Fußball
WM 2026: Nach Turnier-Aus folgt Razzia auf dem DFB-Gelände - Verband äußert sich
Aktualisiert:
von SIDran Fußball
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Videoclip • 02:04 Min
Den DFB erwartet nach dem Aus bei der WM die nächste böse Überraschung. Ermittler haben die Zentrale des Verbands durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht der Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme in Zusammenhang mit Tickets.
Schon wieder eine Endrunde im Visier der Justiz, erneut eine Razzia beim Deutschen Fußball-Bund (DFB): Fast genau ein Jahr nach dem Ende des Sommermärchen-Prozesses wird nun auch die EM 2024 von einer Affäre überschattet.
Es geht um den Verdacht der Korruption - konkret um Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme in Zusammenhang mit Eintrittskarten durch verantwortliche Organisatoren des Turniers in Deutschland.
Ermittler der Staatsanwaltschaft Bochum und des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen haben deshalb am Mittwoch mit Unterstützung der örtlichen Polizeibehörden Durchsuchungen an mehreren Orten im Bundesgebiet durchgeführt.
Dabei wurde auch die DFB-Zentrale in Frankfurt/Main durchsucht. Das bestätigte der DFB dem "SID". Unter die Lupe wurden zudem zahlreiche Stadtverwaltungen genommen.
"Die Ermittlungen betreffen weder den DFB als Organisation noch einzelne Mitarbeitende oder Verantwortliche", teilte der DFB dazu mit: "Der DFB ist in diesem Verfahren vielmehr lediglich als Zeuge beteiligt und hat gegenüber den Behörden umfassende Kooperation zugesagt."
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Exklusive Ticket-Vorkaufsrechte für Gastgeberstädte?
Es besteht der Verdacht, dass Mitarbeiter der Gastgeberstädte illegal zu EM-Spielen eingeladen worden sind und Eintrittskarten zu Vorzugskonditionen erhalten haben. Verantwortlich dafür sollen Beschäftigte bei der Organisationsgesellschaft gewesen sein.
"Gegenstand der Ermittlungen sind mutmaßlich gewährte, nicht genehmigte Vorteile, unter anderem in Form eines Fußballländerspielbesuches, die ein damals für eine Gastgeberstadt tätiger Beschuldigter von hierfür Verantwortlichen der ausrichtenden Gesellschaft erhalten haben soll", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Bochum und des LKA NRW.
Organisiert wurde die EM-Endrunde von der EURO 2024 GmbH. Die Gesellschaft war ein Joint Venture des DFB mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Die Gesellschaft mit Sitz in den früheren DFB-Räumlichkeiten in Frankfurt/Main gehörte mehrheitlich der UEFA an.
Die Gesellschaft organisierte die Endrunde unter anderem im Zusammenspiel mit den Austragungsorten, bei denen Mitarbeiter ins Visier der Ermittler geraten sind.
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DFB-Razzia: Vorwurf der Bestechung?
"Daneben sollen den Gastgeberstädten von insoweit Verantwortlichen der ausrichtenden Gesellschaft auch exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten angeboten worden sein, die seitens der Gastgeberstädte zum Teil in Anspruch genommen und auf unterschiedliche Art verwendet worden sind", erklärten die Staatsanwaltschaft Bochum und das LKA NRW: "Die Beschuldigten hatten bislang keine Gelegenheit, sich zu den erhobenen Vorwürfen zu äußern. Es gilt die Unschuldsvermutung."
Laut der "Bild" geht es unter anderem um einen Franzosen, der bei der GmbH für die Beziehungen zu den Austragungsorten zuständig war. Er soll EM-Verantwortliche bei den Städten zu Partien eingeladen und Eintrittskarten an sie verteilt haben. Es soll um mehrere Tausend Tickets gehen. Ausgangspunkt der Ermittlungen ist demnach ein Fall eines Ex-Verwaltungsmitarbeiters aus Gelsenkirchen.
NRW-Innenminister Herbert Reul sagte dem Boulevardblatt: "Ein Fußball-Ticket ist kein Gehaltsbestandteil. Wer im öffentlichen Dienst die Hand aufhält, bekommt von uns Besuch." Großveranstaltungen wie eine Fußball-EM würden vom Vertrauen der Menschen leben. "Dieses Vertrauen lassen wir nicht durch ein paar Einladungen und Eintrittskarten beschädigen", betonte der CDU-Politiker.
Dem Bericht zufolge werden im Rahmen des Verfahrens die Stadtverwaltungen Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart und München durchsucht. Außerdem betrifft die Razzia zwei Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, ein Unternehmen in Bayern und eben die DFB-Zentrale als damaligem Sitz der "Euro 2024 GmbH". Weiter heißt es, bei der Stadtverwaltung Leipzig werde ein sogenanntes Herausgabeersuchen vollstreckt.
DFB diesmal wohl nicht in Ermittlungen involviert
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bochum wollte gegenüber dem "SID" allerdings keine Details bestätigen, die über die gemeinsame Erklärung mit dem LKA NRW hinausgehen.
Da sich die Ermittlungen gegen einzelne Personen richten, scheint der DFB als Verband diesmal nicht involviert zu sein. Am Ende des Sommermärchen-Prozesses rund um die dubiosen Geldflüsse bei der WM 2006 war der DFB zu einer Geldstrafe in Höhe von 130.000 Euro verurteilt worden. Gegen das Urteil ging der DFB in Revision, der Fall liegt nun beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
In der Folge des WM-Skandals war dem Verband die Gemeinnützigkeit für 2006 aberkannt worden, 22 Millionen Euro musste der DFB an Steuern nachzahlen. Dagegen legte der Verband Einspruch ein. Der DFB kämpft um die Rückerstattung seiner Steuernachzahlung.
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