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WM 2026 - Der Wandel des Kylian Mbappe: Von der launischen Diva zum Anführer einer Nation und Kämpfer gegen Hass

Veröffentlicht:

von Kai Esser

:newstime

Tränenreiche Abschiede: Diese Stars spielten ihre letzte WM

Videoclip • 01:35 Min • Ab 12


Kylian Mbappe hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur sportlich, sondern auch menschlich enorm weiterentwickelt. Bei der WM 2026 stellt er das eindrucksvoll unter Beweis.

Es gab Zeiten, da war Kylian Mbappe vor allem für eines bekannt: seine Starallüren.

Schon bei der AS Monaco als Teenager gehypt, entwickelte er sich bei Paris Saint-Germain zur Diva, die sich mit ihren prominenten Offensivkollegen Lionel Messi und Neymar dem Vernehmen nach nicht sonderlich gut verstand. Berichten zufolge kriselte es im Star-Trio immer wieder. Streitthemen: Ballbesitz, Freistoß- und Elfmeterrechte sowie die Rollen im Team. All das soll für Ärger gesorgt haben.

Der Höhepunkt seiner Eigenwilligkeit folgte, als er seinen Wechsel zu Real Madrid erzwang: Mbappe streikte sich bei PSG regelrecht weg, ließ seinen auslaufenden Vertrag bewusst verstreichen und nahm dafür sogar öffentliche Konflikte mit dem eigenen Klub in Kauf. Und das, obwohl er dort zeitweise über außergewöhnliche Mitspracherechte verfügte, wie sie sonst kaum ein Spieler seiner Generation genoss.

Ein Vorgehen, das ihm viel Kritik einbrachte, ihm am Ende aber den lang ersehnten Wechsel in die spanische Hauptstadt bescherte.

Doch all das hat sich mittlerweile geändert. Mbappe ist ein anderer Spieler geworden - auf und neben dem Platz.

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WM 2026: Ein anderer Mbappe bei Weltmeisterschaften

Auch für die Nationalmannschaft war der heute 27-Jährige lange nicht unumstritten, wurde phasenweise als egozentrisch und schwer führbar beschrieben. Doch bei Weltmeisterschaften lieferte er praktisch immer ab.

Mit inzwischen 19 WM-Toren steht Mbappe schon jetzt auf Platz zwei der ewigen Torschützenliste, nur Lionel Messi (21) liegt noch vor ihm. Den langjährigen Rekordmann Miroslav Klose (16) hat er bereits hinter sich gelassen.

Und da Mbappe im Gegensatz zum 38 Jahre alten Messi noch jede Menge Karriere vor sich hat, dürfte diese WM sicher nicht seine letzte gewesen sein. 2030 nimmt Mbappe, egal was in den letzten drei Runden dieses Turniers noch passiert, die alleinige Spitze ins Visier.

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Souveräner Mbappe gegen Paraguay: Kein Platz für Provokationen

Wie sehr sich Mbappe inzwischen auch im Umgang mit Widerständen weiterentwickelt hat, zeigte sich eindrucksvoll im Achtelfinale gegen Paraguay.

Die Südamerikaner, die sich zuvor sensationell gegen Deutschland durchgesetzt hatten, verlegten sich gegen Frankreich fast ausschließlich aufs Zerstören und nahmen dabei auch harte Zweikämpfe gegen Mbappe in Kauf.

In einer besonders brisanten Szene traf ihn Paraguays Matias Galarza im Laufduell mit einem Schlag am Oberkörper, den Schiedsrichter Ilgis Tantashev ebenso übersah wie der VAR.

TV-Experte und Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich rechnete danach scharf mit dem Paraguayer ab: "Er hat nichts anderes vor, als den Spieler zu schlagen", so Ittrich bei "MagentaTV", Galarza hätte "gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen." Mbappe selbst nahm die Aktion auffallend gelassen, ließ sich nicht provozieren und lächelte den Angriff einfach weg.

