030 kann viel passieren

Schon wenige Tage nach dem WM-Titel geht der Blick bei den Spaniern also nach vorn. Große Sorgen um einen baldigen Absturz müssen sie sich gewiss nicht machen. Dafür ist der Pool an sehr guten Spielern einfach zu groß und dafür sind einige Schlüsselspieler noch zu jung.

Allerdings wird man mit der einen oder anderen Sorgenfalte auf 2030 blicken. Reicht die Zeit, um bis dahin zumindest einen Teilumbruch im Kader zu bewältigen? Und können die Talente aus den U-Mannschaften ihre Leistungen auch auf dem höchsten Niveau bestätigen?

Auf Jahre hinaus wird der Weltmeister sicher nicht unschlagbar sein. Schwer wird es dennoch, sie vom Thron zu stoßen. Die Ausgangslage ist sehr gut. Aber bis 2030 kann viel passieren. Auch bei der Konkurrenz.

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