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WM

WM 2026: FIFA greift nach Argentinien-Eklat durch - Mega-Sperre für Paredes & Co. ist aber immer noch zu wenig - ein Kommentar

Veröffentlicht:

von Carolin Blüchel

:newstime

Fifa leitet Verfahren gegen Argentinien ein

Videoclip • 01:03 Min • Ab 12


Die FIFA greift nach dem Eklat im WM-Finale vermeintlich hart durch. Doch die Mega-Strafen für Leandro Paredes und Co. tun sportlich kaum weh. Und auch der argentinische Verband kommt überraschend glimpflich davon. Abschreckung sieht anders aus - ein Kommentar.

Zehn Spiele Sperre, 90.000 Dollar Geldstrafe: Die FIFA langt bei Leandro Paredes nach den hässlichen Szenen im WM-Finale gegen Spanien ordentlich zu. Zumindest auf dem Papier.

Drei tätliche Angriffe werden dem Argentinier angelastet. Unter anderem packte er Gegenspieler Eric Garcia am Hals und riss Gavi brutal zu Boden.

Nahuel Molina wird wegen zweier tätlicher Angriffe und unsportlichen Verhaltens für sieben Spiele gesperrt und muss ebenfalls 90.000 Dollar zahlen. Für Thiago Almada gibt’s ein Spiel und 30.000 Dollar. Für Co-Trainer Roberto Ayala drei Spiele und 30.000 Dollar.

Was drakonisch klingt, hat einen Haken: Der sportliche Wert der Strafen ist überschaubar.

Denn die Sperren betreffen einzig die Nationalmannschaft. In ihren Vereinen dürfen Paredes und Co. weiter wüten. Und die nächste WM? Ist erst in vier Jahren. Bis dahin sind zehn Länderspiele längst abgesessen. Im Zweifel gegen so "namhafte" Gegner wie Aruba und die Turks- und Caicosinseln.

Bei Suarez' Biss zeigte die FIFA einst, was möglich ist

Wenn die FIFA tatsächlich ein abschreckendes Zeichen setzen wollte, hätte sie eine Sanktion wählen müssen, die die Übeltäter beim nächsten relevanten Wettbewerb wirklich trifft. Dass das möglich ist, weiß der Weltverband selbst am besten.

Als der Uruguayer Luis Suarez bei der WM 2014 Italiens Giorgio Chiellini in die Schulter biss, sperrte ihn die FIFA nicht nur für neun Länderspiele, sondern verbannte ihn zusätzlich für vier Monate von jeglichem Pflichtspielfußball.

Zugegeben: Suarez war einst bissiger Wiederholungstäter. Trotzdem zeigt der Fall, was möglich ist, wenn man nur will.

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FIFA: Samthandschuhe für den argentinischen Verband

Noch erstaunlicher ist die Milde gegenüber dem argentinischen Verband. Denn was nach dem Finale geschah, lässt sich kaum als Affekthandlung eines Einzelnen abtun.

Drei Spieler werden sanktioniert, dazu ein Mitglied des Trainerstabs. Tätliche Angriffe im Überfluss. Irgendwann stellt sich die Frage, wo individuelles Fehlverhalten endet und ein Problem der Mannschaft beginnt.

Zumal Argentinien schon während des Turniers negativ aufgefallen war. Nach dem Halbfinalsieg gegen England beispielsweise hielten die Spieler ein Banner mit der Aufschrift "Las Malvinas son Argentinas" in die Kameras: Die Falklandinseln sind argentinisch.

Das ist keine harmlose Fußballfolklore. Hier führten Großbritannien und Argentinien 1982 einen Krieg, nachdem die argentinische Militärjunta die unter britischer Kontrolle stehende Inselgruppe im Südatlantik besetzt hatte. Rund 900 Menschen starben.

Bis heute beansprucht Argentinien die Inselgruppe für sich. Mit dem Banner trugen die Spieler also einen realen, bis heute ungelösten territorialen Konflikt mit blutigem Kriegshintergrund auf den Fußballplatz. Obwohl politische Botschaften gemäß der Statuten ausdrücklich verboten sind.

England v Argentina - FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2026 - Semi Finals ATLANTA, GEORGIA - JULY 15: Cristian Romero of Argentina celebrates the victory and holds up a banner after winning the 2026 FIFA World Cup semifinal match between England and Argentina at Atlanta Stadium in Atlanta, Georgia, United States, on July 15, 2026. Jose Hernandez / Anadolu Georgia United States. Editorial use only. Please get in touch for any other usage. PUBLICATIONxNOTxINxTURxUSAxCANxUKxJPNxITAxFRAxAUSxESPxBELxKORxRSAxHKGxNZL Copyright: x2026xAnadoluxJosexHernandezx

Bild: IMAGO/Anadolu Agency


Argentinien immer wieder ein schlechter Verlierer

Die Rechnung für den AFA, den argentinischen Verband: eine Geldstrafe von 321.000 Dollar und zwei Heimspiele mit nur halb gefüllten Stadien. Furchteinflößend ist anders.

Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass hinter Argentiniens Schlechter-Verlierer-Mentalität ein System zu stecken scheint.

Wer an das deutsche Sommermärchen 2006 zurückdenkt, erinnert sich womöglich auch an dessen unrühmliches Ende für die Südamerikaner. Nach dem verlorenen Viertelfinale gegen Deutschland trat Leandro Cufre Per Mertesacker in den Unterleib. Maxi Rodriguez schlug Bastian Schweinsteiger von hinten mit der Faust auf den Kopf.

Zwanzig Jahre später fliegen nach einer argentinischen WM-Niederlage erneut die Fäuste. Natürlich kann man die Mannschaft von heute nicht für die Verfehlungen ihrer Vorgänger bestrafen. Aber von einer völlig außergewöhnlichen, einmaligen Entgleisung lässt sich eben auch schwer sprechen.

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Ersatzspieler Leandro Cufre (Argentinien, re.) tritt Per Mertesacker (Deutschland) nach Spielende in den Unterleib - PUBLICATIONxINxGERxAUTxJPNxHUNxONLY Fußball WM Herren WM 2006, Länderspiel, Nationalteam, Viertelfinale, Nationaltrikot, Deutschland - Argentinien 5:3 n.E Gruppe Reservist, Reservespieler, Auswechselspieler Berlin, Leibchen, Trainingsleibchen, Spannung, Wut, Fußball WM Herren WM 2006, Länderspiel, Nationalteam, Viertelfinale, Nationaltrikot, Deutschland - Argentinien 5:3 n.E Gruppe Reservist, Reservespieler, Auswechselspieler Berlin, Leibchen, Trainingsleibchen, Spannung, Wut,

Bild: Ulmer


WM-Ausschluss für Argentinien wäre möglich gewesen

Ein Ausschluss Argentiniens von einem zukünftigen Wettbewerb, zum Beispiel der WM 2030, wäre nach dem FIFA‑Regelwerk grundsätzlich möglich gewesen. Drastisch, aber ein echtes Signal.

Stattdessen erhärtet die FIFA einmal mehr den Eindruck, der Mannschaft um Superstar Lionel Messi einen Sonderstatus einzuräumen. Schon während der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko entstand bei einer Reihe umstrittener Entscheidungen genau dieser Eindruck.

Die Strafen für Paredes und Co. mögen auf den ersten Blick nach einem Exempel aussehen. In Wahrheit sind die Argentinier mit ihren Mega-Sperren noch glimpflich davongekommen.

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