Für die endgültige Erlösung sorgte er dann selbst: Nach einem Foul an Joker Desire Doue verwandelte Mbappe in der 70. Minute einen Foulelfmeter zum vielumjubelten 1:0-Siegtreffer. Beim Torjubel ließ er es sich dann aber doch nicht nehmen, deutlich mit dem Daumen in Richtung von Torhüter Orlando Gill zu zeigen, der zuvor im Sechzehntelfinale gegen Deutschland zum Elfmeterhelden avanciert war.

Nach Abpfiff verweigerte Mbappe dem Paraguayer zudem den Handschlag. Kein Zufall, sondern Ausdruck eines Spiels, das von beiden Seiten mit harten Bandagen geführt wurde. Und danach? "Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, machen wir uns die Hände schmutzig", sagte Mbappe nach der Partie. "Jeder kämpft mit seinen Waffen. Wir haben uns darauf eingelassen."

Man wird das Gefühl nicht los, zu PSG-Zeiten wäre der Kapitän der Equipe aus der Haut gefahren. Heute? Ruhiges Spiel, ruhiger Elfmeter, ruhiges Interview.

WM 2026: Hass-Attacken aus Paraguay gekonnt wegmoderiert

Richtig deutlich wurde Mbappes Wandel aber erst nach dem Spiel. Die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia beleidigte ihn auf "X "in offen rassistischer Weise, bezeichnete ihn unter anderem als "kolonisierten Kameruner", der "voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich, arrogant und hässlich" sei, und warf den eigenen Spielern gleichzeitig vor, ihm nach Spielende "keine Ohrfeige" verpasst zu haben.

Mbappes Reaktion fiel scharf, aber bemerkenswert besonnen aus. "Sie sind eine verachtenswerte Frau und unwürdig Ihres Amtes", schrieb er zurück, betonte aber zugleich, dass sie nicht das Paraguay repräsentiere, das während der WM "von Leidenschaft und Ehre durchdrungen" gewesen sei. Bemerkenswert, da Paraguay offenkundig nicht nur am Rande der Grenze spielte, sondern teilweise weit darüber hinaus.

Er werde Menschen wie ihr "niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der Welt zu verbreiten." Kein bloßer Wutausbruch, sondern eine klare, würdevolle Ansage, die weit über den Sport hinaus Wellen schlug. Frankreichs Verbandspräsident Philippe Diallo sicherte seinem Kapitän "volle Unterstützung" zu, Sportministerin Marina Ferrari sprach von einem Angriff auf die Werte des Landes, und selbst Staatspräsident Emmanuel Macron meldete sich zu Wort: "Ein weiteres Tor für Kylian Mbappe. Diesmal gegen Rassismus."

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete inzwischen Ermittlungen gegen die Politikerin ein, der französische Verband kündigte derweil rechtliche Schritte an.

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Auch in Frankreich selbst: Mbappe wird zum Symbol im Kampf gegen Rassismus

Dass Mbappe sich klar positioniert, ist dabei kein Einzelfall, sondern Teil seiner Entwicklung zu einer politisch bewussten Führungsfigur.

Bereits vor der WM hatte er erneut vor der extremen Rechten in Frankreich gewarnt und sich damit offen mit dem Rassemblement National (RN) angelegt. "Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen", sagte er der Zeitschrift "Vanity Fair" mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027.

Bereits vor der Parlamentswahl 2024 hatte er sich in ähnlicher Weise gegen das RN positioniert - ein Muster, das zeigt: Der einstige PSG-Rebell nutzt seine Stimme inzwischen gezielt und überlegt, statt sie nur für private Interessen einzusetzen.

Vom schwierigen Superstar, der sich seinen Wechsel erstreikte, zum Kapitän, der auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt: Mbappes Entwicklung bei dieser WM und bereits Jahre zuvor ist auch eine menschliche Erfolgsgeschichte.

Im Viertelfinale gegen Marokko hat er nun die Chance, sie fortzuschreiben.

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