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WM 2026: Die beste Abwehr der WM im Check - entscheidet Spaniens Bollwerk das Finale gegen Argentinien?

Aktualisiert:

von Chris Lugert

ran Fußball

WM 2026: Final-Schiri zu Tränen gerührt

Videoclip • 01:10 Min


Bei Spanien reden alle über Lamine Yamal und Mikel Oyarzabal, doch die wahre Stärke des Teams ist die Defensive. Ein Blick auf die Schlüsselspieler, die auch im WM-Finale gegen Argentinien ein Bollwerk errichten wollen.

Preisfrage: Was kann Charles De Ketelaere vorweisen, was Kylian Mbappe, Michael Olise, Cristiano Ronaldo und viele weitere Spieler nicht zu bieten haben? Antwort: Der Belgier ist tatsächlich der einzige Spieler im bisherigen WM-Turnier, der gegen Spanien ein Tor erzielt hat.

Im Viertelfinale traf De Ketelaere in der Schlussphase der ersten Halbzeit zum zwischenzeitlichen 1:1 und schaffte es damit, das spanische Bollwerk zu überwinden. Diese besondere Statistik half den Belgiern letztlich aber auch nicht ins Halbfinale, weil Mikel Merino kurz vor Spielende per Abstauber zum Sieg traf.

Sie sagt aber einiges über die spanische Defensive aus, die sich in einer Mannschaft mit den Offensivgranaten Lamine Yamal, Mikel Oyarzabal, Dani Olmo und Co. zur faktischen Stärke entwickelt hat. Getreu dem Motto "Defense wins championships" verteidigten sich die Spanier bislang durch das Turnier und sind nur noch einen Sieg im Finale gegen Argentinien (Sonntag, 21:00 Uhr im Joyn-Livestream) vom WM-Titel entfernt.

Spanien ermöglicht bei der laufenden Weltmeisterschaft dem Gegner pro Spiel im Schnitt lediglich 0,42 erwartete Tore, klarer Bestwert im Turnier. Der Europameister von 2024 profitiert also nicht etwa von Chancenwucher der gegnerischen Mannschaften, sondern verhindert, dass diese überhaupt in gefährliche Abschlusspositionen kommen.

So gelang es Spanien in beeindruckender Manier auch, die zuvor als unaufhaltsam geltende Offensive der Franzosen im Halbfinale komplett kaltzustellen. Wenngleich das Abwehrverhalten im modernen Fußball längst davon lebt, dass alle Mannschaftsteile konsequent und diszipliniert gegen den Ball arbeiten, lohnt sich dennoch ein Blick auf die unbesungenen Helden in Spaniens Defensivverbund.

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Unai Simon

Spaniens Torwart Unai Simon hat bei der WM ein relativ entspanntes Leben. In sieben Spielen bekam er gerade einmal elf Schüsse auf seinen Kasten, zehn parierte er. Zum Vergleich: Portugals Keeper Diogo Costa wurde in fünf Spielen mit 22 Schüssen auf seinen Kasten regelrecht mit gegnerischen Abschlüssen eingedeckt.

Mit 90,9 Prozent Paradenquote ist Simon statistisch der beste Torwart der WM, zumindest in dieser Kategorie. Was seine Kritiker erst einmal zum Schweigen gebracht haben dürfte. Denn es gibt durchaus Stimmen, die den 29-Jährigen von Athletic Bilbao lieber auf der Bank als im spanischen Kasten sehen würden. Doch Nationaltrainer Luis de la Fuente stellte früh klar: "Unai Simon ist unumstritten."

Dabei ist die Konkurrenz gewaltig. Spanien stellt ein Torwarttrio mit derart viel Qualität, dass andere Nationen nur neidvoll darauf blicken können. Denn zum Kader gehören auch David Raya vom englischen Meister und Champions-League-Finalisten FC Arsenal sowie Joan Garcia, Stammkeeper des FC Barcelona. Doch Simon lässt sich davon nicht beirren.

