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Leichtathletik

Leichtathletik-EM 2026 - Zwischen Hoffnung und Verbannung: Birmingham könnte Ansahs Endlauf werden

Veröffentlicht:

von SID

17:30 SAT.1 Bayern

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Videoclip • 48 Sek • Ab 12


Owen Ansah läuft trotz bevorstehender Sperre bei der EM. Noch ist sein Fall ein nationales Thema - mit einer Medaille würde sich das ändern.

Auf den ersten Blick wirkte bei Owen Ansah alles wie "business as usual".

Der schnellste Deutsche der Geschichte bereitete sich in Birmingham wie gewohnt auf seinen Wettkampf vor, im Nationaldress, akribisch, konzentriert, fokussiert. Doch gewöhnlich ist bei Ansahs EM-Start über 100 m am Dienstag nichts.

Wegen eines verweigerten Dopingtests soll der Hamburger mindestens drei Jahre gesperrt werden. Dennoch läuft er. Unter Vorbehalt, denn alle EM-Ergebnisse würden mit Inkrafttreten einer Sperre nachträglich gestrichen.

"Ich kann Sachen gut ausblenden. Und ich habe in den vergangenen Tagen gezeigt, dass ich es gut kann", sagt der 25-Jährige, der drittbester Europäer des Jahres und für das Halbfinale (21.32, Finale 22.47 Uhr) gesetzt ist. Bislang hielt er dem mentalen Druck stand.

Owen Ansah: Unmut von Gegnern wie Zuschauern wäre zwangsläufig

Vor Birmingham ist sein Fall durch den Sanktionsbescheid der Nationalen Anti Doping Agentur aber eskaliert. Und dort läuft Ansah erstmals seit Affären-Beginn international. Noch ist der Fall weitgehend nationales Thema. Das würde sich mit einer Medaille schlagartig ändern: Ein Athlet mit einer solchen (Vor-)Geschichte auf dem Podest - Unmut von Gegnern wie Zuschauern wäre zwangsläufig.

An seinen Ambitionen ließ Ansah keine Zweifel. "Mein Ziel ist es, Deutschland wieder auf die Landkarte zu bringen. Zu zeigen, wir sind auch schnell." Das sagte Ansah am Donnerstag in Frankfurt. 24 Stunden später verschickte die NADA das Schreiben, das den deutschen Rekordhalter (9,98) langfristig von der Leichtathletik-Landkarte entfernen könnte.

Die NADA will Ansah vier Jahre sperren, weil er im Juli einen Dopingtest verweigert haben soll, zudem würden alle Ergebnisse seit dem "Testversuch" gestrichen. Wenn Ansah zeitnah zustimmt, kommt er mit drei Jahren davon. Selbst dann würde in besten Sprinterjahren zwei Weltmeisterschaften und Olympia 2028 verpassen.

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Owen Ansah: Lage ist verfahren

Deshalb werde Ansah den NADA-Vorschlag "nicht akzeptieren", teilte sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh mit. Ansah, da nicht suspendiert, reiste nach Birmingham. Mit Rückendeckung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der nur einen Staffeleinsatz Ansahs ausschloss - auch dieses Ergebnis würde annulliert.

Ansahs Lage ist verfahren, ein Ausweg kaum erreichbar. Er und Cherkeh wollen der NADA in folgendem Sachverhalt Verfahrens- und Deutungsfehler nachweisen: Im Juli stand Ansah einem NADA-Kontrolleur gegenüber, zur Probenabgabe kam es nicht, weil Ansah einerseits zum Flieger Richtung Wettkampf in Monaco unterwegs und andererseits kurz zuvor auf Toilette gewesen war. Das wertete die NADA als verweigerten Dopingtest, der wie ein positiver Test gehandhabt wird.

"Unser Mandant hat sich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingkontrolle durchzuführen", sagt Cherkeh: "Er hat zu keinem Zeitpunkt die Abgabe einer Probe abgelehnt, zu keinem Zeitpunkt gesagt oder den Eindruck erweckt, dass er eine Dopingkontrolle nicht durchführen wolle." Zudem, sagt Ansah, sei er nicht über die Konsequenzen eines "Nicht-Tests" aufgeklärt worden. Die NADA bestreitet dies ausdrücklich.

Owen Ansah: Verfahren könnte sich lange hinziehen

Ein sportrechtliches Verfahren könnte sich lange hinziehen. Und eine Sperre begänne erst "ab einer finalen Entscheidung", so die NADA. Im Fall der positiv getesteten Skilanglauf-Olympiasiegerin Victoria Carl lagen zwischen (letztlich abgelehntem) NADA-Bescheid und der Entscheidung des angerufenen Deutschen Sportschiedsgerichtes rund sechs Monate. Sollte das Schiedsgericht pro Ansah urteilen, würde der Fall mit ziemlicher Sicherheit vor dem CAS landen.

Wenn Ansah all dies in Birmingham wirklich ausblenden und sportlich glänzen könnte, wäre dies eine mentale Meisterleistung. Womöglich aber eine ohne Wert. Birmingham könnte für ihn der "Endlauf" werden.

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