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Leichtathletik

Leichtathletik-EM: Deutschlands neues Selbstverständnis ist Werbung für Olympia - ein Kommentar

Aktualisiert:

von Gianluca Fraccalvieri

:newstime

Medaillenregen bei Leichtathletik-EM

Videoclip • 32 Sek • Ab 12


Die Leichtathletik-EM ist Geschichte und der deutsche Verband war so erfolgreich wie seit 28 Jahren nicht mehr. Besonders auffällig ist dabei das neue Selbstverständnis der DLV-Athletinnen und Athleten, was ein wichtiger Fingerzeig in Richtung Olympia-Bewerbung ist. Ein Kommentar.

Was war das für ein Fest in Birmingham! Eine Woche lang verzauberten die Athletinnen und Athleten bei der EM in England die Fans im Stadion und vor den TV-Geräten.

Während die Zuschauer vor Ort vor allem für ihre britischen und irischen Lieblinge jubelten, war auch in Deutschland die Begeisterung groß. Die Europameisterschaften sorgten für tolle TV-Quoten, 4,3 Millionen Fans verfolgten beispielsweise Owen Ansahs historischen Goldlauf zur Primetime am Freitagabend. Bei den 14 bis 49-Jährigen lag der Marktanteil sogar bei unfassbaren 34,1 Prozent.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr, sondern ist eine Folge der harten Arbeit der Athletinnen und Athleten.

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Leichtathletik-EM: Deutschland ist wieder eine Laufnation

Nach den herben Niederlagen bei der EM 2024 (nur eine Goldmedaille für Malaika Mihambo, Platz 11 insgesamt) und der WM 2025 (eine Goldmedaille für Leo Neugebauer, ebenfalls Platz 11) hatte der Verband einiges zu beweisen – und tat dies auch.

In Birmingham waren nach dürren Jahren die Wurfdisziplinen wieder fest in deutschen Händen, hinzu kamen die dominanten Auftritte im Zehnkampf (Doppelsieg). Besonders ist aber, dass Deutschland endlich wieder Ansprüche als Laufnation angemeldet hat.

Ob Ansah seine Medaillen behalten darf, wird sich wohl erst in vielen Monaten zeigen, ein Deutscher in der europäischen Sprintspitze ist aber so oder so ein unglaublich wichtiges Zeichen. Nicht umsonst gelten die 100 m als Königsdisziplin der Leichtathletik. Aber auch die Mixed-Staffel und die Langstreckendisziplinen haben starken Eindruck hinterlassen – ganz unabhängig von ihrem sportlichen Erfolg.

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Leichtathletik-EM: Deutschlands neues Selbstverständnis

Neben den Medaillen beeindruckten die Sportlerinnen und Sportler nämlich mit ihrem Ehrgeiz. Man erinnere sich nur an Owe Fischer-Breiholz, der nach einem starken fünften Platz über die 400 Meter Hürden bei seinem EM-Debüt am "ARD"-Mikrofon am Boden zerstört war und "noch nie so eine Enttäuschung gespürt" haben will.

Ähnlich erging es Karl Bebendorf, der sich über seine Bronzemedaille nach einem irren Endspurt über die 3000 Meter Hindernis gar nicht richtig freuen konnte, weil das Ergebnis "sehr enttäuschend" sei. Mit jeder Menge Selbstbewusstsein ging auch der Leipziger Robert Farken ins Finale über die 1500 m ("Ich möchte das Rennen gewinnen"), auch wenn er am Ende abreißen lassen musste und nur Neunter wurde.

Dieses neue Selbstbewusstsein zeigt sich auch bei Speerwerfer Julian Weber, der fünf Versuche lang haderte und mit seinem Anlauf kämpfte – nur um dann im entscheidenden finalen Versuch mit 90,60 Metern einen neuen EM-Rekord zu werfen. Mit dieser Weite wäre er übrigens auch in drei der vergangenen vier Ausgaben Olympiasieger geworden.

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Olympische Spiele bald in Deutschland?

Am Ende dieser EM stehen 21 Medaillen. Sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze, was Rang drei hinter Italien und Großbritannien bedeutet und das beste Ergebnis des DLV seit 28 Jahren ist.

Das ist nicht nur für die Entwicklung des Verbands wichtig, sondern auch ein wichtiger Fingerzeig in Richtung Olympia-Bewerbungen. Der Olympische Sportbund (DOSB) plant Bewerbungen für die Spiele 2036, 2040 oder 2044.

Um die Kommission zu überzeugen, braucht es dabei genau solche Ergebnisse und auch solch ein Selbstverständnis.

Im krassen Gegensatz dazu standen die Olympischen Winterspiele Anfang des Jahres, als nach einem schwachen fünften Platz das gesamte deutsche Sportsystem (zurecht) hinterfragt wurde und von allen Seiten Kritik auf die Verbände einprasselte.

Leichtathletik-EM: Die Konkurrenz wird bei der WM eine andere sein

Bei aller Lobhudelei darf man allerdings nicht vergessen, dass das Turnier in Birmingham "nur" eine Europameisterschaft war. Wenn es nächstes Jahr nach Peking zur WM geht, werden die Karten wieder neu gemischt.

Vor allem auf der Laufbahn kommt dann die schier überschmenschliche Konkurrenz aus den USA, Jamaika und vielen anderen Teilen Afrikas hinzu.

Denkt man sich nun also die vier goldenen, die fünf silbernen und die drei bronzenen Medaillen aus den Laufdisziplinen weg, sieht die Bilanz schon gar nicht mehr so gut aus.

Dennoch sollte die EM als Erfolg betrachtet werden – auf dem man sich allerdings nicht zu lange ausruhen sollte. Mit der engen Taktung der Leichtathletik kann die Welt in einem Jahr schon wieder ganz anders aussehen.

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