"Ich kann unter Druck ruhig und gelassen bleiben." So beschrieb Simon seine größte Stärke. Er ist zudem herausragend mit dem Ball am Fuß, was gerade in einer spanischen Mannschaft natürlich sehr geschätzt wird. Allerdings neigt er dabei auch hin und wieder zu einer "Bruder Leichtfuß"-Attitüde.

Seit seinem Debüt im November 2020 verteidigte Simon seinen Platz im spanischen Tor, ganz gleich, wie groß und namhaft die Konkurrenz auch war. Bei der EM 2024 hatte er maßgeblichen Anteil am Turniersieg. Im WM-Finale hat er die Chance auf das nächste große Kapitel seiner Geschichte.

Pedro Porro

Wer soll bloß in die Fußstapfen von Dani Carvajal treten? Als sich der Rechtsverteidiger im Herbst 2024 einen Kreuzbandriss zuzog, musste de la Fuente diese Frage früher als gedacht beantworten. Und er erinnerte sich an einen Spieler, den er noch wenige Monate zuvor nicht zur EM mitgenommen hatte. Pedro Porro übernahm den Platz - und ist seither nicht mehr aus der "Furia Roja" wegzudenken.

Der 26-Jährige spielt seit 2023 für Tottenham Hotspur und gehörte dort in den jüngsten teils chaotischen Saisons zu den wenigen Säulen. Porro bringt nicht nur defensive Verlässlichkeit mit, sondern verfügt auch über einen guten Offensivdrang. Im Halbfinale gegen Frankreich stellte er diesen mit seinem Treffer zum 2:0 eindrucksvoll unter Beweis, auch beim 3:0 gegen Österreich traf er.

Seinen Treffer gegen die Franzosen widmete Porro seinem erkrankten Sohn, der wegen Fiebers nicht im Stadion sein konnte. Dass weder Bradley Barcola noch der für ihn eingewechselte Desire Doue auf dem linken Flügel zur Geltung kamen, lag vor allem auch an Porro. Vor dem Finale plagte sich der Abwehrspieler mit muskulären Problemen und trainierte nur individuell, soll gegen Argentinien aber spielen können.

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Pau Cubarsi

Trotz seiner erst 19 Jahre gehört Pau Cubarsi beim FC Barcelona längst zu den Leistungsträgern und auch im spanischen Nationalteam nimmt er inzwischen eine wichtige Rolle ein. Für die Teilnahme an der EM 2024 hatte es noch nicht gereicht, zwei Jahre später aber vertraut de la Fuente seinem Youngster fast blind.

Dabei überzeugt Cubarsi nicht nur als Abwehrspieler mit starken Zweikampfwerten. Seine Passgenauigkeit und Qualität im Spielaufbau sind ein wichtiger Faktor für das spanische Spiel. Teilweise agiert er wie ein zweiter Sechser und spielt auch viele lange Bälle. Von jugendlicher Nervosität ist bei ihm nichts zu sehen.

Doch Cubarsi versteht es auch, sich im richtigen Moment in der Offensive einzuschalten. Im Viertelfinale gegen Belgien war er es, der mit einem Gewaltschuss den belgischen Keeper Senne Lammens zum entscheidenden Fehler zwang, den Merino mit dem spanischen Siegtreffer bestrafte.

Für Cubarsi ist die WM 2026 bislang der Durchbruch auf internationaler Ebene. Überzeugt er auch gegen Argentinien im Endspiel, winkt ihm ein Platz im All-Star-Team der WM. Dass ihm eine glänzende Karriere bevorsteht, bezweifelt ohnehin längst niemand mehr.

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Aymeric Laporte

Als Aymeric Laporte im Sommer 2023 dem Ruf des Geldes folgte und nach Saudi-Arabien wechselte, erschien es durchaus denkbar, dass seine Nationalmannschaftskarriere vorbei ist. Für de la Fuente jedoch spielte es keine Rolle, dass sich der Innenverteidiger fortan auf deutlich niedrigerem Niveau bewähren musste. Bei der EM 2024 war er unumstrittener Stammspieler.

Seit vergangenem Jahr spielt Laporte wieder bei seinem Jugendverein Athletic Bilbao und stand für die WM eigentlich nie zur Debatte. Dort bilden Cubarsi und Laporte ein perfekt harmonierendes Duo aus Jugend und Erfahrung. Laporte fungiert als eine Art Mentor für seinen jungen Nebenmann, ohne es an sportlicher Qualität mangeln zu lassen. Vor allem in Luftduellen und bei langen Bällen überzeugt der 32-Jährige.

In einer eher jungen Mannschaft ist Laporte einer der Führungsspieler, der auf und neben dem Platz vorangeht. Dass er auch gegen die ganz großen Namen noch immer bestehen kann, zeigte sein Auftritt im Halbfinale gegen die Offensive der Franzosen eindrucksvoll.

Aymeric Laporte (2.v.r.) geht auch als Führungsspieler voran.

Bild: Bildbyran


Marc Cucurella

Mit inzwischen fast 28 Jahren ist Marc Cucurella im Kreis der besten Außenverteidiger der Welt angekommen. In Deutschland wird er aufgrund seines nicht geahndeten Handspiels bei der EM 2024 wohl nie wieder zu einem Getränk eingeladen, aber das dürfte dem Neu-Profi von Real Madrid herzlich egal sein. Die WM 2026 ist bislang auch ganz klar sein Turnier.

Der Linksverteidiger mit der markanten Frisur ist offensiv ein relevanter Faktor und leitet zahlreiche Angriffe ein, gegen Österreich lieferte er dabei sogar zwei Assists. Nach zuvor fast drei Jahren Abwesenheit wurde Cucurella erst im Frühjahr 2024 und damit wenige Monate vor der EM wieder für die Nationalmannschaft nominiert, seither ist er nicht mehr wegzudenken.

Zum Leidwesen von Alejandro Grimaldo, dem nur die Rolle des Backups bleibt, aber der quasi nie zum Zug kommt. Zu gefährlich agiert Cucurella offensiv, defensiv ist er ohnehin stärker, was er auch gegen Frankreich mit teils überragenden Tacklings unter Beweis stellte.

Wenig überraschend ist es daher, dass Real 55 Millionen Euro auf den Tisch legte, um Cucurella zu verpflichten. Ein Transfer zu den Königlichen könnte wohl nur durch einen WM-Titel getoppt werden.

Rodri

Längst vorbei ist die Leidenszeit des spanischen Kapitäns Rodri, der im Herbst 2024 auf dem Höhepunkt seines Schaffens einen Kreuzbandriss erlitt. Damals lag die wohl beste Saison seines Lebens hinter ihm, inklusive des EM-Titels, der ihm dann auch zum Ballon d'Or verhalf.

Bei der WM 2026 erinnert der inzwischen 30-Jährige wieder an exakt jenen Spieler, der damals die Maßstäbe auf der Sechserposition verschob. Rodri lenkt das Spiel, bestimmt den Rhythmus und überzeugt mit herausragenden Pässen. Gleichzeitig ist er der defensive Anker der Spanier und trägt mit seiner Antizipation und seinem Stellungsspiel dazu bei, die Abwehr zu entlasten.

Kurzum: Rodri ist der wichtigste Spieler Spaniens, der als Motor mit überragender Pass- und Positionsarbeit alles zusammenhält. Seine Führungsqualitäten ragen heraus. Als Sechser dürfte er es im Finale oft mit Lionel Messi als direktem Gegenspieler zu tun bekommen. Wollen die Spanier Argentinien schlagen, brauchen sie also ein Topspiel von Rodri.

Umgekehrt aber gilt: Reicht er an seine Topform heran, wird es für die Argentinier extrem schwer. Und sollte Spanien tatsächlich Weltmeister werden, könnte Rodri bei der Ballon-d'Or-Wahl womöglich wieder eine wichtige Rolle spielen.

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